Irritation durch Stiftungsdirektor – Bund will Bildungsarbeit in KZ-Gedenkstätten nun besser fördern

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ERFURT/WEIMAR/BERLIN. Der Hilferuf von Weimars Stiftungsdirektor Knigge um mehr Geld hat für Irritationen bis zum Bund gesorgt. Dieser sieht derzeit keine Gefahr im Verzug. Auch die Anreise überlebender KZ-Häftlinge zum Tag der Befreiung sei finanziell abgesichert.#

Zynischer Spruch am Eingang des Konzentrationslagers Buchenwald. Foto: Motorfix / Wikipedia Commons (CC BY-SA 3.0)
Zynischer Spruch am Eingang des Konzentrationslagers Buchenwald. Foto: Motorfix / Wikipedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Der Bund will die Bildungsarbeit in den KZ-Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora personell und finanziell stärken. «Wir haben im Moment leider die ungünstige Situation, dass die neue Regierung noch nicht ernannt ist und es keinen bestätigten Haushalt 2018 gibt», sagte der Sprecher von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) auf Anfrage. «Es ist keine Gefahr im Verzug», versicherte er. Auch die Anreise und der Aufenthalt von derzeit 19 hochbetagten ehemaligen KZ-Häftlingen zum 73. Jahrestag der Befreiung Mitte April seien nicht gefährdet. Die Kosten würden staatlich finanziert. Spenden seien dafür nicht notwendig.

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Stiftungsdirektor Volkhard Knigge hatte am Freitag in einem Zeitungsinterview erklärt, Reisen, Aufenthalt und Betreuung der KZ-Überlebenden aus mehreren Ländern Europas und den USA seien in diesem Jahr nur durch Spenden zu stemmen. Die Kosten betrügen 53 000 Euro, die die Stiftung wegen Unterfinanzierung nicht aufbringen könne.

Grütteres’ Sprecher Hagen Philipp Wolf rechnet im Sommer mit der Verabschiedung des Bundeshaushalts. Dann werde die Stiftung alle zugesagten Gelder für die Vermittlungsarbeit erhalten und auch die zwei neuen Pädagogenstellen, sagte er. Bis zum neuen Haushalt werde der Bund im Gespräch mit der Thüringer Landesregierung Mittel und Wege finden.

Geld fehlt auch für Bildungsaufgaben

Laut Knigge liegt das Defizit bei der Stiftung derzeit bei 350.000 Euro und droht in diesem Jahr sogar noch auf 500.000 Euro anzuwachsen. Geld für Ausstellungen, Vorträge oder Ankäufe stünden nicht mehr zur Verfügung. Auch bei Bildungsaufgaben sei die Stiftung nicht annähernd ausreichend ausgestattet. Seinen Angaben nach braucht die Stiftung rund 10 Prozent mehr Geld. Aktuell seien es 7,2 Millionen Euro jährlich.

Der Thüringer Kulturminister Benjamin-Immanuel Hoff (Linke) hatte daraufhindie neue Bundesregierung aufgefordert, notwendige Gelder zu zahlen. Der Bund habe die vom Land als dauerhaft angesehene Erhöhung der Zahlungen an die Stiftung nicht mitgetragen und so zur «Finanzierungslücke der Gedenkstätte» beigetragen, kritisierte er.

Der Freistaat hat laut Hoff 2015 etwa 2,845 Millionen Euro an die Stiftung gezahlt, 2018 seien es mehr als drei Millionen Euro. Für 2019 sei eine Steigerung auf 3,293 Millionen Euro vorgesehen. Der Bund habe für 2018 nur 2,851 Millionen Euro eingeplant. Eigentlich erfolge die Finanzierung durch Bund und Land Thüringen zu gleichen Teilen. In den Koalitionsverhandlungen von Union und SPD sei es auch um eine höhere Priorität der Gedenkstättenarbeit gegangen. «Nun müssten den Worten endlich Taten folgen», forderte Hoff. dpa

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