Computer statt Kreide – an bayerischen Schulen soll in Sachen Digitalisierung der Turbo angeschmissen werden

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KARLSTADT. Alles spricht von Digitalisierung. Auch Bayerns Schulen sollen digitaler werden. Dafür sollen sie auf Wunsch des Kultusministeriums bis 2019 Konzepte erarbeiten. Einige Schulen haben das Thema bereits gut im Blick – und könnten damit Vorbild für die anderen sein.

Die Digitalisierung erfordert nicht nur Wissen, sondern auch Equipment. Foto: Blake Patterson / flickr / CC BY 2.0

Alle Klassenzimmer haben neben den klassischen grünen auch weiße Tafeln für digitalen Unterricht, alle Lehrer organisieren ihren Arbeits- und den Schulalltag am Tablet – das Johann-Schöner-Gymnasium im unterfränkischen Karlstadt ist eine Bilderbuchschule mit Blick auf Digitalisierung. «Die Schule ist fantastisch ausgestattet», sagt der Elternbeiratsvorsitzende Harald Wiggenhorn dazu. Nun will die Schule, die Referenzschule für Medienbildung ist, ihr Wissen weitergeben. Dafür haben Lehrer, Eltern und Schüler das Projekt «Digital Media Lab» (digitales Medienlabor) auf die Beine gestellt. Das Ziel: Schulen, Kinder und Eltern auf die Digitalisierung nicht nur vorbereiten, sondern gemeinsam den Weg zur digitalen Schule gestalten.

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«Denn es macht ja keinen Sinn, wenn jede Schule ihr eigenes Rad erfindet», sagt Wiggenhorn weiter. Ein Ansatz, der vielen bayerischen Schulen gerade recht kommen könnte. Bis Ende des Schuljahres 2018/2019 sollen alle Schulen in Bayern ein zu ihnen passendes Medienkonzept erarbeitet haben. Um diese Hausaufgabe meistern zu können, ist ein Blick zu den Klassenbesten sicherlich hilfreich.

Denn es gibt im Freistaat auch Schulen, da kann von 2.0 noch keine Rede sein. Deshalb sieht auch Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) im leistungsfähigen Internetanschluss die wichtigste Voraussetzung für ein künftiges digitales Klassenzimmer. Aber auch das Ministerium hat sich in Sachen «Digitale Schule» einiges ins Hausaufgabenheft geschrieben. «Das zweite ist die Digitalität als Unterrichtsgegenstand», sagt der Minister im Gespräch. Sein Ministerium überarbeite derzeit die Lehrpläne für alle weiterführenden Schulen.

Nun sind die Schulen gefragt

Geplant sind mehr Stunden für die Themen Digitales und Informatik, dafür sollen zusätzliche Lehrer eingesetzt werden. «Das ist auch beschlossen», so Spaenle. Damit die Lehrer bei dem Thema fit sind, sind außerdem Fortbildungen für Zehntausende bayerische Lehrer geplant. Einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag will sich das Ministerium das kosten lassen. 170 Millionen Euro allein in den nächsten drei Jahren.

Gleichzeitig will das Ministerium den Schulen nicht vorschreiben, wie umfassend sie die Digitalisierung umsetzen müssen. Also sind nun auch die Schulen selbst gefragt. In einem Schreiben an die Elternbeiräte hat Spaenle zudem die Eltern zur Mitarbeit aufgefordert.

Jürgen Böhm, Vorsitzender des Bayerischen Realschullehrerverbandes, sieht eine große Chance in dieser Offensive. «Ich halte es für sinnvoll, dass sich jede Schule selbst überlegen muss, was für sie sinnvoll ist. Es gibt ja überall andere Voraussetzungen», sagt Böhm, der auch den Bundesverband der Realschullehrer anführt und 2014 von der Gesellschaft für Informatik zum digitalen Kopf Deutschlands ernannt wurde.

Für ihn ist wichtig, dass die Kinder den Umgang mit Digitalem sicher lernen. Dass sie fit für den digitalen Alltag sind und sich beispielsweise auch mit Fakenews und Rassismus im Netz auskennen. «Das ist Teil der Werteerziehung.»

Fachkundige Lehrer und passendes Unterrichtsmaterial

Bayern sieht er bei der Digitalisierung der Schulen auf einem guten Weg. «Deutschlandweit steht Bayern gut da, weil die Rahmenbedingungen geschaffen wurden. Das heißt aber nicht, dass es nicht weiter gehen muss.» Fachkundige Lehrer und passendes Unterrichtsmaterial seien ebenso wichtig. Die Digitalisierung muss schlau eingesetzt werden, sagt der Schulleiter einer niederbayerischen Schule. «Es geht nicht darum, digitale Unterrichtsmedien auf Zwang und Krampf einzusetzen. Es geht um den sinnvollen Umgang damit.»

Die gute alte Tafelkreide stehe deshalb noch lange nicht vor dem Aus, meint Böhm. «Kreide, Bücher, Digitalisierung – das gehört alles zur Vielfalt dazu.» Wichtig sei, dass den Schülern die Gefahren, aber auch die Chancen vor Augen geführt werden. «Der Schüler von heute ist der Bürger von Morgen – und der muss mit digitalen Möglichkeit umgehen können», sagt der Realschulleiter.

Das «Digital Media Lab» des Karlstädter Gymnasiums stößt in das gleiche Horn – es will deshalb mündige Lehrer, Eltern und Schüler gleichermaßen. Deshalb halten Experten wie der «Handelsblatt»-Chefredakteur Vorträge zu neuesten digitalen Trends, rechtlichen Hintergründen, digitalen Entwicklungen und vielem mehr. Am Dienstagabend startet das Projekt, das unter der Schirmherrschaft der künftigen Staatsministerin für Digitales im Kanzleramt, Dorothee Bär (CSU), steht. dpa

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2 KOMMENTARE

  1. Bayern hat die Umstellung auf G8 noch mehr vergeigt als NRW, weil noch viel undurchdachter und noch viel zu schneller durchgedrückt. Die Zukunft wird zeigen, ob das auch mit dieser Hauruck-Aktion passieren wird.

    Während G8 u.a. Geld einsparen sollte, kostet die Digitalisierung eine Unmenge Geld — und das durchgehend, weil die Geräte von irgendwem gewartet und spätestens alle fünf Jahre ersetzt werden müssen.

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