Streit um Uni-Namen vor der Entscheidung – Hunderte Demonstranten gehen für Arndt auf die Straße

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GREIFSWALD. Im seit rund einem Jahr teils erbittert geführten Streit um Ernst Moritz Arndt als Namenspatron der Greifswalder Universität soll kommende Woche der Senat endgültig entscheiden. Die Fronten pro und kontra Arndt gehen quer durch die Uni und Stadtbevölkerung. Am Samstag demonstrierten rund 600 Menschen für die Beibehaltung des Uni-Namens.

Im Streit um den Namenspatron der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald haben am Samstag mehrere hundert Menschen für die Beibehaltung des Namens demonstriert. Nach Polizeiangaben beteiligten sich rund 600 Menschen an der Aktion. Die Veranstalter sprachen von 700 bis 800. Wenige Tage vor der Entscheidung des Uni-Senats, dem höchsten Hochschulgremium, wollten sie damit nochmals Druck ausüben, die von mehreren Senatoren beantragte Namensablegung zu verhindern. Diese sei ein «Anschlag auf unsere Demokratie und Freiheit», sagte der CDU-Politiker Sascha Ott auf dem Greifswalder Marktplatz. «Arndt war ein Politiker mit Rückgrat und ein Symbol für Freiheit und Selbstbestimmung.»

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Zwiespältiger Namenspatron: Ernst Moritz Arndt. Illustration: Wikimedia Commons
Zwiespältiger Namenspatron: Ernst Moritz Arndt. Illustration: Wikimedia Commons

Der in Pommern geborene Arndt (1769-1860), Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung und Kämpfer für ein einheitliches Deutschland, ist wegen nationalistischer und antisemitischer Äußerungen umstritten. Der Name war der Universität 1933 zuerkannt worden.

Der Senat der Uni hatte bereits im Januar vergangenen Jahres mit der erforderlichen Zweidrittelmehrheit beschlossen, den Namen abzulegen. Die Begründung: Das Festhalten am Namen könnte die Anwerbung internationaler Studierender und Wissenschaftler und die Vermarktung der Uni als Ort einer fortschrittlichen Wissenschaft erschweren. Den Beschluss erkannte später das Bildungsministerium wegen formaler Mängel nicht an. Darauf entbrannte in Greifswald ein hitziger, teils unsachlicher Streit. Ein Teil der Greifswalder sprach sich für ein Festhalten an Arndt aus. Man werde sich den Namen nicht nehmen lassen, hieß es.

Die Universität beseitigte die Rechtsmängel und führte im November eine Meinungsumfrage unter den Uni-Mitarbeitern und Studierenden durch. Knapp 49 Prozent der an der Umfrage teilnehmenden Studierenden, Professoren und Mitarbeiter stimmten für Arndt. Rund 34 Prozent votierten für die Namensstreichung. Für rund 15 Prozent waren beide Varianten gleichermaßen akzeptabel. An der Umfrage, die nicht rechtsverbindlich ist, nahm rund ein Drittel der etwa 15 100 Universitätsmitglieder teil. In einer später durchgeführten studentischen Urabstimmung lagen die Arndt-Gegner knapp vor den Arndt-Befürwortern.

Am Mittwoch – fast genau ein Jahr nach der ersten Entscheidung – tagt nun erneut der Uni-Senat. Abgestimmt werden soll zunächst über das Streichen des Namens. Sollte dieser Antrag scheitern, kommen zwei Kompromissanträge zur Abstimmung: Universität Greifswald mit dem optionalen Zusatz «Ernst Moritz Arndt» beziehungsweise der Beibehaltung des bestehenden Namens mit der Option, auf Universität Greifswald zu verkürzen. Sollten alle drei Anträge an der Zweidrittelmehrheit scheitern, bliebe es bei der bestehenden Bezeichnung.

Für die Demonstranten – wie den CDU-Bundestagsabgeordneten Philipp Amthor – ist ein Kompromiss keine Lösung. Den Arndt-Gegnern warf Amthor Geschichtsklitterung vor und forderte die Senatoren auf, den Namenstreit beizulegen. Der pensionierte Bürgermeister von Greifswald, Arthur König (CDU), sagte, die Universität sei auch mit dem Namen weltoffen. «Es gibt keinen zwingenden Grund, den Namen abzulegen.» (dpa)

Meinungsumfrage an Uni Greifswald zum Namenspatron Arndt startet – behalten oder ablegen?

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4 KOMMENTARE

  1. Diese ganze Kontroverse ist Teil der modischen Denke, alle historischen Vorgänge nicht mehr aus ihrer Zeit heraus, sondern mit dem moralischen Anspruch und aus den moralischen Kategorien der 2010er Jahre zu betrachten, also aus dem Blickwinkel einer durch 2000 Jahre Christentum, 300 Jahre Toleranz, 200 Jahre Menschenrechte und 50 Jahre unvergleichlichen Wohlstand geprägten Gesellschaft.
    Wer die Vergangenheit und ihre Vertreter mit diesem Maßstab neu bewertet, landet in aller Regel bei Ablehnung und Abwertung. So können weder Aristoteles noch Karl der Große, weder Hildegard von Bingen noch Martin Luther, weder Albert Schweitzer (der auch “Neger” gesagt hat!!) noch die heilige Elisabeth vor dem Richterstuhle z.B. von Richard David Precht oder des Stupa der Uni Greifswald bestehen.

  2. Fast jede Person der deutschen Geschichte aus der Zeit vor 1933 ließe sich aus unserem Erziehungsbild heraus , aus ihrer gesellschaftlichen Stellung, ihren Äußerungen und Ansichten, sowie ihrem Denken als ablehnungsbedürftig abstrafen, wenn man die Maßstäbe dieser Damen und Herren anlegt.
    Dabei muss man eigentlich die zeitgeschichtliche Einordnung der Personen in die Beurteilung mit einbeziehen. Wer maßt sich an Lutter wegen seiner antisemitischen Äußerungen abzuurteilen, und wer Friedrich den Großen wegen der von ihm geführten Präventivkriege gegen Sachsen und Österreich.
    Diesen Leuten fehlt Geschichtsbewusstsein und die Zusammenhänge für Geschichte.

  3. Die Menschen die solche Debatten los treten glaube auch Sie sind die Krone der Schöpfung. Um so schlauer die Menschen um so mehr Leid gibt es in dieser Welt. Ernst-Moritz-Arndt hat die Demokratie in Deutschland mit begründet. Aber man schaut auf einmal auf das Gesellschaftliche Denken vor 200 Jahren und vermischt es mit der Sichtweise von 2018. Die Sichtweise was besseres zu sein als die eigenen Vorfahren ist auch nur die reinste Form von Besserwisserei.

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