News4teachers-Dossier – gratis herunterladbar: „Das Inklusions-Chaos”

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BERLIN. Der Fall ist beispiellos in Deutschland: Eine Schulleiterin, die Direktorin eines Bremer Gymnasiums, verklagt die eigene Dienstherrin, die Schulsenatorin Claudia Bogedan. Grund für die Klage vor dem Verwaltungsgericht der Hansestadt: die Inklusion. Das Gymnasium soll sich für geistig beeinträchtigte Schüler öffnen, die wohl keine Chance haben, das Abitur zu erreichen. Dagegen wehrt sich die Schulleiterin. (News4teachers berichtete.)

Spätestens jetzt wird deutlich, dass es dringend an der Zeit ist, die schulische Inklusion endlich breit in Deutschland zu diskutieren. Tatsächlich wäre eine solche Debatte dringend nötig. Denn: Die zentralen Grundfragen des gemeinsamen Unterrichts von behinderten und nicht-behinderten Schülern sind bis heute ungeklärt. Inwieweit sind die Gymnasien verpflichtet, sich zu beteiligen? Wo sind die Grenzen der Inklusion? Was ist überhaupt das von der Politik anvisierte Ziel – eine Radikal-Inklusion oder eine Inklusion light? Und was davon ist mit der UN-Behindertenrechtskonvention vereinbar? Niemand weiß das so recht. Klar ist nur: So fährt die Inklusion vor die Wand.

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News4teachers hat nun ein Dossier herausgegeben – Titel: „Das Inklusions-Chaos“ –, das die Probleme journalistisch beleuchtet und versucht, Antworten auf offene Fragen zu geben. Uns geht es darum, eine öffentliche Diskussion anzustoßen, die der Inklusion endlich den Rang gibt, der ihr gebührt: Es ist kein exotisches Nischenprojekt, um das es hier geht, sondern die größte Bildungsreform der vergangenen Jahrzehnte. Unser Ansatz ist kritisch, aber konstruktiv. Wir suchen nach Wegen, wie die Inklusion doch noch gelingen kann. Diskutieren Sie mit! ! Das Dossier ist auf netzwerk-lernen.de gratis herunterladbar – hier geht’s hin.

Streitfall Dienstunfähigkeit: Wie Sie als verbeamteter Lehrer Ihr Recht bekommen können

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24 KOMMENTARE

  1. Bei einer Dienstversammlung vor einigen Tagen wurde der Fuehrungsriege der Schulen im Bildungsstand Nr. 1 (Hessen ist gemeint, nicht Finnland), dass nicht die Anwesenheit von Sonderpaedagogen in der Regelschule für eine erfolgreiche Inklusion notwendig seien, sondern einzig und allein die Haltung der Regelschullehrkraefte. letztere wurde als Fehlen moniert und die Schulleitungen in die Pflicht genommen.

    • Man muss sich an den Kopf fassen, damit er vor lauter Schütteln nicht abfällt. Wegen dieser Haltung der Oberen oberhalb der Schulleitung, die sehr wahrscheinlich noch nie ein Inklusionskind im realen Schulbetrieb erlebt haben, fährt die Inklusion komplett vor die Wand. Darunter leiden so ziemlich alle. Abgesehen davon wird Inklusion per Dienstanweisung durch die Schulleitung nicht besser, sondern führt zu Dienst nach Vorschrift ohne den im Lehrberuf unbedingt erforderlichen Idealismus.

  2. Ich bin Mutter von einem Gehbehinderten Sohn (jedoch überdurchschnittlich intelligent), der ein Gymnasium besucht. Da er täglich verschiedene Therapien hat, kann er nicht immer alle Hausaufgaben erledigen. Dafür wird er bestraft: Texte seitenweise abschreiben oder Nachsitzen. Auf diese Weise, versuchen “Pädagogen” das Kind “zu fördern” und “das Problem zu lösen”. Sie werden sich freuen, wenn das Kind die Schule wechselt.

    Meine Meinung: Fachlehrer in Gymnasien versuchen sich selbst von der Inklusionsaufgaben zu befreien.

    • Kann da eine Bescheinigung der Therapeuten über die Therapiezeiten nicht helfen?
      Die Inklusion eines gehbehinderten Kindes oder Jugendlichen, noch dazu mit überdurchschnittlicher Intelligenz, kann doch kein Problem für Lehrer, auch Gymnasiallehrer, sein. Sie sprechen dazu noch von allen Fachlehrern Ihres Sohnes und nicht nur von einem.
      Ich kann kaum glauben, was Sie da schildern.

      • Vielleicht müsste man den Fall mal von der anderen Seite hören. Mich wundert, dass es nicht nur um einen Lehrer geht, sondern “die Fachlehrer”.

        @Olivia Gruber
        Was haben Sie bisher unternommen außer sich die Meinunung zu bilden: “Fachlehrer in Gymnasien versuchen sich selbst von der Inklusionsaufgaben zu befreien.”?

    • Ich sehe das auch so wie omg. Wenn die Schulleitung im persönlichen Gespräch das Verhalten der Lehrkräfte bekräftigt, dann dürfte das für ein Gespräch mit der Schulaufsicht reichen. Das kann ich mir aber ehrlich gesagt nicht vorstellen, gerade weil Ihr Sohn, Frau Gruber, kognitiv dem Unterricht problemlos wird folgen können. Besorgen Sie sich vor dem Gespräch mit der Schulleitung die von F. H. angesprochene Bescheinigung.

    • @Olivia Gruber
      Sie schreiben, Ihr Sohn würde für fehlende Hausaufgaben wegen täglicher Therapien bestraft durch “Texte seitenweise abschreiben oder Nachsitzen”.
      “Bestrafung” passt für mich irgendwie nicht ins Bild, denn Sie können die fehlende Zeit für die Hausaufgaben ja nachweisen. Mein Verstand weigert sich auch zu glauben, dass eine Klassenkonferenz in diesem Fall EINSTIMMIG auf der Erledigung der Hausaufgaben besteht.
      Und woher nimmt Ihr Sohn die Zeit für das seitenweise Abschreiben von Texten, wenn es sogar an Zeit für die Hausaufgaben fehlt?

    • @O. Gruber: Für mich sieht das eher danach aus, als ob hier jemand die Gymnasien an einen Pranger stellen möchte: Vollkommen unglaubwürdig! Wenn mir eine Mutter schreibt, ihr Sohn könne aus einem guten Grund die HA nicht anfertigen, muss er bestimmt nicht nachsitzen oder seitenweise Texte abschreiben. Was soll das denn bringen?
      Für mich gleicht dieser Beitrag eher “alternativen Fakten” von D. Trump!

      • Sie erwarten, dass Ihre Äußerungen als glaubwürdig eingeschätzt werden?
        Mit welchem Recht stellen Sie jemanden bloß, der mit beeinträchtigtem Kind für Inklusion eintritt, hier aber Grenzen erfährt.

        Es gibt doch mehr Eltern, die sich für ihre Kinder stark machen und die mit Bedingungen in den Schulen nicht zufrieden sind.
        Auch xxx schreibt weiter unten:
        “Eine Reduzierung der Anforderungen für Ihren Sohn werden Sie damit wahrscheinlich nicht erreichen (wäre auch pädagogisch falsch sowohl Ihrem Sohn als auch den Mitschülern gegenüber), aber zumindest das Nachsitzen und die Strafaufgaben könnten dadurch abgewendet werden.”

        Mein Ratschlag wäre, einen Nachteilsausgleich zu beantragen, dazu hatte ich schon etwas geschrieben und setze weiter unten noch etwas dazu.

  3. Ein Gespräch mit der Schuleitung wird helfen bzw. muss helfen. Eine Bescheinigung des Therapeuten, der Krankenkasse usw hilft sicher, eine Hilfeplangespräch mit Jugendamt, Schule und ELtern ganz sicher!
    Bitte nicht die Geduld verlieren und dran bleiben!

  4. @F. H., omg, xxx
    Das Gespräch mit Schulleitung bringt nichts.
    Die Rektorin ist der Meinung, dass die Hausaufgaben zum Anforderungsprofil eines Gymnasiums gehören und ein behindertes Kind nicht davon befreit werden darf.
    Klassenkonferenz hat sich der Meinung einstimmig angeschlossen.

    In einer Schule mit über 1100 Schüler herrscht Routine. Dort will niemand ein Kind individuell fördern.

    • Dieser Beitrag passt zum Beitrag von Herrn Wocken, in dem es um die Legitimation von Inklusion – allerdings bei GE-Schülern – am Gymnasium geht.
      Da ist die Rede von “die schulartspezifischen Voraussetzungen”, die alle SuS erbringen sollen, wenn sie bestimmte Schulformen besuchen. Diese wurden von diesem Schüler erbracht.

      Aber es werden auch “schulartspezifische Anforderungen” (ich nenne es mal so) gestellt und Leistungen erwartet – von allen.
      Ein Nachteilsausgleich wird von der Klassenkonferenz gesetzt. Man hat keinen Anspruch darauf.

      Es sind diese alltäglichen Grenzen, die es Kindern und Eltern schwer machen, die Inklusion wünschen – selbst bei zielgleicher Beschulung.
      Und es sind mangelhafte und schwammige Erlasse und eine Inklusion auf dem Papier, die ohne weitere Unterstützung im Alltag der Schulen umgesetzt werden soll, die Lehrkräfte an ihre Grenzen bringt.

      • Bei einer rein körperlichen Behinderung ohne kognitive Einschränkung gibt es aus meiner Sicht nicht viel zu inkludieren, außer der Sicherstellung, dass der Schüler den verpassten Stoff nacharbeiten kann. Dazu genügt es rein formal, die Aufgaben zur Verfügung zu stellen. Bei Klassenarbeiten gibt es ggf. Nachschreibtermine. Solange die maximal zulässige Anzahl Fehlstunden nicht erreicht wird, braucht es nicht viel mehr, sogar ein Nachteilsausgleich ist wohl mit Ausnahme von Sport nicht erforderlich.

        • Ihre Vorstellung von Körperbehinderung scheint mir eingeschränkt.
          Da geht es nicht allein um Kinder im Rollstuhl.
          Was wäre mit einem blitzgescheiten Kind, das mit den eigenen Händen nicht schreiben kann?
          Nachteilsausgleiche sollen den NACHTEIL AUSGLEICHEN, den das betroffene Kind durch die Behinderung hat. Das kann auch zu anderen Aufgaben oder anderen Bedingungen führen, dennoch wird von “zielgleich” gesprochen.

          • Bei Frau Gruber ging es um eine Gehbehinderung. Mit “rein körperlich” meinte ich, dass ihr Sohn außer der Gehbehinderung keine weiteren Einschränkungen hat. Insbesondere kann es genauso gut schreiben wie nichtbehinderte Kinder auch.

    • Natürlich gehören Hausaufgaben zum Anforderungsprofil eines Gymnasiums und natürlich muss jeder warum auch immer verpasste Unterrichtsstoff nachgeholt werden. Zudem kann Ihr Sohn bei Abwesenheit auch keine sonstige Mitarbeit zeigen. Ich würde aber trotzdem mal mit der Therapiebescheinigung zur Schulleitung gehen. Eine Reduzierung der Anforderungen für Ihren Sohn werden Sie damit wahrscheinlich nicht erreichen (wäre auch pädagogisch falsch sowohl Ihrem Sohn als auch den Mitschülern gegenüber), aber zumindest das Nachsitzen und die Strafaufgaben könnten dadurch abgewendet werden. Mit Empathie hat das Verhalten der Schulleitung aber wirklich nichts zu tun.

      Nur aus Interesse: Wie geht die Schulleitung mit den LRS-Fällen um? Falls die bei Bescheinigung einen Freifahrtschein für Rechtschreibung bekommen, wäre es nur konsequent, wenn Sie für Ihren Sohn aufgrund der Therapiebescheinigung die Nacharbeit des Unterrichtsstoffes in Eigenverantwortung übernehmen.

  5. @xxx
    Gehören wirklich Hausaufgaben zum Anforderungsprofil eines Gymnasiums? Bedeutet das, dass alle Schüller die Aufgabe 6 auf der Seite 78 am 11.05.2018 machen müssen? Wo ist Platz für Individualisierung und Differenzierung? Warum soll mein Kind Mathe Zuhause üben, wenn er ohne diese Übung gute Noten schreibt?

    Er muss die Zeit effektiv nutzen. Er braucht z.B. Zeit um die Rechtschreibung zu üben. Diese wird im Unterricht kaum geübt nur zwei mal im Jahr geprüft. Er ist in der Lage auch in Deutsch gute Note zu erreichen, wenn er Diktate besser schreibt.

    Eigenverantwortung? Ja gerne, habe ich vor einigen Jahren bereits übernommen. (In der GS war nicht besser. ) Es gibt so viel Zeit, wie es gibt. Wenn es zu viel ist, muss ich als Mutter dem Kind sagen: “Es langt für heute”. Nun, das sollte nicht dem Zufall überlassen werden. Ich glaube, die Lehrkräfte sollen in solchen Fällen die Hausaufgaben im voraus sinnvoll reduzieren.

    • Die meisten Schüler brauchen Hausaufgaben, wenn ihr Sohn die nicht gemachten Aufgaben trotzdem frei vorrechnen kann, dann gehört er zu den Ausnahmen. Seien Sie sich aber bewusst, dass sich das sehr wahrscheinlich ab klasse 7 oder 8 ändern wird, weil dann das Niveau massiv anziehen wird. Klasse 5/6 ist noch harmlos.

    • Ich hatte schon zum Nachteilsausgleich geschrieben.

      Dazu kann man sich von einer Förderschullehrkraft oder einer Schulpsychologin beraten lassen. Informationen bekommt man womöglich auch bei der zuständigen Dezernentin.
      Der Nachteilsausgleich gleicht die Benachteiligung aus. Das kann auch zu reduzierten oder anderen Anforderungen führen, selbst wenn andere SuS diese erfüllen müssen. Die anderen Schüler sind dabei aber frei von Beeinträchtigungen.

      Allerdings ist ein Nachteilsausgleich kein Wunschkonzert. Man kann sich nicht als Mutter wünschen, welche Aufgabe erledigt wird und welche nicht. Letztlich bleibt die Verantwortung bei der Lehrkraft, die die Aufgaben so auswählt, dass über Übung, Hausaufgaben und Unterricht der Lernerfolg ersichtlich werden kann.
      Dazu gehört z.B. auch, dass gute Schüler Basisaufgaben bearbeiten, um Grundlegendes nachzuweisen oder Aufgabenformate sicher zu kennen, denn bei einer Klassenarbeit muss dies nachzuweisen sein.
      Gerade in dieser Hinsicht ist die Beratung womöglich hilfreich, da eine Förderschullehrkraft mit dem Schwerpunkt Körperlich-motorische Entwicklung hiermit häufiger Kontakt hat und womöglich Muster oder Vorschläge unterbreiten kann.

    • Sollte die Geschichte stimmen, haben wir hier offenbar die überehrgeizige Helikoper-Mutter, die natürlich viel besser als alle Profis=Lehrer weiß, was ihr Kind nun genau üben muss und die alles tut, damit “wir” eine bessere Note bekommen. Dabei ist die Note in Klasse 5 oder 6 völlig egal für die spätere Schulkarriere, solange sie nur weit genug von einer 5 entfernt ist.

      Aber dafür tyrannisiert sie die Lehrer mit ihrem Pseudo-Wissen über das Lernen, pöbelt wie oben gesehen pauschal gegen ganze Lehrergruppen (“Fachlehrer in Gymnasien versuchen sich selbst von der Inklusionsaufgaben zu befreien”) und es ist ihr völlig egal, ob ihr Kind darunter leidet, weil sie ja einen gerechten Kampf kämpft.

      Ich habe in meiner 20-jährigen Zeit an der Schule Kinder mit körperlichen Behinderungen aller Art unterrichtet und ich vermute, dass auch an allen anderen Gymnasien dies kein Problem darstellt. Wenn aber (Helikopter-)Eltern glauben, alles besser zu wissen, hat man irgendwann keine Lust mehr, auf den Unfug einzugehen. Einfach, weil man es denen nie Recht machen kann, egal was man macht. Das trifft auf Eltern von behinderten und nicht behinderten Schülern zu. Daher hat die Rektorin auch kaum einen Grund, eine andere als die getroffene Entscheidung zu treffen. Erstaunlicherweise war es an der Grundschule laut Frau G. nicht viel besser. Liegt es möglicherweise doch nicht an den (Gymnasial-)Lehrern?

  6. @Küstenfuchs
    Offenbar haben wir hier eine/einen Lehrer/-in , die/der Kritik schlecht vertragen kann.

    Sie lassen außer Betracht, dass diese Strafarbeiten sind unverhältnismäßig und in dem Fall zweckwidrig. Davon abgesehen ist ein Automatismus rechtswidrig.

    Die Grundschule hat die Empfehlungen von Experten (Ärzten, Pädagogen und Psychologen) erst unter den Druck des Schulamtes umgesetzt. Ich habe die Beschwerde geführt, weil in der 3. Klasse die Schule immer noch kein NTA beschlossen hat.

    Das Gymnasium hat alle Maßnahme abgelehnt, die etwas Aufwand bedeutet. Die Beschwerde läuft.

    Sind Sie immer noch der Meinung, dass die Lehrer ein Art von Übermenschen sind? Immer Alles richtig machen und wann was schief läuft schuldig sind (Helikopter-)Elter, (Inklusion-)Kinder und die/der Minister/-in.

    Die Fachlehrer sind der Meinung, die Inklusionsaufgabe sollen Sonderpädagogen erledigen, am besten in den Gemeinschaftsschulen. Die Gymnasial-Lehrer waren überwiegend immer gegen Inklusion. Bremer Gymnasium ist hier keine Ausnahme.

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