Youtube statt Excel: Volkshochschulen suchen neue Wege

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ERFURT. Deutschlandweit suchen Volkshochschulen nach Konzepten, um mehr Menschen für ihre Bildungsangebote zu begeistern. Besonders in ländlichen Gegenden mangelt es oft an Kursteilnehmern. Bei einer Tagung in Erfurt wollen VHS-Vertreter in der kommenden Woche über Wege in die Zukunft beraten.

Mit neuen Ansätzen und Themen sollten Volkshochschulen nach Ansicht ihres Thüringer Verbands das Problem schwindender Teilnehmerzahlen angehen. Zwar böten Volkshochschulen (VHS) inzwischen vermehrt Seminare und Kurse über das Internet an, um ausreichend Teilnehmer für ihre Bildungsangebote zu finden, hieß es beim Thüringer VHS-Verband. Allerdings könne diese Form der Digitalisierung nur ein Baustein für eine Neuausrichtung sein.

Besonders im ländlichen Raum wird es für Volkshochschulen manchmal schwer, die Kurse voll zu bekommen. Foto: GFHund / Wikimedia Commons (CC BY 3.0)
Besonders im ländlichen Raum wird es für Volkshochschulen manchmal schwer, die Kurse voll zu bekommen. Foto: GFHund / Wikimedia Commons (CC BY 3.0)
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Ein Teil der Angebote der Volkshochschulen lebe davon, dass sich Menschen persönlich begegneten, sagte die Verbandsdirektorin Sylvia Kränke. «Wir können deshalb nicht nur digital sein.» Der Leiter der VHS Erfurt, Torsten Haß, äußerte sich ähnlich. «Die Digitalisierung der Volkshochschulen muss immer auch von Vor-Ort-Kampagnen begleitet werden.» Um über die Zukunft der Weiterbildungseinrichtungen zu sprechen, treffen sich VHS-Vertreter aus ganz Deutschland von Montag bis Mittwoch in Erfurt.

Auf der Tagung steht auch zur Diskussion, wie im ländlichen Raum mehr Menschen für die Angebote begeistert werden können. Denn gerade dort sei es für die VHS oft schwierig, die Mindestteilnehmerzahl für Kurse und Seminare zu erreichen.

In Sachen digitale Weiterbildung besteht nach Angaben von Kränke im Freistaat inzwischen bei neun VHS die Möglichkeit, online einen Abschluss zum Finanzbuchhalter zu machen. Das bedeutet, dass ein großer Teil des Kurses über das Internet absolviert werden kann und somit Teilnehmern aus ganz Deutschland offen steht. Das vereinfache es, die Mindestteilnehmerzahlen zu erreichen.

«Aber wenn es im Kurs mal klemmt, dann haben die Teilnehmer die Möglichkeit, bei ihrer Volkshochschule vor Ort Hilfe zu bekommen», sagte Kränke. So kombiniere dieses Konzept die Vorteile des Lernens via Internet mit denen des Lernens vor Ort. Online-Kurse gebe es in Thüringen nun im zweiten Jahr. «Und die Nachfrage wächst.»

Um Menschen auch für VHS-Angebote zu gewinnen, bei denen sie mit Lehrern und anderen Kursteilnehmer vor Ort zusammenkommen, schlägt Kränke etwa eine «Volkshochschule auf Rädern» vor. Das könne etwa ein Bus sein, der auf dem Lande unterwegs ist und in dem beispielsweise Malkurse angeboten werden. «Wir haben aber noch niemanden gefunden, der das finanziert», sagte Kränke.

Allerdings wollen und müssen sich die Volkshochschulen nach Einschätzung von Kränke und Haß nicht nur neue Formate überlegen. Auch die Themen vieler Bildungsangebote müssten sich ändern. Kurse zu Datenverarbeitungsprogrammen wie Word, Excel und Outlook seien heute kaum noch gefragt, sagte Haß. Stattdessen seien Angebote für den Umgang etwa mit Facebook und Youtube nötig.

Zudem plädieren beide dafür, die politisch-gesellschaftliche Bildung deutlich auszubauen. Auch die VHS müssten beispielsweise den Menschen helfen, eine Antwort auf die Frage zu finden, ob ihre Arbeitsplätze durch die Digitalisierung gefährdet seien. Zudem sollten Teilnehmer beispielsweise erfahren können, was mit ihren Daten geschieht, die auf einer elektronischen Gesundheitskarte gespeichert sind. (dpa)

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