Pioniere bei wichtigen Themen oder ideologisch privilegierte Schulform? Gemeinschaftsschule bleibt umstritten

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STUTTGART. Wohin entwickelt sich die baden-württembergische Gemeinschaftsschule? Das wohl größte Projekt der ehemaligen rot-grünen Regierung wird fünf Jahre alt. Der Festakt in Stuttgart zeigt erneut die unterschiedlichen Positionen der Parteien. Für Ministerpräsident Kretschmann sind die rund 300 Gemeinschaftsschulen im Land Vorreiter bei vielen wichtigen Themen. Kultusministerin Eisenmann (CDU) sieht die von vielen ihrer Parteifreunde ungeliebten Schulform „am Erwachsen-Werden“.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann sieht die Gemeinschaftsschule fünf Jahre nach ihrem Start als Pionier auf vielen Gebieten. «Gemeinschaftsschulen sind leistungsstarke Schulen», betonte der Grünen-Politiker bei der Feier. «Dabei bin ich immer wieder erstaunt, wie positiv sich diese Schulen in so kurzer Zeit entwickelt haben.» Sie seien Vorreiter bei Themen wie digitalem Lernen, der Integration oder der Inklusion, wo behinderte und nicht-behinderte Kinder zusammen lernen.

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Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann sieht die umstrittene Gemeinschaftsschule auf einem guten Weg. Foto: BÜNDNIS 90/Die Grünen/Flickr CC BY 2.0
Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann sieht die umstrittene Gemeinschaftsschule auf einem guten Weg. Foto: BÜNDNIS 90/Die Grünen/Flickr CC BY 2.0

Den Angaben zufolge gibt es im Land inzwischen 300 dieser «Schulen für alle», in denen mehr als 50 000 junge Leute mit Haupt-/Werkrealschul-, Real- und Gymnasialempfehlung und Schüler mit Behinderung gemeinsam lernen.

Die Gemeinschaftsschulen verzeichneten für 2017/18 im Land jedoch erstmals rückläufige Anmeldungen. Rund 800 Grundschulabgänger weniger entschieden sich dafür. «Sie sollten sich von solchen Wasserstandsmeldungen nicht verrückt machen lassen», sagte Kretschmann zu den Gästen. «So etwas ist nach einem so großen Aufwuchs völlig normal. Da muss sich das natürlich zurechtruckeln.»

Zentrale Klassenarbeiten und Qualitätskontrollen: CDU erhöht Druck auf Lehrer

Zuvor hatte es von der Opposition Kritik gegeben. Die SPD im Landtag verlangte von den Grünen unter anderem mehr Einsatz im Parlament, wenn es darum gehe, die Interessen der Schulart zu vertreten. Die FDP dagegen sieht sie noch immer skeptisch und fordert, Privilegien abzuschaffen, die sie im Vergleich zu anderen Schularten habe.

Der SPD-Bildungsexperte Stefan Fulst-Blei monierte, der ehemalige Partner der SPD in der damaligen grün-roten Koalition überlasse die Gemeinschaftsschule ihrem Schicksal im CDU-geführten Kultusministerium. Die Folgen seien fatal. Als Beispiele nannte er unzureichende Versorgung mit Lehrkräften und Unterrichtsausfall. «Es gibt mehr als 700 Gymnasiallehrkräfte, die gerne an Gemeinschaftsschulen arbeiten würden, aber keine Stelle bekommen – da muss von den Grünen doch mehr kommen als nur Schulterzucken.»

Dauerstreitobjekt Gemeinschaftsschule – SPD wirft Eisenmann bewusste Täuschung vor

Der FDP-Bildungsexperte Timm Kern sah das anders: «Nach wie vor ist die Gemeinschaftsschule mit erheblichen Privilegien gegenüber den anderen Schularten ausgestattet, beispielsweise bei Lehrpersonal, beim Ganztagsausbau oder bei der Bezuschussung des Schulbaus.» Die beiden grünen-geführten Regierungen hätten sich nicht durchgerungen, im Sinne eines Schulfriedens alle Schularten fair auszustatten.

«Durch individuelles Lernen tragen Gemeinschaftsschulen zu mehr Bildungsgerechtigkeit und damit zu größerem Bildungserfolg bei», betonte hingegen Grünen-Fraktionschef Andreas Schwarz. «Sie fördern jedes Kind individuell – unabhängig von seiner sozialen Herkunft.»

Die Gemeinschaftsschule führt die Klassen fünf bis zehn, kann aber auch die Grundschule und/oder eine dreijährige Oberstufe umfassen. Wenn mindestens 60 Schüler zusammenkommen, kann auch eine gymnasiale Oberstufe eingerichtet werden. In Konstanz und Tübingen wurde das bereits genehmigt. Gemeinschaftsschulen sind Ganztagsschulen, in denen Phasen der Anspannung und Entspannung abwechseln.

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) betonte am Samstag ihr «klares Bekenntnis zum pädagogischen Konzept, so wie es jetzt vorliegt». Um die Zukunft dieser Schulart mache sie sich keine Sorgen. «Die Gemeinschaftsschulen sind jetzt am Erwachsen-Werden.» (dpa)

Gemeinschaftsschule: Gleichmacherei oder Chance für bildungsferne Schüler?

Befürworter sehen in der Gemeinschaftsschule eine Möglichkeit, allen Kindern und Jugendlichen dieselben Bildungschancen einzuräumen. Sie besteht aus den Klassen fünf bis zehn, kann aber auch die Grundschule und/oder eine dreijährige Oberstufe umfassen. Zudem sollte sie der zunächst rückläufigen Schülerzahl Rechnung tragen und insbesondere im ländlichen Raum eine Vielfalt der Abschlüsse ermöglichen.

Es können der Hauptschulabschluss und der mittlere Abschluss abgelegt werden. Wenn mindestens 60 Schüler zusammenkommen, kann auch eine gymnasiale Oberstufe eingerichtet werden. An zwei Schulen – in Konstanz und Tübingen – wurde das bereits genehmigt.

Sitzenbleiben gibt es nicht mehr, die Leistungen werden in der Regel nicht mehr mit Noten gemessen. An die Stelle des Zeugnisses tritt ein sogenannter Lernentwicklungsbericht. Die Klingel nach 45 Minuten gibt es nicht mehr. Die rund 300 Gemeinschaftsschulen im Südwesten sind immer auch Ganztagsschulen und Inklusionsschulen. (dpa)

Eltern sorgen sich um Zukunft der Gemeinschaftsschulen – Brief an CDU

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52 KOMMENTARE

  1. Und jetzt komme ich wieder mit dem Geld. An den “neuen” Gemeinschaftsschulen unterrichten Grundschullehrer, Sonderschullehrer (wegen Inklusion), Realschullehrer, Gymnasiallehrer. Alle haben die gleichen Aufgaben und jeder verdient etwas anderes.

  2. Diese Schulform steht im direkten Widerspruch zu den Inhalten von Herrn Felten.
    Propagiert wird die Einheitsschule mit einer extremen Heterogenität der Schülerschaft durch die Inklusion aller Leistungsgruppen in formal vorhandenen Schulklassen. Darunter geht das erreichbare Leistungsniveau für jeden einzelnen Schüler noch weiter nach unten, offene Lernformen, wie Freiarbeit, eigenständige Arbeit an Blattsammlungen und Gruppenarbeit sind vorherrschend und die Effektivität der Lernerfolge jedes einzelnen Schülers geringer.
    Hinzu kommt für jeden Lehrer eine erheblich höhere Arbeitsbelastung, ohne dass ein direkter, interaktiver Unterricht mit der Klasse noch möglich ist. Die Klasse als solche besteht auf dem Papier, denn lernen erfolgt im eigen initiativen Modell, bei dem der Lehrer nicht jedem gerecht werden kann.
    Die Gesamtleistungen können nur nach unten gehen.

    • Sie kennen sich ja toll aus. Nur warum sieht mein Unterricht an einer geS so ganz anders aus? – Mache ich etwas falsch?

      Die Heterogenität an Gesantschulen ist nicht größer als an Gymnasien. Die Zahl der psychischen und sozialen sowie ökonomischen Problemfalle ist allerdeings höher als an GY. Und für diese Problemfälle ist es volkommen egal, welche Form der Unterricht hat. Hier geht ausschließlich um Beziehung und nicht um methodische oder didaktische Verrenkungen.

      • lernerfolg funktioniert auch bei den sog. unproblematischen fällen primär auf beziehungsebene bzw. alle didaktischen feuerwerke stehen und fallen mit selbiger.

        • Da habe ich auch nichts gegen gesagt. Nur ist der Aufbau von Kontakten zu SuS, die große Probleme mit in die Schulen bringen, schwieriger herzustellen und aufrecht zu erhalten als bei den “sogenannten Normalen”. Das wiederum hat Auswirkungen auf den Unterricht. Da muss dann vom größeren Teil der Gruppe auch schon einmal “frei” gearbeitet werden, damit man sich den speziellen Bedürfnissen einzelner widmen kann.

          • Nachteil an der (notwendigen) Methode ist leider, dass diejenigen, die es am ehesten verdient hätten, am stärksten vernachlässigt werden — und umgekehrt. In sehr vielen Fällen haben die “speziellen Bedürfnisse” viel mehr mit Narzissmus, fehlender Geduld, Erziehungslücken usw. zu tun als mit tatsächlichen Schwierigkeiten.

          • Dafür ist der Anteil von Kindern und Jugendlichen mit psychischen Auffälligkeiten und Diagnosen zu hoch, die kinder- und jugendpsychatrischer Thearapie sind und in den Schulstationen dieser Einrichtungen beschult werden.

        • Das ist die übliche Propaganda aus dem Schulministerium. Da hieß es auch immer, Gemeinschaftsschulen seien deswegen besonders gut, weil sie zu Toleranz und Demokratie erziehen, weil alle optimal gefördert werden, weil die Lehrer im Team unterrichten, weil sie Ganztagsschulen sind usw. usw.

          Aber warum soll dasselbe an anderen Schulformen, Gymnasien oder Realschulen nicht genauso gehen, wenn man nur will? Das ist nicht plausibel.

          Übrigens gibt es Gerüchte, dass die Demokratie im Lehrerzimmer zunehmend immer dann aufhört, wenn jemand anderer Meinung als die Schulleitung oder die höhere Schulverwaltung ist. Kritiker sagen, offene und demokratische Meinungsbildungsprozesse seien in Schulkonferenzen nicht mehr erwünscht. Es soll abgenickt werden, was die Schulleitung vorbereitet hat. Ist das nun an Gemeinschaftsschulen anders? Lebensraum für Lehrer und nicht nur Ort des Jobs? Was passiert eigentlich, wenn Schüler zwar in den Fächern genug können, aber ihr Lerntagebuch nicht führen wollen oder ihr Lernportfolio vernachlässigen oder sich abfällig über geheiligte Schulreformen äußern? Wie weit geht da die Demokratie?

          • Cavalieri
            Bezogen auf die Schulkonferenz stimme ich Ihnen voll zu, denn es entspricht den persönlichen Erfahrungen, dass die Linie der Schulleitung durchgesetzt wird. Da unterscheiden wir uns heute nicht von wilhelminischen Zeiten. Die Schulkonferenz ist pro forma etabliert worden und gab der Umsetzung neuer Unterrichtsformen eine scheinbar demokratische Grundlage.

          • Erziehen andere Schulformen etwa nicht zu Toleranz und Demokratie ?
            Und der Lebensraum befindet sich zum Glück überwiegend außerhalb der Schulen in eigenen Freiräumen der Kinder.

          • Sie wissen aber schon, dass Gesamtlehrkräftekonferenz und Schulkonferenz vollkommen unterschiedliche schulische Gremien sind?

            DAs, was sie hier als Relokt wilhelminischer Zeiten sehen, kann nicht die Schulkonferenz sein. Und LeKos sind Dienstbesprechungen /Meetings wie in anderen Behörden oder Firmen auch. Und das diese Horte gelebter Demokratie sind, konnte ich noch nirgends feststellen. Diese Veranstaltungen dienen in erster Linie dem Meinungsaustausch. Jeder der andrer Meinung ist als die Behörden-/Unternehmensleitung hat im Rahmen dieser Veranstaltungen die Möglichkeit entgegenstehende Meinungen gegen die Vorgegebene zu tauschen. Deshalb wird ja auch von Meinungsaustausch gesprochen.

        • @mississippi
          LEIDER ist die Gemeinschaftsschule Lebensraum und nicht nur Bildungsort. Ich bedaure die Kinder.
          Ein Glück, dass ich in meiner Jugend Schule nicht als Lebensraum ermpfinden musste, sondern sich das eigentliche Leben für mich andernorts mit oft anderen Menswchen abspielte.
          Diese Zwangsgemeinschaft am selben Ort und das meist den ganzen Tag über ist für mich eine Horrorvorstellung.

        • @ Mississippi
          Leider haben Sie die Ansicht, dass Schule unbedingt (in erster Linie) Spaß machen muss. Spaß als kurzfristige Lustbefriedigung haben die Kinder zuhause genug. Freude darf die Schule bereiten, sie ist aber auch Arbeit.

      • dicke bank
        Nein ,ich lese die Studienergebnisse, und da schneidet zum Beispiel in der DESI-Studie von 2007 mit 11.000 untersuchten Schulen die Gesamtschule am schlechtesten ab.

        • Vielleicht hat es auch damit zu tun, dass “typische Gymnasisten” hier selten die Gemeinschaftsschule besuchen. Es geht ja um BaWü. Da ist die Gemeinschaftsschule erst 5 Jahre alt und geht bis auf 2 Schulen im Ländle nur bis Klasse 10, so dass viele mit Gymnasialempfehlung eben doch das Gymnasium bevorzugen.

          • Natürlich ist das bei Gesamtschulen genauso, vielleicht in Bundesländern mit bereits etablierten Gesamtschulen mit einem etwas höheren gymnasialen Anteil als in Baden Württemberg. Wenn ich mich für mein uneingeschränkt für das Gymnasium empfohlene Kind für das Gymnasium oder eine Gemeinschaftsschule entscheiden müsste, würde bei vergleichbarer Erreichbarkeit den Teufel tun und mich für die Gemeinschaftsschule entscheiden, selbst wenn sie eine der wenigen mit gymnasialer Oberstufe wäre. Das Lernniveau ist absehbar niedriger, die soziale Zusammensetzung genauso absehbar schwieriger, die Zeit bis zum Abitur ein Jahr länger.

    • Natürlich steht das im Widerspruch der Aussagen von Herrn Felten.

      Er ist Gymnasiallehrer und vertritt die Position, dass nicht jedes Kind ans Gymnasium gehört.

      Warum haben eigentlich Gymnasiallehrkräfte so große Angst vor Gesamtschulen und anderen Schulangeboten (gemeinsam HS,RS,Gym unter einem Dach – wie auch immer das dann heißt), wenn sie doch zugleich häufig davon sprechen, dass das Gymnasium nicht für alle SuS geignet ist und viele SuS dort nicht hingehören?

  3. Es wird auf 3 Niveaustufen gearbeitet. Es gibt Klassenunterricht, gemeinsame Einführungen und viel Einzelförderung. Es besteht freie Schulwahl. Niemand wird gezwungen, eine derartige Schule zu besuchen. Für viele Kinder ist sie geeignet, für andere nicht. Eine sehr gute Alternative zu den Hauptschulen wie sie derzeit dastehen ist sie mit Sicherheit. Aber auch SuS mit guten und sehr guten Leistungen kommen nicht zu kurz. Ganztagsschule, Mittagessen, Neigungskurse. Die Kinder sind sehr gut aufgehoben in der Gemeinschaftsschule, die ich kenne. Viele besser als zu Hause.
    Man kann so eine Schule per se nicht einfach herabwürdigen. Vielleicht nicht für jeden geeignet, es gibt aber genügend Alternativen.

    • “Es besteht freie Schulwahl.”
      Aber die freie Schulwahl ist doch die Mutter der sozialen und ethnischen Segregation, wenn man Schulreformern glauben mag. Das hat auch Herr Brügelmann in seiner jüngsten Petition thematisiert: “Das Entstehen von „Ghettos“ und Parallelgesellschaften muss durch Stadtteilentwicklung und Steuerung der Schülerströme verhindert werden.” Was heißt das denn im Klartext? Am Ende werden wegen der sozialen Gerechtigkeit die Gemeinschaftsschulmuffel in die Gemeinschaftsschulen nach Proporz gezwungen. Was sonst soll es bedeuten? Außerdem wollen die Grünen die “eine Schule für alle” einführen. Dann gibt es nur noch die “freie Wahl der Privatschulen”.

      • @ Cavalieri: Nochmal: In BaWü gibt es als weiterführende Schulen die Werkrealschule (ehemals Hauptschule mit Möglichkeit des Hauptschulabschlusses oder nach 10 Schuljahren MSA), Realschulen, Gemeinschaftsschulen und Gymnasien. Alles nebeneinander. Dazu natürlich auch noch kirchliche Schulen, Waldorfschulen usw….

        • Ob eine HS jetzt Werkrealschule heißt oder Mittelschule, ist “vollkommen Latte”. Hauptschulen konnten schon immer alle Abschlüsse der SekI vergeben – immer unter der Voraussetzung, dass die 10-jährige Vollzeitschulpflicht eingehalten wird.

        • Ich weiß, dass es das alles (noch) gibt. Im Moment gibt es sogar verwirrend viele Schulformen in Deutschland. Aber wer will es denn abschaffen und die “eine Schule für alle” einführen? Selbst diejenigen, die das Zwei-Säulen-Modell empfehlen, sagen intern, dass das selbstverständlich nur ein erster Schritt sei und dass hinterher die beiden Säulen zu einer werden sollen. Insofern ist Ihr letzter Satz “es gibt aber genügend Alternativen” zu relativieren. Solche Alternativen gelten in manchen Kreisen (und das sind die Fans der Gemeinschaftsschulen) eben als Inbegriff der Segregation und verhindern die soziale Gerechtigkeit. Mehr wollte ich doch nicht sagen.
          Wenn eines Tages allerdings 95 % eines Jahrgangs aufs Gymnasium gehen, haben wir einen ähnlichen Effekt wie die Einführung einer Einheitsschule. Ob das passieren kann?

  4. Warum nimmt man nicht mal die Gymnasien unter die Lupe? Was läuft da falsch, dass viele Abiturienten nicht mehr studierfähig sind?

    • Weil das nicht mehr das wirkliche Ziel der Bildungspläne ist. Es wird sozusagen nicht mehr verlangt, man bekommt sein Abitur eben für anderes. Die Abiturquote lässt grüßen. Nur formal steht das noch in der Präambel der KMK-Bildungsstandards, die theoretisch an Gemeinschaftsschulen genauso gelten sollen. Dann passiert dasselbe wie mit der Rechtschreibung: Wenn sie nicht mehr oder nur halbherzig verlangt wird, wird sie auch nicht mehr gekonnt. Das ist vollkommen logisch.

    • Weil an den Gymnasien alles gut ist. Wenn dort etwas schiefläuft, dann nur weil zu viele Kinder, die nicht gymnasial gegeignet sind, dort inkludietrt werden müssen (um den Stellenkegel aufrecht erhalten zu können).

    • Ja, aber mit einem deutlich weniger streuenden Ziel, das meiner Meinung nach noch immer aus Lesen, Schreiben und Rechnen besteht bzw. bestehen sollte. Die Gemeinschaftsschule dauert viel länger und die Unterrichtsinhalte entsprechen selbst in den untersten Niveaustufen einem Vielfachen der Grundschule. Hinzu kommen die pubertätsbedingten Schwierigkeiten. Man muss ideologisch schon sehr verbohrt sein, um nach wie vor an der Gemeinschaftsschule in Baden Württemberg festzuhalten. Die Grünen sind allerdings sehr gut darin.

    • Grundschulen haben die Aufgabe die Grundkenntnisse im Lesen, Schreiben und die Grundrechenarten zu vermitteln. Was hat deren Aufgabenbereich mit dem der weiterführenden Schulen zu tun.
      Wenn die Eingangsvoraussetzungen der Schüler bei der Einschulung unterschiedlich sind,
      dann ist der Ansatzpunkt für eine Änderung dieser Situation eine deutlich intensivere sprachliche und motorische Förderung in den Kindergärten.
      Es war für mich auch nie verständlich, wie es sein konnte, dass die Vorschulen in NRW unter Rüttgers abgeschafft wurden und in den Kindergärten das primäre Ziel eine reine Betreuung der Vorschulkinder war und dieses Prinzip auch heute noch weitgehend bestand hat.
      Danach bedarf es einer sehr intensiven Arbeit mit den Schülern, vor allem in den ersten zwei Schuljahren.
      Was aber in den vergangenen 2ß Jahren verlassen worden ist, entspricht einer Abkehr von der instruierenden Vermittlung der Grundlagen des Schriftspracherwerbs und des Lesens in dieser wichtigen Anleitungsphase mit einer mehr spielerischen Methodik. Ersetzt wurde die gezielte Instruktion durch selbst erforschendes Lernen mit der Ausbildung und Förderung der Entwicklung eigener Schreibstrategien der Schüler.
      Die gesamte spielerische Methodik im selbst erfahrenden Lernstil ist Gift für den zügigen Schriftspracherwerb, da sie Fehler behaftet ist , den Lernfortschritt verlangsamt, und so kommt es eben zu nachhaltigen kryptischen Verschriftlichungen der Schüler bis zum Schulende.
      Brügelmann fehlte sowohl die praktische Erfahrung im Umgang mit Schülern, sowie auch der theoretische Hintergrund zum lernenden und heranreifenden Gehirn. Und weil er eben nicht auf die Erkenntnisse der Hirnforschung zurückgriff, sondern auf althergebrachte Methoden seines geistesverwandten Reichen, mit einem Ansatz im Schriftspracherwerb, der sogar noch hinter Ickelsamer (1535 Grammatika,Orthographie, Syntax, Ethymologie) hinterherhinkte; denn Ickelsamer erkannte bereits die symbiotische Bedeutung gder Phonetik und der Orthographie bei der Anleitung zum Schriftspracherwerb und des Lesens.
      Die übrigen,von Brügelmann propagierten Methoden, sind wohl eher etwas für reifere und ältere Schüler.
      Allein mit offenen Methoden lässt sich nur sehr mäßig eine anhaltende Motivation in den Schülern freisetzen und die Effektivität von Freiarbeit, Wochenarbeit, Stationsarbeit und Gruppenarbeit ist nur sehr gering. Jetzt versucht er durch eine von ihm initiierte Petition wieder in den Blickpunkt zu geraten.
      Man muss ihn eben an seinen gescheiterten Methoden festnageln.

      • “Grundschulen haben die Aufgabe die Grundkenntnisse im Lesen, Schreiben und die Grundrechenarten zu vermitteln.”
        Ja. Stimmt.
        Und Grundschulen haben noch viele andere Aufgaben, denn die wurden im Laufe der Jahre immer wieder angepasst, erweitert und verändert und sind weder im Mittelalter noch in der Reformationszeit stecken geblieben.

        “Was hat deren Aufgabenbereich mit dem der weiterführenden Schulen zu tun.”
        Es werden GRUNDLAGEN gelegt, auf die aufgebaut werden kann.
        Das bedeutet auch, dass die SuS, die die Grundschule verlassen, nicht “fertig” sind mit irgendwelchen Bereichen.
        Und es bedeutet, dass Grundkenntnisse vorhanden sind.

        Und weil Sie ja so gerne über Methoden sprechen:
        Allein mit einer einzigen Methode lässt sich die Motivation der SuS sicher auch nicht freisetzen. Selbst bei Ihrem Lieblingsthema “Direkte Instruktion” wird von “abwechslungsreich und vielfältig” gesprochen, von Binnendifferenzierung und auch davon, dass dieser Ansatz Grenzen hat!

        Und weil Sie auf die Ergebnisse der Hattie-Studie schwören und immer wieder die Effektivität von einzelnen Methoden in Abrede stellen, empfehle ich den Vortrag von Zierer, mehrfach zu finden, u.a. unter
        https://www.youtube.com/watch?v=CgZQM6nZhX8
        Da wird sehr deutlich und didaktisch erläutert, warum ein Einzelaspekt allein in seiner Wirkung schlecht eingeschätzt werden kann.

  5. Wenn hier jede/r nur seine/ihre individuellen Erfahrungen verallgemeinert, kann man sich trefflich streiten. Aber was bringt´s? Wie wäre es mit ein bisschen Objektivität aus der wissenschaftlichen Begleitforschung zur Gemeinschaftsschule Baden-Württemberg (durchgeführt von immerhin acht Hochschulen):
    1. Es gibt große Varianzen zwischen den Einzelschulen, deshalb bitte nicht verallgemeinernd argumentieren!
    2. Die Motivation der Schüler ist leicht stärker als an den Vergleichsschulen.
    3. Die angestrebten kooperativen Arbeitsformen sind in Deutsch, Mathe und Englisch nur marginal verankert.
    4. Die Lehrkräfte an GemS haben eine höhere Innovationsbereitschaft und positivere Einstellung gegenüber Heterogenität.
    5. Sie wünschen sich bessere Umsetzungsbedingungen / Ressourcen und Planungssicherheit.
    6. Im Vergleich zu den Nicht-GemS ist (an manchen GemS, siehe Punkt 1) die konzeptionelle Arbeit der Lehrkräfte stärker, damit auch die Kooperation, es gibt anspruchsvollere Individualisierungskonzepte, intensivere Diagnosekonzepte sowie modifizierte Formen der Leistungsbeurteilung.
    7. Angesichts der vielfältigen parallelen Entwicklungsaufgaben reduzieren manche GemS die Komplexität und setzen Prioritäten. Auf Deutsch: Sie setzen nicht alles um, was sie sich vorgenommen haben.
    8. Herumgesprochen hat sich ja bereits: Ein hohes Maß an Selbstständigkeit kann etliche Schüler überfordern.
    Das sind jetzt nur einige der Ergebnisse, die jedermann/frau hier einsehen kann; die Lektüre lohnt sich: http://www.uni-tuebingen.de/index.php?eID=tx_securedownloads&p=40590&u=0&g=0&t=1517930734&hash=d52e28ab3fdaad6106a885c98d40f4e3d246c191&file=/fileadmin/Uni_Tuebingen/Fakultaeten/WiSo/Erz/Abt/Schulpaed/WissBeglGemSchule/Dokumente/WissGem_Kurzbericht_Januar_2016.pdf

    • Danke für den Link. Ob sich aber die Lektüre wirklich lohnt, muss jede(r) selbst entscheiden. Dieses Zitat hier aus dem “Fazit” von Seite 9 stimmt mich nicht besonders optimistisch::
      “Externe Vergleiche mit Nicht-Gemeinschaftsschulen (TP 2) und einer Referenzstichprobe (TP 1: Unterrichtsqualität) zeigen insgesamt keine für die Gemeinschaftsschule auffälligen Befunde, sie zeigen jedoch Entwicklungsbedarfe für einzelne Schulen und deren Lehrkräfte, gerade mit Blick auf jene Unterrichtssequenzen, die auf den untersten Qualitätsstufen (Stufen 1 und 2; Abb. 5.1) angesiedelt waren.”
      Da gibt’s halt guten und weniger guten Unterricht, so wie bei den anderen auch. Dass die in Gemeinschaftsschulen umgewandelten Realschulen schlecht waren, hatte ja wohl niemand behauptet. Das war auch nicht der Grund für die Umwandlung. Was bei solchen Studien naturgemäß fehlt, ist jeder Vergleich mit den vollmundig angekündigten politischen Zielen der Sache, z.B. zur sozialen Gerechtigkeit. Weshalb sonst wurde das ganze denn gemacht? Was dort jedenfalls am Ende unter “Schule als Lebensraum” verkündet wird, empfinde ich als gepflegtes Blabla. Mir ist nicht klargeworden, was das nun wirklich konkret bedeuten soll im Unterschied zu anderen Schulformen.

      • Es gibt doch noch die Realschulen. Gemeinschaftsschulen gibt es zusätzlich, genauso wie die Werkrealschulen (ehemals Hauptschulen genannt, mit der Möglichkeit des MSA). Ein Kind mit Realschulempfehlung kann zwischen Realschule, Gemeinschaftsschule und Werkrealschule wählen in BaWü.

        (Es könnte auch aufs Gymnasium, da die Empfehlung nicht verbindlich ist).

      • Cavalieri, danke für Ihren Beitrag, der eine gute Grundlage zur sachlichen Auseinandersetzung (oder positiv: Verständigung) legt!
        1. “Gemeinschaftsschulen sind auch nicht besser als vergleichbare andere Schulen”. Das lese ich (aus der Ferne eines anderen Bundeslandes und Einzelheiten vernachlässigend) auch heraus. Mir ist das Argument anders herum wichtig, weil manche Diskutanten einfach so mal schnell behaupten, die GemS wären schlechter. Gemeinschaftsschulen machen keinen schlechteren Unterricht, bzw. haben keinen schlechteren “Output” als vergleichbare Schulen. Jedenfalls nicht in der Perspektive von drei Jahren. Wir werden sehen, wie sich das in Zukunft weiter entwickelt.
        2. Warum werden z.B. Haupt- oder Werkrealschulen in GemS umgewandelt? Das Chancenargument ist das eine; das Inklusionsargument das andere; ich gehe davon aus, das dritte kennen Sie auch: weil Werkrealschulen immer weniger die Schulen der Wahl für Eltern / Familien sind, was dazu führt, dass Gemeinden ihre Sekundarschule verlieren, die ein wichtiger Standortfaktor wäre. Bürgermeister, Gemeinderäte und Eltern sehen da eine GemS als Hoffnung; habe ich selbst schon öfters erlebt.
        3. Das Sozialraum-“Blabla”. Was gemeint ist, steht doch da: “Waren zuvor (als Werkrealschule) die Kooperationen insbesondere im Bereich der Bildungspartnerschaften angesiedelt, weitet sich das Netzwerk inzwischen aufgrund inklusiver Angebote, Ganztagsangebote oder individueller Beratung und Unterstützung deutlich aus.” Das Ganze ist ein Niederschlag der Schulqualitätsdiskussion, die eine Engführung des Qualitätsbegriffs auf reine Wissenzunahme bei Schülern vermeiden möchte. Wie heißt es in der Landesverfassung von BW, Artikel 21 (1): “Die Jugend ist in den Schulen zu freien und verantwortungsfreudigen Bürgern zu erziehen.”

        • Die Botschaft hör’ ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.
          Es ist wohl mehr als ein Gerücht, dass Bürgermeister zur Umwandlung der Schulen regelrecht gezwungen wurden, etwa durch finanzielle Drohungen. Man hat sinkende Schülerzahlen und Schulschließungen prognostiziert, um die Umwandlung zu beschleunigen. Jetzt plötzlich redet man wieder von steigenden Schülerzahlen.
          Und die “Schulqualitätsdiskussion” ist so richtig nach dem Geschmack der neuen Schulbürokraten: Als formale “Qualität” einer Schule gilt Ganztag, Inklusion und solche Sachen wie Lernateliers und individualisiertes Lernen, als “Qualität” der Betreuungsangebote am Nachmittag gilt die Beliebtheit bei den Schülern und vielleicht ein gewisser Wohlfühlfaktor usw. Es findet eine neue Definition von “Qualität” statt. Das ist nicht mehr guter, inhaltsreicher Unterricht, der Früchte trägt, indem die Schüler hinterher was wissen und was können und dass sie am Ende gebildet sind. Nein, es ist mehr und mehr die Übereinstimmung mit den formalen Kriterien der herrschenden Schulbürokraten in ihrer verquasten Funktionärssprache. Dazu sagt der wissenschaftliche Bericht nichts, auf dem Auge ist man grundsätzlich blind.
          “Die Jugend ist zu freien Bürgern zu erziehen”. Aber den neuen schulpolitischen Zielen widersprechen, das dürfen dann weder die freien Bürger noch die Lehrer, ohne Nachteile zu befürchten. Zum Vergleich mal Art. 27 aus der Verfassung der DDR:
          ” Jeder Bürger der Deutschen Demokratischen Republik hat das Recht, den Grundsätzen dieser Verfassung gemäß seine Meinung frei und öffentlich zu äußern. Dieses Recht wird durch kein Dienst- oder Arbeitsverhältnis beschränkt. Niemand darf benachteiligt werden, wenn er von diesem Recht Gebrauch macht.” Schön wär’s ja.

          • Eine Schule ist gut, wenn der Besuch den Schülern Spaß macht und die die Eltern noch ganztägig arbeiten gehen können. Von Lernen, Bildung, inhaltlich gutem Abschluss, Studier- oder Ausbildungsfähigkeit ist schon lange keine Rede mehr.

  6. Vor allem lohnen sich speziell ausgewählte Begleitforschungen zu Gemeinschafts- und sonstigen Schulen, wenn sie die eigene Meinung unterstützen.
    Bei allen Schulreformen der letzten Jahrzehnte darf angenommen werden, dass auf wissenschaftliche Ekenntnisse und Empfehlungen verwiesen werden konnte, um bildungspolitische Entscheidungen als objektiv und sachbegründet darzustellen. Erst in der Praxis zeigte sich dann allmählich, was an den “objektiv” gegebenen Versprechungen wirklich dran war.
    Leider sind die Interessen der Geld- bzw. Auftraggeber, zu denen auch Regierungsparteien von Bund und Ländern gehören, nicht unerheblich für wissenschaftliche Auskünfte und Urteile. Bisweilen kann man den Eindruck haben, dass bereits zu Beginn der Forschungsarbeit das “objektive” Ergebnis feststand.
    Es ist also so eine Sache mit Ihrer Anmahnung von mehr Objektivität in der Sicht der Dinge durch den Verweis auf wissenschaftliche Forschung an staatlichen Hochschulen.

    • Gewiss muss Schule sich entwickeln, aber natürlich wohlüberlegt und nicht überhastet innerhalb einer Legislaturperiode. Die Frage ist auch immer, ob von oben oder von unten. Ich wäre durchaus für Schulreformen, die “von unten”, also von den Schulen bzw. den Lehrerkollegien, vielleicht auch von Elternvertretungen, angestoßen werden, denn an der Basis weiß man ja, wo der Schuh drückt. Und warum sollen die Schulen nicht mehr Freiheiten haben? Aber ich fürchte, sowas wird abgebürstet. Diejenigen, die im Schulministerium das Sagen haben, gehen umgekehrt vor. Sie kennen mehr ihre eigenen parteipolitischen Interessen. Der Reformvorgang heißt dann “Change Management” (Wikipedia weiß mehr darüber). Dabei ist Widerstand zu brechen.
      Gibt es denn wenigstens repräsentative Umfragen unter Lehrern, was die von den jüngsten Schulreformen (einschließlich Inklusion) halten ? Ich glaube, sowas wird nicht genehmigt, oder irre ich?

    • @mississippi
      Entwicklung ja, aber “so mancher Fortschritt hat die falsche Richtung”. (Fred Ammon)
      Oder gehören Sie zu den Fortschrittsgläubigen, die alles gut finden, was als neu und modern gilt?

      • Gemeinschaftsschulen sind eine Notwendigkeit, die der demographischen und steuerlichen Entwicklung in ländlichen Gebieten geschuldet ist.

        So sind in NRW die ersten Gemeinschaftsschulen zu Zeiten des schwarz-gelben Rüttgers-Kabinetts als kooperative Schulforn entstanden. Aufgrund des zurückliegenden Kulturkampfes durfte die Bezeichnung KOOP natürlich nicht in der Bezeichnung der neuen Schulform auftreten. Die daruf folgende rot-grüne Landesregierung hat die GemS weiterlaufen lassen, selbst aber nur Sekundarschulen (intergrativ) genehmigt.

        Selbst in BY sind die Mittelschulen Hauptschulen mit Realschulzweig. Woanaders heißen sie Realschule plus oder Werkrealschule. Eines haben alle diese Schulformen gemeinsam, sie können alle Abschlüsse der SekI am Ende der Schullaufbahn vergeben. Die Bedingungen für die einzelnen Schulabschlüsse, sind allerdings von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich.

        • Ihre Eingangsbehauptung stimmt nur sehr eingeschränkt. Oder würden Sie Bremen als ländliches Gebiet bezeichnen?
          Diese Stadt fördert seit Jahrzehnten Gesamtschulen, weil sie das Lieblingskind der SPD-Bildungsideologie sind, und nimmt dafür stoisch in Kauf, dass ihre Schüler bei innerdeutschen Vergleichstests regelmäßig durch Minderleistungen auffallen.
          Auch andere Städte gehen diesen Weg. Entscheidend ist die Parteizugehörigkeit der Landesregierung mit ihrer Wunschvorstellung.

          Um diese Zusammenhänge wissen Sie vermutlich ebenso gut wie ich. Dennoch wiederholen Sie in regelmäßigen Abständen die Legende von Gemeinschaftsschulen als “Notwendigkeit, die der demographischen und steuerlichen Entwicklung in ländlichen Gebieten geschuldet ist”.

          Wie gesagt: Das ist nicht ganz falsch, stimmt aber nur am Rande und keineswegs als Grundsatzbehauptung. Mir kommt es vor wie ein Ablenkungsmanöver von den wahren Ursachen und Verursachern für schulische Irrtümer durch verquere Gerechtigkeitsvorstellungen mancher Parteien.

          • Kommt mir ebenso vor wie Ihnen.
            Offenbar schlägt dickebanks Herz für Gesamt- bzw. Gemeinschaftsschulen. Nur so kann ich mir erklären, warum er/sie die Eineitsschule darstellt als “Notwendigkeit, die der demographischen und steuerlichen Entwicklung in ländlichen Gebieten geschuldet ist”.
            Wenn von “Notwendigkeit” die Rede ist, wird so manche Kröte eben besser geschluckt.

          • Die Notwendigkeit besteht in der Beschulung von Hauptschülern. Nur das Problem ist, dass selbst Städte mit 73.000 Ew. wie GT keine HS mehr unterhalten. Da ist es dann einfacher eine dritte GeS zu errichten, obwolh das Auswirkungen auf die bestehenden GeS hat. Schulpolitisch sinnvollerw äre die errichtung einer Sekundarschule gewesen, die wird aber von den Eltern im Einzugsgebiet abgelehnt, da sie keine eigene Oberstufe hat.

            GY hatte ich bis zum Erwerb der allgemeinden Hochschulreife, das hat sowohl geprägt als auch gereicht. Von daher bin ich nicht böse gewesen, dass ich an einer GeS eine Stelle gefunden habe.

        • “Gemeinschaftsschulen sind eine Notwendigkeit, die der demographischen und steuerlichen Entwicklung in ländlichen Gebieten geschuldet ist.”
          In manchen ländlichen Gegenden wird das tatsächlich ein Problem sein. Aber wo gibt es seit Jahrzehnten besonders viele Gesamtschulen? In den Ballungsräumen Berlin, Hamburg, Rremen, Ruhrgebiet usw.
          VonNotwendigkeit kann da keine Rede sein. Es ist — wie auch schon Papa51 angemerkt hat — mehr eine Sache der Parteipolitik geworden. Die demographische Entwicklung war ja so vorhergesagt worden, dass Schulen leerstehen mangels Schülern. Inzwischen ist das Gegenteil der Fall. Und dort, wo wirklich die Schülerzahl sinkt, könnte man auch erstmal kleine Schulen zulassen, bevor man sie schließt. Warum in aller Welt wollen wir Schulen mit 1500 Schülern haben, etwa eine 5-7-zügige Gesamtschule mit 9 Jahrgangsstufen? Ich finde das aus Schülersicht einen Albtraum. Genau das ist übrigens beim PISA-Sieger Finnland anders. Dort lässt man auch sehr kleine Schulen zu mit 40-50 Schülern. Ob das nicht eine viel bessere Lernatmosphäre schafft als unsere Riesen-Lernfabriken?

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