Didacta-Präsident: Digitale Bildung muss im Kindergarten starten

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Die digitale Bildung muss aus Sicht des Bildungsforschers Wassilios Fthenakis bereits im Kindergarten starten und in der Grundschule intensiviert werden. Schon Ein- bis Zweijährige beschäftigten sich mit Smartphone und Tablet, sagte der Präsident des Didacta Verbandes der Bildungswirtschaft. «Es wäre geradezu unverantwortlich, wenn man nicht frühzeitig einen sinnvollen Umgang mit diesen Medien lernt», betonte er. Die Medienkompetenz sei so zentral wie das Lesen, Schreiben und Rechnen.

Der Bund soll sich stärker für die digitale (Aus-)Bildung engagieren. Foto: Lars Plougmann / flickr (CC BY-SA 2.0)
Digitale Erziehung kann nicht früh genug starten.                                        Foto: Lars Plougmann / flickr (CC BY-SA 2.0)

Die Digitalisierung ist ein Schwerpunkt der fünftägigen Bildungsmesse Didacta, die am kommenden Dienstag (20.2.) in Hannover eröffnet wird. Zu den mehr als 8000 Ausstellern aus 47 Ländern zählen auch Giganten wie Google und Microsoft. Bei der Digitalisierung an den Schulen hängt Deutschland nach Einschätzung von Experten im weltweiten Vergleich hinterher. Neuseeland, Norwegen oder Dänemark seien weiter, sagte Fthenakis.

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Die Didacta will Lehrern, Erziehern und Ausbildern einen Überblick über aktuelle Entwicklungen von der frühkindlichen Bildung bis hin zum lebenslangen Lernen geben. Insgesamt werden etwa 1500 Veranstaltungen angeboten. Die Messe ist auch eine Plattform für Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. dpa

Digitales Klassenzimmer: Lernen wie im Internetcafé

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10 KOMMENTARE

  1. Es gibt ganz andere Dinge, die im Kindergarten vermittelt werden müssen.
    Da hat die Vermittlung digitaler Medien keine Bedeutung für die kognitive Entwicklung der Kinder.
    Manuelle Tätigkeiten , wie Malen, Kneten oder die deutsche Sprache, sowie die Vermittlung des Sprachverständnisses , Lernen von Sozialverhalten, Konfliktlösung, Mengenverständnis, spielend lernen, motorische Förderung, musikalische Wahrnehmung mit dem Erfassen von Rhythmus und Gesang usw sind vorrangig zu vermitteln. Und der Umgang mit digitalen Techniken, ? NEIN.
    Was heißt denn “digitale Bildung” ?Das schließt sich gegenseitig aus, zumindest in dieser frühen Phase der Entwicklung der Kinder schadet es mehr .

  2. Die o.g. Zusammenfassung zur didactaMesse ist m. E. zu undifferenziert, um sie direkt zu diskutieren.
    Prof. Fthenakis hat in den letzten Jahrzehnten sehr viel und sehr positiv für die Frühpädagogische Bildung bewirkt. Als “Aushängeschild” der didacta scheint in seinem Namen hier eine unzulässige Verkürzung zur “Digitalisierung in Kitas” publiziert worden zu sein.
    Ignaz Wrobel, wo bleibt in Ihren Vorstellung das Thema Digitalisierung in Kitas überhaupt ?

    • Wieso muss es eine Digitalisierung im Kindergarten überhaupt geben? Wir müssen nicht alles nach den Interessen der “Bildungswirtschaft” ausrichten. Die Kinder sollen erstmal mit Dingen spielen, die sie anfassen können (“begreifen”), Bauklötze etwa, Legosteine, Kleckerpampe aus Sand usw. Sie sollen Pflanzen und Tiere aus unmittelbarer Anschauung kennenlernen. Die Welt der Computer kommt noch früh genug auf sie zu.

      • Ich denke auch, dass eine Kita ganz sicher kein “Medienkonzept” benötigt und “Medienkompetenz” ganz weit hinten auf der Kindergartenagenda stehen sollte.

    • Erst einmal müssen die zertifizierten Kindergärten Konzepte entwickeln, in denen die von mir angesprochenen Aspekte abgedeckt werden. Wir brauchen in den Kindergärten eine strukturierte Frühförderung in sprachlicher, musikalischer und freispielerischer Entwicklung, in der sie an die Schule herangeführt werden. Gerade in den ersten Lebensjahren lernt das menschliche Gehirn am schnellsten und am nachhaltigsten. Digitalisierung hat die gleiche Bedeutung wie das erlernen der Schreibmaschinenschrift. Da bedeutet eine Konfrontation der Kinder mit digitalen Medien keine Verbesserung kognitiver Leistungen.

      • “Erst einmal müssen die zertifizierten Kindergärten Konzepte entwickeln,”
        Ja, gegen entsprechenden Gegenwert vielleicht,
        also vollständige Anrechnung auf die Dienstzeit und angemessene Entlohnung der konzeptionellen Arbeit…

        … aber Konzepte alleine werden wenig hilfreich sein, wenn es nur um Mangelverwaltung geht.

        Am Beispiel:
        Wenn in Niedersachsen die Sprachförderung vor der Einschulung, die bisher seit 2006 von Lehrkräften der Grundschulen erteilt wird (Umfang ca. 500 Vollzeitstellen, Landesbedienstete, Schulpflicht – samt Sanktionen), in Zukunft in den Kindergärten erfolgen soll (Angestellte der Kommunen, keine KiGa/Schulpflicht, Mangel an ErzieherInnen besteht bereits vor dieser Maßnahme), wird EIN KONZEPT IN JEDER KITA sicherlich nicht ausreichen, um die entsprechenden Bedingungen zu bieten, damit die Förderung erfolgreich und zusätzlich zu den ohnehin üblichen sprachfördernden Unternehmungen verlaufen kann.

  3. Kinder sollen auch mal draußen im Sand spielen. Erstens sind sie dann ausgepowerter, müder, ausgeglichener und es bildet sich ein Immunsystem aus, das nicht bei jedem Blütenpollen verrückt spielt.

  4. Ich schließe mich den Vorschreibern an. Im Kindergarten sollen erst einmal basale Fähigkeiten, die alle Sinne fördern, trainiert werden. Das sind nämlich die Voraussetzungen, die sie für eine erfolgreiche Schullaufbahn brauchen.
    Wollen wir wirklich die Entwicklung fördern, dass schon kleine Kinder ohne Handy nicht mehr auskommen? Letztendlich wird durch Einbeziehung von Computerspielen (wenn es auch Lernspiele sind) in den Kitas der Umgang mit solchen Dingen “legalisiert”. Und wir können uns vorstellen, welche Folgen dies für alle anderen Dinge hat.
    Mich ärgert, dass man in unserer schnelllebigen Gesellschaft unverantwortlich jedem Hype nachrennt, dies als sinnvoll und fortschrittlich bis in das untere Alter verkaufen will und andere Erkenntnisse über Bord wirft. Einem vernünftig denkendem Menschen müsste doch klar sein, dass hinter solchen Strategien die Verkaufsstrategie “Erschließung von neuen Zielgruppen” dahintersteckt. Wenn der Markt gesättigt ist, könnte ich wetten, dass wieder etwas Neues erfunden wird, das man als pädagogisch wertvoll verkaufen will. Und Uniprofessoren fallen ebenso darauf rein, weil sie nicht als rückständig gelten wollen. Ich halte viele Argumente nicht ehrlich, weil sie eben anders motiviert sind.
    Wir, die an der Grundschule arbeiten, können Jahr für Jahr beobachten, dass die basalen Fähigkeiten, mit denen Kinder eingeschult werden, in der Gesamtheit immer weniger werden.

    • Auch wenn dies hier sicher gut gemeint ist, liest sich das mit den vielen Kompetenzen im Kindergarten für mich wie Realsatire:
      http://www.jogolis-kindergarten.de/wordpress/?page_id=84
      Wenn Kinder draußen herumtoben, sind das “physische Kompetenzen”. Und sie sollen “Verantwortung für andere übernehmen” statt sich einfach an Regeln zu halten. Können wir das nicht etwas schlichter formulieren? Müssen wir unbedingt die Kompetenz-Hysterie in den Kindergarten tragen?

  5. Das ist Realsatire.Was dabei herauskommt, wenn Kinder miteinander Verantwortung für sich selbst übernehmen sollen, wurde schon im Roman ” Lord of The Flies” von Golding 1954 beschrieben.
    Der Roman beschreibt exemplarisch die Dynamik in der Entwicklung zweier Jugendgruppen, die auf einer isolierten Insel ihre eigenen Regeln entwickeln.
    Natürlich erschließen sich Kinder eigene Welten, wenn sich Gelegenheiten in einer freien Umgebung dazu ergebenund die Einflüsse des Medienkonsums aus dem Freizeitbereich zurückgedrängt werden. Es ist aber die Aufgabe der Kindergärten Kinder sukzessive auch an ein eigenständiges , konzentriertes Arbeiten spielerisch heranzuführen.Noch einmal, es bedarf keiner digitalen Techniken um Kinder an Sprache, Musik,Bewegung und manuelle Techniken heranzuführen.

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