Lehrerverbände machen Stimmung gegen Gemeinschaftsschule

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Die Verbände der Berufsschul-, Realschul- und Gymnasiallehrer machen Stimmung gegen die Gemeinschaftsschule. Die im kommenden Schuljahr startenden Oberstufen an dieser Schulart seien ein kostspieliges Experiment und führten zu Verwerfungen in der Schullandschaft, hieß es in einer Mitteilung der Verbände.

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Diese Oberstufen kämen durch «Trickserei» zustande, sagte die Landeschefin des Realschullehrerverbande, Katrin Broszat. So dürften Gemeinschaftsschulen nicht nur die eigenen Schüler, sondern auch die der Nachbarschulen und der Umlandgemeinden einrechnen.

Hintergrund ist die Grundvoraussetzung für die Oberstufen an Gemeinschaftsschulen, dass mindestens 60 Schüler zum Ende der Mittelstufe in diese wechseln wollen. Für das kommende Schuljahr ist der Einstieg in die gymnasiale Oberstufe in zwei Gemeinschaftsschulen im Land vorgesehen. dpa

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13 KOMMENTARE

  1. News4Teachers behauptet: Lehrerverbände “machen Stimmung” gegen die Gemeinschaftsschule.

    Ich entgegne: Bereits jeder halbwegs intelligente Siebtklässler entlarvt diese Art der Formulierung einer Schlagzeile als Stimmungsmache (gegen Gymnasien, Realschulen etc.)

    • Sie treffen mal wieder den Nagel auf den Kopf. Ich wundere mich immer wieder, wie oft das eigene Verhalten bei anderen entdeckt und angeprangert wird.

  2. Kann mir bitte jemand den folgenden Satz erklären:

    “So dürften Gemeinschaftsschulen nicht nur die eigenen Schüler, sondern auch die der Nachbarschulen und der Umlandgemeinden einrechnen.”

    Heißt das, dass die erforderlichen 60 Schüler für eine Oberstufe an den Gemeinschaftsschulen inkl. der Oberstufenschüler am benachbarten Gymnasium oder anderer Schulform mit ebenfalls Oberstufe zusammen kommen dürfen? Das kann ich mir nicht vorstellen, den Grünen als Erfinder dieser Schulform ist aber alles zuzutrauen. Andere Oberstufenschüler sollte es im Umkreis ja nicht geben.

    • Das heißt, dass die Schüler beispielsweise aus drei GMS eine gemeinsame Oberstufe bilden. So wird es in Tübingen umgesetzt.

      • Danke. Kooperationen gibt es auch bei Gymnasien, um Physik- oder andere selten gewählte Leistungskurse doch zu bekommen.

        Aber wenn drei Tübinger Gemeinschaftsschulen erforderlich sind, um eine sehr kleine, genehmigbare Oberstufe mit nur sehr kleinem Kursangebot zu bekommen, ist das schon ein starkes Stück oder — ehrlicher — eine Bankrotterklärung für die Schulform.

        • Volle Zustimmung meinerseits. Und auch völlig unnötig, da es gute berufliche Gymnasien gibt, die zum Abitur führen. Von dem Geld, was es kostet, eine Oberstufe neu aufzubauen, mal ganz abgesehen. Aber das ist ja nur die Spitze des Eisbergs beim Thema Gemeinschaftsschulen. Da liegt noch viel mehr im Argen. Die breite Öffentlichkeit bekommt da wenig von mit. Die Presse lässt sich meist blenden von den gestellten „Vorführungen“ in diesen Schulen.

          • Können Sie Beispiele nennen?

            Mir fällt da noch die Klientel ein, die eher zur Hauptschule als zum Elitegymnasium passt.

        • @xxx: SuS mit eindeutiger Gymnasialempfehlung gehen selten auf Gemeinschaftsschulen. Es bleiben nur wenige übrig, die ein Abitur schaffen, zumal Gemeinschaftsschulen meist ja nur zweizügig oder dreizügig sind, also in meinem ländlichen Umfeld. Vielleicht ist es sonstwo mehr. Die Gemeinschaftsschule ist noch jung. Die ältesten Schüler sind jetzt erst in Klasse 10.

  3. Mittlerweile sind es rund 65% SuS mit einer Hauptschulempfehlung. 8% haben eine Gymnasialempfehlung an den GMS. So viel zum Thema Ausgeglichenheit bei den Schulempfehlungen, die politisch gewollt wurde. Dann ist auch keine Rede mehr, dass die Schwächeren von den Guten lernen. Umgekehrt wird ein Schuh daraus. Das Niveau sinkt immer mehr. Jeder Lehrer, der behauptet, er gestalte den Unterricht auf E-Niveau (Gymnasialniveau) lügt sich selber was vor. Auch die Notengebung wird zur Farce: Noten auf drei Niveaus zu verwalten, überhaupt realistisch abzubilden, ist unmöglich. Dazu müssen parallel Lernentwicklungsberichte für jeden SuS geschrieben werden, die an jeder GMS einen anderen Inhalt haben und somit nicht vergleichbar sind. So könnte man noch viele andere Probleme beschreiben. Das würde jedoch an dieser Stelle zu weit führen. Alles in allem ein theoretisches Konstrukt, das in der Praxis nicht umzusetzen ist.

      • Und so hat jede bildungspolitische Gruppierung eigene Schulform entwickelt, die SPD die Gesamtschule, die CDU die Gemeinschaftschule NRW und die Grünen ihre Einheitsschule und nur die, weil diese bildungspolitischen Vordenker denken, dass die äußeren Schulstrukturen einen positiven Einfluss auf das Lernverhalten der Schüler hätten; den haben diese aber nicht, vielleicht nur marginal, siehe Hattie.

        • In einem Punkt möchte ich Ihnen widersprechen. Die CDU war eigentlich immer für ein gegliedertes Schulsystem. Mit ihrem vielzitierten Ruck nach links auf die SPD und Grünen zu, die von sich behaupteten, eine modernere Bildungspolitik zu betreiben, ließ sie sich allerdings immer mehr auf den Gesamt- oder Gemeinschaftsschulgedanken ein.
          Ein Fehler, wie ich finde.

      • @ xxx: Das ist die badenwürttembergische Form der Gesamtschule, die es überall in Deutschland gibt. Wie gesagt, es gibt ja zusätzlich noch die Hautschulen, Realschulen und Gymnasien, das muss jeder für sich entscheiden. Niemand wird auf eine Gemeinschaftsschule gezwungen. Für manche Kinder ist diese Art des Lernens gut, für andere nicht. Sind wir froh über die freie Wahlmöglichkeit. Viele Eltern, deren Kind eine Hauptschulempfehlung hat, bevorzugen die Gemeinschaftsschule, weil auch im Moment viele Hauptschulen sehr multikulti geworden und neuen Herausforderungen ausgesetzt sind.

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