Das neue Rauchen – Lungenärzte warnen vor Trend zu Shishas und E-Zigaretten bei Jugendlichen

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DRESDEN. Jugendliche greifen heute wesentlich seltener zur Zigarette als die Generationen vor ihnen. Die jahrzehntelange intensive Präventionspolitik scheint zumindest auf dem Gebiet des Tabakkonsums Wirkung zu zeigen. Der Anteil der Raucher ist auf einem historischen Tiefstand. Doch die Präventionserfolge sind bedroht. Aktuelle Zahlen zeigen, dass bunte, peppige Shishas und E-Zigaretten eine große Anziehungskraft auf Kinder und Jugendliche ausüben und die Tabakindustrie sucht neue Wege und Produkte, die jungen Zielgruppen zu erreichen. Wissenschaftler warnen vor unabsehbaren Konsequenzen.

Rauchen ist tödlich. Was auf jeder Zigarettenschachtel steht, ist offenbar nach Jahrzehnten gezielter Aufklärungsbemühungen in den Köpfen von Jugendlichen angekommen. Die Zigarette ist out.

Die Zigarette hat für Jugendliche kaum noch Bedeutung, doch neue Formen des Rauchens könnten an ihre Stelle treten und die gesundheitlichen Folgen sind noch unklar. Foto: 422737 / pixabay (CC0 Creative Commons)
Die Zigarette hat für Jugendliche kaum noch Bedeutung, doch neue Formen des Rauchens könnten an ihre Stelle treten und die gesundheitlichen Folgen sind noch unklar. Foto: 422737 / pixabay (CC0 Creative Commons)
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Seit 2001 ist der Anteil der 12- bis 17-jährigen die rauchen, stetig zurückgegangen, von 27,5 Prozent auf knapp unter 10 Prozent im Jahr 2015. Wie Zahlen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zeigen, rauchten dabei unter den Gymnasiasten die wenigsten (3,2 Prozent), während unter Hauptschülern die meisten Raucher zu finden waren (9,3 Prozent).

Auch die Betrachtung nach Altersgruppen ergibt ein positives Bild: Nach den über 70-jährigen wiesen die 15- bis 19-jährigen den niedrigsten Raucheranteil auf. Der Kampf gegen das Nikotin scheint weitgehend gewonnen und das Rauchen könnte in der kommenden Generation zum Randphänomen werden, so das sich die Drogenprävention anderen, wichtigeren Themen zuwenden kann.

Ganz so einfach ist die Lage nicht. Denn wie schon beim Alkohol mit Alkopops und Biermixgetränken zu beobachten, sind neben den herkömmlichen Tabakerzeugnissen in den letzten Jahren weitere nikotinhaltige Produkte entwickelt und auf den Markt gebracht worden, die auf die jugendliche Zielgruppe eine besondere Faszination ausüben.

„E-Shishas und E-Zigaretten sind in den Lebenswelten von Jugendlichen präsent“, heißt es ietwa n einer Pressemeldung der BZgA aus dem Jahr 2015. Schätzungsweise Rund 1 Millionen Deutsche rauchten 2016 regelmäßig E-Zigaretten. „Der süße Geschmack der E-Zigarette und das breite Angebot an Aromastoffen, machen das Dampfen vor allem bei jungen Menschen beliebt und erhöhen die Akzeptanz für das Rauchen“, warnt der Pneumologe Peter Kardos.

Einen Entwicklung, die auch BZgA-Leiterin Heidrun Thaiss Sorge bereitet. Der Trend zum Nichtrauchen sei ungebrochen, sagt sie. Doch „trotz dieser erfreulichen Entwicklung ist das zunehmende Ausprobieren von E-Shishas und E-Zigaretten bei den Jüngeren für uns Anlass zur Besorgnis. In Deutschland gebe es (2015) rund 500.000 Jugendliche, die noch nie eine Tabakzigarette geraucht, aber bereits E-Produkte konsumiert haben.

Besonders die Wasserpfeife ist bei Jugendlichen beliebt. Die Konsumerfahrungen 15- bis 18-jähriger aus Frankfurt etwa lagen 2017 bei Shishas deutlich höher, als bei Zigaretten (54 Prozent gegen 45 Prozent), wie die Frankfurter Goethe-Universität ermittelte. Nach Angaben der DAK rauchen bundesweit 15 Prozent der Zehntklässler regelmäßig Shisha.

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Die Bemühungen der Gesundheitsprävention, diesem Trend zu begegnen sind nur zum Teil von Erfolg gekrönt. Zwar stellt der aktuelle Drogen- und Suchtbericht der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler fest, dass der Konsum von E-Zigaretten bei Jugendlichen nach dem Verbot der Abgabe an unter 18-jährige im Jahr 2016 zurückgegangen ist. Dem gleichen Bericht zufolge weisen jedoch Studien darauf hin, dass im Vergleich zu Erwachsenen gerade unter Jugendlichen der Anteil besonders hoch ist, die E-Zigaretten und Shishas überhaupt ausprobieren (sogenannter „Jemals-Konsum“).

Experten sehen darin auch einen Erfolg von Marketingkampagnen der Tabakindustrie, die E-Zigaretten als „gesündere Alternative“ zur Tabakzigarette bewerben. „Tabakkonzerne steigen in das E-Zigarettengeschäft ein, um das Image des Rauchens zu verbessern und mehr junge Menschen zum täglichen Konsum zu verleiten“, resümiert Peter Kardos.

Anlässlich eines Kongresses in Dresden zeigt sich denn auch die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) besorgt. Zigaretten, Shishas und Heat Sticks machten junge Menschen nikotinabhängig und ebnen den Weg in den Tabakkonsum, heißt es in einem Positionspapier. Inhalationsprodukte wie E-Zigaretten und Wasserpfeifen seien gesundheitsgefährdende Suchtmittel sind und sollten deshalb den gleichen gesetzlichen Regularien unterliegen wie Tabakprodukte.

Was das Inhalieren von Dampfen E-Zigaretten, Wasserpfeifen und Tabakerhitzern langfristig für die Gesundheit bedeute, lasse sich aufgrund der aktuellen Studienlage nicht beurteilen. Nach Beginn der industriellen Produktion habe es auch bei den konventionellen Zigaretten gut 30 Jahre gedauert, bis mit wissenschaftlicher Genauigkeit feststand, dass Rauchen Lungenkrebs verursacht.

Hauptbestandteile von E-Zigaretten-Liquids sind Propylenglykol und/oder Glyzerin, Aromen und zumeist Nikotin. Konsumenten inhalieren das entstehende Aerosol ähnlich wie beim Rauchen. Verbrennungsprodukte, die bei konventionellen Zigaretten erheblich zur gesundheitsgefährdenden Wirkung beitragen entstehen dabei zwar nicht, „aber auch das beim Dampfen entstehende Aerosol enthält entzündungsfördernde, reizende und krebserregende Substanzen, die die Lunge langfristig schädigen können“, betont Kardos. Eine amerikanische Studie habe Hinweise erbracht, dass Jugendliche, die regelmäßig dampfen, doppelt so häufig an Bronchitis erkranken wie ihre nichtrauchenden Altersgenossen.

Ob E-Zigaretten bei der Rauchentwöhnung helfen können, ist aus wissenschaftlicher Sicht ebenfalls nicht belegt. Wer sich das Rauchen abgewöhnen möchte oder es sich aus gesundheitlichen Gründen abgewöhnen müsse, sollte Kardos zufolge „vorrangig in professionellen Entwöhnungsprogrammen, Medikamenten und Nikotinersatzprodukten Unterstützung suchen“. (zab, pm)

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14 KOMMENTARE

  1. Was sind denn die krebserregenden Stoffe beim dampfen? Das man auf Nikotinersatzprodukte oder Therapien empfiehlt ist schon klar. Für die Pharmaindustrie und jemanden der Therapiekurse anbietet, ist die dampfe ein riesen Konkurrenten. Es gibt doch kein Produkt auf dem Markt was so viele Raucher von der Zigarette Weg gebracht hat.
    Reinste Panikmache was in den Medien betrieben wird.

    • Der Ottonormalverbraucher hat hier noch viel zu ertragen, bis die letzte Studie der E-Zigarette zu dem Erfolg verhilft, den sie verdient hat. Gerade in UK wird hier großes Potential für Raucher erkannt, während sich Deutschland wie immer 10 Jahre hintenan stellt.

      • Man darf nicht verachten, dass E-Zigaretten zwar eine gute Alternative für Raucher darstellen, aber wirklich nichts sind, womit man anfangen sollte. Aber es stimmt natürlich, was du sagst. Es sollte wenigstens erklärt werden, dass die E-Zigarette große Chancen für Raucher bietet.

  2. Wie lange wird diese längst widerlegte Lüge von der Einstiegsdroge noch ungestraft in die Welt gefurzt? Die E-ZIGARRETTE ist verdammt noch mal nicht mehr als ein Substitut für Raucher, so und nicht anders wird sie auch vermarktet. Tabakindustrie? Die würde sich doch freuen, wenn die lästige Konkurrenz endlich vom Markt verschwinden würde, aber das wird sie nicht. Zuviele Raucher (3,5Mio. nicht 1Mio.) sind bereits erfolgreich umgestiegen und das übrigens zur Freude manches Lungenarztes.

  3. Wenn man die Überschrift schon liest, das neue “Rauchen”, braucht man gar nicht weiterlesen.
    Sorry aber, man sollte sich Mal informieren was Rauch und was Dampf ist.
    Recherchiert Mal über die E Zigarette, es gibt Studien ohne Ende, um durchaus ein Urteil fällen zu können. Oder reicht das immer noch nicht?
    Der Pharma gehen langsam die Argument aus.
    “Das Olle schiet Dingen muss man doch irgendwie wegargumentiert bekommen oder zu uns in die apothekervitrine wandern(das sind die wilden Gedanken der Pharmaindustrie).
    Hat es mit Gesundheit zu tun? Nö….. Niemals

    • Ein Bronchialkarzinom entwickelt sich etwa in einem Zeitraum von 20 Jahren als eine Folge von chronisch entzünlichen Prozessen in den Bronchien.
      Der Prozess beginnt mit dem Untergang der feinen Flimmerepithelien bei einer gleichzeitigen Vermehrung der Schleim bildenden Becherzellen. Durch den chronischen Sekretverhalt in den Bronchien kommt es zu einer chronischen Überblähung der kleinen Alveolen mit einem Untergang dieser, wodurch sich die Austauschfläche für den Gasaustausch vermindert.
      Nach Jahren des Rauchens entwickelt sich somit eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung, die COPD Grad I bis IV.
      Die Erkrankten können das CO2 nicht mehr ausreichend abatmen und leiden gleichzeitig unter einem chronischen Sauerstoffmangel.
      Kommen dann noch Infekte der Atemwege hinzu, so werden die Personen sehr schnell beatmungspflchtig. Aber auch durch das Fortschreiten der Erkrankung sind diese Personen kaum noch belastbar. Tritt eine Fettleibigkeit durch die Bewegungeinschränkung hinzu, so verschlimmert sich die Situation für den Gasaustausch noch mehr.
      Im übrigen geht man davon aus, dass durch die chronischen Infektionsherde in den Lungen, Bakterien in die Blutbahn eingeschwemmt werden und diese die arteriosklerotischen Veränderungen an den Gefäßen bewirken. Somit haben wir einen weiteren Faktor für eine Bewegungseinschränkung als Folge von Durchblutungsstörungen in den Beinen oder durch Infarkte im Herzen und/oder dem Gehirn.
      Steter Tropfen höhlt den Stein.

    • Dann verlinken Sie uns bitte die Studien. Sie sollen sich aber auf lange Zeiträume beziehen und die gesundheitliche Unbedenklichkeit nachweisen. Ergebnisse wie “Tabak ist gefährlicher” reichen nicht, weil sie nicht ein Risiko durch ein anderes, größeres Risiko entkräften können.

  4. Also wenn ihr im Zuge von E-Dampfen, welcher eigentlich zu unrecht als E-Zigaretten bezeichnet werden
    von Rauchen schreibt, dann habt ihr Eure Hausaufgaben nicht gemacht.
    Zitat von eurem Artikel:
    Ob E-Zigaretten bei der Rauchentwöhnung helfen können, ist aus wissenschaftlicher Sicht ebenfalls nicht belegt.

    Das ist sehr wohl durch PHE belegt und aus genau diesem Grunde gibt es die Aktion “stoptober” und ja die Beratungsstellen dort verschenken auch Dampfgeräte. Auch hat die PHE ermittel, das Raucher welche auf Dampfen umsteigen nach 6 Monaten deutlich weniger Medikamente benötigen.
    Zudem gibt es eine Studie aus Italien, welche Nichtraucher untersucht hat, welche auch Dampfen.
    Nur so war es möglich, Vorschäden welche durch das Rauchen bedingt waren auszuschließen.
    Aber ihr könnt Google auch bedienen und selbst danach suchen. Weil solche einen schlampigen Stil unterstütze ich nicht auch noch. Aber die ANTZ und Pharmalobby findet immer wieder solche Handlanger, welche helfen die E-Dampfen zu diskreditieren.

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