Zum Start der didacta: Fthenakis fordert mehr Unterstützung für Lehrer und Erzieher (“Sie sind das Herzstück guter Bildung”)

36

HANNOVER. Am kommenden Dienstag startet die didacta, die größte Bildungsmesse Europas, in Hannover. Bis zu 100.000 Besucher werden erwartet, darunter viele Lehrkräfte und Erzieherinnen. Warum sich ein Besuch dieser Leistungsschau der Bildungsbranche lohnt – und welche politischen Botschaften von dem Großereignis ausgehen, darüber sprachen wir mit Prof. Dr. Wassilios E. Fthenakis, Präsident des Didacta Verbandes der Bildungswirtschaft. Fthenakis gilt als einer der renommiertesten Forscher in Sachen vorschulischer Bildung. Er war 27 Jahre lang Direktor des Staatsinstituts für Frühpädagogik in München. 

Hier geht es zum “Teacher’s Guide” von News4teachers zur didacta.

Präsident des Didacta Verbands und einer der renommiertesten Bildungsforscher in Deutschland: Wassilios Emmanuel Fthenakis. Foto: Didacta Verband
Präsident des Didacta Verbands und einer der renommiertesten Bildungsforscher in Deutschland: Wassilios Emmanuel Fthenakis. Foto: Didacta Verband
Anzeige


 

Herr Professor Fthenakis, die didacta ist Europas größte Bildungsmesse. Was genau verbirgt sich hinter diesem Superlativ?

Fthenakis: Die didacta ist weltweit die einzige mir bekannte Bildungsveranstaltung, die alle Fach- und Lehrkräfte anspricht, die den Pädagoginnen und Pädagogen derart umfassende Angebote zur Erleichterung ihrer Arbeit und zur eigenen Weiterqualifizierung unterbreitet und sich zugleich für ihren Stellenwert in Politik und Gesellschaft einsetzt.

Aber eine Messe ist doch vor allem eine Produktschau.

Fthenakis: Das ist richtig. Doch die didacta ist weit mehr als eine reine Produktmesse. Neben der Ausstellung bietet sie ein wohl einzigartiges Seminar- und Vortragsprogramm sowie zahlreiche bildungspolitische und wissenschaftliche Foren, die Raum zur Information, zum gegenseitigen Austausch und zur eigenen Fortbildung geben.

Für wen lohnt sich ein Besuch der didacta?

Fthenakis: Der Besuch der didacta lohnt sich für alle, die an Bildungsprozessen beteiligt sind – von der Kita über die Schule und Ausbildung bis zur beruflichen Qualifizierung. Doch Bildung findet nicht nur in den klassischen Bildungseinrichtungen statt, sondern vor allem auch in den Familien, im sozialen Umfeld und an außerschulischen Lernorten. Deshalb erhalten auch Eltern und grundsätzlich alle, die sich für Bildung interessieren, auf der didacta viele Anregungen für das Lehren und Lernen.

Die Unionsparteien und die SPD haben sich in den Koalitionsverhandlungen darauf verständigt, mehr als zehn Milliarden Euro zusätzlich für Kitas, Schulen, Hochschulen und die berufliche Bildung auszugeben. Sogar das Kooperationsverbot soll gelockert werden. Wie bewerten Sie diese Entwicklung?

Fthenakis: Die Abschaffung des Kooperationsverbotes in der Bildung wäre ein richtiger Schritt, um die Arbeitsbedingungen in den Bildungseinrichtungen zu verbessern. Vorhaben, wie die Sanierung und Ausstattung von Gebäuden und der Ausbau der technischen Infrastruktur, könnten so angeschoben werden. Die Beteiligung des Bundes darf jedoch nicht dazu führen, dass Länder und Kommunen sich aus der finanziellen Verantwortung ziehen. Die politischen Ebenen müssen gemeinsam dafür sorgen, das Bildungssystem angemessen zu finanzieren. Noch wichtiger als das Investitionsvolumen ist jedoch, dass die zusätzlichen Mittel wirklich zu einer Qualitätssteigerung führen.

Wie kann die Qualität verbessert werden?

Fthenakis: Wir müssen vor allem die Fach- und Lehrkräfte unterstützen. Sie sind das Herzstück guter, professioneller Bildung. Sie sind auf Konzepte und Instrumente angewiesen, die Lehr- und Lernprozesse stärken. Das gelingt nur, wenn die Rahmenbedingungen für ihre Arbeit verbessert, fließende Übergänge im Bildungsverlauf gestaltet und neue didaktische und methodische Ansätze angewandt werden, die differenzierte und individuelle Bildungsprozesse ermöglichen. Sie benötigen Unterstützungsangebote, die eine neue Bildungsqualität sichern, gerade auch im Hinblick auf die zunehmend digitalisierte Welt.

In Kitas und Schulen fehlen viele Fach- und Lehrkräfte. Gerade erst hat eine Studie der Bertelsmann Stiftung aufgezeigt, dass in sieben Jahren 35.000 zusätzliche Grundschullehrerinnen und -lehrer benötigt werden. Stecken die pädagogischen Berufe in einer Krise?

Fthenakis: Die Fach- und Lehrkräfte tragen hohe Verantwortung für die Kinder und somit auch für die weitere Entwicklung eines Landes. Diesen besonderen Wert für den Einzelnen und die Gesellschaft sollten alle im Sinn haben, die sich an bildungspolitischen Entscheidungsprozessen beteiligen. Dies gilt umso mehr, da die Anforderungen an die pädagogischen Berufe stetig wachsen. Inklusion und Digitalisierung sind beispielsweise zwei Entwicklungen, die große Herausforderungen darstellen.

In einer Didacta-Umfrage im Sommer 2016 unter 1140 Lehrerinnen und Lehrern gaben mehr als 80 Prozent der Befragten an, dass ihnen die für ihren Job notwendigen Kompetenzen nicht in der Ausbildung vermittelt wurden. Ist diese Kritik berechtigt?

Fthenakis: Diese Kritik kommt nicht nur von Lehrkräften, auch Erzieherinnen und Erzieher berichten davon. Sie werden mit mehr Aufgaben konfrontiert und fühlen sich darauf nicht gut genug vorbereitet. Seit vielen Jahren schon fordere ich eine Reform der Ausbildung pädagogischer Fachkräfte.

Was müsste sich Ihrer Meinung nach verändern, damit sich Fach- und Lehrkräfte besser vorbereitet fühlen?

Fthenakis: Pädagogische Fachkräfte sollten in ihrer Ausbildung dazu befähigt werden, gemeinsam mit den Kindern Bildungsprozesse zu gestalten – und das nicht nur erfahrungsgeleitet, sondern vor allem fachlich begründet. Sie benötigen Interaktions- und Reflexionskompetenz, Beobachtungs- und Dokumentationskompetenz, Präventionskompetenz, Forschungskompetenz, Kompetenz, die sie befähigt, mit Diversität auf allen Ebenen umzugehen. Dazu gehört auch Leitungskompetenz und neuerdings auch digitale Kompetenz. Erzieherinnen und Erzieher sowie Lehrerinnen und Lehrer stehen heute vor der Herausforderung, mit den Eltern eine symmetrische Beziehung aufzubauen und mit ihnen eine Bildungspartnerschaft einzugehen. Zudem sollen sie die Stärken der analogen und der digitalen Welt produktiv und kreativ verbinden und so neue Lerngelegenheiten kreieren. Diese Anforderungen müssen in der Ausbildung berücksichtigt werden.

Die Digitalisierung ist der Programmschwerpunkt der didacta 2018. Welche Effekte auf das Lehren und Lernen hat der Einsatz digitaler Technik?

Fthenakis: Zahlreiche aktuelle Studien zeigen, dass der Einsatz neuer Technik in Lernprozessen zu einer Stärkung der Lernmotivation, zu einem höheren Engagement der Kinder und zu höherer Zufriedenheit führen kann. Zudem stärkt sie selbst gesteuertes, kooperatives Lernen, problemlösendes und kreatives Verhalten. Kinder entwickeln komplexe und situationsunabhängige Beziehungen zueinander, auch zu Kindern aus anderen Ländern. So entwickeln sie die digitale Kompetenz, die heute als eine der vier Kulturtechniken neben Lesen, Schreiben und Rechnen betrachtet wird. Neuere Konzepte erweitern den Lernraum, beispielsweise mittels der Augmented Reality (erweiterte Realität): Bildungsräume und -inhalte, die dem Lernenden allein über seine Sinne nicht zugänglich, nicht verfügbar oder nicht sichtbar sind. Sie sollten in den Bildungsprozess eingebettet werden.

Lernen wir in der digitalen Welt besser?

Fthenakis: Der Einsatz digitaler Technik führt nicht automatisch zu besseren Lernerfolgen. Das Potenzial der Digitalisierung kann nur ausgeschöpft werden, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden.

Welche sind das?

Fthenakis: Auch hier hat die Forschung bereits Erkenntnisse geliefert, die man in vier Punkten zusammenfassen kann: Erstens, die Bereitstellung einer Breitband-Infrastruktur. Sie ermöglicht den schnellen Zugang zu Informationen. Wichtig ist hierbei auch der Support, der garantiert, dass die Technik funktioniert und auf dem neuesten Stand bleibt. Zweitens, die Qualifizierung der Fachkräfte, damit sie ihre Vorbehalte abbauen und ihre eigene digitale Kompetenz stärken können. Sie sollten in der Lage sein, in Kooperation mit anderen Fachkräften, geeignete didaktische Einheiten zu entwickeln. Daraus folgt drittens die wichtigste Voraussetzung: Wir benötigen geeignete pädagogisch-didaktische Konzepte, die den sinnvollen Einsatz neuer Technik erst ermöglichen und rechtfertigen. Und schließlich, viertens, wird die Familie eine zentrale Rolle spielen. Deshalb müssen sich neue Formen der Kooperation etablieren, auch unter Nutzung der digitalen Medien.

Wie sieht Ihrer Einschätzung nach eine digitale Didaktik aus, die den Ansprüchen an zeitgemäßes Lehren und Lernen gerecht wird?

Fthenakis: Im Wesentlichen sieht sie nicht anders aus als die Didaktik, die wir bei analogen Lernangeboten anwenden. Die Didaktik an sich muss neu orientiert werden: Wir benötigen ein didaktisch-pädagogisches Konzept, das Lernen nicht nur als individuellen, sondern primär als sozialen Prozess auslegt, der aktiv vom Kind, den Fachkräften, den Eltern und anderen Erwachsenen gestaltet wird. Wir benötigen ein Konzept, das auf modernen Ansätzen aufbaut, die auch den virtuellen Raum miteinbeziehen und somit den Lernprozess erweitern und neue Perspektiven eröffnen. Lernprozesse sollten im Höchstmaß individualisiert sein. Sie sollten dabei die von den neuen Medien gegebenen Chancen produktiv und kreativ nutzen. Interaktionen, Dialog und kooperativen Formen des Lernens sind das Fundament eines solchen Ansatzes. All das findet man im didaktisch-pädagogischen Konzept der Ko-Konstruktion, das derzeit eine breite Anwendung erfährt.

Wie kann der Didacta Verband die pädagogischen Fachkräfte unterstützen?

Fthenakis: Gemeinsam mit Partnern aus Politik und Forschung wollen wir die Fach- und Lehrkräfte über kommende Entwicklungen im Bildungsbereich informieren und ihnen helfen, sich darauf vorzubereiten. Beispielsweise planen wir didaktische Konzepte und Materialien vorzustellen, die einen einfachen Zugang zu Wissen ermöglichen, neue Formen des kooperativen Lernens unterstützen und so zu besseren Lernergebnissen führen. Wir möchten den Pädagogen Informationen an die Hand geben, die ihre Arbeit fachlich begründen und sie dabei unterstützen, ihre Lernziele zu erreichen. So werden wir zur Professionalisierung der pädagogischen Berufe beitragen. Schon heute stellen wir in den Didacta-Medien regelmäßig praxisorientierte Lösungen und Best practice rund um das Lehren und Lernen vor. Und die didacta Messe und weitere Fachveranstaltungen, wie beispielsweise Kongresse in Kooperation mit den Buchmessen in Frankfurt und Leipzig, bieten viele konkrete Anregungen für Fach- und Lehrkräfte. Der Didacta Verband und die Messe machen sich dafür stark, dass die Bildungswirtschaft sich in diese Prozesse einbringt.

Hier geht es zum “Teacher’s Guide” von News4teachers zur didacta.

Willkommen im „Start-up Valley“: Rund 50 Start-ups aus der Bildungsbranche präsentieren sich gemeinsam auf der didacta

 

Anzeige


36 KOMMENTARE

  1. Alter Schwede. Das alles können nur Wundermenschen. Ich glaube Leute, die so reden wie er, sind ein Teil des Lehrermangelproblems. Ko-Konstruktion..tzzzz

  2. Mangelnde Lehrerausbildung mit Fortbildung ausgleichen
    Zwar ist es skandalös, dass die Lehrerausbildung große Mängel aufweist. Sonst würden im Rahmen der zitierten Studie nicht mehr als 80% der befragten Lehrer zu der Feststellung gelangen, dass ihnen die notwendigen Kompetenzen zur Ausübung ihres Jobs in ihrer Ausbildung nicht vermittelt wurden.
    Umso wichtiger ist also die Fort- und Weiterbildung. Die alljährliche didacta ist eine hervorragende Messe, um bei der Suche nach professionellen Lösungen fündig zu werden.
    Schulen nutzen nach meiner Erfahrung viel zu wenig die Chancen, die sich mit einem Besuch dieser Messe auftun. Ein Umdenken ist dringend notwendig.

    • Und wie soll sich das ändern, wenn von ca. 110 Lehrkräften einer Schule so 3 bis 5 fahren dürfen, da der Unterricht für die SuS ja verlässlich sichergestelltw erden muss?

    • Die Lehrerausbildung und Fortbildung wird meist überschätzt und leider von den Lehrkräften selbst zu oft als Grund für ihre Überforderung genannt.
      “Dafür fehlt mir die Ausbildung” hört sich anscheinend besser an als “dieser Aufgabe bin ich nicht gewachsen”.
      Es ist eine fragwürdige Verharmlosung vieler Unterrichtsschwierigkeiten, wenn so getan wird, als läge alles an fehlender Aus- und Fortbildung. Das hilft nur, die wahren Ursachen zu verschleiern und auf Scheinlösungen zu reduzieren.

      • Heike schrieb: “Es ist eine fragwürdige Verharmlosung vieler Unterrichtsschwierigkeiten, wenn so getan wird, als läge alles an fehlender Aus- und Fortbildung. Das hilft nur, die wahren Ursachen zu verschleiern und auf Scheinlösungen zu reduzieren.”

        Absolut richtig! Zumal man so mal wieder das beliebte Klischee, Lehrer seien faul, unflexibel und nicht fortbildungswillig, munter am Leben hält.

        Ich habe in den letzten Jahren allein an sieben Fortbildungen zum Thema “Implementation von Kerncurricula” teilnehmen dürfen. D a m i t beschäftigt man die Lehrer. Fachlich-inhaltlich hochwertige Fortbildungen gibt’s ja kaum noch. Und wenn, dann darf man oft nicht hin (siehe dickebank).

        • Dem stimme ich zu.
          Besonders ärgerlich ist es dann, wenn die “Fortbildung” aus einem “Verlesen” der Curricula besteht.
          Das, was auf diesen verpflichtenden Veranstaltungen passiert, ist ein Hohn.

  3. “In einer Didacta-Umfrage im Sommer 2016 unter 1140 Lehrerinnen und Lehrern gaben mehr als 80 Prozent der Befragten an, dass ihnen die für ihren Job notwendigen Kompetenzen nicht in der Ausbildung vermittelt wurden.”

    Wenn Grundschullehrkräfte inzwischen die Aufgabe von Förderschullehrkräften übernehmen müssen, weil die Förderschulen geschlossen wurden (Nds.), ist es natürlich so, dass die bisherigen Grundschullehrkräfte in ihrem Studium nur ein Bruchteil an Förderpädagogik erfahren durften.
    Digitale Entwicklungen werden selten 10 Jahre im Voraus gesehen, die heutigen Lehrkräfte konnten entsprechende Neuerungen nicht im Studium einsetzen oder den Umgang damit erlernt.

    Erlernt wurden aber mit Sicherheit der Umgang mit Medien und der Umgang mit Lernschwierigkeiten. Die Ausbildung befähigt einen, sich mit Inhalten auseinanderzusetzen und sich im Hinblick auf Pädagogik oder auf Didaktik und Methodik ein Urteil zu bilden. Generell kann man doch davon ausgehen, dass sich jemand, der sein Fach studiert hat und in diesem Beruf arbeitet, sich in den nächsten Jahrzehnten weiter mit den Inhalten beschäftigt.

    Die genannte Umfrage wurde von dem Verband der BildungsWIRTSCHAFT durchgeführt, Herr Fthenakis ist deren Direktor. Natürlich hat die BildungsWIRTSCHAFT ein bestimmtes Interesse an… Bildung… in Form von …?
    Wenn sich die WIRTSCHAFT hervortun möchte, kann sie ja den Gegebenheiten angemessene Produkte kreieren und anbieten:
    – Fortbildungsveranstaltungen, die keine Werbeverkaufsveranstaltungen für Lehrwerke sind, sondern FORT-BILDUNGEN.
    – bezahlbare Dienstleistungen für Schulen, zur Ausstattung und Wartung
    – digitale Angebote, die nicht allein ein Abbild der Lehrwerke sind, sondern den Mehrwert berücksichtigen, nicht aber allein auf das Sammeln von Schülerdaten bezogen sind

    Und wenn das LAND sich an der BILDUNG und FORTBILDUNG beteiligen und seine LEHRKRÄFTE unterstützen will, könnte es folgendes anbieten:
    – Online-Vorträge (auf einer Ministeriums-Internet-Seite), im ganzen Land abrufbar, von namhaften Wissenschaftlern (womöglich der landeseigenen Hochschulen), die man dann als Fortbildung selbst oder im Kollegium nutzen kann: Wozu muss jede Schule jeden Redner einladen, wenn der Vortrag doch immer derselbe ist?
    – Ausgearbeitete handlungsorientierte Konzeptbausteine, sodass nicht jedes Kollegium jeder kleinen Schule in einem zeitraubenden Kraftakt die unzähligen Konzepte selbst erdenken muss, sondern sinnvolle Varianten angeboten bekommt und sich daran orientieren kann.
    – Software für die Schulverwaltung, Statistik, Zeugnisse, die funktioniert, die regelmäßige Updates erfährt und für die eine zentrale online-Hilfe und ein Service-Telefon angeboten wird

  4. – Online-Vorträge (auf einer Ministeriums-Internet-Seite), im ganzen Land abrufbar, von namhaften Wissenschaftlern (womöglich der landeseigenen Hochschulen), die man dann als Fortbildung selbst oder im Kollegium nutzen kann: Wozu muss jede Schule jeden Redner einladen, wenn der Vortrag doch immer derselbe ist?
    DIESER SO NAHELIEGENDE VORSCHLAG von Palim SOLLTE VON MÖGLICHST VIELEN LEHRKRÄFTEN AN IHRE SCHULVERWALTUNGEN UND KULTUSMINISTERIEN HOCHGELADEN WERDEN . Er ist einfach und sicher sehr wirksam.

    • Dafür müsste das Ministerium aber bereit sein, so etwas bereit zu stellen. Das würde aber Geld kosten, weil die Mitarbeiter am Ministerium das im Gegensatz zu den Lehrern nicht während ihrer unbezahlten Freizeit machen.

      • Es ging doch um mehr Unterstützung für Lehrkräfte und Erzieher…
        … das wäre dann mal etwas, das mehr erfordert, als Lippenbekenntnisse.

      • xxx, es empfiehlt sich wirklich nicht, in s/w-Schemata zu denken und in Polarisierungen zu argumentieren. Es existieren viele Möglichkeiten.
        Zum Beispiel habe ich als Referent(!) es gern selbst unternommen und habe auf Wunsch eines FB-Veranstalters einen entsprechenden Vortrag ins institutionelle Netz des FB-Trägers gestellt. – Was spricht dagegen, dass alle Referenten der Lehrerfortbildung auf dieses Verhalten, das Allen nutzt, vertraglich verpflichtet werden ? -Selbstverständlich können bei verbesserter Medienkompetenz der Beteiligten(sic) so auch interaktive Mittel und Wege begangen werden.

        • “bei verbesserter Medienkompetenz der Beteiligten”
          Die “verbesserte Medienkompetenz” wird immer wieder gern von Lehrkräften erwartet und gefordert …
          … auf Seiten des Ministeriums kann ich davon wenig erkennen.
          Das, was von Land und Schulträger an “Medienkompetenz” in meiner Schule ankommt, ist m.M.n. beschämend … und offenbar häufig mehr an Wirtschaft denn an Bildung orientiert.

          Im übrigen ging es mir gar nicht um “alle Referenten der Lehrerfortbildung”, sondern tatsächlich darum, dass Lehrkräfte sich über das, was aktuell an der Uni geforscht oder gelehrt wird, ein Bild machen können: in der Pädagogik sowie in den Fachwissenschaften.
          Die Werbeverkaufsveranstaltung des Verlagsmitarbeiters kann man gerne auch online stellen, die wäre für mich aber eher nicht von Interesse.

        • Es ging mir nicht um schwarz-weiß-Denken. Es ist nur die Erfahrung mit dem Ministerium, das wohl auch aus gutem Grund im Rahmen der Kompetenzorientierung nur noch Kernlehrpläne ins Netz zu stellen, die die einzelnen Schulen in Eigenarbeit zu konkretisieren hatten. Verkauft wurde das zwar als “ideale Zuschneidbarkeit auf die eigenen Rahmenbedingungen”, ist für mich aber nur eine verkappte Sparmaßnahme auf Kosten der Freizeit der Lehrer.

  5. Zitat Prof. Fthenakis: “Sie benötigen Interaktions- und Reflexionskompetenz, Beobachtungs- und Dokumentationskompetenz, Präventionskompetenz, Forschungskompetenz, Kompetenz, die sie befähigt, mit Diversität auf allen Ebenen umzugehen. Dazu gehört auch Leitungskompetenz und neuerdings auch digitale Kompetenz.”

    Fehlt nur noch die berühmt-berüchtigte Kompetenz-Erwerbungs-Kompetenz…

        • – wirklich, dickebacke, sie wollten doch nicht mehr nur länger unfein lästern, wenn Sie mal einen begriff (noch) nicht verstanden haben!
          Das passiert mir ja auch oft. Dann Google ich aber.

          • Hier geht nicht ums Verstehen, sondern ums Beurteilen.
            Nicht immer gleich Unwissenheit vorwerfen, wenn Ihnen Meinungen von Mitdiskutanten gegen den Strich gehen.

          • Zitat (Quelle haben Sie vorgegeben)

            “Hinweise zum Datenschutz bei Google
            Später erinnern
            Ansehen
            Suchergebnisse
            Bildergebnis für resilienz
            Resilienz (von lateinisch resilire ‚zurückspringen’ ‚abprallen’) oder psychische Widerstandsfähigkeit ist die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen und sie durch Rückgriff auf persönliche und sozial vermittelte Ressourcen als Anlass für Entwicklungen zu nutzen.”

            Wie ich schon sagte: “Wenn man selbst genügend Kompetenz hat, um Inkompetenz zu kompensieren bzw. an sich abprallen zu lassen.”

            An Fortbildung ist der erste Wortbestandteil der Interessnte. Die guten Fortbildungen sind die, wo man fort bleiben kann, um nicht Bullshit-Bingo spielen zu müssen. Von @palim wurde ja schon die FoBi zur Implementation der Kernrichtlinien ins Feld geführt. Ich kann aber gerne noch weitere Favoriten ins Feld führen.

          • @F.H. Nicht Unwissenheit sondern das unsachliche Lästern war, ist und bleibt stets Stein des Anstoßes

          • Deshalb hielten sich ja auch die Herrschenden füherer Zeiten den Hofnarren.

            WennSchule als Realsatire hinter der satirischen Darstellung von Schule verblasst, dann darf Spott und Häme doch als Stilmittel nicht unverzichtbar sein.

            Das Kompetenzgeschwurbel soll doch nur verschleiern, dass Schule den Schülern weder Kenntnisse noch Fähigkeiten oder Fertigkeiten auch nur ansatzweise vermitteln kann. Wer die SekI mit einem HA (Hauptschulabschluss nach Klasse 9) verlässt, schafft es ja nicht einmal unter Zuhilfenahme aller erworbenen Kompetenzen einen ALGII-Antrag auzufüllen.

            Klassen, in denen lediglich die Lehrkräfte Muttersprachler sind, sind Zeichen für fehlgeleitete Einwanderungspolitik. Und verantwortlich dafür sind nicht die Zuwanderer.

    • Dass keiner von denen, die diese Begriffe bis ins Extrem gebrauchen, merkt, dass das Kompetenzgetue nichts Neues ist. Früher hat man es nur einfacher ausgedrückt. Auch bevor man den Kompetenzbegriff eingeführt hat, hat man beobachtet, reflektiert, dokumentiert (aufgeschrieben) usw.

      • @ysnp
        Sie sagen: “Früher hat man es nur einfacher ausgedrückt.”
        Warum wurde es dann wohl komplizierter und der Kompetenzbegriff so inflationär und exzessiv gebraucht, dass er für alles und nichts mehr steht und sich doch vage nach Anspruch im Bildungsniveau anhört.
        Begriffe sind wichtig, sowohl zur Erhellung als auch zur Verdunklung von Tatsachen. Für die Erzeugung von Fata Morganen spielen positiv klingende Schlagwörter ebenfalls eine große Rolle.

    • Für die, die keine Zeit zum Lesen haben, fasst Krautz schon zu Beginn seiner Ausführungen zusammen:
      “Das Kompetenzkonzept wurde durch die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) mittels ihrer PISA-Studien als neues Leitziel von Schule durchgesetzt.
      Dies geschah ohne demokratische Legitimation und am Souverän, den Bürgern, vorbei. Dabei
      kann das Kompetenzkonzept als wissenschaftlich ungeklärt gelten, es senkt empirisch nachweisbar das Bildungsniveau, widerspricht den Leitzielen eines demokratischen Bildungswesens, zersetzt didaktisches und pädagogisches Denken und Handeln und behindert Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung zu mündigen Staatsbürgern.”

      • Danke für die Zusammenfassung. Sie deckt sich mit meiner Meinung darüber, ist nur wesentlich kompetenter (hihi) formuliert als ich das jemals könnte.

      • So ein hanebüchener Blödsinn. Die Kompetenzorientierung kommt in die Lehrpläne durch deutsche Schul- und Kultusminister, und die sind natürlich demokratisch legitimiert, ob man die nun mag oder nicht. Es gibt keine OECD-Verschwörung, auch wenn Verschwörungstheorien immer so schön leicht zu verstehen sind. Wer mit der Schulpolitik nicht einverstanden ist, kann entsprechend wählen gehen oder sich parteipolitisch engagieren und versuchen, eine Mehrheit für seine Position zu bekommen. Billiger ist es natürlich, anonym irgendwelchen Quatsch zu verbreiten.

        • Ich habe mich hier im Forum ja schon öfter GEW-kritisch geäußert. Auf die Idee, die gewerkschaftlichen Publikationen als “Verschwörungstheorien” zu bezeichnen, bin ich allerdings noch nicht gekommen. Das schafft nur Bernd. Glückwunsch dazu.

          • Von “Verschwörungstheorien” zu reden, um bestimmte Meinungen lächerlich zu machen, ist ein berüchtigtes Rezept, auf das Bernd reichlich oft zurückgreift, was auf Dauer der Wirksamkeit schadet.
            Bei seinem ebenfalls immer wieder auftauchenden Vorwurf, “anonym irgendwelchen Quatsch zu verbreiten”, muss ich regelmäßig grinsen.
            Schreibt er nicht anonym und verbreitet er keinen Quatsch?

          • Diese Strategie, U. b., ist für mich auch ein Zeichen fehlender echter Argumente. Durch Niederbrüllen kriegt man die Gegenposition irgendwann auch ruhig – aber nicht überzeugt.

        • Landesminister werden vom Regierungschef ernannt und vom Parlamentspräsidenten vereinigt. Sie müssen keine gewählten Mitglieder des jeweiligen Landtages sein.

          Wo bitte ist jetzt die demokratische Legitimation? Minister werden nicht gewählt.

      • Die Kompetenzorientierung ist genauso demokratisch oder nicht demokratisch legitimiert wie Bachelor & Master. Eine Legislative war jedenfalls dabei VOR einer Entscheidung nicht beteiligt, hinterher ging es nur noch um das WIE und nicht um das OB. Die zuständigen Kultus- und Wissenschaftsminister (die ja selber keine Ahnung haben) waren dabei gewissen Einflüsterungen ausgesetzt, dieses und jenes sei “alternativlos”. PISA gilt inzwischen als alternativlos. Der PISA-Schock hat dabei eines Rolle gespielt, denn PISA testet angeblich Kompetenzen, und dabei waren deutsche Schüler angeblich nicht gut genug. Das, was sie vielleicht besser gekonnt hätten, das hat PISA halt nicht getestet, z.B. Fremdsprachen, musische Fähigkeiten, gedankliche Selbständigkeit hinsichtlich ihrer Standpunkte usw.
        Was Kompetenzorientierung überhaupt heißt, wissen die meisten gar nicht. Deswegen wimmelt es von Anleitungen zum kompetenzorientierten Unterricht und zum kompetenzorientierten Prüfen:
        https://www.isg-rostock.de/fileadmin/isg-rostock/Fletcher_Files/Kompetenzorientierter_Unterricht.pdf
        Typisch dafür scheint zu sein, dass Prozeduren vorgeschrieben werden, aber nicht im Sinne des Erlernens und Verstehens von Inhalten. In dem o.a. Link ganz hinten soll z.B. eine vorgegebene Stellungnahme zu einem Thema formuliert werden. Früher hätte man vielleicht einen Aufsatz schreiben lassen zum Thema “Soll Marihuana legalisiert werden?”, heute wird ein Standpunkt dazu vorgeschrieben und soll nur noch vertreten werden, egal ob er mit dem eigenen übereinstimmt oder nicht. In einem anderen Fall habe ich ein Thema gesehen “Schreiben Sie eine Rede des griechischen Finanzministers, gerichtet an die Geldgeber der EU”. Der Mensch soll funktionieren und Aufträge erledigen können, aber nicht mehr Bildung erwerben und selber nachdenken. Die vielen personalen, strategischen, sozialen, kommunikativen und anderen Kompetenzen kommen auch aus der Unternehmenspsychologie. Da gibt es sogar ein “Kompetenzmanagement” mit einem gleichnamigen Wikipedia-Artikel. Da steht z.B. das Wort “Humankapital” sowie “Humankapitalbilanzierung”. Bildung wird so reduziert auf den Nutzen des Humankapitals, sozusagen dessen Rendite, alles “von oben nach unten” gedacht.
        Kurz und gut: die Kompetenzorientierung schafft die Vorstellung ab, Bildung sei zweck- und wertfrei (“Allgemeinbildung”). Humboldt dreht sich im Grabe um. Bildung wird jetzt in ein “Kompetenzraster” mit vorgegebenen Kompetenzen gezwängt und im Detail beurteilt durch Kompetenzstufen.
        Nebenbei: Diejenigen, die immer gegen die 5 oder 6 Notenstufen in der Grundschule wettern, weil die nicht kindgemäß sind, finden 5 oder 6 Kompetenzstufen in Tests für Grundschüler meist ganz prima. Siehe VerA 3 in Berlin, hier bei n4t.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.