Generationswechsel im Philologenverband Schleswig-Holstein: Der neue Chef ist 37

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RENDSBURG. Der Philologenverband Schleswig-Holstein hat einen neuen Vorsitzenden. Mit großer Mehrheit wählten die Delegierten des Jahreskongresses heute in Rendsburg den Studienrat Jens Finger (37) zum Nachfolger von Helmut Siegmon, der den Verband zwölf Jahre lang geführt hat und den die Delegierten einstimmig zum Ehrenvorsitzenden des Verbandes wählten. Finger ist Lehrer für die Fächer Deutsch und Geographie an der Alexander-von-Humboldt-Schule in Neumünster.

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„Ich freue mich auf die große neue Aufgabe“, sagte Finger in einer ersten öffentlichen Stellungnahme, „meinen Auftrag sehe ich im kontinuierlichen Eintreten für ein starkes Gymnasium im gegliederten Schulwesen – ganz so, wie Helmut Siegmon dies über mehr als ein Jahrzehnt kämpferisch vorgelebt hat! Meinen Auftrag sehe ich aber auch im verstärkten Eintreten für unsere jungen Kolleginnen und Kollegen: Sie verdienen eine Lehrerbildung, die auf die pädagogischen Herausforderungen unserer Tage ausgerichtet ist, sie verdienen aber auch angemessene Arbeitsbedingungen, damit sie nicht in andere Bundesländer abwandern! Wir brauchen sie hier!“ Mit diesen Worten setzte Jens Finger erste Schwerpunkte der künftigen Verbandsarbeit.

Unterstützung für diesen Weg erhielten Finger und der von ihm geführte Landesvorstand dabei von der neuen Bundesvorsitzenden des Deutschen Philologenverbands, Frau Professor Susanne Lin-Klitzing, die als Gastrednerin der Veranstaltung deren Spezialgebiet, Lehrerbildung im Hinblick auf eine Studier- und Zukunftsfähigkeit, an konkreten Zielen erläuterte. An Stelle der Bildungsministerin Karin Prien verband deren Staatssekretärin Dr. Doris Stenke ihre Glückwünsche für den neuen Landesvorsitzenden, Jens Finger, mit einer kurzen Skizze über die schulpolitischen Ziele der Jamaika-Koalition, die sich auch auf die Lehrerbildung und auf die Schärfung der Profile der beiden weiterführenden Schulformen erstreckte.

Jens Finger zollte der Ministerin und der Landesregierung, der sie angehört, Anerkennung und Respekt für den Mut, wichtige schulpolitische Veränderungen in Angriff zu nehmen. Dazu zählte er die konsequente Verwirklichung des Wahlziels „Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium“ und die angekündigte Reform der Studiengänge mit dem Ziel einer klaren Ausrichtung der Studienordnung auf die Erfordernisse der Schularten Gemeinschaftsschule und Gymnasium. Finger betonte in diesem Zusammenhang das Motto des diesjährigen Kongresses „Schüler brauchen exzellente Lehrer!“ Der Verband forderte auch die Rückkehr zu festen Lerngruppen der Referendare und die Abkehr von einem „schulartübergreifenden Modultourismus“ durch Schleswig-Holstein – eine Forderung, die sich auf die zweite Phase der Lehrerausbildung richtet.

Zu den Zielen des Verbandes gehört auch die deutliche Forderung an Landtag und Landesregierung, genügend Mittel bereit zu stellen, damit eine mehr als 100-prozentige Unterrichtsversorgung sichergestellt werden kann. „Dies sind wir Schülerinnen und Schülern sowie ihren Eltern schuldig“, so Finger, „diese Forderung liegt aber auch in unserem berufspolitischen Interesse; denn er reduziert den Vertretungsbedarf.“ Finger und sein Verband unterstrichen erneut die Bedeutung einer angemessenen aufgabengebundenen Lehrerarbeitszeit. Er verwies auf die hohe Rücklaufquote Schleswig-Holsteins bei der vom Deutschen Philologenverband initiierten wissenschaftlichen Untersuchung zur Lehrerarbeitszeit. „Wir erwarten, dass die bald zu erwartenden validen Ergebnisse unsere Politiker zu einem Umdenken führen: Wer die Arbeitszeit der Lehrkräfte human gestaltet, der hat es im Übrigen auch mit weniger Krankheitsausfällen und motivierteren Pädagogen zu tun!“

Als Gewerkschaft der Lehrerinnen und Lehrer stehe es dem Verband auch gut an, vergleichbare Arbeitsbedingungen zu fordern. Seit Einführung der Länderhoheit in Besoldungsfragen seien die Einkommen im Öffentlichen Dienst anderer Bundesländer deutlich stärker gestiegen. In diesem Zusammenhang erneuerte der neue Vorsitzende die Verbandsforderung nach Wiedereinführung des Weihnachtsgeldes für Beamtinnen und Beamte – unabhängig vom Dienstgrad und vom Familienstand. Dies sei in zwölf von 16 Bundesländern Realität, nicht aber in Schleswig-Holstein – trotz günstiger Haushaltslage.

„Schule braucht exzellente Lehrer!“ Dieses Motto sei somit auch als Forderung zu verstehen, attraktive Arbeitsbedingungen zu gewährleisten – eine Investition in Bildung, die nicht zuletzt den Schülerinnen und Schülern zugute kommt. News4teachers

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