Die Schule der Zukunft: Warum sozio-emotionales Lernen für die Jugend unerlässlich ist – ein Gastbeitrag

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TORONTO. “Reden wir über einen Aspekt im Bildungswesen, der in der Schule oft vernachlässigt oder gar vergessen wird: das Unterrichten sozio-emotionaler Fähigkeiten. Denn der Gedanke, dass Durchhaltevermögen, Teamfähigkeit und Selbstbewusstsein für ein erfolgreiches (Arbeits-)Leben unabdingbar sind, findet zwar weithin Zustimmung, allerdings sind sich Lehrende und Eltern häufig unsicher darüber, wie sie diese sozio-emotionalen Fähigkeiten am besten stärken können” – sagt jemand, der sich beruflich mit der Zukunft der Bildung beschäftigt, und zwar aus internationaler Perspektive: Der Mathematiker Giancarlo Brotto ist Global Education Strategist bei Smart Technologies, einem weltweit agierenden Unternehmen der Digitalbranche also. Sein Gastbeitrag soll zur Diskussion anregen.

Teamfähigkeit ist ein Schlüsselfaktor wenn es um den späteren beruflichen Erfolg im Leben geht. Foto: Shutterstock

Viele Bildungssysteme, auch das deutsche, konzentrieren sich zuallererst darauf, den Kindern beizubringen, ihre kognitiven Fähigkeiten zu nutzen. Sozio-emotionales Lernen (SEL) ist noch immer nicht systematisch im Bildungswesen verankert. Jetzt hat die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) das Thema für sich entdeckt und führt derzeit eine Studie [1] durch, mit der sie die Bedeutung sozialer und emotionaler Fähigkeiten und vor allem des sozio-emotionalen Lernens in den Fokus rücken will. Die OECD untersucht dabei, welche Auswirkungen sozio-emotionale Kompetenzen auf Bildung, Arbeitsmarkt, Gesundheit, Familienleben, bürgerschaftliches Engagement und Lebenszufriedenheit haben. Sie will zudem Maßnahmen vorstellen, wie diese Eigenschaften entwickelt und auch sinnvoll gemessen werden können. Bis 2020 soll die Studie abgeschlossen sein.

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Warum sind sozio-emotionale Fähigkeiten für unsere Kinder so wichtig?

Vor dem Hintergrund der Digitalisierung unserer Gesellschaft und der Automatisierung der Arbeitswelt, werden diese Kompetenzen überlebenswichtig. Damit wird SEL ein Schlüsselfaktor wenn es um den späteren beruflichen Erfolg im Leben geht. Auch der Leiter der PISA Studie, Andreas Schleicher, bekräftigt dies, wenn er sagt: „Die Welt bezahlt Sie heute nicht mehr dafür, was Sie wissen. Google weiß alles. Sie werden dafür bezahlt, was Sie mit Ihrem Wissen tun können. Das ist ein Riesenunterschied. Genau darum muss es gehen in einer guten Berufsausbildung, aber auch in einer guten Hochschulausbildung. Niemand muss mehr nur Fachwissen akkumulieren. Es geht darum, dieses Fachwissen kreativ auf neue Zusammenhänge zu übertragen. Sonst werden Sie durch Computer ersetzt.“[2]

Sozio-emotionale Kompetenzen sind die Fähigkeiten, mit denen wir unsere Gedanken, unsere Emotionen und unser Verhalten steuern. Sie beeinflussen die Art und Weise, wie Menschen mit ihren Emotionen umgehen, wie sie sich selbst wahrnehmen und mit anderen in Kontakt treten. Beim SEL geht es darum, dass sich Kinder das Wissen, die Haltung und die Fertigkeiten aneignen, um Emotionen, sowohl die eigenen als auch die der Anderen, zu verstehen und positive Beziehungen aufzubauen. Sie lernen dadurch, sich selbst positive Ziele zu setzen und zu erreichen, Empathie für andere zu empfinden und zu zeigen, und letztlich verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen. Die Entwicklung dieser Kernkompetenzen durch SEL ist für die Entwicklung eines Kindes entscheidend, da sie direkten Einfluss darauf hat, wie erfolgreich ein Kind als Erwachsener im persönlichen, sozialen und auch im beruflichen Leben sein wird.

Wie lässt sich SEL methodisch-didaktisch im Unterricht einsetzen?

In der Schule lassen sich diese Kompetenzen in Gruppenarbeiten umsetzen. Ein Beispiel dafür ist das Konzept des Collaborative Classrooms: Es handelt sich dabei um ein Klassenzimmer, das durch seine technische Ausstattung und innovative Lernmethoden die Zusammenarbeit und Kommunikation zwischen den Schülerinnen und Schülern fördert und sie so ermutigt, eigenständig zu lernen. Mehrere interaktive Tafeln und die passende Software, welche die Geräte von Kindern und Lehrkraft vernetzt, ermöglichen, dass alle untereinander parallel interagieren und gemeinsam an den Ergebnissen arbeiten können.

In diesem digitalen Klassenzimmer stehen die Schülerinnen und Schüler im Mittelpunkt. Im Gegensatz zum bloßen Ausrüsten mit Notebooks sitzen die Lernenden im Collaborative Classroom nicht einzeln und abgeschottet vor ihren Bildschirmen, sondern arbeiten in Gruppen zusammen, helfen sich gegenseitig und lernen so im eigenen Tempo. Das macht den Unterricht lebendig und vielfältig. Gleichzeitig fördert es die soziale Interaktion und Kompetenz. Schulen in Deutschland, die das Konzept anwenden, haben damit durchweg positive Erfahrungen gemacht. Zum Beispiel freuen sich die Schülerinnen und Schüler der Hamburger Förderschule Elfenwiese auf jede Unterrichtsstunde im digitalen Klassenzimmer. Im Vergleich zu traditionellen Arbeitsmitteln wie Arbeitsblättern oder Schulbüchern stellten die Lehrkräfte dort eine deutlich größere Ausdauer und Motivation fest. Gerade Kinder, die Schwierigkeiten beim Lesen haben, können sich viel stärker einbringen und übernehmen in den Gruppen mehr Verantwortung. So steht der Collaborative Classroom nicht nur für die Nutzung digitaler Werkzeuge, sondern auch für die gleichzeitige Förderung fachlicher und sozio-emotionaler Kompetenzen.

Ein anderes Beispiel dafür, wie die Kombination aus kognitiver Wissensvermittlung und sozio-emotionaler Kompetenzvermittlung funktionieren kann, ist die Irena-Sendler Schule in Hamburg: Dort hat die Lehrerin Melanie Nethe ein individuelles Übungsprogramm namens „Sprachabschneider“ entwickelt. In diesem Unterrichtskonzept werden grammatische Strukturen spielerisch veranschaulicht und mit Hilfe von Software und digitalen Lernwerkzeugen umgesetzt. Nethes Ziel war es, inklusiven, kollaborativen und kooperativen Unterricht anzubieten. Mit Hilfe des „Sprachabschneiders“ ist mehr Kleingruppenarbeit möglich und lernschwache Schülerinnen und Schüler werden besser eingebunden. Über die vergangenen zwei Jahre hat sich gezeigt, dass sich die Lernenden aktiver und motivierter am Unterricht beteiligen.

SEL im Bildungssystem verankern – ein Ziel der OECD Studie

Damit aus diesen positiven Einzelbeispielen der Regelfall wird, will die Studie der OECD untersuchen, welche Auswirkungen gut ausgebildete sozio-emotionale Fähigkeiten auf das eigene Wohlbefinden und den beruflichen Erfolg haben. Sie will damit auch ein grundlegendes Problem im Bildungswesen vor Augen führen. Nämlich, dass es nicht ausreicht, in der Schule reines Wissen zu vermitteln und die sozio-emotionale Entwicklung dem Elternhaus zu überlassen. Bildung muss die Schülerinnen und Schüler in den Mittelpunkt stellen.

Hierbei untersucht die OECD-Studie fünf primäre sozio-emotionale Fähigkeiten: Aufgeschlossenheit, Gewissenhaftigkeit, emotionale Stabilität, Extrovertiertheit und Umgänglichkeit. Sie stützt sich dabei auf empirische Erkenntnisse, die in den letzten zwei Jahrzehnten immer wieder vereinzelt die Bedeutung dieser Fähigkeiten nachgewiesen haben.[3] Die OECD hofft, mit dieser ersten umfassenden internationalen Studie zeigen zu können, dass SEL für die Entwicklung der Kinder unerlässlich ist und im Curriculum verankert werden muss.

Den Unterricht handlungs- und entwicklungsorientiert gestalten

Eine Möglichkeit, um dies umzusetzen wäre, den Unterricht handlungs- und entwicklungsorientiert zu gestalten: Pädagoginnen und Pädagogen wie Professorin Dr. Silke Grafe vom Lehrstuhl für Schulpädagogik an der Universität Würzburg gehen davon aus, dass Kinder dann am besten lernen, wenn ihre Erfahrungen, ihr Denken und ihr Handeln miteinander verknüpft werden. Sprich, Wenn die Schülerinnen und Schüler selbst aktiv werden, sich einbringen, und den Unterricht aktiv mit gestalten. Digitale Werkzeuge erleichtern hier an vielen Stellen die Umsetzung unterschiedlicher Methoden für unterschiedliche Aufgaben. Lehren und Lernen, so Grafe, müssen jeweils von einer für die Schülerinnen und Schüler bedeutsamen Aufgabe ausgehen.

Beispielsweise zur Problemlösung: Probleme stiften zum Lernen an, wenn es für ihre Bewältigung keine Routinen gibt. Man denke zum Beispiel an das Kindergartenkind, das einen hohen Turm aus Holzklötzen nur durch das Ausprobieren verschiedener Konstruktionen bauen kann. Problemaufgaben bieten Lernenden die Chance, verschiedene Lösungswege kennenzulernen, zu diskutieren und zu bewerten. Im Digitalen Lernen wären beispielsweise Webquests, also das Lösen von Aufgaben durch Nachforschungen im Internet, eine bekannte Methode zum Lösen von Problemaufgaben. Entscheidungsaufgaben erleichtern es Schülerinnen und Schülern beispielsweise, verschiedene Standpunkte und Handlungsalternativen kennenzulernen, zu diskutieren und zu bewerten, um so zu einer eigenen Entscheidung zu kommen. Und bei Gestaltungsaufgaben erstellen sie kreativ Texte, Audios, Videos, Animationen oder Präsentationen.

Aus- und Weiterbildung für Lehrerinnen und Lehrer ist nötig

Doch obwohl der Erfolg des handlungs- und entwicklungsorientierten Ansatzes wissenschaftlich belegt ist [4], kämpfen viele Lehrerinnen und Lehrer darum, sozio-emotionale Fähigkeiten im Unterricht priorisieren, lehren und bewerten zu dürfen. Nicht nur in Deutschland, auch in anderen Ländern, wie in Japan, Estland, Neuseeland, Australien, Finnland, oder Kanada, verweist die Politik zwar auf die Bedeutung der Entwicklung des gesamten Kindes. Aber die jeweiligen Bildungssysteme bieten weder die Ressourcen, noch die nötige Unterstützung und Ausbildung für die Lehrerinnen und Lehrer, um den Übergang von einem fachbezogenen zu einem kompetenzbasierten Lehrplan zu unterstützen. Deshalb haben es die meisten Pädagoginnen und Pädagogen schwer, diese Fähigkeiten bei ihren Lernenden gezielt zu fördern, während diese mit dem Unterricht Schritt halten sollen. Der Lehrplan ist straff und vollgepackt und Integrations- und Inklusionsaspekte stehen im deutschen Schulsystem nicht im Mittelpunkt.

Die große Mehrheit der Pädagoginnen und Pädagogen wurde darüber hinaus in einem Hochschulsystem ausgebildet, das die Bedeutung von SEL weder erkannt noch gefördert hat. Sie sind mit dem Unterrichten eines inhaltsbasierten Curriculums vertraut. Jetzt finden sie sich in einer Situation, in der sie ihren Unterrichtsstil modernisieren müssen, um sowohl inhaltlich als auch kompetenzorientiert zu arbeiten. Doch gerade in Deutschland hängt es sehr stark vom Curriculum und den jeweiligen Professoren ab, wie künftige Pädagoginnen und Pädagogen ausgebildet werden. Immer mehr von ihnen vernetzen sich jenseits der etablierten Strukturen und arbeiten teilweise weltweit miteinander zusammen, tauschen Unterrichtsmethoden und neue Ideen aus und diskutieren neue Lehrformen. Das Netzwerk Digitale Bildung unterstützt sie bei ihrem Anliegen, die Zukunft des Lernens aktiv mit zu gestalten. Das Netzwerk bringt Experten aus Theorie und Praxis zusammen und mit ihrem Wissen relevante Themen und Entwicklungen zugänglich machen – für Laien, Praktiker und Fachleute gleichermaßen.

Darüber hinaus bieten wir als Unternehmen ein internationales Programm namens SEE[5] an, das die Zusammenarbeit von Pädagoginnen und Pädagogen weltweit fördert. Rund 1.800 Lehrerinnen und Lehrer tauschen hier in einer weltweiten Community Erfahrungen und Lernkonzepte aus und bilden sich in neuen, kollaborativen Methoden weiter, um für ihre Schülerinnen und Schüler das Lernen interaktiver, spannender, und effektiver zu gestalten.

Wann wird SEL für die Politik zur Priorität?

Richtig geschult, kann jeder Lehrende sozio-emotionale Fähigkeiten wie Empathie, Vertrauen, Toleranz, emotionale Kontrolle, Ausdauer und Anpassungsfähigkeit bei seinen Schülerinnen und Schülern aktivieren und entwickeln. Zum Beispiel können sozio-emotionale Fähigkeiten in den gemeinschaftlichen, teamorientierten Unterricht in den Klassenzimmern integriert werden. Im Kleinen passiert das heute schon. Aber für die Zukunft muss SEL aus Sicht der OECD in einer ganz anderen Größenordnung verstetigt werden. Denn das Erlernen fachlicher Kompetenzen lässt sich nicht vom Erwerb sozio-emotionaler Kompetenzen trennen. Wird die emotionale Entwicklung in den Unterricht integriert, lernen Kinder besser. Die OECD-Studie bietet eine Chance, die Diskussion um SEL anzuregen und ihre Relevanz ins gesellschaftliche Bewusstsein zu rufen. Denn neben der Digitalisierung ist SEL ein Zukunftsthema, das über Innovationen innerhalb einer Gesellschaft entscheiden wird. Ein Ziel der Studie ist es, insbesondere, die Bildungspolitik zu beeinflussen, damit sich künftig nicht nur auf die Entwicklung kognitiver Fähigkeiten, sondern auf die Entwicklung des gesamten Kindes konzentriert wird. Für Deutschland sehen wir hier einen klaren politischen Handlungsauftrag.

Der Autor
Giancarlo Brotto beschäftigt sich professionell mit der Schule der Zukunft. Foto: smart
Giancarlo Brotto beschäftigt sich professionell mit der Schule der Zukunft. Foto: smart

Giancarlo Brotto, Global Education Strategist bei Smart Technologies, verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Bildungstechnologie in K-12- und im universitären Umfeld. Seine Fachgebiete sind Bildungspolitik, Unterrichtspraxis, Aus- und Weiterbildung, Bildungsforschung und Technologieumsetzung. Er lebt in Toronto, Kanada und hat einen interkulturellen Hintergrund, da seine Eltern italienischer und kolumbianischer Abstammung sind. Er ist Vater von drei Kindern unter zehn Jahren. Brotto hat einen Bachelor of Science mit Auszeichnung von der University of Toronto, spezialisiert auf Mathematik mit Nebenfächern in Informatik und Statistik. Zusätzlich erhielt Brotto von der Harvard Law School die Auszeichnung „Leadership and Negotiation“.

Als Global Education Strategist bei Smart Technologies steht er in engem Austausch mit Vordenkern und Forschern aber auch mit Forschungsorganisationen und Bildungsministerien auf der ganzen Welt. Seine Erfahrungen und Erkenntnisse, die er diesen Gruppen gewinnt, haben auch Einfluss auf die kurz- und langfristige strategische Ausrichtung des Unternehmens.

Als Mitglied der Beratungsgruppe der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), welche die internationale Studie zu sozio-emotionalen Fähigkeiten durchführt, steht Brotto in enger Verbindung mit der globalen Bildungsgemeinschaft. Deshalb ist er auch mit dem deutschen Bildungssystem vertraut. Brotto ist auch Vorstandsmitglied von C21Canada, einer gemeinnützigen Organisation, die sich für neue Modelle des Lernens in der Bildung einsetzt, um Lernende mit einem breiteren Spektrum an globalen Kompetenzen vorzubereiten. Im Zuge dessen ist er mit verschiedenen Pionieren und Forschern im Bildungs- und Technologiebereich vernetzt, u.a. mit Sir Ken Robinson, Andreas Schleicher, Lord Jim Knight, Marc Prensky, Nolan Bushnell, Steve Wozniak, John Seely Brown, Michael Fullan, John Hattie, Marlene Scardamalia, Dr. James Stanfield und Steve Wheeler.

Darüber hinaus ist Brotto ein Praktiker: So verbrachte er drei Jahre damit, Programme für Vorschulkinder zu entwerfen und umzusetzen. Zwei Jahre lang schrieb er Computerlehrpläne für Mittelschulkinder, er unterrichtete acht Jahre lang Mathematik und Universitätsstatistik und arbeitete für einen Universitätslehrbuchverlag. Zehn Jahre lang beriet er Schulbezirke in Kanada beim Übergang zur Digitalisierung, und verbrachte sechs Jahre mit der Konzeption und Verwaltung von Bildungstechnologie-Implementierungen und mehr als 16 Jahre mit der Beratung von Produktmanagern für Bildungstechnologie. Darüber hinaus widmet sich Giancarlo Brotto seit mehr als 16 Jahren der Durchführung von Workshops und Vorträgen für Lehrer, Administratoren und Bildungsbeamte.

 

Quellen:

[1] OECD Study: Social and Emotional Skills, Well-being, connectedness and success: http://www.oecd.org/education/school/UPDATED%20Social%20and%20Emotional%20Skills%20-%20Well-being,%20connectedness%20and%20success.pdf%20(website).pdf

[2] Inga Michler: Nur Strebsamkeit reicht nicht für Spitzenleistungen. Veröffentlicht: Die Welt, 07.04.2014, https://www.welt.de/wirtschaft/karriere/bildung/article126665460/Nur-Strebsamkeit-reicht-nicht-fuer-Spitzenleistungen.html

[3] OECD Study: Social and Emotional Skills, Well-being, connectedness and success: http://www.oecd.org/education/school/UPDATED%20Social%20and%20Emotional%20Skills%20-%20Well-being,%20connectedness%20and%20success.pdf%20(website).pdf

[4] Gerhard Tulodziecki, Silke Grafe, Bado Herzig: Ansatz einer handlungs- und entwicklungsorientierten Didaktik. In: Jahrbuch für allgemeine Didaktik 2013. Oldenburg 2013. S.181-195.

[5] Smart Exemplary Educators Programm

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13 KOMMENTARE

  1. Die Funktionäre der OECD, die Lobbyisten der Digitalindustrie und die Protagonisten des digitalen Klassenzimmers sind gerade die richtigen, um uns das “sozio-emotionale” Element nahezubringen. Wollen die nicht eher ihre digitalen Produkte gewinnbringend verkaufen?
    “Ein Ziel der Studie ist es, insbesondere, die Bildungspolitik zu beeinflussen, damit sich künftig nicht nur auf die Entwicklung kognitiver Fähigkeiten, sondern auf die Entwicklung des gesamten Kindes konzentriert wird. Für Deutschland sehen wir hier einen klaren politischen Handlungsauftrag.”
    Mit anderen Worten: “PISA ist der neue Maßstab von Bildung”, Herr Schleicher wird ausdrücklich erwähnt. Ich finde das fast schon zynisch: Früher soll es mal so gewesen sein (Humboldt), dass es um die gesamte Persönlichkeit ging. Heute wird die Persönlichkeit “digitalisiert”, die Lernenden werden wie Pawlowsche Hunde vor Computer-Bildschirme gesetzt, wo sie nach den Spielregeln und Vorschriften der Digitalindustrie “im Team” arbeiten müssen zur Vorbereitung auf die Arbeitswelt nach den Wünschen der Arbeitgeber. Das nennt sich dann euphemistisch “sozio-emotionale Entwicklung”. Emotionen aus dem Computer, das ist so richtig kindgemäß. Wer nicht mitmacht, kriegt möglicherweise eine Glückspille verpasst, weil er als abnorm oder asozial gilt. Hartnäckige Digitalverweigerer dürfen nichts mehr werden und kommen am Ende in Umerziehungslager. Nordkorea lässt grüßen und “Big Brother is watching you”.

  2. ZITAT: “Denn der Gedanke, dass Durchhaltevermögen, Teamfähigkeit und Selbstbewusstsein für ein erfolgreiches (Arbeits-)Leben unabdingbar sind, findet zwar weithin Zustimmung, allerdings sind sich Lehrende und Eltern häufig unsicher darüber, wie sie diese sozio-emotionalen Fähigkeiten am besten stärken können …”

    Ich finde auch, dass die sozialen Kompetenzen mindestens genauso wichtig sind wie die fachlichen Kompetenzen und deshalb bin ich auch dafür, dass sie gleichberechtigt auf den Zeugnissen erscheinen und also auch bewertet werden. Da muss man das Pferd kein zweites Mal erfinden, die bekannten Noten reichen völlig aus. Ich stelle mir auf dem Zeugnis der Zukunft vor, dass z.B. links die fachlichen Kompetenzen und rechts die sozialen Kompetenzen aufgelistet werden.

    • Allerdings bin ich nicht der Meinung, dass die sozialen Kompetenzen in der Schule vernachlässigt werden. Sie sind ständig Thema, sie werden nur meist übersehen, weil sie in den Bewertungen kaum eine Rolle spielen. Das muss sich ändern! Dann streben auch alle danach, in diesen Bereichen ebenfalls “gut” zu sein.

    • Und was soll das mit Software und digitalem Lernen zu tun haben? Warum kümmern sich OECD, Bertelsmann und die “Smart Technologies” Digitalindustrie so rührend darum? Wieso dürfen die unsere Bildungspolitik beeinflussen? Tun sie das vielleicht eher im Eigeninteresse?
      Wie wollen Sie denn “soziale Kompetenzen ” bewerten bzw. benoten? Kann man das auch testen?

      • Weiß ich auch nicht. 🙂 Ich hatte nur den Vortext gelesen.

        Ich denke, ja, die sozialen Kompetenzen können verbal bewertet, also eingeschätzt werden; wobei ich auch hier für das einfachere System der Noten 1 – 6 wäre. Jeder weiß, was damit gemeint ist. Teilweise gibt es das ja noch bzw. wieder.

      • Zurück zu den Kopfnoten – das ist die Forderung. Die geforderte “sozio-emotionale Kompetenz” ist Frusttoleranz und Stressresistenz, damit zukünftige AN bei angeordnetem Unsinn/Arbeitsanweisungen nicht gleich ausrasten.

        • Die dann aber für jedes Fach getrennt und ohne die Vorgabe, als Standard die Note gut zu vergeben.

          Man müsste aber wirklich mal prüfen, inwieweit die Kopfnoten mit den Fachnoten korrelieren, also wie genau man aus der anonymisierten Fachnotenliste (weder Name noch Geschlecht) die Kopfnoten vorhersagen kann.

          • … aber in jedem Fall justiziabel auf der Grundlage eines 20-seitigen Kriterienkataloges. Und über die Notengebung muss in der Zeugniskonferenz einzeln für jedes Fach nach angemessener Diskussionszeit abgestimmt werden …

          • Man kann auf die Modelle zurückgreifen, die es bereits gibt. Man sollte es nicht unnötig kompliziert und aufwändig machen.

            Neu sollte m.E. nach nur sein, dass die Schüler eine Bewertung ihrer sozialen Kompetenzen nicht nur einmal pro Schulhalbjahr als Anlage zum “normalen Zeugnis” erfahren, sondern in regelmäßigen Abständen (monatlich?).

            Neu sollte auch nur sein, dass die sozialen Kompetenzen nicht als Anlage zum Zeugnis vermerkt werden, sondern auf dem “normalen Zeugnis” gleichberechtigt neben den Fachnoten (linke Spalte – rechte Spalte). Das würde sie aufwerten und das finde ich wichtig, weil die sozialen Kompetenzen darüber entscheiden, was jeder individuell erreicht (und erreichen kann), während die reinen Fachnoten das unberücksichtigt lassen oder aber völlig intransparent miteinander vermischen, wenn z.B. in der Mathenote auch Rechtschreibung steckt (die richtige Schreibweise der Fachbegriffe oder Ordnung, das Einhalten von Rändern usw.).

          • D.h., viele von uns beziehen “soziale Kompetenzen” durchaus in die Bewertung fachlicher Leistungen ein, aber das ist eher willkürlich und intransparent und verfälscht die fachliche Bewertung!

            Jemand kann super in Mathe sein, aber ein Chaot. Dann sollte m.E. die Matheleistung dadurch nicht geschmälert (verschlechtert) werden, denn er ist ja super in Mathe. Die chaotische Ordnung kann dann im Bereich Ordnung entsprechend vermerkt werden.

          • @sofawolf
            “D.h., viele von uns beziehen “soziale Kompetenzen” durchaus in die Bewertung fachlicher Leistungen ein, …”

            Tatsächlich geben genau das sogar die Curricula vor.
            Das ist nicht willkürlich und muss auch nicht intransparent sein.

            Wenn jemand fachlich herausragend ist, dies aber nicht geordnet zu Papier bringt, ist die Leistung, die er zeigt, eben nicht herausragend und wird entsprechend schwächer bewertet.

            Und wenn jemand fachlich herausragend ist, sich in Gruppenarbeiten oder generell im Unterricht aber in keinster Weise einbringt, werden auch da die Leistungen entsprechend bewertet werden müssen, so wie er sie zeigt.

    • “Denn der Gedanke, dass Durchhaltevermögen, Teamfähigkeit und Selbstbewusstsein für ein erfolgreiches (Arbeits-)Leben unabdingbar sind, findet zwar weithin Zustimmung, allerdings sind sich Lehrende und Eltern häufig unsicher darüber, wie sie diese sozio-emotionalen Fähigkeiten am besten stärken können …”

      Es würde schon in vielen Fällen reichen, wenn die Eltern (!) ihren Kindern von Anfang an eintrichtern, dass die Schule die absolute Nummer 1 zu sein hat, wozu ich auch zu erledigende Hausaufgaben zähle. Diese werden von den Eltern inhaltlich oder zumindest auf Vollständigkeit geprüft. Privatleben und Hobbies kommen danach. Allerdings widerspricht diese erzreaktionäre Haltung so ziemlich allem, was in Deutschland mit dem System Schule in Verbindung gesetzt wird, bei den so genannten “bildungsfernen Schichten” noch viel mehr. Ich gehe sogar so weit. dass die “bildungsfernen Schichten” gerade wegen dieer Haltung so bildungsfern sind.

      • “Ich konnte meine Hausaufgaben nicht machen, wir hatte noch etwas vor.”
        und
        “Xy konnte nicht zur Schule kommen, weil wir waren nicht da.”

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