In der Arktis gab’s im Winter noch nie so wenig Eis wie in diesem Jahr: Polarforscher diskutieren Klimawandel in Rostock

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ROSTOCK. Darüber, dass die Auswirkungen des Klimawandels im kalten Norden besonders spürbar werden, sind sich Wissenschaftler einig. In Rostock treffen sich  200 von ihnen, um die Konsequenzen zu diskutieren.

Bekommt die Folgen des Klimawandels bereits zu spüren: der Eisbär. Foto: Andreas Weith / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

In der Universität Rostock diskutieren rund 200 Polarforscher aus 13 Ländern über die Auswirkungen des Klimawandels auf die kalten Erdregionen. Die Tagung «Arktis, Antarktis und Hochgebirge unter Druck» dauere bis Donnerstag, sagte Ulf Karsten, Biologie-Professor am Rostocker Institut für Biowissenschaften. Die wichtigste Tagung der Deutschen Gesellschaft für Polarforschung finde alle zwei Jahre und erstmals in Rostock statt. Neben Biologen seien auch Physiker und Chemiker unter den Teilnehmern der interdisziplinären Veranstaltung.

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«Die Erderwärmung spiegelt sich vor allem im hohen Norden wider», erklärte Karsten. «Die große Frage ist: Wie geht es danach weiter, was bringt die Zukunft?» Durch abschmelzende Eismassen steige der Meeresspiegel – auch in der Ostsee. Auch wenn sich dieser Anstieg im Schnitt nur auf einige Millimeter über einen langen Zeitraum belaufe, müsse sich der Küstenschutz anpassen. Dünen und Deiche müssten erhöht werden. «Das lässt sich nicht mal so eben stemmen.»

Der kalte Süden, der antarktischen Kontinent, sei bisher stabil, erklärte der Professor. Anders als um den Nordpol, wo in einem Winter noch nie so wenig Eis gemessen wurde wie in diesem Jahr, gebe es am Südpol keinen Gletscherverlust. Die antarktische Halbinsel allerdings, die der Südspitze Südamerikas gegenüberliegt, zeige ähnliche Anzeichen wie die Nordpolarregion. Ob es sich dabei aber um Auswirkungen der Erderwärmung handele, werde wissenschaftlich noch kontrovers diskutiert.

Trump bereitet Sorgen

Mit Vorsicht betrachtet der Experte Diskussionen, denen zufolge das Abschmelzen der nördlichen Polkappe den Golfstrom schwächen oder ihn gar stoppen könnte. Es sei unklar, ob Schwankungen im Golfstrom durch den Klimawandel verursacht werden oder nicht, sagte er. «Wir haben viel zu wenig Informationen, was wann wo passiert.» Es fehle ein flächendeckendes Messsystem im Ozean, das zwar technisch möglich wäre, aber sehr teuer sei.

Mit Sorge betrachtet Karsten US-Präsident Donald Trump, der die Mittel für die Umweltforschung drastisch kürze. «Wie würde man gegenüber seiner Familie handeln? Man würde doch immer Schaden von den eigenen Kindern abwenden wollen», sagte er. «So müssen wir das auch gesellschaftlich betrachten. Wir wissen vieles noch nicht, aber wir müssen uns damit auseinandersetzen, was wir tun, wenn es so weit ist. Es ist so lächerlich, wenn Trump sagt, wir hätten kein Problem. Fragen Sie mal die Menschen an der Ostküste.»

Ein weiterer Punkt der Tagung ist die Vorstellung eines Schwerpunktprogramms der Deutschen Forschungsgesellschaft (DFG) an der Uni Rostock. Das Projekt sei im Dezember um sechs Jahre verlängert worden und stelle pro Jahr rund drei Millionen Euro Forschungsgelder bereit. dpa

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