Dorfschule kapituliert vor ihren Schülern – Debatte kocht hoch: Was macht Kinder zu Tyrannen?

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BERLIN. Der aktuelle Fall einer Dorf-Grundschule in Sachsen-Anhalt, die vor ihren undisziplinierten, aggressiven und renitenten Schülern kapituliert – wohlgemerkt: Sechs- bis Zehnjährige aus augenscheinlich gutbürgerlichen Verhältnissen! -, schlägt bundesweit Wellen. Er wirft das Schlaglicht auf eine Entwicklung, vor der Lehrer seit längerem warnen: Die Verhaltensauffälligkeiten nehmen zu. Was ist die Ursache für das Phänomen? Erziehungsexperten sehen ein Kernproblem im Erziehungsstil vieler Eltern. Der Beitrag ist zunächst in der Zeitschrift “Grundschule” erschienen.

Hier können Sie die Beiträge der Ausgabe 10/2016 der “Grundschule” herunterladen (kostenpflichtig).

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Sind viele Kinder in Deutschland verwöhnt und verzogen? Foto: Shutterstock

Kleine Tyrannen

Stillsitzen und eigene Bedürfnisse zurückstellen – das können längst nicht mehr alle Kinder, wenn sie ihre Schullaufbahn beginnen. Psychotherapeutische Experten sehen die Ursache in einem Erziehungswandel, der dem Nachwuchs zu viele Freiheiten lässt.

In der jüngsten Zeit hat die mediale Bildungsberichterstattung ein düsteres Bild der aktuellen Kindergeneration gemalt. Angestoßen durch das Buch der Wiener Ärztin und Psychotherapeutin Martina Leibovici-Mühlberger entfachte eine Diskussion, um einen anscheinend aktuell verbreiteten Erziehungsstil und seine Folgen für die Gesellschaft.

„Wenn die Tyrannen-Kinder erwachsen werden. Warum wir nicht auf die nächste Generation zählen können“ heißt das Werk der Wiener Psychotherapeutin, das im vergangenen Jahr erschienen ist (und zu dem mittlerweile ein Folgeband existiert: “Der Tyrannenkinder-Erziehungsplan”, edition a, 24,90 Euro). Darin kritisiert Leibovici-Mühlberger den Erziehungsstil vieler Eltern, der dem Ideal der „freien individuellen Potenzialentfaltung“ folge und den Kindern letztlich keine Grenzen mehr aufzeige. In der Folge wachse der Nachwuchs in dem Glauben heran, alles zu dürfen, aber nichts zu müssen. Mit einer solchen Einstellung gebe es spätestens in der Grundschule die ersten Probleme, wenn die Lehrer von ihren Schülern erwarten, gewisse Regeln zu befolgen.

Zeitschrift 'Grundschule': Was macht Kinder zu Tyrannen?

Der Beitrag von Anna Hückelheim ist der Ausgabe 10/2016 der “Grundschule” entnommen – Titel: “Was Kinder zu ‘Tyrannen’ macht” .

Hier können Sie die Beiträge des Heftes herunterladen (kostenpflichtig).

 

Tyrannenkinder – das böse Wort ist nicht erst seit Erscheinen des gleichnamigen Buchs der Wiener Psychotherapeutin Prof. Martina Leibovici-Mühlberger in der Welt. Und doch: Die Diskussion kocht hoch. “So viele Kinder wie noch nie zuvor verfügen mit dem Eintritt in die sogenannte Schulreife noch nicht einmal über ausreichend Selbstmanagement, um überhaupt einem Unterricht folgen zu können, sind also schwer beschulbar”, sagt Leibovici-Mühlberger – und macht als Ursache ein Erziehungsversagen vieler Eltern aus. Die “Grundschule” geht den Fragen nach, was Schüler eigentlich “schwierig” macht, welche Faktoren das verhalten negativ beeinflussen – und was Lehrkräfte dagegen tun können.

Die Kritik ist nicht neu. Bereits 2010 sorgte der in Bonn ansässige Kinder- und Jugendpsychiater Michael Winterhoff mit einem ähnlichen Buch für Aufsehen. Der Titel: „Warum unsere Kinder Tyrannen werden“. In den sechs Jahren, die zwischen beiden Veröffentlichungen liegen, scheint sich nicht viel geändert zu haben. Sowohl Winterhoff als auch Leibovici-Mühlberger identifizieren als Ursache der problematischen Entwicklung eine mangelnde Erziehungskompetenz der Eltern. Sie würden keine Anforderungen mehr an ihre Kinder stellen und somit keine Richtung vorgeben.

Diese Meinung teilen auch Klaus Seifried, stellvertretender Vorsitzender des Bundesverbands Deutscher Psychologinnen und Psychologen sowie ehemaliger Berliner Schulpsychologe, und Veit Rößner, Leiter der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie in Dresden. Rößners Erfahrung: Regeln einzuhalten gelte mittlerweile als spießig statt notwendig. „Sowohl Erstklässler als auch die größeren Schüler lernen schon gar nicht mehr ausreichend, wie man sich im Schulalltag – hinsichtlich der Leistungen als auch im Umgang mit Gleichaltrigen – benimmt“, zitiert ihn die Online-Ausgabe der Sächsischen Zeitung (SZ). Aus Sicht des ehemaligen Schulpsychologen Seifried bleibe bei einigen Eltern die Erziehung auf der Strecke, weil ihnen entweder nach der Arbeit die Kraft dazu fehle oder sie beruflich viel unterwegs seien und dafür keine Zeit hätten. Das berichtet die „Berliner Morgenpost“. Dem Artikel zufolge würden sich viele Eltern zudem überhaupt nicht trauen, ihrem Nachwuchs Grenzen zu setzen. Das gelte besonders für Alleinerziehende, die die Erziehungsverantwortung nicht mit einem Partner teilen könnten.

Die Furcht von Eltern, Regeln durchzusetzen, gründet laut Leibovici-Mühlberger und Winterhoff zum Teil in ihrem Wunsch, von ihren Kindern gemocht zu werden. „Wir leben in einer missachtenden Gesellschaft. Das lässt das Gefühl entstehen: ‚Wenn mich da draußen keiner liebt, soll mich wenigstens mein Kind lieben‘”, erklärt Winterhoff dieses Bedürfnis in einem Internetbeitrag der SZ. „Wer aus dieser Motivation heraus mit seinem Kind umgeht, hindere es aber daran, sich zu einem lebenstüchtigen Menschen zu entwickeln.“

Fehlende Reife

Die Einschätzungen der Experten teilen auch Grundschullehrkräfte. Einige ihrer Beobachtungen schildern sie in Kommentaren auf News4teachers.de. „Bei manchen Eltern hat man den Eindruck, dass sie Angst haben, den Kindern etwas abzuschlagen. Und wenn doch, dann gibt es ewige Diskussionen und Streiterei“, schreibt beispielsweise Leserin „mississippi“. Eine andere Kommentatorin mit dem Pseudonym „ysnp“ bestätigt ebenfalls die Schilderungen der Psychotherapeutin Leibovici-Mühlberger. Sie kennt auch die Folgen, die dieser Erziehungsstil mit sich bringt: „In den Grundschulen sind jährlich mehr Fälle von grenzenlosen Kindern zu beobachten, Umgang und Umgangston sehr bedenklich und gefährlich. Das, was man noch vor einigen Jahren auf die Pubertät geschoben hat, kommt mittlerweile in allen Grundschuljahrgangsstufen vor. Wir haben schon in den unteren Klassen Kinder, die eigentlich unbeschulbar sind. Und ich unterrichte in keiner Großstadt!“

Ähnliches berichtet Leserin „Palim“. Schüler im Alter von fünf bis acht Jahren seien nicht in der Lage zuzuhören, fünf Minuten am Platz sitzen zu bleiben oder einen Streit mit Worten zu schlichten. Oftmals, so die Erklärung von Martina Leibovici-Mühlberger und Michael Winterhoff, seien Grundschüler schlicht nicht reif genug, um dem Unterricht zu folgen, da sie nicht gelernt hätten, sich zu konzentrieren, zu organisieren oder ihre Impulse zu kontrollieren.

Die Erziehung steht auch im Mittelpunkt der Kritik der baden-württembergischen Fraktion des Verbands Bildung und Erziehung (VBE). „Früher waren Lehrer hauptsächlich für die Bildung der Schüler zuständig und erzogen die Kinder und Jugendliche im Unterricht ‚nebenher‘. Heute müssen Lehrer zuerst erziehen, damit sie sich dann um die Bildung der Schüler kümmern können“, heißt es in einer Pressemittelung des Landesverbands. Auf Dauer gehe auf diese Weise viel Unterrichtszeit verloren. Daher appelliert Michael Gomolzig, VBE-Sprecher Baden-Württembergs, an die Eltern: Bei der Erziehung der Kinder sei Schule nach wie vor auf ihre kontinuierliche Mitarbeit angewiesen. Auf diese ist jedoch scheinbar kein Verlass. Schleichend werde diese Aufgabe zunehmend den Lehrkräften aufgebürdet, so die Wahrnehmung der psychotherapeutischen Experten.

Narzissmus als Folge

Leibovici-Mühlberger erkennt zudem ein weiteres Problem des Erziehungsstils der „freien individuellen Potenzialentfaltung“. Immer mehr Kinder seien krankhaft selbstverliebt und nur auf sich und ihren Vorteil fixiert. Narzisstische Persönlichkeitsstörungen nähmen zu. Eine Entwicklung, die einer Gruppe Wissenschaftler um Eddie Brummelman von der Universität Amsterdam zufolge grundsätzlich in westlichen Ländern zu beobachten sei. Sie war der Auslöser für Brummelman und sein Team, nach den Ursachen des Narzissmus zu forschen. Über ihre Ergebnisse berichten sie in ihrem Beitrag „Origins of Narcissism in Children“, den die Internetausgabe des Wissenschaftsmagazin „Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America“ (PNAS) veröffentlicht hat.

Wie Leibovici-Mühlberger kommen sie zu dem Schluss, dass die Erziehung in westlichen Ländern eine Teilschuld an diesem Trend trägt. Demnach fördern Eltern, die ihre Kinder für etwas Besonderes halten und ihnen das auch vermitteln, die Entwicklung dieser Persönlichkeitsstörung. „Kinder glauben ihren Eltern, wenn diese ihnen erzählen, dass sie besser sind als andere“, zitiert die Ohio State University (OSU) in Columbus in einer Pressemitteilung Brad Bushman, Ko-Autor der Studie und Professor für Kommunikation und Psychologie.

An der Untersuchung nahmen insgesamt 565 niederländische Kinder teil, die zu Beginn der Studie zwischen sieben und elf Jahren alt waren, sowie ihre Eltern. In einem Abstand von sechs Monaten wurden sie viermal befragt. Die Ergebnisse der Umfragen zeigen, dass Kinder im Verlauf der Studie narzisstischere Charakterzüge aufwiesen, wenn ihre Eltern sie zu Beginn der Untersuchung als besonders im Vergleich zu anderen beschrieben hatten. Der Hauptautor der Studie, Eddie Brummelman, liefert in der OSU-Pressemitteilung eine mögliche Begründung für das Verhalten der Eltern: Er kann sich vorstellen, dass einige durch ihr übertriebenes Lob versuchen würden, das Selbstwertgefühl ihrer Kinder zu steigern. Doch das sei der falsche Weg. Stattdessen, so ein weiteres Ergebnis der Studie, könnten sie dieses Ziel erreichen, indem sie ihren Kindern Zuneigung und Anerkennung schenken und ihnen mit Herzlichkeit begegnen.

In Deutschland zeigen Kinder und Jugendliche im Querschnitt zu etwa 20 Prozent psychische Auffälligkeiten, wie narzisstische Persönlichkeitsstörungen, und wiederum 20 Prozent würden im Verlauf des Kindes- und Jugendalters an (mindestens) einer psychischen Störung erkranken, so Hans Willner, Chefarzt der Klinik für seelische Gesundheit im Kindes- und Jugendalter am St. Joseph Krankenhaus in Berlin-Tempelhof. Er bezieht sich auf die Daten der Bella-Studie (Befragung zum seelischen Wohlbefinden und Verhalten).

Eine ähnliche Einschätzung zum Anteil der Betroffenen liefert der ehemalige Schulpsychologe Seifried. Doch statt wie Willner zu dem Schluss zu kommen, dass bei Kindern seelische Probleme zunehmen, vertritt er die Meinung, dass die Fälle nicht mehr, jedoch schwieriger und komplexer werden. Rolf Göppel, Professor für Allgemeine Pädagogik an der Hochschule in Heidelberg, siedelt den Anteil der von psychischen Problemen betroffenen Kinder und Jugendlichen in Deutschland sogar noch etwas niedriger an und zwar bei 15 Prozent – ein Wert, der stabil sei, wie die „Aachener Zeitung“ Göppel zitiert. Der Pädagogikprofessor ist sich demnach zudem sicher: „Es gibt keinen Niedergang der Erziehungskompetenz auf breiter Front.” Anna Hückelheim, Agentur für Bildungsjournalismus

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“Nicht autoritär sein, sondern Autorität zeigen”: Wie Lehrer mit schwierigen Schülern umgehen sollten

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67 KOMMENTARE

  1. Wird nicht seit einer halben Ewigkeit immer nur gepredigt, Kinder müssten immer Aufmerksamkeit erfahren immer nur gelobt werden und niemals getadelt? Das mache sie stark und selbstbewusst?
    Ich habe das nie geglaubt, zumal die Ergebnisse im Freundes- und Bekanntenkreis eine andere Sprache sprachen.
    Es ist schlimm, dass in der Bildung und Erziehung immer erst angefangen wird zu zweifeln und zu hinterfragen, wenn es schier unmöglich ist, die Augen noch länger zu verschließen vor dem angerichtetem Schaden aus lebensfremder Theorie und selbstgefälliger Kindertümelei.
    Was steckt hinter dem Bestreben so vieler “Experten”, uraltes und bewährtes Erfahrungswissen in Sachen Erziehung, plötzlich in Frage und auf den Kopf zu stellen, um ihre aus dem Hut gezauberten Ideen den Eltern und anderen Erziehern als modern, fortschrittlich und einzig kinderfreundlich anzudrehen? Was haben diese Leute davon?

    • Richtig!

      Es ist gut, dass dieser Artikel erscheint und einmal mehr auf die Zustände an unseren Schulen hinweist. Allerdings meine ich, es hätte nicht erst eines offenen Briefes der Lehrer an die Öffentlichkeit bedurft, um die Maßnahmen zu ergreifen, die in dem Zitat geschildert werden, wenn alles andere nicht geholfen hat!

      Leider machen es uns aber Schulgesetze und Verordnungen enorm schwer, “hart durchzugreifen”. Der bürokratische Aufwand, der dafür nötig ist, stresst oft genauso wie die das Fehlverhalten selbst. Da sehe ich politischen Handlungsbedarf !

  2. Disziplin wieder aktuell
    Kaum zu glauben, mit welchen Zuständen Lehrkräfte mittlerweile konfrontiert sind. Und nicht etwa nur in Brennpunkten, sondern jetzt auch schon in Dorfschulen!
    Es wird deutlich, dass Bildung nur da vermittelt werden kann, wo Erziehung stattgefunden hat. Althergebrachte Begriffe wie Pflichtbewusstsein, Disziplin und Benehmen mögen weithin altmodisch erscheinen, mit Blick auf die beschriebene Schieflage jedoch wieder aktuell werden.

  3. Rechte beinhalten die Erfüllung eigener Pflichten. Wer einseitig die Wünsche seiner Kinder erfüllt ohne von diesen etwas abzuverlangen, sich mit diesen sich abwechselnd beschäftigt um eigenständiges Arbeiten zu fördern, braucht sich über die eigenen Tyrannenkinder nicht zu wundern.
    Nein bleibt nein und ein ja an bestimmte eigene Verhaltensweisen gebunden und es werden nicht alle Wünsche erfüllt. Wenn man ein Hobby anfängt, so wird dieses bei den ersten Schwierigkeiten nicht gleich beendet und eingestellt. Darin zeigt sich Ausdauer und persönlicher Fleiß und Ausdauer können sich dann erst entwickeln. Wer anderes zulässt erzieht sich die Kinder zu wenig belastungsfähigen Geschöpfen.

  4. Die Entwicklung im Elternhaus, den Kindern nichts mehr abzuverlangen und die Prinzen und Prinzessinnen vor Enttäuschungen zu schützen und ihr zum Teil rücksichtsloses Verhalten noch zu decken („mein Kind macht sowas nicht“) wird in Verbindung mit einer notenlosen Schule bei der man die Rückmeldungen ignorieren oder bewusst falsch verstehen kann noch zusätzlich verstärkt.
    Bloß keine Enttäuschung durch eine schlechte Noten. Bloß keinen Druck ausüben wird auch an unserer Grundschule zum Teil propagiert. Ich halte die Haltung für verfehlt. Kinder brauchen Herausforderungen, sie müssen sich im geschützen Rahmen auch mit Niederlagen auseinandersetzen, Ehrgeiz entwickelt sich nicht in „Schonhaltung“. Sich selbst Erfolge erarbeiten und herausgefordert zu werden gehört zum Leben dazu. Natürlich ist das nicht immer gerecht, aber dass ist das Leben doch eigentlich nie.
    Wer seinen Kinder vormacht, dass Leben könnte gerecht sein hilft nicht Enttäuschunen zu überstehen.

    • Sie als altgediente Lehrerin haben da den richtigen Überblick und man kann ihren Beschreibungen nur zustimmen.
      Lernen ohne Feedback und ohne über den eigenen Leistungsstand in Kenntnis versetzt zu werden, ist der falsche Ansatz und der Umgang mit scheinbaren Niederlagen muss auch gelernt werden.
      Dafür erhält man dann als Schüler auch Unterstützung, wie man seine Schwächen bearbeitet.
      Ohne eine valide Benotung lassen sich auch keine Leistungsanreize setzen und es geht ohne eigene Anstrengungen eben nicht. Von Hentigs ideologische Leitgedanken und Theorien sind der falsche Ansatz zu einer Selbstdisziplinierung der heranwachsenden Schüler.
      Dessen Ansätze auf Schulanfänger zu übertragen sind desaströs in ihrer Wirkung.
      Diese müssen erst noch lernen das Lernen zu erlernen.
      Dieser ganze undisziplinierte Schnickschnack in den ersten beiden Schuljahren ohne eine Strukturierung sind Gift für den zügigen Lernzuwachs in den Grundlagenfächern, um die Kinder schnell in ein eigenständiges , selbstsicheres Schreiben und Lesen zu versetzen.

  5. Was mich ankotzt und was in diesem Artikel nicht erwähnt wird:

    Die inkompetente Vorgesetzte aus dem Landesschulamt sagte: “”Zum System gehören Kinder, Eltern und Lehrer – und wahrscheinlich hat jeder an der verhärteten Situation seinen Anteil”

    Rein formal mag das stimmen, aber wenn man es quantifiziert, wird man beim Elternanteil sicher bei 90% landen. Aber es wird schön suggeriert, dass die Lehrkräfte eine tatsächliche Mitschuld am Aufzuchtversagen der Eltern haben. Das ist absurd und auch eine Unverschämtheit. Mir tun die Kolleginnen und Kollegen einfach nur leid: Tyrannenkinder in der Klasse, ignorante Eltern und das Messer der Vorgesetzten im Rücken.

    • Eltern haben den überwiegenden Anteil am Versagen der Erziehung ihrer Kinder.
      Das fängt beim Erlernen des Umgangs mit gleichaltrigen Schülern an, die man dominieren möchte, die Unfähigkeit anderen zuzuhören, eine fehlende Selbstreflektion über das eigene Verhalten, die fehlende Selbstdisziplin und mangelnde Frustrationstoleranz beim Lernen, gepaart mit einem geringen Ausdauerverhalten beim Erlernen neuer Lerninhalte oder unbequemer Tätigkeiten.
      Erhält man dann als Schüler noch Zuspruch von den eigenen Eltern für seine fehlende Einstellung, so besteht wenig Aussicht auf eine Besserung. Mir reichen die Einblicke in das schulische Leben durch die Schilderungen meiner Kinder.

    • Zum System gehören auch Schulpolitiker und -behörden, die für falsche Kräfteverhältnisse gesorgt haben, indem sie Schüler und Eltern zu heimlichen Vorgesetzten der Lehrer machten.
      Sofawolf hat Recht: Gesetze und Verordnungen sind so gestaltet, dass Lehrer (einschl. Rektoren) oft klein beigeben und lieber den Weg des geringsten Widerstandes gegen unverschämte Schüler und Eltern gehen.

  6. Politik und Gesetzgeber müssen handeln
    Die Auswirkungen gesellschaftlicher Verwerfungen zeigen auffällige Parallelen, Polizisten müssen zunehmend um ihr Leben bangen, Rettungskräften wird der Zugang zu Notfallorten versperrt, Lehrkräfte sind fassungslos angesichts verbreiterter Ignoranz und Respektlosigkeit. Erste zarte Ansätze einer Neujustierung im Kräfteverhältnis Staat und Gesellschaft sind bereits sichtbar. Es ist Zeit, dass die Handlungsspielräume von Lehrkräften mit Blick auf eine qualitativ gute Bildungsvermittlung nicht noch mehr eingeengt werden. Im Gegenteil. Es ist höchste Zeit, weithin verloren gegangenes Vertrauen in Lehrkräfte wiederaufzubauen. Politik und Gesetzgeber müssen ihrer Verantwortung gerecht werden und handeln – schnellstmöglich, und ohne sich in föderalistischen Fallstricken zu verfangen.

    • Dann landen wir wieder bei der dämlichen Debatte über die “Lei(d)tkultur”, mit der die CSU die Lufthoheit über den Stammtischen erobern möchte.

      Der gesellschaftliche Diskurs über das, was konsensual als Normen und Werte für die Gesamtgesellschaft inklusive der Einwanderer gelten, anerkannt und umgesetzt werden kann, geht dabei vollkommen unter. Der derzeitig fehlende gesellschaftliche Konsens über Ziele von Erziehung und gemeinsame Werte, die nicht neoliberaler Diktion entsprechen, ist das grundlegende Problem.

      • Liebe/Lieber dickebank,
        du sagst, dass da was fehlt, der “gesellschaftliche Konsens über Ziele von Erziehung und gemeinsame Werte, die nicht neoliberaler Diktion entsprechen”. Das sei “das grundlegende Problem”. Hast du Lösung fürs Problem, und wie sieht sie aus?

        • Nee – ich mach nur, was mein Arbeitgeber vorgibt. Besondere Fälle verarzte ich als Mitglied der teilkonferenz für Erziehungsfragen.

          Die Wahl des Erziehungsstiles muss frei sein. Kinder und Jugendliche müssen sich aber daran gewöhnen, dass unterschiedliche Personen oder Personengruppen unterschiedliche Erziehungsstile pflegen. Lehrkräfte können nicht die gleichen Erziehungsaufgaben wie die Eltern der Sprösslinge haben. Die Erziehung im Elternhaus muss die Kinder aber in die Lage versetzen, dass sie in einer Gruppe im Kindergarten oder der Schule integrierbar sind. Sie müssen also lernen, dass sie – anders als zuhause – nicht der Nabel der Welt sind, dass andere Kinder auch Bedürfnisse haben und es keine Lehrkraft zeitgleich schafft allen gerecht zu werden.

          Vieles, was vormals gesellschaftlich als Erziehungsziele mehrheitlich getragen worden ist, wird heute als Sekundärtugend abgeurteilt. Nur ohne diese verinnerlichten Sekundärtugenden, wird das Leben in der Gruppe/Gesellschaft deutlich erschwert. Ohne gegenseitige Rücksichtnahme und dem Grundsatz “Leben und leben lassen” bzw. “Jeder Jeck ist anders” kann ein vernünftiges gesellschaftliches Leben nicht funktionieren. Viele der heutigen Fünft- und Sechstklässler (mein Arbeitsgebiet) erlebe ich als narzistische Egoisten, die wenig Empathie für ihre Mitschüler und Schülerinnen übrig haben, die lediglich sich und ihre eigenen Bedürfnisse in den Vordergrund stellen und zu Tyrannen werden, wenn sie sich zurück gestzt fühlen. Teilweise sehen sie es ja schon als “Zurückweisung” an, wenn sie im Klassenraum nicht in der ersten Reihe sitzen können. Darüberhinaus erlebe ich viele SuS als distanz- und tlw. auch respektlos. Sie kenen weder die eigenen noch die Grenzen anderer bzw. sind bereit, die Grenzen anderer zu tolerieren und zu respektieren.

          Aber “wie der Herr, so’s Gescherr”; die lieben Kleinen orientieren sich halt an den elterlichen Vorbildern. Und denen ist der Unterschied zwischen antiautoritärer Erziehung und Laissez-faire nicht klar, wobei ich geneugt bin Letzteres als Verwahrlosungstendenz anzusehen. Die Kinder eigene Grenzen erfahren zu lassen und sie dabei zu beobachten, ist eine andere Hausnummer als ihnen keine Grenzen zu setzen.

          • Sehr gut gesagt, dickebank. Fordert man von manchen Eltern beispielsweise die Kontrolle ein, ob Hausaufgaben überhaupt gemacht wurden, heißt es noch: “Hausaufgaben sind die Sache der Schule.”

      • “Dann landen wir wieder bei der dämlichen Debatte über die “Lei(d)tkultur”…”
        Einspruch! Die “deutsche Leitkultur” besteht nicht — weder positiv noch negativ interpretiert — typischerweise aus einem anständigen Benehmen in der Schule, in der Öffentlichkeit usw. Das sollte eigentlich international selbstverständlich sein.
        “Typisch deutsch” sind ganz andere Dinge. Welche, dazu hatte schon Herr Merz mal was gesagt. Er ist dafür geprügelt worden, aber vielleicht war’s ja gar nicht so falsch. Vieles wird auch negativ definiert (was gehört auf keinen Fall dazu, z.B. Dinge, die typisch für andere “Kulturen” sind, etwa Familienehre). Ich finde, man sollte nicht auf die deutsche Leitkultur schimpfen und dann andere verschonen:
        http://www.leitkulturkunde.de/

  7. Wieder einmal wird eine Sau durchs Dorf getrieben, und zwar vor allem deshalb, weil sie gut sichtbar ist und man sie gut treffen kann.
    Auch wenn folgendes hier nicht weiter ausgeführt werden kann: Es ist sicher kurzsichtig und unzutreffend, das Verhalten der Kids ausschließlich auf das Verhalten ihrer Eltern zurückzuführen, und diese dann moralisch “in die Pflicht” zu nehmen. –
    Vollkommen unbeachtet bleiben die Bedingungen des gegenwärtigen familiären Lebens und Existierens. Leider werden diese Einflüsse von der Mehrheit der Menschen als ein gesellschaftlicher Status-quo akzeptiert. Diese Beobachtung ist nicht nur auf die sozial prekär existierende Familien zu beziehen, sondern gilt eben zunehmend auch für die von besser situierten Familien akzeptierten und kaum oder gar nicht als erziehungsschädlich wahrgenommenen Rahmenbedingungen, wie die auf Dauer krankmachenden Marktgesetze der Ökonomie und Finanzwirtschaft, den heutigen Arbeitsplatzanforderungen und anderen für “gute familiäre Erziehung” Unvereinbarkeiten. Das hat die Einstellungen auch der dann “sinnstiftend” dem Geld und dem Konsum nachjagenden Erziehungsberechtigten erreicht.

    und als Kompensation dem Geld und dem Konsum ,

  8. Zum Glück gibt es auch noch normale Eltern und Kinder. Was aber passiert, wenn die “Normalen” auf die “Nehmer” treffen, haben wir schon im Grundschulalter erlebt, als unsere Tochter fragte, warum das Leben manchmal so merkwürdig ungerecht ist: Wenn sie bei ihrer Freundin sei und dort ein Film geschaut werden darf, dann dürfte immer die Freundin den Film aussuchen. Wenn bei uns mal ein Film erlaubt sei, dann dürfte auch immer die Freundin den Film aussuchen. Das zugegebenermaßen banale kleine Beispiel sagt viel darüber aus, woran es neben vernünftiger Erziehung (Definitionssache) auch ganz mächtig hapert: einfach gutem und (gast)freundlichem Benehmen. Es wird nicht leichter, dieses zu lehren, wenn immer mehr es nicht lernen. Aber Aufgeben ist keine Option!

    • Ein Beispiel von vielen und immer mehr, aber hier wird das ja alles gerne geleugnet und schöngeredet (ysnp, Palim, missis u.a.).

      Ich sage deshalb noch einmal: Es müssen auch Schulgesetze und Verordnungen befreit werden von Kuschelpädagogik, damit wir unsere Erziehungsarbeit wieder wirksam leisten können.

      • Sofawolf: In keinem Schulgesetz und in keiner Verordnung wird Kuschelpädagogik eingefordert. Haben Sie den link verstanden? Da steht doch genau das, was wir immer sagen. Die multiple Belastung und Aufgabenflut einer Grundschullehrerin wird beschrieben. Die wird aber nicht weniger durch Rohrstock und Frontalunterricht.

        • Andererseits ist linearer Frontalunterricht aka direkte Instruktion und Führung erheblich weniger aufwendig in der Vorbereitung, besonders wenn eine gesunde Portion wer nicht mitdenkt hat Pech gehabt dazu kommt.

          • Bekanntlich sollen insbesondere leistungsschwache Kinder und Kinder aus Migrantenfamilien auf diese Art Unterricht viel besser ansprechen.

            Guter Frontalunterricht ist besser als schlechter offener Unterricht (oder wie man das nennen soll), bei dem viele Kinder “verlorengehen” und ihr Lernzuwachs dem Zufall überlassen bleibt, aber auch diese Diskussion hatten wir ja schon x-mal.

          • Ist es gemeint, wenn ich die andere Art Unterricht künftig “den faulen Unterricht” nenne? (missis., Sie argumentieren ja in der Gegenrichtung auch mit “Rohrstock”.)

            Beim faulen Unterricht bereitet der Lehrer einmal was vor, ja, mit einem gewissen Aufwand, aber im Rest der Woche lehnt er sich zurück und lässt die Kinder machen (Wochenplan). Statt täglicher Vor- und Nachbereitung hat eben nur einmal was zu tun und dann sollen ja die Kinder selbstständig und individuell weiterarbeiten. Bis auf diesen einen Vorbereitungstag ist da sicher schön bequem.

            Auch bei uns schwärmen manche Kollegen davon. Ja, sagen sie, die Vorbereitung ist aufwändig, aber dann hat man es sehr einfach. Man geht in die Klasse und sagt, die Kinder sollen ihren Wochenplan weiter machen. Ich denke, beim faulen Unterricht gehen auf diese Weise viele Kinder verloren.

          • @xxx: Der Unterschied zu den weiterführenden Schulen besteht darin, dass wir jeden mitnehmen (sollen). Wir müssen auch Kinder behalten, die das nicht leisten (können), wenn es die Eltern so wollen.

        • Selbstverständlich steht in keinem Schulgesetz und keiner Verordnung das Wort “Kuschelpädagogik”. Das ist doch klar. Was damit gemeint ist, ist, dass die Bedingungen, um mal eine Sanktion einzusetzen, so kompliziert und verfahrensaufwändig sind, dass viele Kollegen sich davor scheuen und mögliche Sanktionen nicht einsetzen. Dann bleibt es beim Du-du-du oder “Klassenlehrer-Mach-mal” und das ist Kuschelpädagogik.

          Irgendwo brachte jemand ein Beispiel. Damit man ein Kind mal nachsitzen lassen darf, um versäumten Unterrichtstoff nachzuholen, müssen erst Eltern vorher informiert werden. Das Problem habe dann aber ich und wenn ich die nicht erreiche, komme ich nicht weiter und kann die Sanktion nicht durchführen. Manche Eltern sind aber notorisch nicht erreichbar oder gehen gar nichts ans Telefon, wenn sie die Schulnummer sehen. Briefe, Mails kommen natürlich nie an. Muss ich also ein Einschreiben aufgeben? Soll ich also den ganzen Nachmittag und Abend versuchen anzurufen? Das sind alles Hindernisse und zusätzlicher Aufwand für mich.

          Einfacher wäre (jetzt weiß ich wieder, es war in einem Dialog mit Anna, die sogar zustimmte), wenn man Kinder, die etwas nacharbeiten müssen, im Sekretariat melden muss. Dort müssten Eltern dann anrufen können, was sie ja sonst auch tun, um sich zu erkundigen, wo ihr Kind bleibt (falls sie unruhig werden, was ich je nach Alter verständlich finde). Aber dazu müssen Sekretariate besetzt sein und dazu braucht man (mehr) Sekretarinnen, die uns auch andere bürokratische Arbeit abnehmen könnten, aber das geht ja alles nicht, weil kein Geld da ist und das, was da ist, wollen Sie als Gehaltsplus lieber in die eigenen Tasche ausgezahlt bekommen. Sehen Sie, wir landen wieder an dieser Stelle, aber da schließt sich eben auch der Kreis.

          • 🙂 Wir = ich in der Diskussion mit Ihnen 🙂

            Besser so?

            Aber es müsste doch an dieser Stelle auch für Sie einsichtig werden, wie alles mit allem zusammenhängt. (zugespitzt) Keine Steuern = kein Geld = keine Sekretärinnen = keine Entlastungen für uns. (o.ä.)

            Bzw: Weniger Steuerlast = weniger Geld beim Staat = ausgegeben für Gehaltserhöhungen = nichts mehr da für mehr Sekretärinnen = keine Entlastung für uns. 🙁

            Man kann doch nicht die Augen davor verschließen!

          • Ihr Sekretärinnenbeispiel ist absolut unrealistisch.
            Zum einen wäre die Sekretärin ja auch ewig beschäftigt, die Eltern zu erreichen, wenn die Eltern so wären, wie Sie beschreiben. Da wäre gar nicht sicher, ob sie bis zum Mittag / zum angesetzten Nachsitzen erfolgreich war und Sie als Lehrkraft müssen aber sicher sein, bevor Sie das Kind in nach Schulschluss dort behalten. Die Sekretärin müsste dann sehen, wie sie ihre eigene Arbeit schafft und macht unbezahlte Überstunden, oder wie?

            Zum anderen hätten Sie oder Ihr SL ein um so längeres Telefonat am Nachmittag, in dem Sie den aufgebrachten Eltern Rede und Antwort stehen dürfen.

        • Genau, so sehe ich das auch. Er zeigt gut die Belastungen auf. Viele der Punkte könnte ich herausgreifen und sagen – ja, genau so ist es. Was mir noch zu wenig herauskommt – die Dame ist wohl eher in 1/2 beheimatet – ist die Belastung, die wir durch die vermehrte Korrigiererei und Probenentwerferei in 3/4 (in Klasse 4 extrem) und dennoch die ausführliche Schreiberei eines 2seitigen in Arial 10 geschriebenen Zeugnisberichtes zum Übertritt haben, indem gefühlt jede beobachtete Kompetenz, sei sie noch so unbedeutend in Satzform beschrieben sein sollte. (Ja, das signalisieren die offiziellen Beispiele.) Selbst die Kompetenzen in Nebenfächern wie Sport, Kunst usw. müssen beschrieben werden. Und das in Klasse 3/4, wo es so oder so Noten gibt. Die Bayern machen alles eben supergenau in diesem Fall ohne Rücksicht auf Verluste. Obwohl ich meinen Beruf gerne mache, sind es gerade diese unnötigen Arbeiten, die noch obendrauf kommen, die bei mir die Lust auf den Beruf ordentlich einschränken und – wenn ich nicht aufpasse – mich ins Burnout manövrieren. Je älter man wird, desto zerürbender ist die ganze unnötige Arbeit, die in dieser Form absolut nicht motivierend ist. Ich habe nichts gegen notwendige Kurzformen, aber das hier ist weit übertrieben. Dass ich hier aktuell etwas schreibe, hat auch mit dem zu tun, dass ich zwangsweise den Computer anmachen muss, weil ich eben gerade mit Korrigieren und dem Zeugnisschreiben beschäftigt bin.

          • Und obwohl ich nicht in BY unterrichte, kann auch ich den Beitrag unterschreiben, denn auch in anderen BL ist die Belastung ähnlich und die Aufgaben nahezu gleich.
            Besonders gelungen fand ich den Hinweis darauf, dass man Hilfe beantragen kann, sich dann aber extremer Bürokratie gegenüber sieht und letztlich nicht einmal weiß, ob die Hilfe dann bewilligt wird.
            Gleiches gilt für das absolut maßlose Einfordern von Konzepten, die jede Schule erarbeiten soll und die eine Haltbarkeit von 5 Jahren haben, denn spätestens mit der nächsten Legislatur muss alles umgekrempelt werden.
            Ebenso finde ich auch den Hinweis richtig, dass die Expertise von LuL, FöS-LuL sowie SchulPsy (die gibt es in BY greifbar) vom Tisch gewischt wird, wenn Eltern die Hilfe nicht annehmen möchten.

            “Obwohl ich meinen Beruf gerne mache, sind es gerade diese unnötigen Arbeiten, die noch obendrauf kommen, die bei mir die Lust auf den Beruf ordentlich einschränken und – wenn ich nicht aufpasse – mich ins Burnout manövrieren.”

    • AUSZUG (toller Satz!):

      “Überhaupt denke ich bei aller Kritik, die ich übe, immer an die Kinder, die ja gar nichts für die ganzen Miseren im Erziehungs- und Bildungssystem können. Ich mag Kinder sehr, möchte ihnen etwas beibringen, sie auf das Leben vorbereiten – und genau deshalb wäre es schön, wenn Staat und Eltern meine Kollegen und mich dabei mehr unterstützen würden.”

      Und an wen denken die, die statt 4000,- Euro künftig 4500,- verdienen wollen? (Ja, musste mal wieder sein. Gehört eben auch dazu.)

    • Gut.

      Meine allgemeine Kritik verstehen Sie ja leider immer persönlich (auch dann, wenn sie nicht persönlich gemeint ist). Wenn Sie den “faulen Unterricht” gar nicht praktizieren, geht diese meine Kritik also auch nicht an Sie und wir können jetzt gemeinsam dagegen wettern. 🙂

      • “Fauler” Unterricht ist für mich, wenn man es sich als Lehrkraft besonders einfach macht, komme, was da wolle, und sich um die Belange der SuS nicht kümmert.
        Ob man frontal über alle Köpfe hinweg doziert und dabei täglich eine Seite im Buch weiterblättert und, wie xxx es schreibt, den Gedanken “friss oder stirb” hegt, oder ob man einen Wochenplan kopiert und die SuS dabei sich selbst überlässt, hat dabei vermutlich ähnliche Auswirkungen.

        Was an vernünftiger Wochenplanarbeit “faul” sein soll, erschließt sich mir allerdings nicht. Weder ist es ein Zuckerschlecken, SuS zur Wochenarbeit zu bringen, noch diverse differenzierte Pläne samt Materialien zu erstellen, noch alles im Anschluss zu kontrollieren. Die Arbeit für die Lehrkraft ist immens.

        Dennoch bietet eine Wochenplanarbeit Vorzüge, die manche Lehrkräfte zu nutzen wissen. Nicht um sich, wie Sie es sich vorstellen, den Rest der Woche zurückzulehnen und die Kinder machen zu lassen, sondern um sich um SuS zu kümmern, etwas zu wiederholen oder begabte SuS herauszufordern und z.B. in kleiner Gruppe Begründungen zu erarbeiten, worauf man sich tatsächlich auch vorbereitet.
        Plan verteilen und “macht mal schön” sagen, wird da nicht ausreichen.

        “Faul” ist übrigens auch, wenn das eigene Methodenrepertoire nicht über eine einzelne Methode hinaus reicht.

        • @Palim
          “Ob man frontal über alle Köpfe hinweg doziert..”
          Beim Frontalunterricht malen ein negatives Zerrbild, während Sie den Wochenplan schönmalen.
          Ich habe nach ihm gearbeitet und festgestellt, dass die Kontrolle kaum zu bewältigen ist, auch nicht bei größtem Arbeitsaufwand. Die Lernerfolge sind auch nur mäßig.
          “Methodenvielfalt” ist schön und gut, soweit sie nicht um ihrer selbst Willen angehimmelt wird. Es ist schon wichtig, sich ein kritisches Auge zu bewahren und nicht nur gegen den Frontalunterricht Stimmung zu machen.

          • “Beim Frontalunterricht malen ein negatives Zerrbild, während Sie den Wochenplan schönmalen.”
            Das sehe ich anders. In genau dem Abschnitt beschreibe ich ein “negatives Zerrbild” des Wochenplanes, das ich von sofawolf aufgegriffen habe, der Wochenplan als “faulen Unterricht” tituliert und ausführt, die Lehrkraft würde es sich leicht machen und die Woche über zurücklehnen und die SuS im Unterricht machen lassen.
            Auch habe ich ebenfalls erwähnt, dass der Aufwand beim Wochenplan immens ist. Zu dem Schluss sind Sie ja selbst auch gekommen und xxx schreibt weiter oben, dass die Vorbereitung auf linearen Frontalunterricht sicherlich erheblich weniger aufwändig ist.

            Ich stimme zu, dass man die Mehtoden fair miteinander vergleichen sollte. Da helfen Zerrbilder nicht weiter. Genau darin bestand die Kritik an sofawolfs Einschätzung der Methode des Wochenplanes als angeblich “faulen Unterricht”.

      • Wochenplanarbeit/Stationarbeit/Werkstätten/ Lerntheken:
        Alle diese Arten haben ein ähnliches Prinzip. Ich habe die Wochenplanarbeit wieder reduziert, weil ich mit der Korrektur der Korrektur nicht mehr nachgekommen bin, denn jede Selbstkontrolle der Schüler muss nachkontrolliert und ggf. wieder eingefordert werden, damit die Wochenplanarbeit wirklich auch die Kompetenz “Selbstkontrolle” fördert und alle Schüler ihre Aufgaben gewinnbringend bearbeiten. Wochenplanarbeit einfach so laufen lassen und nicht zu einer Sache zu machen, dass es Sinn macht, ist nicht mein Ding. Wie Palim auch schon schilderte, muss man bei solchen Formen aktiv eingreifen. Man ist in dem Moment zwar nicht als “Akteur und Alleinunterhalter” gefordert, aber wesentlich mehr als Aufpasser, dass keine Konflikte auftreten, Erzieher zum Arbeiten, Helfer und Kontrolleur. Das ist sogar oft anstrengender.

  9. @ Palim, ja, so ist das dann immer. Erst werden Probleme bestritten, dass es sie gäbe; dann werden die Lösungen abgetan als unrealistisch. Am Ende bleibt alles, wie es ist.

    Nein, das Sekretärinnenproblem ist nicht völlig unrealistisch, zumal ich gar nich vorschlug, die Telefonierei den Sekretärinnen überzuhelfen, sondern schrieb, Lehrer sollten “Nachsitzler” im Sekretariat melden und die Sekretärin kann dann anrufenden Eltern (die sich erkundigen wollen, wo ihr Kind bliebe) Auskunft geben, dass es heute eine Stunde nacharbeiten muss. Das alles kann man den Eltern von Anfang an so sagen, damit sie Bescheid wissen und für Besonderheiten jeglicher Art (letzter Bus) kann man Lösungen finden, wenn man nur will.

    Dazu bedarf es natürlich auch entsprechender rechtlicher Regelungen, die uns Lehrern dieses Vorgehen ermöglichen. Ich schrieb ja schon mehrfach, das ist auch eine Sache der Schulgesetze und Verordnungen. Bei Ausflügen ist man auch durchaus später als erwartet zurück (und später als das eigentliche Unterrichtsende). Sofern die Eltern informiert sind, habe ich da noch nie Probleme erlebt. Sofern sie es vergessen hatten, haben sie angerufen und man sagte ihnen, “die” seien auf einem Ausflug. Es lässt sich alles regeln. Sie bauen unnötige Hürden auf.

    Und wenn Schulgesetze und Verordnungen Nacharbeiten erlauben (inklusive die vorgeschlagene Vorgehensweise) sehe ich einem Gespräch mit aufgebrachten Eltern sehr gelassen entgegen. Womöglich erinnere ich sie daran, dass zu ihren schulgesetzlichen Pflichten auch gehört, darauf zu achten, dass ihre Kinder die Hausaufgaben erledigen (wegen derer Nichterledigung ihr Kind nacharbeiten muss, z.B.).

    • Aber dazu braucht man sicherlich Vollzeit-Sekretärinnen an jeder Schule und am besten gleich zwei.

      Ist nur kein Geld da. 🙁

    • Da Sie ja darauf zurückgekommen sind, erkläre ich noch einmal, was an Ihrem Szenario meiner Meinung nach unrealistisch ist.

      Sie haben vorgeschlagen, dass Sie ein Kind am gleichen Tag in der Schule behalten wollen, als “Nachsitzer”, wie sie es nennen, ohne die Eltern vorab zu informieren.
      Stattdessen gibt die Lehrkraft eine Notiz bei der Sekretärin an, die bei einem Anruf der Eltern dann weitergibt, dass das Kind noch in der Schule bleibe.

      Ich finde den Vorschlag abwegig:
      Was glauben Sie, passiert, wenn eine Lehrkraft ohne Einwilligung der Eltern ein Kind in der Schule behält?
      Wie reagieren Eltern, wenn ihr Kind (6-10 Jahre) nicht rechtzeitig zu Hause erscheint?
      Können Sie sich ansatzweise vorstellen, wie aufgebracht Eltern sein können, wenn ihr Kind nicht am gedachten Ort zu finden ist?
      Haben Sie schon einmal erlebt, dass eine Lehrerin “rund gemacht” wurde, weil sie den Unterricht 5 min überzogen hat oder von einem Unterrichtsgang 5 min später zurück in die Schule kam?

      Das hat alles weit weniger mit mit Schulgesetzen und Verordnungen zu tun, sondern mit der Sorge der Eltern um ihr Kind.
      Das Telefonat führen Sie früher oder später mit den Eltern ohnehin, gelassen oder nicht.
      Da ist es nicht notwendig, die Eltern aufzubringen, und unsinnig, der Sekretärin solche Anrufe zu bescheren.

      • Womöglich werden Sie staunen. Solche Vorschläge kommen durchaus von Eltern selbst. Eltern meiner Schüler schugen schon vor, einen Tag in der Woche generell für Nacharbeiten zu reservieren. (Dann wissen sie ja, dass ihr Kind wohl nachsitzt, wenn es an diesem Tag nicht wie sonst nach Hause kommt.)

        Eine Kollegin hat es umgekehrt mit den Eltern ihrer Klasse auf einem Elternabend besprochen. Kinder, die ihre Hausaufgaben nicht machen, müssen sie z.B. dienstags in der 7. Stunde nacharbeiten.

        Ich glaube, Sie sind da ein wenig zu ängstlich. Und doch, Schulgesetze und Verordnungen können uns helfen. Das Nacharbeiten kann, wenn es nicht sowieso schon so ist, da es ja offiziell erlaubt ist, als “verlängerte Schulpflicht” aufgefasst werden. Eltern müssen davon ja “nur” informiert sein, also wie ich vorschlage, nicht explizit davon, dass ihr Kind an einem bestimmten Tag eine Stunde länger bleiben muss, sondern, dass es generell länger bleiben muss, wenn es z.B. HA nicht gemacht hat und dass das dann im Sekretariat gemeldet wird und Eltern es dort erfahren können. Dazu bräuchten wir wohl doch unbedingt entsprechende Regelungen in Schulgesetzen und Verordnungen, um keinen Ärger zu bekommen.

        Außerdem kann ich auch aus Erfahrung berichten, dass Eltern bei Ausflügen, die länger dauerten als gedacht, zwar anriefen, wo ihr Kind bliebe, ich aber noch nie deswegen mit ihnen Ärger hatte.

        • Wenn Eltern Lehrer wegen 5 Minuten überziehen, was m.E. aber wirklich eine Ausnahme sein sollte, anmachen, ist das eine Frechheit, die wir uns nicht bieten lassen sollten. M.E. sagen entsprechende Urteile, dass der Lehrer den Unterricht eröffnet und endet. Die Schulklingel ist quasi nur eine Erinnerung. Wenn das nicht klar ist, haben wir hier den nächsten Fall, wo Schulgesetze und Verordnungen uns den Rücken stärken könnten.

          Dennoch meine ich, ein Lehrer sollte normalerweise pünktlich beginnen und pünktlich schließen.

          • Für sämtliche Ausnahmen kann man Ausnahmeregelungen finden.

            An Ausnahmen sollten aber nicht die Regeln selbst scheitern.

        • Wenn die Unsicherheitsfaktoren für die Eltern bereinigt werden, dann ist dagegen auch nichts zu sagen. Sollten aber nicht auch Eltern der Sekundarstufe bis zu einem gewissen Alter wissen, wo ihr Kind ist und wann es nach Hause kommt?
          In der Grundschule sollte es auf jeden Fall ganz klar sein, denn diese Kinder sind noch kleiner und wehrloser.

          • Im Prinzip gilt doch: Wenn es nicht zu Hause ist bzw. auf dem Heimweg, ist es in der Schule, die es unerlaubt nicht verlassen darf!

            Wenn es nicht nach Hause geht (oder kommt), ist das nach dem Unterrichtstag doch eigentlich – nicht falsch verstehen, ich meine es bzgl. unserer Aufsichtspflicht – nicht mehr Sache der Schule. Ich will sagen, was es macht, nachdem es erlaubt die Schule verließ, darauf haben wir ja keinen Einfluss mehr. Das ist Sache der Eltern.

            Es gilt also für den Normalfall: Ein Kind, das nicht nach Hause kommt, ist in der Schule. Alles andere ist nicht der Normalfall, in dem Eltern zurecht unruhig werden.

          • Ich schreibe es mal so:
            Alles, was abweichend vom normalen Stundenplan ist, wird vorab kommuniziert.

            Kein Kind geht _erlaubt_ vorher, wenn es nicht vorher abgesprochen wurde, (manche jüngere Kinder sind so orientierungslos oder “besonders”, dass sie doch gehen).

            Kein Kind bleibt länger, wenn es nicht vorher abgesprochen wurde.

        • Nein, ich bin nicht ängstlich,
          aber meine Schulumgebung ist offenbar eine andere als Ihre
          und Ihre SuS sind vermutlich nicht 6 Jahre alt.

          Es geht darum, dass man Eltern Sorgen bereitet oder sie in Rage versetzt und damit auch noch Sekretärinnen behelligt.

          Niemand hat geschrieben, dass man es nicht anders regeln könnte:
          – Zeiten ansetzen (die welche Lehrkraft übernimmt?)
          – Informationswege abstecken
          – klare Regeln absprechen
          etc.

          Wenn es in Ihrer Schule funktioniert, obwohl Eltern nicht wissen, wann und wo ihr Kind nach Hause kommt, haben Sie andere Möglichkeiten, als bei Eltern, denen das Wohl und die Aufsicht über ihre Kinder wichtig ist, selbst wenn die Hausaufgaben nicht immer erbracht sind.

          Ich spare es mir jetzt, Ihnen die weiteren Lücken Ihres Vorgehens zu erläutern. Wie sagen Sie immer: Es sind ja nur Vorschläge.

          • Ja, das stimmt schon. Es sind Vorschläge und sie stammen aus der Sicht der weiterführenden Schule.

            Aber wie ich auch immer sage: Man kann für alles Regelungen finden, z.B. auch dass etwas erst ab Klasse (?) geht oder bei Schulen, die Kinder per Schulbus gebracht und abgeholt bekommen, der nur 1x täglich fährt, anders geregelt werden muss usw.-usf. An Grundschulen wäre ein offiziell bestimmter Tag für Nacharbeiten (für die ganze Schule bzw. pro Klasse) vielleicht auch eine Variante, dann ist das offiziell Teil des Stundenplans und langfristig bekannt usw.-usf.

            Was ich nur früher von Ihnen las (jetzt nicht), war immer erst einmal ein Berg an Bedenken und die zumindest scheinbar nicht vorhandene Bereitschaft, “anders zu denken”. In dieser Diskussion reden wir nach meinem Eindruck aber gerade konstruktiv, auch wenn Sie ja doch eher immer Einwände haben, nur halt nicht so konfrontativ und ich fühle mich gerade nicht “falschausgelegt”.

            Wir müssen das nicht zu Ende diskutieren. Wir haben hier, wie ich auch immer sage, nichts zu entscheiden. Gute Nacht. 🙂

    • @sofawolf
      Versprechen Sie sich da wirklich mehr Nutzen, wenn das am gleichen Tag erfolgt? Wenn die Aktion später erfolgt, kann man sie auch besser planen, z.B. gerade das Organisieren von Sozialdiensten wie dem Hausmeister helfen den Schulhof saubermachen usw.
      Außerdem ist es in meinen Augen wirksamer, wenn zuerst ein offizieller Brief an die Eltern herausgeht, wann diese Aktion oder Nacharbeit abzuleisten ist und von den Eltern unterschrieben werden muss. So machen wir es an unserer Schule und das nützt schon was.

      Die Kinder einfach dazubehalten und darauf warten, bis besorgte Eltern anrufen, halte ich schon für grenzwertig. Was ist, wenn sie es nicht tun und wenn es ein “Schlüsselkind” ist? Wenn dann, da es alleine nach Hause muss, da keine Kinder mehr den Schulweg gehen, etwas passiert oder das Kind verschwindet? Die Schule würde durch eine solche Aktion Unsicherheiten bei den Eltern provozieren. Das entspricht nicht dem Anspruch einer verlässlichen Grundschule, einer Schule, in die man als Eltern Vertrauen setzen kann, dass mein Kind dort gut aufgehoben ist.
      Seit dem Fall “Natalie Astner” – sie wurde 1996 auf dem Schulweg von einem Pädophilen entführt und getötet, in einem kleinen bayerischen Dorf übrigens – sind wir in Deutschland hochsensibel geworden, was Schulweg und Entführungen bzw. das Verschwinden von Kindern angeht. Deswegen rufen wir an bayerischen Grundschulen auch bei den Eltern an, wenn das Kind zu Schulbeginn nicht eingetroffen ist und wir keine Entschuldigung haben. Ordnungsmaßnahmen kann man wirkungsvoll auch später durchführen. (s.o.)

      • Ich bestehe eigentlich nicht darauf, dass die Nacharbeit am selben Tag erfolgt. Das ist gar nicht mein Punkt.

        Ich wandte mich dagegen, dass der Lehrer die Eltern vorher informieren muss bzw. dass ich irgendeine Art von “Beleg” haben muss, dass die Eltern informiert sind. Das würde ich gerne “umdrehen”. Eltern wissen, dass es sein kann, dass ihr Kind wegen einer Nacharbeit in der Schule länger bleibt und können dann im Sekretariat anrufen, um sich Gewissheit zu verschaffen.

        Wann die Nacharbeit erfolgt, würde ich jedem Lehrer selbst überlassen.

        • Das verstehe ich schon, aber mir wäre das für die Grundschule zu unsicher – ich möchte als Lehrkraft sicher sein, dass die Eltern wegen des Schulweges und was da passieren könnte Bescheid wissen, wenn das Kind dann alleine unterwegs ist.

          • Ist es aber nicht auch so an der Grundschule, dass die Kinder – je jünger, desto mehr – von den Eltern oder anderen Bezugspersonen abgeholt werden? Erst wenn die Eltern ihnen den Heimweg alleine zutrauen, lassen sie ihn ihr Kind alleine gehen. Dann besteht immer eine gewisse Unsicherheit.

            Ich glaube, ich las erst heute, dass 80% der Eltern sich sorgen, wenn ihr Kind alleine zur Schule bzw. nach Hause geht. Das bleibt aber 14.00 genauso wie 15.00 Uhr oder 16.00 Uhr.

          • Wenn viele Kinder zur gleichen Zeit aus haben, dann laufen viele Kinder den gleichen Schulweg. Das bringt eine gewisse Sicherheit. Wenn ein Kind alleine spät aus hat, dann läuft es alleine. Manche Eltern holen ihr Kind ab, die meisten aber nicht, weil sie wissen, dass ihr Kind mit anderen Kindern läuft. Die Klassen werden so zusammengestellt, dass Kinder gemeinsame Schulwege haben.

          • ysnp hat es ja auch noch erläutert.
            Bei uns ist es ähnlich, wobei es diese morgendlichen Anrufe nicht gibt, sie aber immer wieder ins Gespräch kommen.

            Kinder werden häufig die ersten Wochen begleitet, manche auch länger. Es ist sehr umstritten, wie es günstig ist.
            Eigentlich können Kinder in dem Alter den Schulweg zu einer nahegelegenen Schule oder Bushaltestelle nach einigen Wochen allein oder mit Freunden bewältigen, je nachdem wie gefährlich der Verkehr ist. Dadurch werden die Kinder selbstständiger.
            Dennoch wissen die Eltern genau, wann das Kind zu Hause sein müsste und werden sehr schnell unruhig, wenn es nicht kommt.
            Dann gibt es einen Anruf in der Schule und quasi eine Suchaktion in der Schule und von zu Hause aus, bis das Kind wieder da ist.

            Der o.g. Fall, häufig auch Gerüchte, und die Tendenz dazu, Kinder generell nahtlos zu beaufsichtigen, bewirkt, dass viele Kinder persönlich mit dem Auto zur Schule gefahren und dort abgegeben/ abgeholt werden.
            Schade daran finde ich u.a. auch, dass man durchaus andere Möglichkeiten suchen kann, den Schulweg sicher zu gestalten, z.B. Absprachen unter Eltern, die mehrere Kinder begleiten, oder Freundschaften fördern, sodass Kinder gemeinsam den Weg nehmen.

        • @sofawolf: Unser Sekretariat ist nur 1mal pro Woche besetzt, bis 12 Uhr. Da kann niemand mehr anrufen, wenn das Kind zu Hause nicht erscheint. Vom Gesetz her dürfen wir Grundschulkinder ohne vorherige Nachricht an die Eltern nie früher (wegen Unterrichtsausfall) oder später nach Hause schicken ohne schriftliche Information und rückgehende Unterschrift der Eltern. Wir haben in den im Stundenplan angegebenen Zeiten Aufsichtspflicht und machen uns schlichtweg strafbar. Auch wir müssen dem nachgehen, wenn SuS 15 Minuten nach Unterrichtsbeginn unentschuldigt fehlen. Vor kurzem haben 2 Mädels aus meiner 1. Klasse unterwegs auf einem Spielplatz gespielt und die Zeit vergessen. Sie kamen 20 min zu spät. Auch hier musste ich die Eltern schriftlich in Kenntnis setzen, damit sie handeln können.

          • Genau solche Sachen gehören abgestellt. Ich nehme an, dass an Ihrer Schule genügend Arbeit anfällt für eine Sekretärin in Vollzeit, wobei Telefoniererei und Aktensortiererei noch zu den harmlosen Sachen zählt. Ihr Schulleiter, diverse Eltern, alle Lehrer, die Schüler würden sich darüber auch sehr freuen, sprich alle außer der Kommune, die nicht mehr eine Sekretärin für alle Grundschulen, sondern eine Sekretärin pro Grundschule bezahlen müsste.

          • So weit ich mich erinnern kann, haben in Bayern die Grundschulrektoren vor nicht allzulanger Zeit sich fürmehr Sekretärinnenstunden eingesetzt und zumindest welche dazubekommen, wenn vielleicht auch noch nicht zufriedenstellend. Es ist so oder so erstaunlich, wie unterbesetzt Sekretariate in Grundschulen im Vergleich zu weiterführenden Schulen sind. Das ist auch einer der Gründe, weshalb kaum einer mehr Grundschulrektor/in machen möchte.

          • Dafür müssten sich vermutlich Kommunen, Länder und Bund an einen Tisch setzen. Auch hier geht es ums Geld und darum, dass nicht alles in einer Hand liegt. Und es geht darum, eine gute Ausstattung zu gewährleisten, statt am falschen Ende zu sparen. Es bräuchte Vorgaben (Umfang, Tätigkeitsbeschreibung), die verbindlich sind, denn zuzeit entscheidet wohl jede Kommune selbst über den Einsatz und die Eingruppierung von Schulsekretärinnen.

          • Eben, das gehört abgeschafft. Denn wo nur 1 wöchentlich eine Sekretärin da ist, kann meine Idee nicht realisiert werden. Das sehe ich genauso.

            Eben, es geht wie immer ums Geld. Und ich sage wieder, uns allen wären 2 vollbeschäftigte Sekretärinnen an jeder Schule eine größere Hilfe im Berufsalltag als einfach paar hundert Euro mehr im eigenen Portmonee. Ist es nicht so?

          • Und klar, die Umsetzung muss realisierbar sein (also für besondere Situationen auch besondere Regelungen erlauben) und braucht dann die rechtliche Absicherung durch Schulgesetze und Verordnungen.

            Ist doch alles mein Reden. 🙂

          • 🙂 Nein, schwups, ist da wieder der Zusammenhang mit anderem, weil alles miteinander zusammenhängt, was Sie leider noch nicht wahrnehmen oder wahrhaben wollen.

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