KMK-Präsidentin Eisenmann zu IGLU: “Uns ist klar, dass wir darauf reagieren müssen”

12

BERLIN. Angesichts teils schlechter Leseleistungen der Grundschüler in Deutschland wollen die Bundesländer ihre Förderprogramme verbessern. «Uns ist klar, dass wir darauf reagieren müssen», sagte die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Baden-Württembergs Bildungsministerin Susanne Eisenmann (CDU), in Berlin am Rande der letzten KMK-Sitzung in diesem Jahr.

Die Ergebnisse der jüngsten Internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung (IGLU) seien «schlicht schlecht». Laut der Studie stieg der Anteil der Viertklässler mit einer nur rudimentären Lesefähigkeit von 16,9 Prozent im Jahr 2001 auf 18,9 Prozent 2016. Nun werde die Wirksamkeit einzelner Förderprogramme der Länder unter die Lupe genommen, sagte Eisenmann. Beantwortet werden solle: «Was funktioniert wo? Wie kann das auf einzelne Länder übertragen werden?» dpa

IGLU offenbart: Fast jeder fünfte Viertklässler kann nicht vernünftig lesen – Studienleiter Bos: “Eine Schande!”

Anzeige


Anzeige


12 KOMMENTARE

  1. Das Problem ist nicht, dass wir nicht wissen, wie es geht, sondern dass wir nicht dazu kommen, es ein- und umzusetzen. Was am meisten fehlt, ist Zeit !!!

    Dass hier und da und dort (an allen Schularten) von manchem eine mehr oder weniger passende Methode eingesetzt wird, sehe ich nicht als Hauptproblem. Ein guter Lehrer merkt sowieso, was funktioniert und was nicht und ändert dann sein Vorgehen entsprechend.

    Wir sind (fast) alle ausgebildete Lehrer. Die Kinder haben früher auch Lesen, Schreiben, Rechnen gelernt. Da können die alten Methoden nicht so falsch gewesen sein. Wozu also neue?

    • “Die Kinder haben früher auch Lesen, Schreiben, Rechnen gelernt. Da können die alten Methoden nicht so falsch gewesen sein. Wozu also neue?”

      Zum Beispiel wegen der Kompetenzorientierung, die man überall und in allen Fächern verfügt hat. Ironie: Das hat man genau deshalb getan, um die Ergebnisse bei internationalen Vergleichsstudien zu verbessern (damals TIMSS und PISA). Nachteil der “alten Methoden” war, dass eben auch wiederholt geübt wurde, auch mit Hausaufgaben. Heute gibt’s dafür mehr Projektwochen und andere Ablenkungen, und Hausaufgaben sind in den Verruf geraten, die soziale Gerechtigkeit zu behindern. Das Sitzenbleiben auch.

      Ein alter Spruch von Hermann Giesecke: “Fast alles, was die moderne Pädagogik für fortschrittlich hält, benachteiligt Kinder aus bildungsfernem Milieu.”

      • Große Zustimmung. Schwache Schüler werden noch schwächer, gute Schüler leider aufgrund der Anforderungsreduktion kaum besser als vorher. Die wichtigsten Kompetenzen — blödes Wort, ich weiß –, nämlich Fleiß, Durchhaltungsvermögen, Frustrationstoleranz, Ehrgeiz, werden von den guten Schülern mangels Anforderungen nicht mehr gelernt oder gefördert..

        • Das sollte deshalb meiner Meinung nach viel mehr in den Vordergrund gerückt werden, z.B. in Form von regelmäßigen Verhaltensnoten – am besten monatlich.

          • Man sollte aber dazu insbesondere den guten Schülern Anreize geben, sich auch mal anstrengen zu müssen. Sie haben selbst nichts davon, andauernd als “Aushilfslehrer” eingesetzt zu werden.

  2. Stimme allem hier zu! Und wenn ich mit den Kindern mehr lesen üben soll, benötige ich kleinere Klassen, mehr Räume und Förderstunden die nicht als Krankheitsvertretungsstunden umverteilt werden dürfen!

  3. Die fachdidatischen Hinweise zum Schriftspracherwerb in NRW ,siehe pdf Fachdidaktische Hinweise Deutsch-Schulentwicklung NRW, müssen dringend überarbeitet werden und von diesen kruden Methoden im eigeninitiativen Schriftspracherwerb nach Brügelmann/Brinkmann, entkernt werden.
    Es ist einzufordern als Leitlinien Silben-analytische und analytisch-synthetische Methoden in strukturierten Lehrgängen zu vermitteln.
    Was nutzt einem Methodenvielfalt, wenn die Haupt-und Orthographeme nicht strukturiert vermittelt werden, die Eltern beim Erlernen des Lesens sich nicht ausreichend einbringen, wenn diese das leisten könnten, aber alle Verantwortung an die Lehrer abschieben.
    Wer falschen Medienkonsum seinen Kindern vorlebt, der dient nicht gerade als Vorbild für den eigenen Nachwuchs. Gemeinsames Lesen mit den Eltern kann zum Erlebnis werden und gehört als abendliches Vorlesen zum Wohlfühlrepertoire von Eltern für ihre Kinder.

  4. Die RAHMENBEDINGUNGEN stimmen hinten und vorne nicht! Man kann dafür unzählige, haarsträubende, Beispiele nennen. An meiner Schule ist es so, dass alle früheren Materialräume (insgesamt 5) im Zuge der Inklusion als Räume für die Einzelförderung von Förderschülern genutzt werden. Will man also den Materialkoffer mit den Geobrettern holen, muss man erstmal stören und sich in einem viel zu engen Raum an Kindern und Förderlehrerin vorbeidrängeln. Generell gibt es bei uns zu wenig Material – auch für die anderen Kinder. Die meisten Kolleginnen haben deshalb privat das angeschafft, was für einen normalen, anschaulichen und handlungsorientuerten Unterricht nötig ist. Für unsere Schule gilt, dass wir mit unserem privaten Geld das kompensieren, was die Kommune (bzw. der Staat) uns trotz des staatlichen Bildungsauftrags nicht zur Verfügung stellt. Ich kann hier aber nur für meine Schule (in Thüringen) sprechen.

    • Das Unterstreiche ich voll!
      Die größten Teile der Unterrichtsmaterialien in meinem Klassenzimmer gehören mir persönlich. Ich investiere jedes Jahr eine Menge Geld, da ich nicht mehr darauf warten will, dass wir Gelder dafür bekommen was wir wirklich bräuchten. Die Kinder freuen sich über das ansprechende Übungsmaterial und die Eltern auch. Nur leider ist ihnen nicht klar, das ein Teil meines Gehalts dafür draufgeht. Selbst Büromaterial wie Tesafilm soll ich selbst besorgen und dann über die Eltern abrechnen. Das bedeutet nicht nur Aufwand in der Bestellung, sondern auch Aufwand in der Kostenberechnung und der Umverteilung auf die Eltern. Inklusive des Stresses. Das Geld einzutreiben.

      • Sie wissen, dass die Kommune darauf spekuliert?

        Büromaterial & co würde ich nur für das heimische Arbeitszimmer selbst bezahlen. Bei Übungsmaterial überlege ich mir immer, ob ich es kaufe oder nicht. Die Übungshefte zu diversen Schulbüchern kaufe ich, viele als Kopiervorlagen vertriebene Materialien sind mir zu teuer, die Online-Geschichten sowieso.

      • Genau, so ist es! Bis auf die Grundeinrichtung finanzieren wir unsere Einrichtungen und Materialien zum größten Teil selbst. Es heißt, entweder wir begnügen uns mit dem, was uns zur Verfügung gestellt wird oder wir müssen das selbst finanzieren. Bei uns an der Schule hat jede Klassenlehrkraft mindestens ein Regal selbst angeschafft, weil die Grundeinrichtung nicht ausreicht. Alles, was die Schule nicht hat, z.B. Ordnungssysteme (Ablagen) für einen offenen Unterricht, Tokensysteme, Laminierfolien, besondere Papiere, gewisse Freiarbeitsmaterialien usw. bezahlen wir selbst. Für einen guten Unterricht in der Grundschule braucht es vielfältige Materialien. Alles können wir nicht auf die Schüler umlegen, sonst gibt es Stress mit den Eltern.

        • Man muss bedenken, dass die Kommunen die eingeführten Schulbücher offiziell nicht auch als Arbeits”gerät” für die Lehrer anschaffen. Die meisten Lehrer bekommen sie zwar als Prüfstücke vom Verlag ohnehin zugeschickt, eine Frechheit ist es trotzdem.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here