Ministerin stellt Methoden der Grundschulen infrage – VBE präsentiert Petition mit fast 20.000 Unterschriften empörter Lehrer

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DÜSSELDORF. Es nütze nichts, dieser Stoßseufzer entfuhr Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann angesichts des schlechten Abschneidens ihres Bundeslandes beim jüngsten IQB-Viertklässlervergleich, nur mehr Geld in die Grundschulen zu stecken. Neue Konzepte müssten her. Ähnlich wie die damalige KMK-Präsidentin reagierte auch NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer – und handelte sich damit harschen Widerspruch ein. Der VBE präsentierte Gebauer nun eine Petition, mit der viele Grundschulkollegien ihrem Ärger Luft machen. Sie fordern darin bessere Bedingungen – keine neuen Konzepte.

Guppenbild mit Ministerin: Yvonne Gebauer (3. v. l.) nimmt die Petition des VBE entgegen. Foto: VBE

Die Reaktion der Ministerin kam prompt – und ärgerte viele Grundschullehrer. Yvonne Gebauer (FDP), Schulministerin von Nordrhein-Westfalen, erklärte im vergangenen Oktober angesichts mäßiger Testergebnisse der nordrhein-westfälischen Viertklässler im IQB-Bundesländervergleich: „Wir müssen einen Masterplan Grundschule erarbeiten“. Der Rechtschreibunterricht an den Grundschulen solle verbindlicher werden. Die umstrittene Methode “Lesen durch Schreiben” werde begrenzt. Sie wolle zudem einen verbindlichen Grundwortschatz für die Grundschulen einführen. Außerdem kündigte sie an, das Grundschul-Englisch auf den Prüfstand zu stellen.

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Der VBE reagierte schon damals empört. „Sie vermitteln den Eindruck, die Methoden, mit denen an Grundschulen gearbeitet wird, sind falsch bzw. die Lehrkräfte setzen diese nicht richtig ein  (…). Gleichzeitig erwecken Sie den Eindruck, die Lösung der Probleme ist gar nicht so schwierig: Wir führen in den Grundschulen in NRW flächendeckend wieder den Fibel-Unterricht ein, dann klappt es wieder besser mit dem Lesen und dem Zuhören“, schrieb der VBE-Bundesvorsitzende Udo Beckmann in einem offenen Brief an Gebauer.

Gleichzeitig startete der Verband eine Petition, mit der die Ministerin dazu gebracht werden sollte, „die Grundschulen endlich besser zu unterstützten“. Jetzt – ein halbes Jahr später – hat sich die VBE-Landesspitze mit Gebauer getroffen, um die Ergebnisse zu präsentieren. „19.451 Unterschriften und insbesondere die Kommentare zeigen, dass wir den Nerv in den Lehrerzimmern mit der Aktion treffen. Kleinere Klassen, eine bessere Ausstattung und zusätzliches Personal würden die Unterrichtsqualität erhöhen und die Kollegen entlasten“, erklärte Anne Deimel, stellvertretende VBE-Landesvorsitzende. Sie fordert Gebauer auf, einen „Masterplan Grundschule“ umzusetzen, der die Wertschätzung der Arbeit der Grundschullehrkräfte im Fokus habe. Was die Kollegien vor Ort in Rage bringt, wird in den Kommentaren zur Petition deutlich.

Darin heißt es:

  • „Unsere Professionalität wird in Frage gestellt, dementsprechend sind wir auch die letzten die gefragt werden, wenn es um sinnvolle Rahmenbedingungen geht. Als hätten wir keine Ahnung von unserem Job und bräuchten mal ein paar pädagogische und didaktische Tipps.“
  • „Wenn wir die erste Ausbildung unserer Kinder nicht mehr wertschätzen, dann wird sich die Schere zwischen bildungsnaher und bildungsferner Bevölkerung immer weiter öffnen. Die sich daraus entwickelnde Problematik kostet viel mehr als eine Investition in die Grundschulen. Selbst wenn jeder Grundschullehrer das doppelte Gehalt bekäme!“
  • „Mir ist diese Petition wichtig, damit sich mehr junge Menschen für den eigentlich wunderbaren Beruf des Lehrers / der Lehrerin an einer Grundschule interessieren und dementsprechend wieder mehr Qualifizierte Interesse an einem Funktionsamt entwickeln.“
  • „Die Methode, mit der ich den Kindern das Lesen und Schreiben beibringe, ist gerade mein geringstes Problem, denn da verfüge ich über genügend Kompetenz und Erfahrung – und eine Fibel als Patentlösung brauche ich ganz sicher nicht.“
  • „Seit über 25 Jahren bin ich als Grundschullehrerin tätig – und zwar mit Leib und Seele. Ich stelle allerdings fest, dass mich genau das immer stärker an die eigene Belastungsgrenze bringt. “
  • „Weil der vorangegangene Brandbrief mir aus tiefster Seele spricht!“
  • „Weil das Unterrichten an den Grundschulen mittlerweile unzumutbar geworden ist.“
  • „Weil uns an den Grundschulen langsam die Luft ausgeht…“
  • „Weil ich sehr engagiert und grundsätzlich gerne Lehrerin bin, aber bei diesen Rahmenbedingungen so langsam meine Freude an dem Beruf verliere.“

Immerhin: Dass Gebauer sich Zeit für ein Treffen nahm, wertet der VBE als positives Signal. „Ohne ein offenes Ohr für die Personen aus der Praxis kann die weltbeste Bildung nicht gelingen. Ändern müssen sich die Arbeitsbedingungen und nicht die Lehr-Methoden“, erklärte Deimel. News4teachers

Hier geht es zu der Onlinepetition und den Kommentaren der Unterzeichner.

“Schlicht kaum noch leistbar”: VBE versucht mit Online-Petition, auf die Not der Grundschulen hinzuweisen

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136 KOMMENTARE

  1. ZITAT: “Die umstrittene Methode “Lesen durch Schreiben” werde begrenzt. Sie wolle zudem einen verbindlichen Grundwortschatz für die Grundschulen einführen. Außerdem kündigte sie an, das Grundschul-Englisch auf den Prüfstand zu stellen.”

    Das finde ich richtig und unterstütze es deshalb.

    Dass Grundschullehrer jetzt dagegen wettern, ist menschlich-verständlich. Sie fühlen sich durch die Kritik selbst infrage gestellt und ihre jahrelange Arbeit. So geht und ging es aber auch jeder anderen Lehrergeneration, der man neue Konzepte aufdrängte. Die heutigen Konzepte haben ja auch mal andere abgelöst.

    • Richtig ist aber auch, dass sich vor allem unsere Arbeitsbedingungen spürbar verbessern müssen. Dafür werbe ich hier seit Jahr und Tag.

      (Ein paar andere hingegen wollen nur einfach mehr Geld für sich selbst. Dann sind sie bereit, alles anderes weiterhin still zu ertragen.)

      • Jetzt haben Sie wieder zu jedem heute erschienenen Artikel dasselbe Mantra der geldgierigen Grundschullehrer runtergeleiert wie fast jeden Tag. Ganz ehrlich, ich kann es nicht mehr hören.
        Machen Sie sich mal schlau, im Internetauftritt des Landtags NRW ist heute eine Stellungnahme eines Juraprofessors der Universität Bielefeld zum Antrag A13 für alle erschienen. Dort werden mehrere Aspekte dieser Besoldungsveränderung beleuchtet. Anschließend können wir gerne sachlich über die Argumente diskutieren.

    • Ich würde gerne mal sehen, wie hoch die Wellen schlagen würden, wenn man die Gymnasiallehrer so angreifen würden. Der Philologenverband würde da sicher stärker seinen Einfluss gelten machen. Denn auch da stimmt so einiges nicht. Wenn in der 5/6 Klasse kein Grammatikunterricht stattfindet. Ein Kind (und dass sind sie noch wenn sie wechseln) zur Nummer wird und nicht mehr als Mensch wargenommen wird, wenn Kollegen keine Leistung im Unterricht bringen, aber die Ansprüche hochhängen, da könnte ich als (ach so schlechter) Grundschullehrer das kalte K…. kriegen… und dann arrogant über die Lehrer und deren Arbeit anderer Schularten herzuziehen ohne je in den Schuhen gesteckt zu haben finde ich absolut unmöglich.
      Aber natürlich hat man da ja Standesdünkel….
      Nochmal, das Schulproblem an Lesen durch Schreiben fest zu machen und an der Anlauttabelle ist kurzgegriffen und Unsinn, denn diese Methode wurde gar nicht überall durchgeführt. War ist, dass die Grundschule seit Jahren zu Tode gespart wird und nebenbei immer mehr erfüllt werden soll.
      So bin dabei demnächst deutlich Briefe ans Schulamt zu schreiben. Mir reicht es….

      • Ich fände es auch richtig, Gymnasiallehrer zu kritisieren, wenn es notwendig wäre. Gab es da nicht letztens auch hier mal ein Thema dieser Art? Giing es da nicht darum, dass auch an weiterführenden Schulen wieder mehr Rechtschreibung unterrichtet und auf selbige geachtet werden müsse?

        Da klatschten hier bekennende Grundschullehrer Beifall. Ich auch. Gejammer von Gymnasiallehrern über böse Gymnasiallehrerschelte habe ich dabei nicht vernommen.

        Im Übrigen gibt es ja nicht DIE Grundschullehrer. Hier steht nicht ein Berufsstand in der Kritik, sondern eine Methode, ggf. mehrere; die auch nicht jeder Grundschullehrer verwendet. Der muss sich dann auch nicht angegriffen fühlen, oder?

        • Gymnasiallehrer (u.a. Lehrer weiterführender Schulen) sind nicht schuld, wenn bei n4t vor allem Grundschulthemen veröffentlicht werden, bis hin zu ganzen Artikeln aus einer Grundschullehrerzeitung.

          (Den einen neulich fand ich allerdings sehr wichtig.)

      • Die Querelen zwischen Grundschul- und Gymnasiallehrern interessieren mich relativ wenig, olle Schachtel. Mehr interessiert mich, dass Sie vor allem das Zu-Tode-Sparen der Schulen als Übel Nr.1 sehen, während ich es als Übel Nr.2 ansehe.
        Die Reformitis der vergangenen Jahre, die Gutes und Bewährtes im Eifer und der Begeisterung für schöne neue Theorien über Bord geschmissen hat zugunsten hoffnungsfroher, aber falscher Annahmen über immer Neues, ist für mich ausschlaggebender.

          • – Sprachförderung vor der Einschulung mit nicht vorhandenen Stunden bzw. Verlagerung in die KiGa, sodass dies der Streichung der Sprachförderung gleichkommt
            – Ausweitung der Betreuungszeit an Grundschulen auf 5 Zeitstunden, die zu großen Teilen durch die Pausenaufsichten der Lehrkräfte abgedeckt werden müssen
            – Streichung von Förderstunden, ganz unabhängig von Inklusion
            – im 3-Monats-Rhythmus wechselnde Vorgaben und aufwändigste Erhebungen der Kinder, die DaZ-Förderung benötigen, sodass die Förderstunden zusammengestrichen werden
            – Verpflichtung zur jährlichen Evaluation, durchgeführt durch Lehrkräfte
            – Konzepterstellung an jeder einzelnen Schule durch Lehrkräfte bei laufend neuen Vorgaben
            – Betreuung von Studierenden-Praktikanten (GHR300) sowie Referendaren ohne Anrechnungsstunden bei Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung von Referendaren ab dem ersten Tag
            – keinerlei Vertretungsreserve innerhalb der Schulen, stattdessen seit Jahren pädagogische MitarbeiterInnen, die von Lehrkräften vorbereiteten Unterricht beaufsichtigen dürfen, nun aber auch langfristige Vertretungen zu gleichen Bedingungen übernehmen müssen
            und, ja, Inklusion bei Verzicht auf jegliche Unterstützung.
            Ist das “Reformitis” oder “Sparprogramm”?

            Ständig wechselnde Vorgaben samt Curricula oder Vorgaben zu Übergabegespräche im laufenden Schuljahr, rückwirkend bei späterer Zustellung und ohne Einarbeitungs- oder Übergangszeit, nerven mich auch. Stimmt.

          • @Palim
            So wie Sie kann man auch Reformen mit entlarvenden Misserfolgen als “Lehrerin” noch verteidigen.
            Die bildungspolitischen und GEW-Theorien werden weiterhin hochgehalten und fatale Ergebnisse mangelnder Geldzuwendung zugeschrieben.
            Ich kann mich an keine Reform erinnern, von der nicht anfänglich behauptet worden wäre, sie liefe fast von allein auf tolle Erfolge hinaus, weil in der Theorie alles so schön passte. Von Geld war keine Rede.
            Obwohl es in den Schulen tatsächlich hinten und vorn an Geld fehlt, allein schon für die Instandhaltung der Gebäude, bin ich dagegen, miserable Reformen und deren offensichtliche Misserfolge auf mangenlde Geldzuwendung zu schieben. Diese Entschuldigung ist für mich (selbst)verdummende Herausrederei und raffinierte Vertuschungstaktik der wahren Ursachen, sprich: schöner, aber falscher Theorien und Reformen.

          • Die Unterhaltung von Schulen ist Sache der Kommunen, die inhaltlichen Reformen die des Landes.
            Im übrigen kann ich mich bei den o.g. Aspekten (von Inklusion abgesehen) generell an gar keine Diskussion oder Erfolgsbehauptung vorab erinnern. Dem Hinweis darauf, dass Lehkräfte die letzten seien, die hinsichtlich der Bedingungen gefragt würden, kann ich nur zustimmen.

            Welche “wahren Ursachen” meinen Sie denn, klar identifizieren zu können, und welche “miserablen Reformen” haben Sie vor Augen?

          • Markus schrieb: “@Palim
            So wie Sie kann man auch Reformen mit entlarvenden Misserfolgen als ‘Lehrerin’ noch verteidigen.
            Die bildungspolitischen und GEW-Theorien werden weiterhin hochgehalten und fatale Ergebnisse mangelnder Geldzuwendung zugeschrieben.”

            Und wieder einer, der U.B.s Meinung teilt, der/die an anderer Stelle formulierte:

            “Sie beschreiben genau mein Verständnisproblem mit einigen Kommentaren von Palim, mississippi und auch ysnp. […]
            Vieles in der Schulpraxis wird kritisiert und beklagt, weil bekannt und unbestritten, die ideellen Urheber und damit Verursacher der genannten Probleme aber verteidigt und deren Werbegedanken unbeirrt für gut befunden.
            Da komme mit, wer will. Ich nicht.”

          • Ist ja schön, wenn man sich mit den immer gleichen Zitaten zufrieden gibt, statt eigene Antworten zu finden und sie zur Diskussion zu stellen.

            “Reformen mit entlarvenden Misserfolgen”? Welche denn?
            Und an welcher Stelle geht es allein um “Reformen” und nicht um den “Sparzwang”?

          • Die immergleiche einseitige Art Ihrer “Argumentation”, welche sich selbst regelmäßig ad absurdum führt (worauf U.B., Markus und andere hinweisen) führt halt zwangsläufig dazu, dass immer mehr Mitdiskutierende diese entlarven. Darauf weise ich hin. Nicht mehr, nicht weniger.

          • “Mitdiskutierdende”?
            Keine Antworten, keine eigene Meinung, keine Argumentationen…

            Es ist so leicht, eine Diskussion “ad absurdum” zu führen, indem man ablenkt und nichts Eigenes einbringt.

            Das Thema war, um es Ihnen in Erinnerung zu bringen, die Arbeit in der Grundschule.

          • Alle Leserinnen und Leser sind herzlich dazu eingeladen, die Reaktionen auf die Beiträge von Palim hier im Forum mit jenen auf die von U.B., Markus oder auch Wilma Pause zu vergleichen.

            P.S. Ich schrieb, dass Ihre (Palims) Argumentation sich regelmäßig selbst ad absurdum führe. Sie lenken wie immer ab, nehmen völlig zusammenhanglos das Stichwort “ad absurdum” auf und konstruieren daraus dann die freche Behauptung, andere wollten von der inhaltlichen Diskussion ablenken, nur weil sie Sie (Palim) darauf hinweisen, dass Ihre Masche keine Art und Weise der Argumentation ist.

        • Die Methode LDS ist eben sehr ineffektiv in der Vermittlung einer automatisierenden Lesefähigkeit der Schüler, vermittelt unter dem Einbau von systematischen Fehlern, welche den Lernfortschritt der Schüler behindern. LDS ist zusätzlich unzuträglich für Schüler mit einem fremdsprachlichen oder einem dialektgefärbten Sprachumfeld, sowie für Kinder mit einem sehr schwachen, sprachlichem Umfeld.
          Warum verteidigen Sie als Lehrerin in einer vom Dialekt geprägten Gegend indirekt die Brügelmann/Reichen-Methodik, mit ihren armseligen Bemühungen um ein Kind gesteuertes, eigen initiatives Lernen, ohne direkte Gegensteuerung von Fehlern, wie Feedback und systematische Vermittlung der Hauptgrapheme und Orthographeme.

          • @ Ignaz Wrobel: Ich kenne ja auch niemanden, der so arbeitet. Die Methode ist wohl eher der Vergangenheit zuzuordnen. Viel mehr sind die Dinge, die Emma Keeboo unten auflistet, an der Misere Schuld. Sonst wären ja an allen Schulen, die nicht diese Methode verwenden, keine Probleme zu finden.

          • Ist Ihr letzter Satz nicht eine zu grobe Schlussfolgerung?
            Ob KEINE Probleme oder Weniger Probleme macht einen gewaltigen Unterschied.

        • Mississippi
          In NRW ist LDS weiterhin ein Bestandteil des eigenständig organisierten Leseerwerbs in der ersten und der zweiten Klasse.
          Außerdem trainieren die Schüler mit Hilfe der Anlauttabellen selbstständig das “phonologische Bewusstsein, und man übt eigenständige Wege der Verschriftlichung von Wörtern ein, welche zur eigenständigen Regelbildung der Schüler führen, die aber nicht den orthographischen Standarts der deutschen Schrift entsprechen.
          Hinterlegt sind diese Methoden in den PDF-Darteien des Kultusministerium zum Erwerb des Lesens und des Schreibens.
          Hier besteht ein dringender Bedarf an der Überarbeitung der propagierten Methoden, die 1 ;1 denen des Grundschulverbandes entsprechen.

          • Gehen wir einmal 4 Jahre zurück und betrachten wir das Verbotsantragsverfahren im Düsseldorfer Landtag gegen Lesen durch Schreiben, so sprachen sich damals im Landtag das Professoren-Duo Brügelmann und Brinkmann für die Methode im Leseerwerb aus.
            Ebenso war es beim bestellten Vertreter des Grundschulverbandes Bertholt Bertling aus Dinslaken, der sich für den Einsatz von LDS, die unkritische Anwendung von Anlauttabellen zum freien Schreiben aussprach. Einzig Herr Prof. Steinig warnte vor dem unkritischen Einsatz der vom Grundschulverband propagierten Methoden.
            Inzwischen schwenkt man auf die Taktik um zu argumentieren, dass die Methoden des Spracherfahrungsansatzes und von LDS gar nicht so weit verbreitet sind. Trotzdem wird in NRW mit diesen eigenständigen Methoden im Schriftspracherwerb gearbeitet, ein Wille sich auf andere Methoden umstellen zu wollen ist nicht erkennbar. Und auch im einstigen Musterländle trafen diese Methoden auf ein bereitwilliges Publikum.
            Schließlich hat man sich Frau Brinkmann und andere Vertreter des Grundschulverbandes in die Lehrerausbildung in Schwäbisch-Gmünd geholt . Und von dort aus wird auch der Widerstand in Baden-Württemberg organisiert. Ich erinnere noch einmal an den offenen Brief der Grundschulverbandsvorsitzenden im Jahr 1017, über den hier berichtet wurde.

          • So sehr Ihnen diese zahlreichen Methoden, denn es sind diverse, ein Dorn im Auge sind, ist nicht von der Hand zu weisen, dass diese Methoden nicht allein für schlechtes Abschneiden in allen möglichen Fächern in allen möglichen Bundesländern an allen möglichen Standorten verantwortlich gemacht werden können.

            Viele dieser Methoden kommen gar nicht oder nur in Verbindung mit anderen zum Einsatz.
            Generell zu meinen, es sei immer von einem “unkritischen Einsatz” auszugehen, ist eine Bezichtigung zur Unprofessionalität der Lehrkräfte und dabei ist es sogar egal, um welche Methode es geht.

            Letztlich werden einzelne Kleinigkeiten des Unterrichtens durch die Ministerien in mehreren BL herausgepickt, um viel Wind zu machen, sich aber nicht um die eigentlichen, erheblich entscheidenderen Probleme zu kümmern, weil dies Geld kosten würde: eine bessere personelle Ausstattung, die eine entsprechende frühe Förderung, die bei vielen Kindern dringend notwendig ist, ermöglichen zu können.

            D.Orie schreibt weiter unten:
            “Es ist eine Schande, dass (u. a.) im Bildungswesen so brutal gespart wurde. Die Bildungspolitik hat uns doch auch den untragbaren Zustand beschert, dass es nicht ausreichend ausgebildete Lehrkräfte gibt”

          • Ignaz Wrobel schrieb: “Inzwischen schwenkt man auf die Taktik um zu argumentieren, dass die Methoden des Spracherfahrungsansatzes und von LDS gar nicht so weit verbreitet sind.”

            In der Tat ist diese Taktik auch hier im Forum seit längerem sehr beliebt und immer wieder anzutreffen.
            Ich entgegne dem damals wie heute mit folgender Feststellung, ganz speziell für jene Fraktion hier, die so gerne mit rhetorischen Fragen arbeitet:

            Der Hamburger SPD-Bildungssenator Ties Rabe hat “Schraibn nach Gehöa” sicher deshalb verboten, weil es niemals irgendjemand angewendet und sich deshalb auch niemals ein Elternteil drüber aufgeregt hat, gell?
            https://www.welt.de/debatte/kommentare/article170983581/Nach-Gehoea-schraibm-raicht-einfach-nich.html

          • … weil ja Politiker immer nur sachlich gerechtfertigt handeln und niemals populistisch Tatkraft vortäuschen.

          • …was überhaupt nichts daran ändert, dass g e r a d e ein populistisch handelnder Politiker genau dann handelt, wenn ihm viele seiner potentiellen Wähler auf den Füßen stehen.

            Wieder ein Schein-Argument, das sich sogar ohne großartiges Nachdenken in Luft auflöst.

            Rabe handelte, w e i l ihm die Eltern auf’s Dach gestiegen sind. Und sie sind ihm nicht deshalb auf Dach gestiegen, weil niemand “Schraibn nach Gehöa” betrieben hätte.

  2. Die Schüler sind so, wie sie sind, ein Istzustand, mit dem die Grundschullehrer auch in anderen Zeiten umgehen mussten und auf die sich die Grundschullehrerinnen auch heute noch einstellen müssen.
    Zeiten, Verhalten von Schülern und alle Grundvoraussetzungen ändern sich eben.
    Hier die Verantwortung den Schülern, dem gesellschaftlichen Umfeld, oder den Eltern zuzuschieben, entspricht auch einem falschen Ansatzpunkt und wird zu keiner Besserung der Lernerfolge beitragen.
    Was sich aber nicht geändert hat, ist der entwicklungsbiologische Umstand, dass Kinder in der neurobiologisch aktivsten Phase, 6. bis 8. Lebensjahr, der möglichen Ausbildung neuronaler Verbindungen zwischen der Sehrinde, der Hörrinde, des motorischen Cortex, am stärksten gefördert und unterstützt werden müssen, damit diese eigentlich nicht vorbestimmten Nervenbahnen zwischen den einzelnen Hirnregionen sich ausbilden können.
    Und schon sind wir bei den Methoden. Beinhalten diese den Einbau von systematischen Fehlern im Schriftspracherwerb und/oder des Leseerwerbs, oder vernachlässigen Methoden den aktiven Erwerb dieser Kulturtechniken in der Anfangsphase, so wird es später, mit dem 8. bis zum 15. Lebensjahr,um so schwieriger, diese Fehler wieder umzulernen, weil die Lernfähigkeit bis zum 15. Lebensjahr beständig abnimmt, die neuronale Plastizität schwindet und falsche Strategien systematisch verinnerlicht wurden.
    Hinzu kommt, je mehr ich einem Kind in der frühen Lernphase vermittele, umso mehr kann es später hinzulernen. Das gilt im gleichen Sinne auch für die Phase bis zur Einschulung.
    Ich möchte jetzt noch einmal auf die Effektivität von Methoden kommen, so, wie in der evident basierten Medizin, bei der ineffektivere Methoden zurückgedrängt werden zu Gunsten der effektiveren Methoden.
    Gleichzeitig werden auf Grundlage von multizentrischen Vergleichsstudien Leitlinien erstellt, die alle 5 Jahre überarbeitet werden. Ineffektive Methoden wurden sehr schnell verdrängt werden ; alleine schon weil sich derartiges bei den Patienten sehr schnell herumsprecht, diese jedem Patienten zur Verfügung stehen und diese als Grundlage für juristische und außergerichtliche Entscheidungen dienen.
    Der Einfluss einzelner Interessensgruppen und einzelner Vordenker würde zu Recht in den Hintergrund treten.
    Wieso kann man derartiges nicht in die Wege leiten. Geld dafür wäre vorhanden. Aber viele müssten sich, wie bereits in der Medizin geschehen, sich umstellen, neu hinzulernen, neues hinzulernen.

    • Es gibt wohl zu viele Interessenverbände, die nur durch neue Pferde in den Dörfern Geld verdienen oder in der (Polit-) Hierarchie aufsteigen können.

    • Ich weiß ja nicht, ob Ignaz Wrobel wirklich ein neurobiologischer Experte ist, aber egal, solche Experten wird’s geben, und ich sehe kein Hindernis dagegen, dass sich Schulministerien mal den Rat bei solchen Experten holen. Stattdessen hatte sich das Kultusministerium in Baden-Württemberg jahrelang den Rat des inzwischen nur noch als “Scharlatan” bezeichneten Peter Fratton geholt, der mit den Urbitten (“motiviere mich nciht, bringe mir nichts bei” etc.).

      • @Cavalieri
        Wenn Sie sich bisher nicht mit der Entwicklung des Gehirns, der Ausbildung der neurologischen Verknüpfungen beschäftigt haben, so bedeutet es nicht, dass dieses Wissen darüber nicht existiert.
        Es erklärt aber warum die sprachliche, motorische und musikalische Frühförderung so wichtig für die Lernfähigkeit des Menschen ist. Es ist eben nicht in die Wiege gelegt, ob man Lesen, Schreiben, Rechnen, musikalische Instrumente oder andere Kulturtechniken lernt, und es hängt entscheidend von der frühkindlichen Umgebung und der systematischen Steuerung in den ersten Grundschuljahren ab, ob man Kulturtechniken erlernt oder nicht. Wolfgang Amadeus Mozart und die Bachsöhne Carl-Phillip-Emanuel, Christian und Friedemann Bach hatten es wesentlich einfacher, bei einer sehr wahrscheinlichen guten Begabung, durch Frühförderung der Eltern , zu dem zu werden , als was sie sich in ihrer Musik uns heute darstellen.
        Genauso stellt sich auch der Werdegang des afro-kreolischen Musikers Josef Boulogne Chevalier de Saint George dar, der als Sohn einer haitianischen Sklavin und eines französischen Landbesitzers unter dessen Förderung seines Vaters zu einem sehr erfolgreichen Violinisten der vorrevolutionären Zeit avancierte und sogar Mozart und andere Zeitgenossen beeinflusste, trotz seiner schwarzen Hautfarbe.
        Ich bin mir sicher, dass Frau Eisenmann sich die geeigneten Berater hinzugezogen hat und sich nicht auf populistische Ratgeber stützt. Dafür nimmt sie dieses Amt zu ernst.

        • Hören Sie sich einfach mal unter You tube die Musik von Joseph Boulogne Chevalier de Saint Georges an, entspannen Sie unter der virtuosen Leichtigkeit und lesen Sie einmal über dessen Biographie, dann wird der Zusammenhang zwischen Frühförderung, Talent und Umgebung exemplarisch deutlicher.

        • Aber genau das habe ich doch gemeint: Die Ministerien sollten das mal mit einbeziehen bei ihrer Schulpolitik (speziell: Grundschule), statt nur Parteitagsbeschlüsse zur sozialen Gerechtigkeit umzusetzen. Ich sehe keinen Dissens. Zur Musik gab es ja schon hier bei n4t was. Darin wurde klar gesagt, dass Klavierspielen die Intelligenz fördert. Also: nicht nur hören, sondern selber machen.
          Übrigens: Fratton war schon Berater der damaligen CDU-Regierung, bevor er von grün-rot dann erst richtig gewürdigt wurde.

        • Ich muss mich korrigieren. Diese “Zeitfenster” für die Entwicklung werden immerhin kurz im Bericht unter II.1 zu einem Projekt “Kita und Grundschule unter einem Dach” erwähnt:
          https://www.nifbe.de/component/themensammlung?view=item&id=640:kita-und-grundschule-unter-einem-dach-2
          Da steht auch was von “genetischen Veranlagungen”, hier ein Reizwort. Aber der Bericht ist 128 Seiten lang, wer wird das lesen? Fragt sich, ob und wie solche Erkenntnisse dann umgesetzt werden. Fragt sich auch, wieso die Erkenntnisse dann in den üblichen Grundschultests keine positiven Auswirkungen haben. Das Paradox scheint zu sein: Immer raffiniertere Erkenntnisse und Methoden führen zu enttäuschenden Testergebnissen beim Lesen und Rechnen.

          • Dann sind die raffinierten Erkenntnisse Schuld an den enttäuschenden Testergebnissen?

            Wenn Sie die Stelle gelesen haben, wissen Sie ja nun auch, dass die “Zeitfenster” wichtig sind und der Entwicklung bis zum Alter von 6 Jahren besondere Bedeutung zukommt. Weiter unten auf der Seite ist aufgeführt, dass es auch bis zum Beginn der Pubertät starke Veränderungen gibt.

            Das deckt sich ja mit der Erkenntnis, dass die genetischen Veranlagungen in früher Kindheit weniger entscheidend, die sozialen Faktoren aber um so wichtiger sind (siehe Beitrag zur Intelligenzförderung durch musikalische Früherziehung).

            Um so schlimmer, wenn in diesem Zeitraum die Förderung versagt.
            Diese Entwicklungsdefizitie sind später, je nach Bereich, nur sehr mühsam, kaum oder gar nicht aufzuholen.

          • “Dann sind die raffinierten Erkenntnisse Schuld an den enttäuschenden Testergebnissen?”
            Logischerweise nicht. Ich habe doch gesagt, das ist ein Paradox, vielleicht einfach der Unterschied zwischen Theorie und Praxis.
            Der ganze Link befasst sich vorwiegend mit dem Kindergarten, wenn ich das richtig sehe. Natürlich müssen sich die Anlagen entwickeln können und dürfen nicht etwa verkümmern, das sagt Elsbeth Stern auch. Mich wundert allerdings, dass so viele Leute sagen “wir müssen den Kindern mehr Zeit geben” und damit die 6-jährige Grundschule begründen. Widerspricht das nicht diesen Zeitfenstern ein wenig?
            Die Gegenseite sagt: Intelligente Kinder müssen ab Klasse 5 ins Gymnasium und sollen dort möglichst viel lernen vor der eigentlichen Pubertät (da sind sie aufnahmefähiger), anstatt in der Grundschule nur “herumzuhängen”. Was mag denn nun stimmen? Für jeden ein individuelles Lerntempo? Aber wie soll das praktisch gehen?

            “Diese Entwicklungsdefizitie sind später, je nach Bereich, nur sehr mühsam, kaum oder gar nicht aufzuholen.”
            Soll damit eine einheitliche Schule begründet werden? Liegt nach diesem Satz nicht eher das Gegenteil nahe?

          • Ignaz Wrobel: Was meinen Sie denn, sprechen die neurobiologischen Fakten bzw. natürlichen Vorgaben nun für oder gegen ein “Sortieren” der Kinder nach Klasse 4 ? Das muss doch jetzt was mit der Länge dieser Zeitfenster zu tun haben. Oder ist ein anderer Zeitpunkt besser?

          • @Cavalieri
            Ich betrachte es für die Lernerfolge der Schüler besser, die einzelnen Schüler in leistungsgleiche Gruppen zusammenzufassen.
            Wenn Wilma Pause wirklich aussteigen sollte , so wäre es ein herber Verlust für Qualität der Diskussionsrunden, denn sie recherchiert fundiert und widersetzt sich der derzeit gängigen Schulphilosophie, verfügt über sehr viel Erfahrung und argumentiert sehr sachlich.

          • @cavalieri
            “Für jeden ein individuelles Lerntempo? Aber wie soll das praktisch gehen?”
            Dass immer hinter jeder Diskussion und jedem Argument der Ruf nach einer “Einheitsschule” vermutet wird, ist für mich unverständlich. Es geht doch um die GRUNDSCHULE. Da lernen ALLE Kinder, seit Jahrzehnten:
            Es ist schon lange bekannt, dass die Entwicklungsunterschiede zum Zeitpunkt der Einschulung 3 Jahre und mehr umfassen. Diese Unterschiede nehmen zu, durch die Verhältnisse, zu denen Ignaz Wrobel einiges ausgeführt hat. Man musste es schon immer berücksichtigen, hat aber durch die heutige Schülerschaft erheblich mehr Bedarf an Förderung.

            “Für jeden ein individuelles Lerntempo? Aber wie soll das praktisch gehen?”
            Z.B. indem man im Unterricht _der 1. Klasse_ mit der gesamten Lerngruppe Grundlagen anspricht oder einübt – z.B. das Erlernen eines Buchstabens, einer Zahl, einer Rechenart, in den nachfolgenden Übungen dann aber differenziert:
            Die Schwächeren arbeiten im ersten Schuljahr auf weit niedrigerem Niveau (einfache Silben, kleinerer Zahlenraum, reduziertes Wortmaterial), sie wiederholen viel mehr, nutzen Hilfsmittel (Visualisierungen, Materialien zum Rechnen/Zählen), erhalten womöglich andere Materialien um Grundlagen zu schulen (allen voran Wahrnehmung).
            Die anderen erhalten weiterführende Übungen und, wenn nötig oder möglich, herausfordernde Aufgaben: Längere Sätze, erste oder längere Texte zum Lesen oder Schreiben, größerer Zahlenraum, andere Aufgabenformate, Knobel- und Denkaufgaben – sofern dies grafisch darstellbar ist oder die Kinder bereits lesen können, …

            Während die einen also noch immer an den einfachen Silben knabbern, lesen manche bereits Bücher und die anderen sind irgendwo auf dem Weg dahin. Gleiches gilt für die anderen Lernbereiche auch, fällt aber in Deutsch und Mathematik m.E. besonders ins Gewicht.

            Und dabei geht es zunächst einmal um Kinder, bei denen noch kein sonderpädagogischer Unterstützungsbedarf festgestellt wurde und häufig auch nicht wird. Dennoch hat man in allen Bereichen eine recht breite Streuung der Fähigkeiten und nur wenige Kinder, die alles herausragend oder die überhaupt nichts können.

            Bei den meisten Lehrkräften wechseln sich gemeinsame (gleichschrittige) Erarbeitungen und Vorhaben im Unterricht mit solchen ab, bei denen differenziert geübt wird.

          • ““Diese Entwicklungsdefizitie sind später, je nach Bereich, nur sehr mühsam, kaum oder gar nicht aufzuholen.”
            Soll damit eine einheitliche Schule begründet werden? Liegt nach diesem Satz nicht eher das Gegenteil nahe?”

            Dieser Satz legt nahe, dass man sehr früh fördern muss, da man dann mit geringerem Aufwand größere Erfolge erzielt… und dennoch schon in diesem Alter Aufwand für Fördeurng betreiben muss oder sollte.
            Am Beispiel: Die sensible Phase für das Hören reicht etwa bis zum 4. Lebensjahr.
            a) Nun gibt es aber Kinder, die in ihren Familien kaum Anreize erhalten und sich deshalb nicht so gut entwickeln.
            b) Es gibt außerdem Kinder, die in dieser Zeit kaum oder gar nicht hören und sich deshalb schlecht entwickeln, z.B. weil sie häufig Mittelohrentzündungen haben, die nicht immer entdeckt und behandelt werden.
            c) Oder das Kind kann kaum hören, aber man „wartet“, weil sich das „noch verwächst“. Da wird erst im Jahr vor der Einschulung begonnen, sich um eine Versorgung mit Hörgeräten zu kümmern. Das Kind kann dann sozusagen „technisch“ besser hören, das allein ist aber nicht ausschlaggebend.

            Alle diese Kinder (a+b+c) haben womöglich die entsprechenden Fähigkeiten im Alter von 0-4 nicht ausgebildet und werden sie, wenn überhaupt, nur mit intensiver Förderung weiterentwickeln können.
            Diese Fähigkeiten sind aber grundlegend für das Erlernen des Lesens und Schreibens wie auch für die Teilhabe am Unterricht (etwas hören, Gehörtes filtern, verarbeiten, sich merken können, eine Antwort formulieren, sich merken können, bis man in der Klasse an der Reihe ist, die gedachte Antwort verständlich äußern … ebenso wie der aktive und passive Wortschatz usw.
            Und alle diese Kinder sitzen in den Grundschulen.

            Zudem ist dies nur ein Beispiel für EINE sensible Phase, ähnliche gibt es für viele andere Bereiche auch.

          • Palim: ein Missverständnis.
            Die obigen Ausführungen von Ignaz W. zu den Zeitfenstern bezogen sich nicht nur auf die Grundschule, deshalb. Auch lesen wir bei n4t gerade viel über den bösen und abzuschaffenden Übergang nach Klasse 4. Von daher liegt das Thema “in der Luft”. Ich dachte einfach, ein individuelles Lerntempo in einer Art “Grundschule” von Klasse 1-10 ist letztlich schwer durchzuhalten. Fragt sich, ob es das in denjenigen Ländern gibt, die tatsächlich solch eine einheitliche Schule haben (F, GB, S, DK).

          • Den Übergang nach Klasse 4 abschaffen? Ich dachte, es ginge zunächst einmal um die Gestaltung des Übergangs. Davon, die Grundschule bis zur 10. Klasse zu erweitern, liest man selten. Das Thema des Überganges ist zudem ein jahreszeitliches: es taucht immer dann auf, wenn gerade in den 4. Klassen in BY Übergangszeugnisse verteilt werden und in den anderen BL die Kinder an den weiterführenden Schulen anzumelden sind – nämlich gerade jetzt.

            Ansonsten denke ich, in allen Schulformen und allen Klassen ist es schwierig, ein individuelles Lerntempo durchzuhalten, wenn man stets nur 1 Lehrkraft für eine große Lerngruppe zur Verfügung hat.

            Aber was sind die Alternativen?

            Sobald davon gesprochen wird, die Lerngruppe zu teilen, muss nicht nur von den Zeitpunkten und Kriterien der Teilung die Rede sein, sondern auch von weiteren Lehrkräften gesprochen werden: Lehrkräfte, die in den Grundschulen ebenfalls sinnvoll wären, um den Anforderungen an Förderung und Unterstützung gerecht werden zu können, und die die Grenzen des Machbaren sicherlich zu Gunsten der Schülerschaft verschieben würden.

          • “Den Übergang nach Klasse 4 abschaffen?” Nie gehört? Sie lesen doch vermutlich auch, was seitens der GEW auch hier bei n4t erzählt wird.
            Die folgende naheliegende Idee wird doch aus ideologischen Gründen nicht realisiert: In einer 5-zügigen Schule (ist im Sekundarbereich gar nicht selten) könnte man die 5 Parallelklassen leistungsbezogen zusammenstellen. Bei den diversen Fremdsprachen könnte man sie ggfs. wieder anders zusammensetzen, wenn die Fremdsprachen in den 5 Klassen immer gleichzeitig unterrichtet werden. Hat man je davon gehört? Nein, das ist ein Tabu, außer an den klassischen Gesamtschulen. Aber deren Konzept ist doch durch die besonders heterogenen (das gilt als wünschenswerte Tugend) neuen Gemeinschaftsschulen überholt, wo es keine leistungsbezogenen A-, B, C-Kurse mehr geben soll.. Lieber postuliert man die individuelle Förderung und das individuelle Lerntempo. Je heterogener die Lerngruppe, desto besser. “Vielfalt macht schlau”, steht auf der Homepage eines Schulministeriums.
            Übrigens: Statt 2 Klassen in 4 zu teilen, könnte man sie auch anders wieder zusammensetzen. Zwei halbe Klassen ergeben wieder eine ganze. aber dann ist vielleicht der Proporz irgendwelcher Art (sozial, ethnisch) nicht mehr gewahrt. Und der gilt doch wohl als wichtig.

          • Es ging zunächst um die Grundschule.
            Wie wollten Sie die Schülerschaft denn in neue Klassen einteilen?
            Eine Klasse mit den SuS, die von zu Hause jegliche Unterstützung erhalten, und eine andere mit den SuS, bei denen das nicht zutrifft?
            Wann würden Sie das einteilen?
            Was ist mit anderen Aspekten?

            Und für die SekI:
            Die Modelle der Gemeinschaftsschulen sind in den Bundesländern sehr unterschiedlich, generell erschließt sich für mich daraus das Modell der früheren Nds. Orientierungsstufe (5.+6.Klasse): Klassengemeinschaft und -unterricht in einigen, Kurssystem in anderen Fächern. Funktionierte angeblich in den frühen Orientierungsstufen recht gut, zu einem Zeitpunkt, als erheblich mehr Lehrkräfte im System belassen wurden. Dann kamen die Einsparungen und das Modell funktionierte nicht mehr.

            Es gibt aber auch Schulen, in denen die SuS längere Zeit gemeinsam beschult werden, dann aber in verschiedene Klassen (HS, RS) neu aufgeteilt werden: derzeit in der Nds. Oberschule (HS+RS(+Gym)), vor einigen Jahren hieß das noch Kooperative Gesamtschule … wo da die Feinheiten liegen, erschließt sich mir bisher nicht.

            Die von Ihnen angedachte leistungsbezogene Aufteilung in verschiedene Klassen entspricht doch dem mehrgliedrigen Schulsystem (HS-RS-Gym). Worin liegen denn die Nachteile, sodass nach anderen Möglichketien gesucht wird?

            Welche Vor- oder Nachteile würde ein System bringen, in dem die SuS jeweils für die unterschiedlichen Fächer in einem Kurssystem eingeteilt werden?

          • “Wie wollten Sie die Schülerschaft denn in neue Klassen einteilen?”
            Vermutlich doch nach den Lernfortschritten und dem allgemeinen Kenntnisstand, vielleicht auch nach der Geschwindigkeit der zu erwartenden Fortschritte (schwierige Prognose). Also mit dem Ziel einer geringeren leistungsmäßigen Heterogenität, die bleibt immer noch groß genug, da brauchen wir keine Sorge zu haben. Jedenfalls nicht nach der Herkunft. Wie findet denn die Einteilung in die 1. und 2. Bundesliga statt? Niemand fragt nach der Herkunft oder Unterstützung im privaten Bereich. Übrigens: Ganztagsschulen (auch offene) könnten, wenn sie wollten, am Nachmittag einen Nachhilfeunterricht für Schwache organisieren, der zumindest für sozial Schwache auch (nahezu) kostenlos ist. Stattdessen soll es aber viel Sport geben.

            “Welche Vor- oder Nachteile würde ein System bringen, in dem die SuS jeweils für die unterschiedlichen Fächer in einem Kurssystem eingeteilt werden?”
            Das ist eine endlose Geschichte. Man hat alles ausprobiert, und nichts hat schlagend positiv gewirkt. Die Gesamtschulen mit Einteilung in A-, B-, C-Kurse sind dem dreigliedrigen System ähnlich, aber der Weisheit letzter Schluss scheint auch das nicht zu sein. Die Politiker, die immer die Gesamtschule in Sonntagsreden propagieren, schicken ihre eigenen Kinder lieber nicht dorthin, sondern in Gymnasien oder gar Privatschulen.
            Aber eine solche Einteilung könnte man sogar an Gymnasien haben bzw. an den anderen Schulformen. Das wäre neu, oder hat man das je probiert außer mit Grund- und Leistungskursen?
            Generell denke ich: Den Vorteil haben die Allerbesten (auch, weil sie sich besser zusammenfinden), den Nachteil die Allerschwächsten (eben, weil sie eher zusammenkommen). Dazwischen?? Weiß nicht. Aber niemand will das doch, alle bildungspolitischen Wegweiser zeigen in die entgegengesetzte Richtung.

          • “Übrigens: Ganztagsschulen (auch offene) könnten, wenn sie wollten, am Nachmittag einen Nachhilfeunterricht für Schwache organisieren”
            Ganztagesschulen sind hier im Primarbereich offen und es gibt gerade mal eine Betreuung hinsichtlich der HA.
            Alles andere kostet Geld.

            HA-Hilfe ehrenamtlich zu organisieren ist zwar teilweise möglich, hat aber rechtlich so viele Hürden, dass man häufig an unüberwindbare Grenzen stößt.

            So sinnvoll diese Hilfe wäre, sie ist offenbar nicht erwünscht.

          • Danke für die Einschätzung zur Einteilung.
            Die Beobachtung, dass viele ihre Kinder lieber zum Gym/ auf Privatschulen schicken, teile ich. Dabei kommt es m.E. weniger auf das System als solches an: ist die Privatschule eine Gesamtschule, ist sie plötzlich ganz toll und niemand kritisiert das System an sich.

            “Generell denke ich: Den Vorteil haben die Allerbesten (auch, weil sie sich besser zusammenfinden), den Nachteil die Allerschwächsten (eben, weil sie eher zusammenkommen). ”
            Auch bei dieser Feststellung geht es dann doch gar nicht ums System. Wenn die Schwächsten den Nachteil sowohl an der HS, als auch an einer Gesamtschule gleich welchen Modells haben, dann sind diese Nachteile durch die bisherigen Systeme offenbar nicht aufgefangen worden.
            Dann müssen aber andere Hilfen her UND die Diskussion um die Systeme ist müßig.

            M.E. liegt es weit weniger an der Struktur an sich und ich bin es leid, dass unendlich viel Zeit und Kraft in immer neue Umstrukturierungen geht: zu Gunsten des Sparens und zu Lasten der Schüler, Eltern und Lehrkräfte.
            Auch “wir prüfen das” oder Erhebungen sind zu großen Teilen eher Ausweichmanöver, als dass an die Ergebnisse von vorn herein Bedingungen oder Maßnahmen geknüpft wären.

            Nahezu alle Lehrkräfte in allen möglichen Schulformen quer durch alle Bundesländer sagen, dass es zu derzeitigen Bedingungen nicht geht.
            Warum können nicht ALLE Lehrkräfte gemeinsam darauf hinweisen, dass sie die Ausweichmanöver auf Umstrukturierungen, neue Curricula und Herauspicken einzelner Methoden satt haben?
            Warum können nicht ALLE Lehrkräfte gemeinsam jedes Mal darauf hinweisen, dass man sich für neue Konzepte und zusätzliche Aufgaben erst wieder bewegen kann, wenn alle anderen noch anliegenden Aufgaben erledigt sind ODER wenn dafür Arbeitszeit zur Verfügung gestellt wird?

          • @Palim
            “wenn alle anderen noch anliegenden Aufgaben erledigt sind ODER wenn dafür Arbeitszeit zur Verfügung gestellt wird?”

            Hört sich schön an, doch wann sollen die Aufgaben denn erledigt sein? Eine zufrieden stellende Inklusion, eine gelungene Integration ausländischer Schüler, eine individuell gerecht werdende “Schule für alle”, Schüler mit demokratischen Tugenden und hoher sozialer Kompetenz, und ganz nebenbei auch noch Schüler, die sauberes Deutsch reden, die ordentlich rechnen, schreiben und lesen können bla,bla bla usw.?
            Sie reden so, als seien diese, seit Jahren aus den Elfenbeintürmen schöner Theorien gepredigten Wege und Ziele, alle möglich, wenn dafür nur die richtigen Rahmen- oder Arbeitsbedingungen geschaffen würden.
            Das ist Augenwischerei mit einlullenden Sätzen. Die “noch anliegenden” Aufgaben sind nämlich zu einem erheblichen Teil politische und GEW schattenpolitische Luftschlossarchitektur. Und die Lehrer werden zu “begnadeten” Handwerkern erklärt, die diese Wunderwerke angeblich bauen können. Sie stellen jedoch immer wieder fest, dass mit den Schreibtischplänen etwas nicht stimmt, dass die Fassaden zwar noch halbwegs hinhauen, dahinter aber wackliges Bruchwerk herauskommt, bei dem vieles nicht stimmt.
            Mehr Zeit, mehr Geld und Personal, um Luftschlösser auf die Erde zu setzen, an ein solches Gelingen mögen Sie glauben, ich nicht.
            Seit Jahren und inzwischen Jahrzehnten erweist sich diese “moderne” und “fortschrittliche” Ideologie-Architektur als Irrtum. Sie wird auch bei noch so viel Zeit- und Personalaufwand nicht funktionieren. Nur eins wird weiter funktionieren: Das Schönreden und Entschuldigen mit mangelnder Zeit und mangelndem Geld, Material und Personal.

          • Dann frage ich mich, was Sie sich denn unter einem “Bildungssystem” vorstellen und was Sie denken, was darin bewältigt werden sollte.

            Auf welche von den genannten, von Ihnen aufgeführten Zielen, die Sie als Luftschlösser einschätzen, wollen Sie denn verzichten?
            Und worin würden Sie Ziele sehen und auf welche Weise würden Sie die Umsetzung begünstigen?

          • Palim: “Wenn die Schwächsten den Nachteil sowohl an der HS, als auch an einer Gesamtschule gleich welchen Modells haben, dann sind diese Nachteile durch die bisherigen Systeme offenbar nicht aufgefangen worden. Dann müssen aber andere Hilfen her UND die Diskussion um die Systeme ist müßig.”
            Gut gesagt. Das ist auch mein Eindruck. Genau das hatte vor längerem sogar die BIJU-Studie ergeben:
            http://www.schulformdebatte.de/contentbox/data/MPIB_differentielle_Entwicklungsmilieus.pdf
            Man beachte der originalen Text im hinteren Teil. Leider ist das in Vergessenheit geraten. Die empirischen Bildungswissenschaftler behaupten heute, nichts sei erwiesen, weder in der einen noch in der anderen Richtung. Offenbar kann die Wissenschaft nicht die Frage entscheiden, ob das “längere gemeinsame Lernen” nun wirklich so gut ist wie behauptet oder aber nicht. Vielleicht will man aber auch dieses “heiße Eisen” lieber nicht anfassen.

      • Palim
        Danke , dass Sie die Zusammenhänge noch einmal erläutert haben.
        Es kommt eben auf den entscheidenden Zeitpunkt der Förderung der einzelnen Leistungsbereiche an. Später erfordert es sehr viel mehr Zeit und personellen Aufwand um entstandene Defizite wieder halbwegs auszugleichen. Die Lernfähigkeit nimmt schließlich kontinuierlich bis zum 15 Lebensjahr ab, um dann wieder langsam anzusteigen. In der frühen Entwicklungsphase der Entwicklung des Gehirns bilden sich die synaptischen Verbindungen zwischen den Hirnarealen aus, und durch strukturierte Förderung auch zwischen Hirnarealen, die normalerweise nicht natürlich ausbilden würden. Erst durch gezielte Förderung , dem “Drill der frühen Jahre”, schrieb dereinst ein Zeit-Kolumnist, gelingt es Automatisierungen im Lese und Schriftspracherwerb zügig aufzubauen. Aller Anfang ist schwer, aber das Lernen am Erfolg beflügelt die Lehrlinge schließlich eine eigenständige Selbstsicherheit zu entwickeln, die auf der Basis orthographischer Schreibregeln, der Etymologie und einer sich entwickelnden Syntax weiter entwickelt. Wohl dem , der ein geeignetes schulisches und familiäres Umfeld sein eigen nennen kann, das einen weiterbringt und hilfreich unterstützt. Allerdings haben sich die Bedingungen durch Migration, Verlust von Verantwortungsbewusstsein von Teilen der Elternschaft, zunehmenden medialen Konsum , Inklusion und andere Parameter deutlich verschlechtert, sodass das berufliche Umfeld für Grundschullehrerinnen immer schwieriger wird.
        Diese Problemfelder müssen bearbeitet und verbessert werden.

        • “Wohl dem , der ein geeignetes (…) familiäres Umfeld sein eigen nennen kann”… und eine entsprechende VORschulische Bildung…

          … in der es nicht allein um den “Drill der frühen Jahre” geht, sondern um ganz anderes: entdecken und erforschen, bestärkt werden, etwas ausprobieren dürfen, Erfahrungen sammeln, Erlebnisse haben, Kreativität ausleben … und alles miteinander _auch über Worte_ zu teilen.

          Wenn die grundlegenden Voraussetzungen gut angelegt sind, braucht es erheblich weniger Drill und das Lernen fällt viel leichter, weil auf Fähigkeiten UND auf Lernerfahrungen zurückgegriffen UND an bereits Vorhandenes angeknüpft werden kann.

          Ich stimme zu, dass sich viele Parameter deutlich verschlechtert haben und man an genau diesen Problemfeldern schnellstens arbeiten sollte, um der offenbar immer größer werdenden Zahl der Kinder, deren frühe Förderung unzureichend ist, einen besseren Start zu ermöglichen, da gerade dieser für das Leben bedeutend ist.

          • Es handelt sich nicht um einen “Drill”, sondern um eine gezielte Heranführung an orthographische Strategien im Schriftspracherwerb, die aber mit einem Drill nicht in Verbindung zu bringen sind, sondern den Schüler schnell in eine selbstsichere Automatisierung des Lesens und Schreibens versetzen.
            Was hat ein Schüler davon, wenn er sich eigene Schreibregeln auf der Grundlage einer rein anlautorientierten Schreibstrategie selbstständig beibringt. Somit werden fehlerhafte Strategien automatisiert,die sich später nur wieder sehr schwer abtrainieren lassen.
            Hinzu kommt bei schlechten Schreibern, dass mit dem zunehmendem Schreiben dieser Schüler sich bei ihnen eine explosionsartige Zunahme an falschen Schreibweisen entwickelt.

          • Das Wort “Drill” kam aus Ihrem Beitrag bzw. aus dem des Zeit-Kolumnisten …
            … und es geht bei Schreibenlernen weder um das selbstständige Beibringen von Schreibregeln noch um anhaltendes, stumpfes Abschreiben, bei dem man ebensowenig “Regeln” lernt und die erwartete Automatisierung ebenso verfehlt werden kann.

            “Gezielte Förderung” umfasst weit mehr als das.

  3. Wir alle verdanken sehr viel unseren Eltern, unseren Geschwistern ,Lehrern und unserem sozialen Umfeld, dass uns in unserer Entwicklung zielstrebig unterstützt und fördert. Jeder Mensch ist Kind seiner Zeit , und so erklärt sich auch sein Handeln und Denken und so steht es uns nicht zu Menschen aus anderen Zeiten für ihr Denkweisen, wenn diese im Humanismus verankert sind, zu verurteilen. Das gilt auch für Moritz Ernst.
    Wenig aber helfen dogmatische Parolen, gefordert ist konstruktive Kritik ohne die Herabsetzung anders Denkender, denn wollen wir Lernen, so müssen wir erst einmal Lernen zuzuhören.

  4. @Palim: Diese kurze Liste fasst es gut zusammen.

    “– Sprachförderung vor der Einschulung mit nicht vorhandenen Stunden bzw. Verlagerung in die KiGa, sodass dies der Streichung der Sprachförderung gleichkommt
    – Ausweitung der Betreuungszeit an Grundschulen auf 5 Zeitstunden, die zu großen Teilen durch die Pausenaufsichten der Lehrkräfte abgedeckt werden müssen
    – Streichung von Förderstunden, ganz unabhängig von Inklusion
    – im 3-Monats-Rhythmus wechselnde Vorgaben und aufwändigste Erhebungen der Kinder, die DaZ-Förderung benötigen, sodass die Förderstunden zusammengestrichen werden
    – Verpflichtung zur jährlichen Evaluation, durchgeführt durch Lehrkräfte
    – Konzepterstellung an jeder einzelnen Schule durch Lehrkräfte bei laufend neuen Vorgaben
    – Betreuung von Studierenden-Praktikanten (GHR300) sowie Referendaren ohne Anrechnungsstunden bei Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung von Referendaren ab dem ersten Tag
    – keinerlei Vertretungsreserve innerhalb der Schulen, stattdessen seit Jahren pädagogische MitarbeiterInnen, die von Lehrkräften vorbereiteten Unterricht beaufsichtigen dürfen, nun aber auch langfristige Vertretungen zu gleichen Bedingungen übernehmen müssen
    und, ja, Inklusion bei Verzicht auf jegliche Unterstützung.
    Ist das “Reformitis” oder “Sparprogramm”?”

    Ganz methodenfrei.

    Mich würde interessieren, wie die Stundenverteilung in den 90er Jahren an den Grundschulen war (als wir noch als “faule Säcke” beschimpft wurden). Gab es damals noch Entlastungsstunden? Wenn ich mich recht erinnere, gab es Klassenlehrer- und Vertretungsstunden. Und Förder-/Forderunterricht für jedes Kind…
    …was da schon alles weg-/zusammengestrichen wurde…
    Ganz methodenfrei…

  5. @Emma Keeboo
    “@Palim: Diese kurze Liste fasst es gut zusammen.
    – Sprachförderung vor der Einschulung mit nicht vorhandenen Stunden bzw. Verlagerung in die KiGa, sodass dies der Streichung der Sprachförderung gleichkommt
    – Ausweitung der Betreuungszeit an Grundschulen auf 5 Zeitstunden, die zu großen Teilen durch die Pausenaufsichten der Lehrkräfte abgedeckt werden müssen
    – Streichung von Förderstunden, ganz unabhängig von Inklusion
    – im 3-Monats-Rhythmus wechselnde Vorgaben und aufwändigste Erhebungen der Kinder, die DaZ-Förderung benötigen, sodass die Förderstunden zusammengestrichen werden
    – Verpflichtung zur jährlichen Evaluation, durchgeführt durch Lehrkräfte
    – Konzepterstellung an jeder einzelnen Schule durch Lehrkräfte bei laufend neuen Vorgaben
    – Betreuung von Studierenden-Praktikanten (GHR300) sowie Referendaren ohne Anrechnungsstunden bei Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung von Referendaren ab dem ersten Tag
    – keinerlei Vertretungsreserve innerhalb der Schulen, stattdessen seit Jahren pädagogische MitarbeiterInnen, die von Lehrkräften vorbereiteten Unterricht beaufsichtigen dürfen, nun aber auch langfristige Vertretungen zu gleichen Bedingungen übernehmen müssen
    und, ja, Inklusion bei Verzicht auf jegliche Unterstützung.
    Ist das ‘Reformitis’ oder ‘Sparprogramm’?’ Ganz methodenfrei.”

    Sehr gute und absolut treffende Argumente. Warum über anderes streiten? Es geht nicht um Grundschule hier und Gymnasium da. Es ist eine Schande, dass (u. a.) im Bildungswesen so brutal gespart wurde. Die Bildungspolitik hat uns doch auch den untragbaren Zustand beschert, dass es nicht ausreichend ausgebildete Lehrkräfte gibt und nun auf Seiteneinsteiger zurückgegriffen werden muss.

  6. @Palim at 19:58
    Sie beklagen: “Mitdiskutierdende”? Keine Antworten, keine eigene Meinung, keine Argumentationen…”

    Meine Antwort darauf lautet: Ich kritisiere die von der GEW stark unterstützte Einführung der Radikalinklusion (nicht zuletzt an den Grundschulen), die zur Schließungen der meisten Förderschulen geführt hat. Das Ergebnis ist, wie Sie wissen, für Lehrer und ALLE Schüler oftmals verheerend. Die gepriesene „individuelle“ Förderung stellt sich zunehmend als Traumtänzerei durch falsche Versprechungen und Fehlinterpretation eines UN-Menschenrechts heraus.
    Sie befürworten weiterhin diese radikale Inklusion, verlangen dafür aber eine weit bessere personelle wie materielle Ausstattung. Das hört sich immer gefällig an, doch ich frage mich, warum Ihre Aussagen so GEW-konform sind. Warum Sie nicht kritischer über die von der GEW gewollte Inklusion reden, anstatt nur über die fehlenden Rahmenbedingungen, wie die GEW genauso tut.
    Ich bin auch gegen die von der GEW befürwortete Methode „Lesen durch Schreiben“. Sie wiegeln auch hier immer wieder ab und verteidigen im Sinne der GEW.
    Zitat: „In einem Offenen Brief fordert die GEW dazu auf, die aus ihrer Sicht unsinnige und bevormundende Kampagne gegen die Methode “Schreiben nach Gehör” zu beenden“ (…) Die GEW erwartet, dass man die Arbeit der Kolleginnen und Kollegen an den Grundschulen unterstützt, ihnen die notwendigen Freiräume verschafft und bessere Arbeitsbedingungen sichert und dadurch ihre wichtige Arbeit stärkt und wertschätzt.”
    https://www.gew-rlp.de/schule/grundschule/aktuelles/kita/neuigkeiten/lehrkraefte-kritisieren-cdu-kampagne-gegen-methode-schreiben-nach-gehoer/

    Immer sind es die Arbeitsbedingungen, die Sie lang und breit beklagen und bei denen Ihnen jeder Kollege nur dankbar zustimmen kann. Nie aber stellen Sie den inklusiven Unterricht in Frage oder den LdS-Erstlese-und Schreibunterricht, der sich nicht zuletzt durch GEW-Unterstützung massiv ausbreiten konnte.
    Dafür sprechen Sie jetzt lieber Kollegen einfühlsam aus der Seele mit der Forderung nach mehr Hilfe.

    Fazit: Mich irritieren Ihre Beiträge, um es vorsichtig auszudrücken. Ich stimme voll zu, dass sich die Arbeitsbedingungen generell gewaltig ändern müssen. Allerdings stört mich, dass die von der GEW mitverschuldeten und oft nur ideologisch bedingten Erschwernisse durch die Betonung der Arbeitsbedingungen elegant unter den Teppich gekehrt werden.

    • @ F.H. Herzlichen Dank für Ihre ausführliche Paraphrasierung dessen, worauf U.B. und andere Palim immer wieder hinweisen.

    • Die Inklusion hatten Sie oben genannt und gefragt: “Welche Nr.1sen denn außer der sogar von Lehrern in der Theorie gutgeheißenen Inklusion?” Damit haben doch Sie selbst nach anderen Reformen gefragt, die “Reformitis” beklagt, aber gar nicht ausgeführt, worum es ging.

      Zum Thema LdS haben wir hier schon viel geschrieben. Auch darin kann ich keine _aktuelle Reform_ sehen, da diese Methode schon weit länger genutzt wird und in den letzten Jahren, die ja für die Leistungen heutiger Grundschüler herangezogen werden müssen, meiner Beobachtung nach kaum noch eingesetzt wurde.
      Abgesehen davon, dass ich dieser Methode nicht annähernd so viel Verbreitung zuspreche, habe ich mich, wie die meisten anderen Grundschullehrkräfte auch, eingehend mit dem Schreib- und Leselernprozess auseinandergesetzt und kann genauesten erörtern, an welcher Stelle derartige Methoden durchaus angezeigt und förderlich sein können. Das habe ich in Beiträgen auch schon getan. Wer von den Politikern hat sich darüber wirklich informiert und zerrt nicht nur ein medial gepuschtes Beispiel weiter ins Licht der Öffentlichkeit, um im Schnellschuss eine Verbesserung des Systems zu versprechen, die kostenneutral umzusetzen ist?
      Ich teile Ignaz Wrobels Meinung hinsichtlich dieser Methoden nicht, selbst wenn wir meiner Meinung nach gar nicht so weit differieren, was ich aber schätze ist, dass er sich wirklich gut informiert hat und sachlich darlegen kann, wo er Nachteile sieht und welche sprachwissenschaftlichen Ansätze im Unterricht Beachtung finden sollten. Seinem kategorischen “Nein” setze ich entgegen, dass Spracherfahrungsansatz und Sprachwissenschaft sich nicht ausschließen müssen.

      Bleibt also immernoch die Frage, welche Umstellungen Sie meinten, als Sie schrieben: “Die Reformitis der vergangenen Jahre, die Gutes und Bewährtes im Eifer und der Begeisterung für schöne neue Theorien über Bord geschmissen hat zugunsten hoffnungsfroher, aber falscher Annahmen über immer Neues, ist für mich ausschlaggebender.”
      Dabei war Ihnen wichtig, dass sich diese Reformen nicht auf das Sparen beschränken.
      Und ich frage mich, welche gemeint sein könnten, zumal der obige Artikel sich auf die Arbeit in der Grundschule bezieht.

      • Und jetzt lesen wir alle diese Antwort Palims nochmal – und vergegenwärtigen uns F.H.s Frage, “warum Ihre (Palims) Aussagen so GEW-konform sind”.

          • “Beleidigungen sind die Argumente jener, die über keine Argumente verfügen.” (Jean-Jacques Rousseau)
            Gehen Sie mit Ihren Schülern, Eltern und Kollegen auch so um?

        • Sehr geehrte Wilma Pause,

          wir wären Ihnen sehr verbunden, wenn Sie persönliche Angriffe gegen Kollegen unterlassen und sachlich argumentieren würden.

          Die Redaktion

          • Ich verabschiede mich hiermit aus dem Forum von News4teachers und bedanke mich bei allen, die meine Beiträge gerne gelesen haben und mit mir gegen eine bildungspolitische Einseitigkeit argumentiert haben, die ich für schlicht unfassbar halte.

            Der Umgang der Redaktion mit den Pöbeleien von Bernd u.a. spricht für sich.

          • @Wilma Pause
            Schade! Wenn Sie aussteigen, wird es doch bildungspolitisch immer einseitiger. Andere haben auch schon resigniert und das Handtuch geworfen, woran Bernds Pöbeleien auch ihren Anteil hatten.
            Wollen Sie es sich nicht noch einmal überlegen? Ich würde mich freuen.

          • Was hat Wilma P. eigentlich Schlimmes geschrieben? Wo steht das? Ist das inzwischen gelöscht? Normalerweise äußerte sie sich sehr moderat. Der Vorwurf der Arroganz kam von emil.
            hennes: Notfalls müssen Sie halt aktiver werden.

          • Bildungspolitischer Mainstream wird es wohl nicht gewesen sein. Demokratie lebt vom Diskurs. Mir gehen besonders Bernds Pöbeleien auch extrem gegen den Strich. Wenn sie wenigstens Inhalt hätten, könnte ich noch damit leben.

          • @Cavallieri
            Ich nehme es mir vor, glaube aber nicht, dass ich Frau Pause und ihre Beiträge ersetzen kann. Sie waren, wie ich finde, eine Bereicherung in diesem Forum und vielleicht sind sie es ja noch, wenn Frau Pause noch einmal über ihren Entschluss nachdenkt. Hoffentlich!!
            Ich frage mich übrigens auch, was sie eigentlich Schlimmes geschrieben hat. Ich bin sicher, dass es sich nicht um einen gelöschten Beitrag handelt, wie man vermuten könnte.
            Ihre Meinung war vermutlich nur unerwünscht und daraus werden dann “persönliche Angriffe gegen Kollegen”.
            So kommt es mir jedenfalls vor.

          • hennes schrieb: “Ich frage mich übrigens auch, was sie eigentlich Schlimmes geschrieben hat. Ich bin sicher, dass es sich nicht um einen gelöschten Beitrag handelt, wie man vermuten könnte.
            Ihre Meinung war vermutlich nur unerwünscht und daraus werden dann ‘persönliche Angriffe gegen Kollegen’.”

            So ist es.
            Keiner meiner Beiträge wurde gelöscht. Jede(r) kann nachlesen, was ich geschrieben habe. Die Redaktion reagierte auf mein Posting vom 26. April (23:15 Uhr).

            Was das über eine Redaktion aussagt, die auf meinen Beitrag in der hier nachzulesenden Art und Weise reagiert, gleichzeitig aber die Bernds und emils dieser Welt ohne jegliche inhaltliche Aussage quer durchs Forum pöbeln lässt, möge jede(r) für sich selbst bewerten.

            Ich jedenfalls lasse mir von Grundschul-Lobbyisten, die sich selbst Bildungs-Journalisten nennen, keine fehlende Sachlichkeit vorwerfen.

            Zur Veranschaulichung nur ein einziges Beispiel aus diesem Diskussionsstrang:

            Ich wies darauf hin, dass Palim F.H.s Frage, “w a r u m Ihre Aussagen so GEW-konform sind” mal wieder konsequent ignorierte, indem sie zum zigsten Mal GEW-Positionen herunterbetete.

            Deshalb schrieb ich: “Und jetzt lesen wir alle diese Antwort Palims nochmal – und vergegenwärtigen uns F.H.s Frage, ‘warum Ihre (Palims) Aussagen so GEW-konform sind’.”

            Das sanktionierte die Redaktion als “persönliche Angriffe”.

            emil schrieb (@ Wilma Pause): “Mein gott, wie überheblich sie sind!!!!” Reaktion der Redaktion? – Keine!

            Was von beidem ist nun wohl ein persönlicher Angriff – und was ein aus dem Text nachweisbarer Hinweis darauf, dass Palim auf eine ganz konkrete Frage nicht eingeht. (F.H. stellt unten dann ja @ Palim auch ganz zu recht fest: “Rhetorische Frage: Haben Sie mich wirklich nicht verstanden?”)

            Mir sind diese Spielchen einfach zu doof, zumal die dahinterstehende ideologische Stoßrichtung so dermaßen offensichtlich ist.

            Dies als letzte Erläuterung, da hier die Vermutung aufkam, einer meiner Beiträge sei gelöscht worden.

            Bin dann mal weg…

          • @ Redaktion
            Kann man nicht mal präzisieren, was unter “persönlichen Angriffen” zu verstehen ist, was genau Wilma P. denn Schlimmes geschrieben hat, und wie überhaupt die übliche Netiquette hier interpretiert werden soll und wie das zu dem passt, was Bernd in letzter Zeit so alles geschrieben hat?

          • Sehr geehrter Cavalieri,

            wir sehen sehr wohl, wer hier versucht, realitätsverzerrende Kampagnen auf Kosten von gesellschaftlichen Minderheiten und/oder vermeintlich Schwächeren loszutreten und einzelne, politisch unliebsame Diskutierende aus dem Forum von News4teachers hinauszudrängen. Dass das mitunter mit einem Gehabe auf Kindergartenniveau einhergeht, macht die Sache nicht besser. Seien Sie gewiss: Wir haben ein Auge darauf. News4teachers ist ein Diskussionsforum, das wir gerne für alle diejenigen bereitstellen, die konstruktiv streiten wollen – und keine Werbeplattform für eine bestimmte Partei, deren Anhänger offenbar viel Zeit für die sozialen Medien aufbringen. Die Betonung liegt auf “konstruktiv”!

            Die Redaktion

  7. @Palim, um 20:52 Uhr
    Zu Ihrer Frage: Ich möchte ein gegliedertes Schulsystem, um eine zu große Heterogenität der Schülerschaft zu vermeiden. Sie ist für keinen gut und entspringt einer Gerechtigkeitsvorstellung, die meint, man könne alle Schüler gleich machen, indem man sie auf dieselbe Schule schicke. Alle Kinder seien bei der Geburt gleich und Unterschiede kämen erst durch ungleiches Aufwachsen zustande, ist die dahinter stehende Ideologie, die eine Teilwahrheit beinhaltet, um daraus ihre Vollwahrheit zu machen.

    Ich möchte ferner eine Inklusion, die sich auf Behinderungen beschränkt, mit denen Kinder auch früher schon erfolgreich integriert wurden und. Für schwere Behinderungen möchte ich weiterhin Förderschulen, die bessere Hilfen für die betroffenen Kinder bieten und den Unterricht in Regelschulen weniger belasten.
    Was die Methode “Lesen durch Schreiben” betrifft, die Sie ja auch noch immer gut bemäntelt und geschickt verteidigen, meine ich, dass Sie zwar wundervoll erzählen, wie differenziert und individuell gerecht der Erstlese- und Schreibunterricht in den Grundschulen abläuft, nur bezweifle ich Ihre Darstellung. Ich behaupte, dass kein Lehrer imstande ist, ihn so zu gestalten, wie Sie ihn beschreiben. Diese aufs einzelne Kind zugeschnittene Förderung können nur bildungsbewusste Elternhäuser für ihr Kinder leisten, Lehrer aber nicht. Lehrer wären heillos überfordert von dem, was Sie als selbstverständlichen, jedem Kind gerecht werdenden und täglich geübten Erstlese- und Schreibunterricht beschreiben.
    Mein Kommentar ist lang genug, obwohl mir noch vieles mehr auf der Seele brennt. Darum nur noch grundsätzlich: Sie schreiben hier ständig als Lehrerin und Praxiskennerin, kritisieren aber nie bildungsideologische Irrtümer und Irrwege.
    Stattdessen machen Sie sich immer wieder zu deren Anwältin und sprechen Lehrern betont einfühlsam aus der Seele mit Ihren detaillierten Forderungen nach mehr materieller und personeller Unterstützung. Wer sollte Ihnen da nicht die perfekte Praxiskennerin abnehmen dankbar zustimmen?
    Meiner Ansicht nach wäre Lehrern und Schülern mehr geholfen, wenn das, was Sie befürworten und fordern, kritischer unter die Lupe genommen würden.
    Mich besänftigt auch nicht, dass Sie als Lehrerin wunderbar deckungsgleich und akribisch aufzählen können, was die GEW an Hilfsmaßnahmen für die gebeutelten Lehrer fordert.
    Mich beschäftigt vielmehr, warum diese Gewerkschaft solch eine ideologisch fragwürdige Schattenpolitik betreibt und sich dann für die Durchsetzung ihrer Ziele auch noch loben lässt für all das, was Sie so praxis- und lehrernah als Hilfsforderung an die Regierenden stellen und wo fast jeder Lehrer Ihnen aus seiner Praxisnot heraus zustimmen muss.

    • Danke für die aufschlussreiche Antwort.
      Ich greife drei Punkte heraus und setze sie in einzelne Beiträge, damit man themenbezogen antworten kann.

      “Mich beschäftigt vielmehr, warum diese Gewerkschaft solch eine ideologisch fragwürdige Schattenpolitik betreibt …”

      Das beschäftigt mich auch.
      Die GEW ist in den verschiedenen Bundesländern sehr unterschiedlich aufgestellt bzw. aktiv.
      Von praxis- und lehrernahen Forderungen kann ich bisher nicht viel erkennen, vielmehr höre/sehe ich immer noch die Sorge, dass helfendes Personal in den Schulen die Professionalisierung der Lehrkräfte untergraben würde.
      Bei weiteren Forderungen kommt eher die Antwort, man habe ohnehin keine Lehrkräfte, da können man nichts machen.

  8. Zur Inklusion:
    Ich sehe den Unterricht im 1. Schuljahr und die Inklusion in den ersten Schuljahren (Grundschule Klasse 1-4) vermutlich aus einem anderen Blickwinkel: ich stehe mittendrin. Ich kann mir die Schülerschaft nicht aussuchen.
    Auch habe ich neulich schon einmal in einem Beitrag erläutert, dass die heutigen Inklusions-Kinder (Lernen) auch vor der Einführung der Inklusion in meinem Bundesland mindestens 2-3 Jahre an den Grundschulen verbracht haben – ohne Förderung – und dass die ESE-Kinder ebenfalls an den Schulen waren und blieben … es gab und gibt hier keine staatlichen ESE-FöS-Schulen.
    Diese Kinder MÜSSEN also in den Grundschulen beschult werden, es sei denn, man würde ein ganz anderes System einführen, bei dem man schon vor der Einschulung über festgelegte Testformen die i-Kinder bestimmen und in FöS-Schulen überweisen würde.
    Dass zurzeit eine Testung vor der Einschulung zwar laut Erlass möglich, praktisch aber nicht durchführbar, weil – wer auch immer – in die Welt gesetzt hat, das sei “entbehrlich”, gehört für mich zur mangelnden Unterstützung, die Grundschulen für diese Aufgabe versagt wird.

    Mir sind die Möglichkeiten und die Schwierigkeiten bekannt und bewusst, dabei habe ich Schülergruppen vor Augen – samt der Heterogenität, die sich in vielen Einzelfällen zeigt. Auch kenne ich die in Erlassen genannten Unterstützungen und die Realität, in der dies nicht einmal Bruchstückhaft umgesetzt wird.
    Unter diesen Umständen können Lehrkräfte nicht leisten, was sie aufgetragen bekommen. Das sehe ich auch so und finde die Inklusion unter gegebenen Umständen fahrlässig.

    Dennoch kann ich mir für viele I-Kinder (und andere schwache Kinder) durchaus vorstellen, dass sie in einer Regelschule gemeinsam mit anderen lernen können, gerade weil ich täglich Kinder vor Augen habe, bei denen es recht gut gelingt.
    Das würde ich aber nicht auf alle Kinder übertragen und auch nicht auf alle Förderschwerpunkte, schon gar nicht, wenn die dringend notwendige personelle Unterstützung weiterhin ausbleibt.

    Wenn es Erlasse gibt, die die Beschulung unter bestimmten Voraussetzungen beschreiben, sollten diese Erlasse umgesetzt und nicht untergraben werden. Ist es der Landesregierung nicht möglich, entsprechendes Personal zu stellen, darf es nicht ersatzlos gestrichen werden, sondern zusätzliches anderes Personal sollte in den Schulen unterstützen.

    Davon abgesehen finde ich, dass es bundesweite verpflichtende Standards für die Ausstattung geben sollte, die nicht dem Sparzwang entsprungen sind, sondern sinnvolle Förderung ermöglichen.

    Dickebank schreibt, dass bestimmte weiterführende Schulen keine FöS-Kinder aufnehmen müssen, weil die Lehrkräfte nicht vorhanden seien. An Niedersächsischen Schulen sind an keiner Schulform den Erlassen entsprechende FöS-Kollegen in angegebenen Stundenzahlen vorhanden. Demnach müssten die FöS-Schüler zu Hause bleiben.

  9. Zur Förderung in den ersten Schuljahren – unabhängig von Inklusion:

    Wenn Sie (@hennes) schreiben, dass die aufs Kind zugeschnittene Förderung nur bildungsbewusste Elternhäuser für ihr Kind leisten könnten, Lehrkräfte aber nicht, frage ich mich, wo die Kinder bleiben, die diese Elternhäuser nicht haben und die keine i-Kinder sind, sondern Kinder aus bildungsfernen Familien.

    Was ist denn mit diesen Schülern? Davon sitzen weit mehr in meinen Klassen.
    Wenn man sich schon im 1. Schuljahr allein auf Elternhäuser verlassen will, muss man sich nicht wundern, wenn die Ergebnisse in nachfolgenden Schuljahren bei allen anderen Kindern schlecht ausfallen.

    Wie schafft man es, Eltern stärker einzubinden oder, so das nicht möglich ist, diesen Kindern die notwendige Unterstützung zu geben, sodass sie nicht von Beginn zu Verlierern werden?

    • Wer diese Elternhäuser nicht hat, kann eben auch nur sehr eingeschränkt durch die Schule aufgefangen und individuell gefördert werden. Das ist leider so, auch wenn wir es gern anders hätten. Lehrer sind keine Alleskönner und sollten sich aus Selbstschutzgründen auch nicht so darstellen lassen.

      “Was ist denn mit diesen Schülern?”, fragen Sie. Antwort: So schön es wäre, ihnen entscheidend helfen zu können, wird das aber nur mäßig oder gar nicht gelingen. Jeder Lehrer kann und sollte sein Bestes geben für Hilfe in solchen Fällen, er sollte sich aber nicht einreden lassen, er könne Schicksalsgott spielen und bei den Kindern alle Ungerechtigkeiten dieser Welt, sei es aus Genetik oder auch Umwelt, beseitigen zu können. Auch die politischen Parteien und Regierungen sollten nicht so tun, als könnten sie es. Sie können höchstens mitleidsvolle Phrasen dreschen und Reformen mit leeren Versprechungen durchführen. Nichts Besseres haben mich jedenfalls die Praxistests der tollen Ideen in den vergangenen Jahren gelehrt.

      Realistischer ist schon die Frage: “Wie schafft man es, Eltern stärker einzubinden”? Antwort: Bestimmt nicht dadurch, dass ihnen gesagt wird, dass Kitas und Schulen die Erziehungs- und Bildungsarbeit besser leisten würden als sie, weshalb die Mütter auch in den ersten Lebensjahren des Kindes lieber einer außerhäuslichen, geldverdienenden Arbeit nachgehen sollten.
      Am Ende eines langen Arbeitstages ist bei diesen Müttern und Vätern nicht mehr viel zu holen an Kraft und Zeit für die Kinder, zumal noch andere häusliche Aufgaben zu erledigen sind. Ich finde es immer unfair, dann den Eltern Vorwürfe zu machen in Richtung zu wenigen Kümmerns um die Kinder. Das wollte und sollte ihnen doch alles der Staat abnehmen und viel besser machen. Wieso also die Schelte?

      • Es geht mir eher um die Eltern, die zu Hause sind und sich dennoch nicht kümmern.
        Eltern, die den ganzen Tag ZEIT HÄTTEN, diese aber nicht für ihre Kinder nutzen.
        Eltern, die ihre Kinder nicht zur KiTa oder nicht zur Sprachförderung bringen, obwohl Förderung bitter nötig wäre.
        Eltern, die die WE gerne mal um 1 Tag verlängern, sodass die Kinder Fr/Mo im Unterricht fehlen, gerne auch zusätzlich noch einen Tag mehr oder zwischendurch.
        Davon abgesehen gibt es tatsächlich auch Eltern, die sich zwar kümmern, selbst aber ihren Kindern offenbar nur wenig vermitteln können.

        Warum wird diese Beobachtung als “Schelte” ausgelegt?

        Das sind nicht generell Einzelfälle, sondern in manchen Regionen durchaus viele Kinder, wenn nicht die Mehrheit. Das zeigt sich an den Quoten für die Sprachförderung, aber z.B. auch bei Auffälligkeiten, die das Gesundheitsamt in der Einschulungsuntersuchung feststellt oder die Zahnärztin des Gesundheitsamtes bei der jährlichen Kontrolle. Diese Befunde sind weder vom KiTa-Besuch noch von der Arbeit der Eltern abhängig.

        Wie sonst will man bei diesen Familien unterstützen, wenn die Kinder nicht in staatlichen Einrichtungen gefördert werden?

        Gerade bei den Eltern, die zusätzlich arbeiten, erlebe ich es eher so, dass sie die übrig bleibende Familienzeit um so intensiver für ihre Kinder nutzen und die anderen Zeiten bestmöglich für eine Betreuung sorgen.

    • “Eltern stärker einzubinden”
      Peinlicherweise hat man inzwischen erkannt, dass manche Zuwanderer-Eltern prinzipiell lieber nicht eingebunden werden wollen. Und das sagen nicht böswillige rechte Politiker, sondern das sagt Prof. Toprak, selber in der Türkei geboren und politisch eher im Mainstream (siehe besonders Seite 144):
      http://www.kas.de/wf/doc/kas_47755-544-1-30.pdf?170126132806
      Daraus resultieren dann ständige Missverständnisse und Probleme.
      Zur Situation von Jugendlichen empfehle ich den Satz auf S. 149, der mit “Die Umgangsformen …” beginnt. Da wird diejenige Kluft sichtbar, deren Existenz offiziell immer geleugnet wird. Ich sage das hier nicht, weil ich was gegen Zuwanderer habe, aber 50 jahre nach den ersten Gastarbeitern würde ich mehr an “Integration” erwarten.

  10. Anstatt immer gleich zu schmollen, sollten die Vertreter des Grundschullehramts (ich meine die, die für die Richtlinien zuständig sind) sich mal Gedanken über ihren eigenen Dünkel machen, vielleicht auch sich selbst eine gewisse Fehlbarkeit eingestehen und das Rad der Rechtschreib- und Leseerziehung ein paar Jahrzehnte zurückdrehen. Das ist doch absoluter Mist; mehr als die Hälfte meiner Gymnasialempfohlenen kann nicht mal auch nur einen Satz komplett richtig schreiben, geschweige denn den Füller richtig halten. Sicher ist das alles multikausal begründet, aber man kann sich doch nicht allen Ernstes hinstellen und behaupten, an den eigenen Methoden kann es unter gar keinen Umständen gelegen haben. Wenn jetzt jemand sagen würde, die am Gymnasium,die sollten lieber selber mal nen ordentlichen Grammatikunterricht machen, dann bin ich der Erste, der zustimmend einschlägt. Als Lehrer kann ich mich nur bedingt der Richtlinien verwehren und wenn die Mist sind, dann sollte man sich freuen, wenn endlich jemand ein Einsehen hat.
    P.S. Was ist eigentlich gegen eine Fibel einzuwenden?

    • “P.S. Was ist eigentlich gegen eine Fibel einzuwenden?”
      Der Nachteil der Fibel war, dass alle Kinder im Gleichschritt lernen sollten und am Ende des Jahres mit dem Buch fertig sein sollten. Verlage setzen das Programm an und teilen es durch 40 U-Wochen und legen damit Ablauf und Zeiträume fest.

      Das wurde von vielen Lehrkräften als Nachteil angesehen, da es vielen Kindern mit mangelnden Voraussetzungen nicht möglich war und sie schon nach wenigen Wochen nicht mehr Schritt halten konnten.
      Während einige Kinder “lesend” zur Schule kommen, großes Interesse an Schrift, Schreiben und Lesen haben und dies Vermögen nutzen und zeigen wollen,
      benötigen andere längere Zeit, das System der Schrift, das Zusammenlesen von Silben etc. grundlegend zu begreifen.
      Es braucht also Differenzierung, die aber unterschiedlich gestaltet werden kann.

      Desweiteren würde ich sagen, dass die heutige Betonung der phonologischen Bewusstheit, die für das Lesen und Schreiben wichtig ist, daraus entstanden ist, dass es andere Ansätze gegeben hat oder das vorherige wieder aufgegriffen wurden (siehe Fibeln der Reformationszeit).
      Auch die Inhalte und Ansätze der Fibeln wurden und werden ja immer wieder verändert.

      Inzwischen beginnen die meisten Fibeln mit den Buchstaben, die in der Sprache am häufigsten genutzt werden (MALIOPERNST) in unterschiedlichen Reihenfolgen. Aber nach diesen 10 erlernten Buchstaben kann man sehr viele Wörter erlesen.
      Neben den Lesetexten der Fibeln, die früher eher allein standen und die nicht-lesende Kinder auswendig lernten, sodass das Unvermögen manchmal erst spät auffiel, gibt es von Beginn an erheblich mehr Übungen zum Erlesen und Lesen, die das mögliche Wortmaterial immer neu aufgreifen.

      Zudem greifen die meisten Fibeln seit einigen Jahren Silben als Unterstützung mit auf, so wie es in anderen Ansätzen zum Erstunterricht zuvor schon genutzt wurde.
      Das Material der Fibeln, die mir geläufig sind, ist sehr vielfältig und bietet breite Differenzierung.

      Auch Elemente des Freien Schreibens werden bei einigen Fibeln angeboten.
      Ebenso gibt es Lehrkräfte, die freiere Konzepte (Spracherfahrungsansatz, LdS) als Grundkonzept des Unterrichts nutzen, diese aber durch weitere Materialien (Silben-Übungen, Lesetexte) und Aufgaben ergänzen.

      Das alles bezieht sich auf den Unterricht ALLEIN im 1. Schuljahr.
      Für den Übergang in die weiterführenden Schulen würde ich mir eher die Inhalte im 2.-4. SJ ansehen.

    • “sollten die Vertreter des Grundschullehramts (ich meine die, die für die Richtlinien zuständig sind) sich mal Gedanken über ihren eigenen Dünkel machen”

      Nds. hat gerade im laufenden SJ, quasi über Nacht und überraschend neue Richtlinien u.a. für das Fach Deutsch bekommen – ohne Zeit zum Übergang und zur Überarbeitung, aber mit einer kompletten Umstellung hinsichtlich der Leistungserhebung.

      Für den Unterricht im Fach Deutsch gibt es nun folgende Richtlinien:
      – Curriculum Deutsch, 2018 (55 Seiten)
      – Handreichung Orthographie, 2015 (176 Seiten)
      – Curriculum DaZ, 2016 (38 Seiten)
      – die bundesweiten Bildungsstandards Deutsch, 2004 (70 Seiten)

      Da inklusive Beschulung besteht, schaut man ggf. noch hier nach:
      – Handreichung kompetenzorientierten Unterrichts für die FöS Lernen
      – Curriculum FöS – Bereich Sprachen
      – Curriculum GE

      • Sehe ich das richtig, dass Diktate gar nicht mehr geschrieben werden? Unter “A4 Beispiele für schriftliche Lernkontrollen” steht nur “Wörter zu einem
        Rechtschreibphänomen nach Ansage schreiben (Wortliste)”, was soll ich mir darunter vorstellen?

        • Da ein Diktat ja nicht nur aus den “Wörtern zu einem Rechtschreibphänomen” bestehen (und das ist ja auch ihre hohe Schwierigkeit und weswegen sie so verpönt sind), dürften damit eher sowas wie Lückenwörtertexte gemeint sein, die es ja nun zuhauf gibt. Die Kinder füllen oftmals nur noch Lücken aus und das behindert das Einprägen von Wortbildern. In einer Lernkontrolle kann es dann sein, dass nur Wörter zu diesem Rechtschreibphänomen geschrieben werden, also ähnlich einem Vokabeltest in Englisch.

          Diktate werden von “modernen Didaktikern” vehement bekämpft. Sie werden aber durchaus noch geschrieben.

          • Diktate machen Sinn, wenn man bestimmte bestimmte Regelhaftigkeiten einüben will und die Schreibausdauer dabei noch trainieren will.
            Man kann diese zur Förderrung des einzelnen Schülers einsetzen als gestütztes Diktat oder in kleinen Gruppen mit ähnlich starken Schülern.
            Gut geht auch die die Enübung von Automatisierungen durch Wortdiktate, indem man die Endsilbe gleich hält und die erste Wortsilbe variert. Es geht jetzt dabei um Enzelförderung oder die kleinerer Gruppen. Bei entsprechender Anleitung könnten das auch Eltern zu Hause übernehmen.
            Es macht für mich keinen Sinn mit orthographischen Schwierigkeitsgraden überfrachtete Texte zu diktieren, da dann eher frustrierende Erlebnisse erzeugt werden.
            Es soll doch ein Lernerfolg auftreten, der einen Anreiz zum Schreiben bewirkt.
            Ferhler werden dann anschließend besprochen, um die Regelhaftigkeit aufzuzeigen. Ein Legastheniker braucht diese strukturierte Vorgehensweise, ebenso wie Kinder mit anderen Teilleistungsstörungen.
            Aber man benötigt bei der heterogenen Zusammensetzung der Schüler auch entsprechend geschultes zusätzliches Personal, um die Lehrer zu entlasten.

          • @Ignaz Wrobel
            “Die heterogene Zusammensetzung der Schüler” ist nicht schicksalhaft und erzwungen, sondern zu erheblichem Teil politisch hausgemacht durch die linksideologische und leider sehr durchsetzungsfreudige Behauptung, Vielfalt sorge grundsätzlich für Bereicherung, also auch beim Unterrichten und Lernen der Schüler.
            Soll man diese Ideologie langfristig unterstützen und zementieren durch “entsprechend geschultes zusätzliches Personal” oder ihr den Kampf ansagen durch lautstarke Forderung nach wieder mehr Gliederung des Schulwesens und die Aufrechterhaltung bzw. Wieder-Anhebung bestimmter Standards für jede Schulart statt einem gleichmachend niedrigen Niveau in “einer Schule für alle”?

          • @U.B. Sie wissen, dass Sie sich damit ideologisch auf sehr dünnes Eis begeben, die die political-correctness-Polizei hier bei n4t auf den Plan rufen kann? Ich hätte nicht gedacht, dass sich so extrem viele reaktionäre Nazis*) hier herumtreiben. Inhaltlich haben Sie vollkommen recht.

            *) Reaktionärer Nazi natürlich nur im Sinne von dem Leistungsprinzip hinterhertrauender Lehrer. Die PC-Polizei macht dabei aber keinen Unterschied.

          • ““Die heterogene Zusammensetzung der Schüler” ist nicht schicksalhaft und erzwungen, sondern zu erheblichem Teil politisch hausgemacht”

            Die Gliederung des Schulwesens, die sie vehement einfordern, beginnt allerdings erst ab der SekI.
            FöS beginnen/begannen zwar mit Klasse 1, die meisten SuS wechselten aber erst nach 2-3 Schuljahren.
            Förderung beim Lesen und Schreiben lernen braucht man dann aber nur noch in seltenen Fällen.
            Die bessere Fördeurng in Klasse 1+2 wäre also dennoch notwendig, zumal ja die i-Kinder so oder so in den Grundschulklassen sitzen… und andere Kinder mit Teilleistungsstörungen anderer Art auch.

            Und letztlich: Diese SuS sind ja nicht einfach “weg” (Es lebe das Floriansprinzip!).
            Sie benötigen dennoch Schulen und ausgebildete Lehrkräfte.
            Hat eigentlich mal jemand erhoben, wie viele ausgebildete Sonderpädagogen das Schulsystem bräuchte, wenn alle i-Kinder weiterhin ab Klasse 3 in eine FöS wechseln würden?
            Gibt es diese Lehrkräfte überhaupt? Schon in den Jahren vor der Umsetzung der Inklusion konnte die für uns zuständige FöS keine Lehrkräfte finden.

          • Haben Sie geglaubt, ich wüsste nicht, wann die Gliederung des Schulwesens einsetzt? Vorher geht’s ja wohl kaum, wenn man eine seriöse Zeitspanne zur Beurteilung der Kinder nach ihrem Leistungsvermögen haben will.
            Und jetzt kommen Sie mir bitte nicht mit den berühmten Spätentwicklern, die natürlich auch wieder für Einheitsschulen sprechen.
            Alles, was Sie ansonsten noch anmerken, gehört für mich ebenfalls in die Kategorie “Gesuchte Gründe für eine Schule für ALLE”.
            Plötzlich gibt’s keine Sonderschullehrer mehr, plötzlich können i-Kinder und Kinder mit Teilleistungsstörungen nicht mehr in einem gegliederten System beschult werden, obwohl die langjährige Erfahrung das Gegenteil lehrt…
            Es ist müßig, auf alles einzugehen, was Sie mal einfach so “fachmännisch” behaupten.

      • @Palim
        Das Lernen im Gleichschritt wurde von vielen Lehrkräften als Nachteil angesehen, sagen Sie zur Ablehnung der bewährten Fibelmethode zugunsten der Einführung von “Lesen durch Schreiben”.
        Ich gehöre nicht zu den “vielen” Lehrern, die dieses Manko empfunden haben. Auch die Arbeit mit der Fibel lässt durchaus Spielraum für Differenzierungen und ist nicht so diktierend, wie Sie das darstellen. Man muss sich auch nicht sklavisch an die vom Verlag vorgeschlagenen Wochenschritte halten.
        “Lesen durch Schreiben” kam meiner Erinnerung auch bei anderen Lehrern nicht durch das, was Sie als Grund nennen, in die Schulen. Ihr Grund wirkt auf mich etwas nachgeschoben, vielleicht, weil er besser vermittelbar ist als die sonst üblichen und inzwischen stark kritisierten Beweggründe.

        LdS ist eine sehr simple Methode, die Himmlisches an Spaß, Kreativität und sogar Wortschatzförderung verspricht. Darüber hinaus gehört sie zum Bereich “selbstentdeckendes Lernen”, das sowieso als Wert an sich gilt.
        Dazu muss angemerkt werden, dass selbstentdeckendes Lernen nur wertvoll ist, wenn die Schüler dabei nicht auf falsche Gleise geraten und sich auf diesen viel zu lange aufhalten, so dass sie nur schwer wieder loskommen. Schlimme Rechtschreibweisen werden so beibehalten und beeinträchtigen obendrein noch die Lesefähigkeit.

        LdS war m. E. ein Geschenk für die Lehrer und nicht für die Kinder. Hier war man nur noch entspannter Lernbegleiter und nicht mehr angestrengter Lernvermittler. Man durfte sich sogar sagen, den Schülern etwas Gutes zu tun, wenn man sie “kreativ” arbeiten ließ. Angeblich lernten sie dabei mehr und Höherwertiges als durch die “sturen” Fibelmethoden vorangegangener Jahre und Jahrzehnte.

        So und nicht anders habe ich die Gründe für die Einführung der LdS-Methode in Erinnerung. Sie erleichterte den Lehrern die Arbeit und versprach auch noch einen Gewinn für die Schüler.

        • “Ich gehöre nicht zu den “vielen” Lehrern, die dieses Manko empfunden haben. ”
          Sie haben ja die Methode LdS womöglich auch nicht aufgegriffen.

          “Auch die Arbeit mit der Fibel lässt durchaus Spielraum für Differenzierungen und ist nicht so diktierend, wie Sie das darstellen. Man muss sich auch nicht sklavisch an die vom Verlag vorgeschlagenen Wochenschritte halten.”
          Habe ich auch nicht so dargestellt, sondern angeführt, dass man bei den Methoden immer auch differenzieren kann.
          Ich kenne aber genügend Lehrkräfte, die die Fibel “sklavisch” eingesetzt und den Unterricht entsprechend ausgerichtet haben.
          Ebenso kenne ich Lehrkräfte, die Neues ausprobiert haben, und wiederum andere, die Fibeln weiter einsetzen, sie aber mit Aufgaben und Übungen erweitern bzw. neue Fibeln einsetzen, die inzwischen selbst im Material silbenbasierte und strategiegeleitete Aufgaben anbieten.
          Die Erneuerungen in den Fibeln kommen aus der Lehrerschaft, nicht aus dem Verlag, weil sich Lehrkräfte Gedanken um eine Verbesserung gemacht haben.

          “LdS ist eine sehr simple Methode”
          Das sehe ich anders.

          “Sie erleichterte den Lehrern die Arbeit ”
          Lehrkräfte, die ich kenne und die offene Methoden einsetzen, sind besonders engagiert und machen es sich keineswegs leicht, sondern nehmen die Mehrarbeit auf sich.

          Es ist weit weniger schwarz-weiß zu zeichnen, als viele es gerne darstellen.

        • Rückfrage: Was ist speziell an der LdS-Methode denn schwer?
          Für mich ist sie nach wie vor simpel. Befreit von jeglichen Rechtschreibzielen üben die Kinder mit Hilfe der Anlauttabelle jahrelang das oft falsche Zusammenschreiben und -lesen der Laute (Buchstaben).
          Ausdrücklicher Wunsch des Erfinders, Herrn Reichen, und seiner Epigonen war es, man möge die Schüler bei diesem selbstständigen Tun nicht durch Verbesserungen stören und ihnen dadurch die Lust und den Wert ihrer kreativen Entdeckungsreise vermiesen.
          Methoden kann man nur nach ihren speziellen Eigenarten, ihren Zielen und ihren Wegen dorthin beurteilen. Wenn Sie immer wieder mit der Schutzbehauptung kommen, alles würde von den Lehrern ja methodisch nicht so reinrassig angewendet, entziehen Sie die Methoden jeglicher Beurteilung. Dann verschwinden diese im Nebel persönlicher Lehrerhandhabung und niemand kann und darf sich darüber ein Urteil erlauben.

          • Warum fragen Sie, wenn Sie selbst sich mit dieser Methode offenbar so hervorragend auskennen?

          • Bei der Fibel gestehen Sie zu, dass man das alles nicht so genau nehmen muss, von den Vorgaben abweichen kann. Ihre Worte:
            “Auch die Arbeit mit der Fibel lässt durchaus Spielraum für Differenzierungen und ist nicht so diktierend, wie Sie das darstellen. Man muss sich auch nicht sklavisch an die vom Verlag vorgeschlagenen Wochenschritte halten.”
            Das entspricht dem, was Sie mir als “Schutzbehauptung” auslegen.

            Bei LdS erwarten Sie dann aber, dass man die Methode rein nach den Vorgaben von Jürgen Reichen bewertet.

            Wenn man Methoden vergleichen oder beurteilen will, sollte man bei allen die gleichen Kriterien anwenden, finde ich.

          • Trotzdem gibt es eine klare Fibelmethode und eine klare Methode “Lesen durch Schreiben” und ich bin gern bereit, sie nach ihrer reinen Idee zu beurteilen. Nur so sind Vergleiche überhaupt möglich.
            Dass jeder Lehrer Methoden in der Praxis auch differenzieren und abwandeln kann, steht doch auf einem ganz anderen Blatt.
            Die Grundidee des Fibellehrgangs ist für mich gut, die von LdS dagegen schlecht.
            Von den Ergebnissen und Erfahrungen sehe ich meine Meinung nicht widerlegt, sondern bestätigt.

          • @Geli
            Danke, es stehen strukturierte Schreib- und Leselehrgänge, orientiert an der Vermittlung der Haupt- und Orthographeme gegen eine Schreibanarchie nach Gehör, wobei die Anlauttabellen weder die Endlauthärtung einbeziehen, noch die Wortstammkonstanz oder gar irgend welcher anderer orthographischer Regeln und das ohne ein Feedback, um schnell in eine sichere Schreibsicherheit zu gelangen.
            Es steht die strukturierte Regelvermittlung gegen eine eigen initiative Anwendung eigener Schreibstrategien, Syntax und Wortfamilien werden nicht strukturiert vermittelt, alles schwimmt im schwammigen Fluss, weil direkte Anweisungen nicht erfolgen.
            Dagegen stellen Fibel-Lehrgänge eine direkte Instruktion dar, sind strukturierte Leitwege im Schriftspracherwerb.

          • Ein Zitat:
            “Zum Ende der sechziger und Anfang der siebziger Jahre trugen dann aber Lehramtsanwärter den Slogan “Rechtschreibwissen ist Herrschaftswissen” in die Schulen: Rechtschreibwissen werde schon immer als Herrschaftsinstrument der herrschenden Klasse missbraucht. Später wurden dann Schlüsselstellen in Verbänden, Gremien und Politik mit Reformpädagogen oder deren Sympathisanten besetzt. So konnten sich die Methoden in den Grundschulen immer weiter ausbreiten.”

            Das behauptet jemand, der diese Zeit aktiv miterlebt hat:
            http://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/guenter-jansen-ueber-die-schlechte-rechtschreibung-viele-kinder-a-906458.html
            Ich will über die Reichen-Methode hier nicht urteilen,aber es sollte mich wirklich nicht wundern, wenn Herr Jansen im Prinzip Recht hätte. Mich macht stutzig, dass die Verteidiger der Methode immer sagen “sie wird ja in Reinform kaum angewandt”, während die anderen sagen “sie ist sehr verbreitet”. Etwas, das kaum angewandt wird, kann ja keinen großen Einfluss entwickeln, also warum regen sich die Leute über etwas auf, das angeblich kaum angewandt wird?
            Ich bin jedenfalls heilfroh, in meiner Schulzeit einen Buchstaben nach dem anderen kennengelernt zu haben. Jede Woche einen Buchstaben (oder auch mehr, weiß nicht mehr genau), da war man nach 26 Wochen durch und konnte praktisch alle Wörter schreiben, vorher natürlich schon einfache. Am Ende von Klasse 1 stand auf meinem Zeugnis, ich sei “in Richtigschreiben sehr gut”. Heutzutage wäre das ein vollkommen unmögliches Statement: Es gibt kein Richtigschreiben mehr in Klasse 1. Da kann ich mit xxx nur hoffen, dass es wenigstens noch ein Richtigrechnen gibt. Wenn das auch noch abgeschafft wird, ist das nicht mehr mein Land 🙂

  11. Fibelunterricht ist gut. Dagegen ist nichts einzuwenden und die bisherige Forschung zeigt auch, dass auch schwächere Kinder davon stärker profitieren.

  12. Mathematik wird wohl noch immer fibelmäßig unterrichtet, sprich sofort die richtige Schreibweise und Symbolik sowie die korrekte Einhaltung der Regeln. Über ein Rechnen nach Gefühl haben die Mathematikdidaktiker wohl noch nie nachgedacht oder Vorstöße in die Richtung wurden als hirnrissig abgeblockt. Leider haben sich die Deutschdidaktiker von Reichen einlullen lassen.

    (Dass die Schüler heutzutage kaum noch Kopfrechnen können, liegt bei den allermeisten Schülern an fehlendem Training.)

    • “fibelmäßig” klar.
      Mit wechselnden Curricula, die auch wechselnde Schwerpunkte setzen und in der Grundschule immer früher immer mehr Anforderungen an Inhalte und Aufgaben stellen.
      Deshalb auch mit wechselnden Lehrwerken, die nicht immer die Schwerpunkte der Curricula setzen und die Inhalte der Curricula abbilden, sondern eigene Wege gehen können.
      Mit – wer hätte das gedacht – Kompetenzorientierung und entdeckendem Lernen und offenen Aufgaben, wie in anderen Fächern auch.
      Mit wechselnden Anschauungsmaterialien und Hilfsmitteln, worüber sich, ähnlich wie bei der Anlauttabelle, die Geister scheiden. Allerdings ist diese Debatte nicht so medial aufgeplustert.
      (Denn “Mathe liegt mir nicht” ist eben akzeptiert, aber wer nicht Rechtschreiben kann, ist dumm.
      Wer Zählen kann, ist klar im Vorteil oder nutzt später den Taschenrechner (im Handy), aber Lesen ist eben nicht so wichtig.)

      “Dass die Schüler heutzutage kaum noch Kopfrechnen können, liegt bei den allermeisten Schülern an fehlendem Training.”
      Wie einfach.

      Dass die Schüler heutzutage kaum noch rechtschreiben und lesen können muss aber an Reichen liegen?
      Bestimmt.

      Die Welt ist so einfach! Und jeder Ansatz, den Blick auf eine multikausale Erklärung zu richten, muss im Keim erstickt werden, denn allein das Verbot einer einzelnen Methode wird das Allheilmittel der Bildung sein.
      Wir sollten auch an weiterführenden Schulen in jedem Fach genau eine Methode streichen, die von einem kleinen Verlag oder sogar non-profit vertrieben wird und nur von einem winzigen Prozentsatz an Lehrkräften eingesetzt wird.
      Fortan werden alle Schüler exzellente Abschlüsse bringen, zugegeben mit ein bisschen Training.

      So einfach!
      Verstehe gar nicht, warum das an den vielen anderen Schulen bisher nicht klappt, wo doch so viele Lehrkräfte immer wieder geschrieben haben, dass sie nicht mal in den Dunstkreis von Reichen gekommen seien.

      • Warum machen Sie bei Grundschulthemen so oft den Bernd und die unverzagte mit ihrer binären Logik?

        “Mit wechselnden Anschauungsmaterialien und Hilfsmitteln, worüber sich, ähnlich wie bei der Anlauttabelle, die Geister scheiden.”

        Warum verwenden Sie dann nicht die Methoden und Hilfsmittel, die Ihrer Erfahrung nach erfolgreich sind? Sie dürften doch im Laufe Ihrer Praxis massig Materialien zusammengestellt haben. Außerdem ändern sich Lehrwerke und Lehrpläne nicht jährlich so fundamental, wie Sie es hier darstellen.

        ““Dass die Schüler heutzutage kaum noch Kopfrechnen können, liegt bei den allermeisten Schülern an fehlendem Training.”
        Wie einfach.”

        Mit Ausnahme der ganz wenigen echten Dyskalkologen und geistig behinderten Inklusionsfällen bleibe ich dabei. Auch Hauptschulklientel ohne Behinderung kriegt vom Kopf her das kleine 1×1 hin, die sozialen Bedingungen und ggf. die Sprachdefizite erschweren das leider. Für die Sprache ist das Fach Deutsch zuständig.

        “Dass die Schüler heutzutage kaum noch rechtschreiben und lesen können muss aber an Reichen liegen?
        Bestimmt.”

        Im Vergleich mit der Fibelzeit zumindest auch. Dazu kommen natürlich noch Erziehungsdefizite usw. Lesen Sie sich mal Feldpost von meist maximal Volksschulabsolventen aus dem ersten Weltkrieg durch. Den Satzbau und den Wortschatz haben auch Gymnasiasten heutzutage nicht mehr.

        “Fortan werden alle Schüler exzellente Abschlüsse bringen, zugegeben mit ein bisschen Training.”

        Schreiben wir es mal so: Die Kriterien für das Bestehen des Abschlusses werden so weit aufgeweicht, dass viel mehr als ein bisschen Training nicht mehr notwendig ist. Die Bildungspolitiker für die Grundschule sollten dringend die Grundschule auf ihre Kernaufgaben zurückfahren, die Eltern sollten in irgendeiner Art dazu verpflichtet werden, ihre Kinder zur Schulreife zu erziehen. Das wird aber in kommenden Generationen immer schwieriger, weil die heutzutage als nicht erzogen geltenden Schüler ihre eigene erfahrene Erziehung womöglich noch laxer an ihre eigenen Kinder weitergeben.

        • “Warum verwenden Sie dann nicht die Methoden und Hilfsmittel, die Ihrer Erfahrung nach erfolgreich sind?”
          Mache ich.
          Aber wenn Anlauttabellen und Freies Schreiben dazu gehören, wie vieles andere auch, ist das Teufelswerk, alles nicht wahr oder lediglich meine Bequemlichkeit. Die Erfahrung wird einem dann sehr schnell abgesprochen.

          “Sie dürften doch im Laufe Ihrer Praxis massig Materialien zusammengestellt haben.”
          Ja. Stimmt. Vieles hat sich bewährt, manches wird abgewandelt, anderes total verworfen, immer entsteht auch etwas Neues, weil Klassen und Anforderungen sich wandeln oder weil eine andere Herangehensweise vielversprechend ist.

          “Außerdem ändern sich Lehrwerke und Lehrpläne nicht jährlich so fundamental, wie Sie es hier darstellen.”
          Aber auch nicht marginal.
          Der Wechsel eines Lehrwerkes, den das Kollegium beschließt, nicht die Lehrkraft allein, ist fundamental, sobald andere Materialien eingesetzt werden – gerade in Mathe.
          Da macht es einen Unterschied, ob mit Klötzen, bunten Punkten, Schlangen oder 20er-Feldern gearbeitet wird und die Darstellungen in den AH entsprechend sind. Dieser Unterschied ist GERADE für die schwachen SuS entscheidend – und um die geht es ja hier.
          In Mathe gibt es ähnliche Debatten: Rechenbeginn bis 6 oder 7/10 oder gleich bis 20, Rechnen mit Fingern oder nicht, Wahl der Hilfsmittel (s.o.), Zahlenstrahl oder Zahlenstrich, Hunderterfeld oder nicht…

          Die Diskussion darum wird aber zurzeit nicht so aufgebauscht. Und vermutlich (oder hoffentlich) kommt niemand auf die Idee, dass nur eines dieser Hilfsmittel alleiniger Grund für mangelnde Rechenfähigkeit nach 3-4 oder 8 Jahren Schule sein könnte.

          “Mit Ausnahme der ganz wenigen echten Dyskalkologen und geistig behinderten Inklusionsfällen bleibe ich dabei.”
          Ihre Abgrenzung zeigt, dass sie wenig Ahnung haben.
          Aber sie hatten ja unter dem neuen Beitrag zu LRS und Dyskalkulie selbst geschrieben: “Außerdem sind … Lehrer ohne echte Ausbildung nicht in der Lage, das trennen zu können. ” Lehrkräfte, die sich mit Dyskalkulie eingehend beschäftigen, können das bei eindeutigen Fällen trennen.
          Es bietet sich an, dieses Thema unter dem anderen Beitrag weiter zu diskutieren.

          • “Ihre Abgrenzung zeigt, dass sie wenig Ahnung haben.
            Aber sie hatten ja unter dem neuen Beitrag zu LRS und Dyskalkulie selbst geschrieben: “Außerdem sind … Lehrer ohne echte Ausbildung nicht in der Lage, das trennen zu können. ” Lehrkräfte, die sich mit Dyskalkulie eingehend beschäftigen, können das bei eindeutigen Fällen trennen. Es bietet sich an, dieses Thema unter dem anderen Beitrag weiter zu diskutieren.”

            Gerade _weil_ ich keine Ahnung von echter Dyskalkulie habe, bin ich nicht in der Lage, eine solche zu erkennen. Es dauert bei mir auch viele Monate bis mehr als einem Schuljahr, bis ich einem Schüler glaube, tatsächlich kein Mathe-Gen abbekommen zu haben, was aber mit Dyskalkulie noch immer nichts zu tun haben muss. Die allermeisten in Mathe wirklich schwachen Schüler üben schlicht und ergreifend viel zu wenig und fühlen sich auch noch wohl dabei.

    • @xxx: Lieber xxx: Der Kommentar ist daneben, aber Sie können es ja nicht besser wissen. Das ist so ähnlich, wie wenn jemand behauptet: “Waldorfschule, ach ja, das ist die Schule wo man lernt, den Namen zu tanzen.” Und alle lachen…

        • Was meinen Sie genau? Ich hoffe nicht, dass ernsthaft über ein LdS-Analogon im Rechnen nachgedacht wurde.

          Hinsichtlich Einlullen durch Reichen muss ich wirklich die Gegenfrage stellen, weshalb bei den Präsentationen nicht die Frage gestellt wurde, ob so eventuelle LRS-Fälle mehrere Jahre unentdeckt und untherapiert bleiben würden bzw. was es in Schülern anrichtet, wenn von jetzt auf gleich die Rechtschreibung relevant wird bzw. ob sich die Eltern nicht vera****t fühlen würden, wenn sie die “Rechtschreibung” ihrer Kinder nicht korrigieren dürfen.

          • Ich kann mir nicht vorstellen, dass Rechtschreibfehler über Jahre hiinweg unkorrigiert bleiben. Selbst wenn in der 1. Klasse ausschließlich diese Methode zum Lesenlernen verwendet wird, kommen doch in der 2. Klasse Rechtschreib – und Grammatikunterricht dazu. Das wird wohl in allen Bundesländern so sein, habe allerdings nicht nachgeschaut. Die Methode setzt ja auch voraus, dass die Kinder einwandfreies Hochdeutsch beherrschen, so dass ich mir kaum vorstellen kann, dass sie tatsächlich irgendwo in Reinform praktiziert wird. Und wenn, dann sicher von davon überzeugten erfahrenen LuL, die das dann auch gut vermitteln.
            Heute hat mir eine Freundin, die Erzieherin ist erzählt, dass es immer mehr Late-Talker gibt. Man gibt dem Smatphonekonsum der Eltern mit Schuld, die wohl vermehrt öfter auf ihr Handy schauen, als sich dem Kind per Augen – und Lippenkontakt zuzuwenden.

          • Doch Mississippi, ich hatte letzte Woche noch ein Gespräch mit zwei Müttern, die eine ist selbst Grundschullehrerin, die – wie Sie es auch sagen – LdS gepaart mit konsequentem Regelunterricht praktiziert und die andere hatte mir berichtet, dass man ihr bei ihrer Jüngsten, die gerade die vierte Klasse besucht, das häusliche Korrigieren strengstens verboten habe.

          • @Mississippi
            Auch wenn Sie es sich nicht vorstellen können, so ist es doch geschehen. Oder lügen Tausende von Eltern oder Vergleichsstudien über die Rechtschreibleistungen von Schülern, die mit oder ohne diese Methode unterrichtet wurden?
            Was bringt es, einen Fehler zu bestreiten, der offensichtlich ist, außer Vorurteile gegenüber Lehrern und ihrer angeblichen Rechthaberei und mangelnder Einsicht bei Irrtümern zu bestätigen?

          • “Oder lügen Tausende von Eltern oder Vergleichsstudien über die Rechtschreibleistungen von Schülern, die mit oder ohne diese Methode unterrichtet wurden?”

            Wenn die RS-Leistungen schwach sind _ob mit oder ohne diese Methode_, dann kann die Methode selbst ja nicht so relevant sein und man sollte nach anderen Ursachen suchen.
            Genau das wird aber umgangen.

  13. @xxx
    “Dass die Schüler heutzutage kaum noch Kopfrechnen können, liegt bei den allermeisten Schülern an fehlendem Training.” Wie wahr!! Genauso ist es bei dem richtigen Schreiben.
    Das Kopfrechnen dient der Zahlraum- und Mengenvorstellung sowie der Entdeckung mathematischer Gesetzmäßigkeiten und Lösungsstrategien. Es schult die mathematische Logik und ist weit anspruchsvoller als die reine Technik der schriftlichen Rechenverfahren. Das sog. halbschriftliche Rechnen hat ähnliche Vorzüge wie das Kopfrechnen.

    @Palim
    Ja, vieles ist wirklich “einfach”, wenn man es nicht verkompliziert durch Ausflüge in alle möglichen Nebenaspekte und dadurch das Wesentliche aus dem Blick verliert. Solche Ausflüge wirken zwar immer vielwissend und kompetent, sind für mich aber eher ein Zeichen von Unsicherheit in der Beschränkung oder Konzentation auf das, was sachlich im Mittelpunkt des Unterrichts steht oder stehen sollte.
    Ich könnte keinen geordneten und zielgerichteten Unterricht planen oder halten, wenn ich ständig Ausflüge in entwicklungstheoretische Wenns und Abers bei den einzelnen Schüler unternähme wie Sie. Das kann ich nur sehr eingeschränkt und grob tun, wenn ich den Blick fürs Ganze nicht verlieren will. Kein Lehrer kann jedem Schüler gerecht werden, ohne sich an anderer Stelle der Nachlässigkeit schuldig zu machen. Zwei dieser Stellen heißen “fehlendes Training” im richtigen Schreiben und Kopfrechnen.

    Ja, so “einfach” gestrickt sehen Kollegen aus, wenn man das eigene Denken und Handeln zum Maß aller Dinge macht und den anderen nicht zutraut, dass ihr Verstand, ihre Vernunft und ihre Moral keineswegs verachtenswert sind, wenn sie zu anderen Ergebnissen und Handlungsgeboten kommen als Sie.

  14. Hier ein Auszug aus dem Bildungsplan von NRW den Bereich Rechtschreibung am ende der klasse 4 betreffend:
    “Bereich: Schreiben Schwerpunkt: Richtig schreiben
    Kompetenzerwartungen am Ende der Schuleingangsphase
    Die Schülerinnen und Schüler
    Kompetenzerwartungen am Ende der Klasse 4
    Die Schülerinnen und Schüler
    • schreiben bekannte Texte mit überwiegend lautgetreuen Wörtern fehlerfrei ab
    • schreiben methodisch sinnvoll und korrekt ab
    • nutzen Abschreibtechniken • verwenden Rechtschreibstrategien zum normgerechten Schreiben (z. B. Mitsprechen, Ableiten und Einprägen)
    • wenden beim Schreiben eigener Texte erste Rechtschreibmuster und rechtschriftliche Kenntnisse an (z. B. Einhalten der Wortgrenzen, Großschreibung nach Satzschlusszeichen, Endungen -en und -er sowie Schreibung von Wörtern mit au, ei, eu, ch, sch, st, sp, und qu)
    • kennen grundlegende Regelungen der Rechtschreibung und nutzen sie (s. nachfolgende Tabelle)
    • nutzen das Alphabet beim Nachschlagen in Wörterverzeichnissen
    • verwenden Hilfsmittel (z. B. Wörterbuch, Lernkartei.

    Also, selbst in NRW lernt man Rechtschreibregeln.

    Aber was mir trotzdem auffällt:
    Mississippi: “Früher war mehr Diktat, heute richtiges Abschreiben lauttreuer Wörter.”

    Bitte nicht steinigen….

    • “nutzen erste Rechtschreibregeln” und “schreiben bekannte Texte mit überwiegend lautgetreuen Wörtern fehlerfrei ab” hat jetzt mit Rechtschreibung nicht so viel gemeinsam.

      Es ist kein Wunder, dass sich die Gymnasien angesichts dieser nicht-Anforderungen beschweren. Aus gutem Grund wollen, dürfen und müssen sie vollständige Rechtschreibung voraussetzen.

      • Ich finde, es ist ein gutes Beispiel dafür, dass sich die Vorgaben in den Grundschulen gravierend geändert haben, dies aber in weiterführenden Schulen überhaupt nicht bekannt ist.
        Für die Grundschulen gab es im letzten Jahr (2017) neue Kerncurricula, die für die weiterführenden Schulen sind von 2014 (HS,RS) bzw. 2015 (Gym).
        Tatsächlich sind ganz andere Kompetenzen angesetzt, über die sich jeweils streiten lässt, und es muss Zeit darauf verwendet werden, weil diese Sachen auch in den Arbeiten aufgegriffen werden müssen.
        Die Umstellung der Curricula 2006 war im Vergleich zu den vorherigen gravierend, die Umstellung 2017 ist in Teilen deutlich, vor allem durch die völlig veränderten Vorgaben zur Leistungserhebung und deren Folgen für den Unterricht.

        Da gibt es auch Vorgaben, dass die Deutscharbeiten Kompetenzbereiche kombinieren sollen, sodass ein “reines Diktat” als Klassenarbeit gar nicht mehr möglich ist und es schwierig wird, einen längen Text als Diktat (innerhalb einer Klassenarbeit) zu schreiben.

        Nach dem Übergang an die weiterführende Schule gehen die Lehrkräfte aber weiterhin davon aus, dass die alten Bestimmungen gelten …
        … damit sind in meinem Bundesland im besten Fall Vorgaben von 2006 gemeint, ansonsten die Vorgaben die Rahmenrichtlinien aus den 80er Jahren (denn dazwischen gab es keine neuen).

        • @Palim: Daher finde ich die Kooperationstreffen mit den Kollegen der weiterführenden Schulen so wertvoll. Hier zeigt sich immer wieder, dass es Missverständnisse gibt. Zum Beispiel beim Fach Englisch gehen die Lehrer davon aus, dass die SuS nach 4 Jahren Grundschulenglisch selbstständig ein Vokabelheft, Karteikarten o.ä. führen können und wundern sich, wie oft englische Wörter orthographisch falsch geschrieben werden. Dass die Kinder in der Grundschule kaum englische Wörter schreiben und wenn, dann nur abschreiben, bzw. Vorgegebenes zusammensetzen, ist ihnen neu. Mich wundert es immer wieder, dass sich die Lehrer der weiterführenden Schulen wenig mit dem Bildungsplan der Grundschule auskennen. Auch bei uns in BaWü wird davon ausgegangen, dass noch viel mehr Diktate geschrieben werden, was aber auch nicht der Fall ist. Hier wird beim Rechtschreibunterricht häufig die FRESH-Methode verwendet und die meisten Kinder kennen die Regeln, d.h. sie können sie abrufen, nur mit der Anwendung hapert es öfter. Das bestätigen auch die Lehrer der weiterführenden Schulen.

      • Das ist definitiv falsch. Nicht die Gymnasien definieren, was die Grundschulen lehren, sondern die Lehrpläne. Die Gymnasien dürfen genau die dort formulierten Fähigkeiten und Fertigkeiten erwarten. Es ist ihre Aufgabe, damit weiter zu arbeiten.

        Grundschulen sind eben kein Zulieferbetrieb für bestimmte Schulformen!

        • “Grundschulen sind eben kein Zulieferbetrieb für bestimmte Schulformen!”

          Richtig. Grundschulen sind die Zulieferbetriebe für alle Schulformen. Und jede dieser Schulformen darf erwarten, verwendbare Produkte zu erhalten, wobei “Produkt” hier die Schüler sind und “verwendbar” gute Alphabetisierung und Rechenerisierung bedeutet. Das Wort Rechenerisierung habe ich erfunden, es soll jedoch klar sein, was ich damit meine. So etwas wie Computerkenntnisse, Englisch usw. wird nicht vorausgesetzt, steht aber leider im Lehrplan und kollidiert mit den Wünschen.

          Die Grundschulen wollen ja auch gerne schulfähige Produkte von den Kindergärten geliefert bekommen. Das ist sehr gut vergleichbar.

    • Das ist mir auch schon öfter aufgefallen. Wenn es früher hieß “die SuS beherrschen die richtige Rechtschreibung”, dann formulieren neue Bildungspläne “die SuS nutzen Rechtschreibstrategien”. Wenn es früher hieß “die SuS beherrschen die vier Grundrechenarten schriftlich”, dann heißt es heute “die SuS nutzen Rechenstrategien”. Vielleicht ist damit die strategische Kompetenz gemeint, die ja neuerdings vom Kindergarten an wichtig ist.
      “Texte richtig abschreiben” würde ein normal denkender Mensch gar nicht in dan Zusammenhang mit Rechtschreibung stellen, sondern vielleicht mit Sorgfalt. Das wäre ja so, als wenn man richtig vorgerechnete Rechenaufgaben richtig abschreiben kann. Man wird halt immer bescheidener und erklärt das für “Kompetenzen” und die Erfüllung von Bildungsstandards. Und bei VerA 8 in Baden-Württemberg kam dennoch kürzlich heraus, dass die Leistungen an allen Nicht-Gymnasien ziemlich katastrophal sind.

      • “Strategien” ist nach Kompetenzen das neue Schlagwort, stimmt.
        “Operatoren” waren ja zwischenzeitlich auch out und sind nun wieder angesagt.

        Ich würde vermuten, es hat eher etwas damit zu tun, dass man Fähigkeiten vergleichbar und “gerichtsfest” überprüfen kann.

        • die Vergleichbarkeit wird nach Meinung der Bildungsforscher und der OECD gewährleistet, wenn die Tests messbar werden. Komplexe Inhalte oder Training gehören leider nicht dazu.

          • Klar.
            Und bestimmt sind noch mehr Tests mit entsprechend “messbaren” Einheiten noch besser.

            Deshalb erhöhren wir die Anzahl der Tests und der Klassenarbeiten UND verlangen zusätzlich auch (im Unterricht erarbeitete) Referate und Vorträge und Langzeit-Aufgaben (gemeint sind z.b. Projekte, Lesetagebücher u.a.) in allen Fächern.

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