Sicherheitsvorgaben für Prüfungsaufgaben wurden massiv verletzt – nun ermittelt die Polizei

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STUTTGART/RAVENSBURG. Prüfungsaufgaben bei Lehrern zu Hause – das geht gar nicht. Doch eine Schule in Bad Urach hat das fertiggebracht. Darunter leiden jetzt 40.000 Schüler.

Foto: Über 200.000 Klausuren müssen ein dreistufiges Verfahren durchlaufen, bevor die Note festgelegt wird. Foto: Fabio Bruna / flickr (CC BY-SA 2.0)
Aufregung um ungeschützte Prüfungsaufgaben.                                                        Foto: Fabio Bruna / flickr (CC BY-SA 2.0)

Ein laxer Umgang mit Aufgaben an einer Bad Uracher Gemeinschaftsschule hat zu der Panne bei den Abschlussprüfungen an den Realschulen in Baden-Württemberg geführt. Die Deutschaufgaben in einem Umschlag wurden beim Staatlichen Schulamt abgeholt und dann bei mehreren Personen verwahrt – zeitweise sogar bei einer Lehrkraft zu Hause. Das teilte das Kultusministerium nun mit. Die Unterlagen seien an der Schule nicht sofort verschlossen worden, obwohl ein Tresor vorhanden war. Die Schule hatte den nicht mehr verschlossenen Umschlag am vergangenen Freitag bemerkt. Deshalb wurde die Deutschprüfung von diesem Mittwoch auf den 27. April verschoben.

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Es lasse sich derzeit nicht rekonstruieren, von wem und wann der Umschlag geöffnet wurde. Die Aufgaben lagen noch in dem Kuvert. «Fest steht, dass die Schule entgegen der Sicherheitsvorgaben keine lückenlose und sichere Verwahrung der Prüfungsaufgaben sichergestellt hat», teilte das Ministerium mit. Zur Klärung des Sachverhalts an der Barbara-Gonzaga-Gemeinschaftsschule sei auch die Polizei eingeschaltet.

Eine Polizeisprecherin sagte, die Beamten würden erste Gespräche mit der Schulleitung führen und prüfen, ob eine Straftat vorliege und wenn ja, welche. Das Ministerium kündigte an, gegenüber der Schule die «zwingend notwendige Sensibilität im Umgang mit Prüfungsunterlagen» anzumahnen.

Die Geschädigten sind 40.000 Mädchen und Jungen an Schulen im ganzen Land, deren Prüfung verschoben werden musste. Der Landesschülerbeirat zeigte sich verärgert. «Das bedeutet eine Belastung und mehr Stress für die Schüler», sagte die Sprecherin des Gremiums, Madeleine Schweizerhof. Die neue Vorbereitung auf die Deutschprüfung sei umso unangenehmer, da es vor dem neuen Termin auch noch die Mathe- und Englischprüfungen gebe. «Ich kann das nicht nachvollziehen», sagte die 18-Jährige.

Stress für die Schüler

Auch Eisenmann bedauerte das Vorgehen. «Mir tut es unendlich leid. Aber uns blieb nichts anderes übrig», sagte sie dem SWR. «Das Risiko war schlicht zu groß, dass die Aufgaben nachher im Netz kursieren.» Die Aufgaben müssten zentral gedruckt und dann versiegelt werden. Das brauche seine Zeit. Die neuen Aufgaben kommen aus einer von drei Aufgabentranchen. Die bislang nicht zwei verwendeten Tranchen werden jetzt für den 27. April und den Nachtermin genutzt.

Der Vorgänger von Eisenmann im Amt, der derzeitige SPD-Fraktionschef Andreas Stoch, zeigte Verständnis für das Vorgehen: «Auch in meiner Zeit als Kultusminister hat es Probleme bei der Sicherheit von Abschlussprüfungen gegeben, die zwar nicht zu einer Verschiebung geführt haben, die aber auch vor Augen führten, dass es durchaus gewisse Unsicherheiten geben kann.» Das bisherige Verfahren sei weitestgehend sicher, wenn sich jeder an die Vorgaben halte.

Der Nachdruck und die Auslieferung der neuen Deutsch-Prüfungsaufgaben für die Realschulen kostet das Kultusministerium zwischen 25 000 bis 30 000 Euro. Dieses Zahl beruhe auf einer Schätzung der Druckerei, sagte eine Sprecherin des Kultusministeriums und bestätigte damit einen Bericht der «Schwäbischen Zeitung».

Wegen des neuen Termins müssen manche Klassenfahrten verschoben werden. Bisher hätten sich vier Schulen gemeldet, sagte eine Ministeriumssprecherin. Derzeit werde erhoben, wie viele Schulen im Land insgesamt betroffen sind. Das Ministerium hatte bereits erklärt, die betreffenden Klassen nicht auf den Kosten sitzen lassen zu wollen. dpa

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2 KOMMENTARE

  1. Da diese Geschichte nun seit Tagen die Menschen bewegt fehlt vielleicht ein bisschen der Weg zur Normalität.
    1. wir haben sehr viel wichtigere Probleme auf dieser Welt.
    2. die meisten Schüler haben lediglich eine Prüfung eine Woche später. Wo ist denn da der Nachteil?
    3. Die Berechnungen, die die Druckerei wohl angestellt hat sind bestenfalls eine humoristische Einlage. Die Kopierkosten sind bei solchen Aktionen wohl nicht das Hauptthema. Die Verteilungskosten sind deutlich höher. Jede Prüfung muss an die zuständigen Ämter geschickt werden. von dort müssen alle Prüfungen vorzugsweise von Schulleitern und Konrektoren abgeholt werden. Die Fahrtkosten blieben bei der Berechnung wohl unberücksichtigt.
    Bislang war es durchaus üblich, dass Lehrer auf Anordnung des Schulleiters die Unterlagen abgeholt haben. Diese Unterlagen wurden oft nachmittags abgeholt, da Unterrichtsbeginn die Ämter oft einfach zu sind. Am Nachmittag ist der Gang zum Schultresor allerdings verschlossen. Also bleiben die Unterlagen wohl eine Nacht beim Lehrer zuhause. Was in Urach sonst passiert ist, weiß ich nicht. Warum die Umschläge offen waren weiß ich auch nicht. Aber der Schaden , wenn man von einem Schaden für die Schüler sprechen möchte, ist wohl recht überschaubar. Mal Ball flach halten.

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