Erziehungsnotstand – ein Interview: “Es sind vielfach ganz schlecht beschulbare Kinder, die in die Klassenzimmer geschoben werden”

74

WIEN. Die Bestseller-Autorin Prof. Martina Leibovici-Mühlberger beschreibt in ihren Büchern „Tyrannenkinder“, die mit Verhaltensauffälligkeiten jeden Unterricht sprengen. Im Gespräch spricht die Wiener Medizinerin und Therapeutin über die Ursachen des Erziehungsnotstands  – und was sie Schulen empfiehlt. Das Interview ist der aktuellen Ausgabe 5/2018 der Zeitschrift “Grundschule” entnommen. Titel des Heftes: “Gemeinsam erziehen – Anregungen für die Praxis, wie Sie die Unterstützung der Eltern gewinnen können”.

Hier lässt sich das Heft bestellen und lassen sich einzelne Beiträge herunterladen (kostenpflichtig).

Lehrer haben mit immer mehr “Tyrannenkindern” zu kämpfen. Foto: Shutterstock
Anzeige


Sie gehen in Ihrem neuen Buch „Der Tyrannenkinder Erziehungsplan” davon aus, dass die heutige Generation von Kindern als Erwachsene scheitern wird – wenn wir jetzt nicht gegensteuern. Woran hapert es denn?  

Leibovici-Mühlberger: Es hapert daran, dass wir Erwachsenen unsere Erziehungsverantwortung vernachlässigen, indem wir die Freiheit und vordergründige Potenzialentwicklung unserer Kinder zu stark betonen. Unser eigentlicher Erziehungsauftrag lautet, die nächste Generation „fit for life“ zu machen. Das heißt, sie in den jungen Lebensjahren so zu begleiten, dass sie Lebenskompetenz entwickeln kann. Das ist ein universeller Erziehungsauftrag, den jede Vorgeneration, jede Elterngeneration gegenüber ihren Kindern hatte. Da können Sie zurückgehen bis in unsere Anfänge.

Was das konkret bedeutet, diesen Erziehungsauftrag richtig zu erfüllen, das hat sich natürlich über die Jahrhunderte verändert. Heute würde niemand mehr auf Schwertkampf setzen, wie im Mittelalter. Wir benötigen heute natürlich andere Fähigkeiten, andere Kompetenzen. Hier stehen Teamfähigkeit, Kollaborationsfähigkeit, Reflexionsfähigkeit ganz oben – wir benötigen also Menschen, die ihr Portfolio immer wieder neu arrangieren können, die fähig sind, im Team mit Partnern zusammenzuarbeiten, egal, welcher Ethnie, welcher Kultur, welcher Religion diese Menschen angehören. Wir brauchen also weltoffene Menschen. Wenn wir ehrlich sind, so müssen wir sagen: Wir sind nicht wirklich dort. Hier mahnen uns die Pädagogen vor Fehlentwicklungen. Sie stehen täglich im Zukunftslabor Schule.

Und wenn dann eine Schulleiterin, wie bei uns in Österreich vor zwei Jahren – und das wird in Deutschland nicht anders sein –, feststellt: „Für 20 Prozent meiner Schüler halte ich es für kaum möglich, dass sie später einmal berufsfähig sind” – dann muss man das schon ernst nehmen. Und damit hat sie nicht gemeint, dass diese Kinder dumm wären, sondern dass sie beim Selbstmanagement, bei der Selbstorganisation, bei der Bedürfnisverschiebung und mit all dem, was man früher Sekundärtugenden genannt hat, große Defizite aufweisen. Es fehlt ihnen an der Basiserziehung.

Die Zeitschrift 'Grundschule'

Der Text erschien zunächst in der Ausgabe “Gemeinsam erziehen” der Zeitschrift “Grundschule”. Hier lässt sich das Heft bestellen oder lassen sich einzelne Beiträge herunterladen (kostenpflichtig).

Die Arbeit als Lehrkraft umfasst deutlich mehr Aufgaben als nur den reinen Unterricht. Zum Gesamtpaket gehört etwa die Kooperation mit den Erziehungsberechtigten – nicht selten eine enorme Herausforderung. Trotzdem: Eine funktionierende Zusammenarbeit zwischen Schule und Elternhaus ist von entscheidender Bedeutung – nicht nur für den Lernerfolg des einzelnen Kindes, sondern auch für einen erfolgreichen Unterricht. In diesem Heft bieten wir Ihnen daher Anregungen aus der Theorie und vor allem der Praxis, wie Lehrkräfte Eltern für Ihre Anliegen gewinnen können. Dabei reichen die Impulse von umfassenden Konzepten bis hin zu alltagstauglichen Tipps – und sie zeigen, dass besonders vier Aspekte für eine Erziehungs- und Bildungspartnerschaft ausschlaggebend sind.

Wie äußert sich das nach Ihrer Beobachtung in den Schulen?

Leibovici-Mühlberger: Ich leite ja auch ein Erwachsenenbildungsinstitut – wir bilden Eltern und Erziehungsberater aus. Unsere Ausbildungskandidaten für einen fünfsemestrigen Lehrgang zum Erziehungsberater sind zu 70 Prozent Pädagogen. Und diese Pädagogen berichten uns aus ihrer Alltagspraxis, ob die nun in der frühkindlichen oder in der beruflichen Bildung liegt, es herrscht Dschungelkrieg. Täglich. Der Unterricht ist von vielfachen Störungen begleitet. Wir haben auf der einen Seite die sogenannten Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Schüler, auf der anderen Seite die zunehmende Zahl der Schüler mit Autismus-assoziierten Syndromen, die durch nichts zur Mitarbeit zu bewegen sind. In der Schule herrschen hoch erschwerte Arbeitsbedingungen. Es sind vielfach ganz schlecht beschulbare Kinder, die in die Klassenzimmer geschoben werden, denen die Grundkompetenzen fehlen, sich auch nur über den kurzen Zeitraum einer Schulstunde hinweg in ein soziales System einzufügen und die eigenen Bedürfnisse zu unterdrücken. Der Pädagoge ist dann einen nicht unerheblichen Teil der Unterrichtsstunde nur damit beschäftigt, die Ausgangsbedingungen herzustellen, um dann das zu tun, was sein eigentlicher Auftrag ist: zu unterrichten.

Sie haben eben schon mal eine Schulleiterin zitiert, die eine Größenordnung von 20 Prozent der Schüler genannt hat – ist das nach Ihrer Erfahrung richtig?

Leibovici-Mühlberger: Das ist ungefähr der Prozentsatz, von dem immer wieder berichtet wird. Es hängt natürlich auch vom Schulstandort ab. Aber im Schnitt dürfte das stimmen.

Sind das Kinder aus einer bestimmten Schicht? Oder aus einer bestimmten gesellschaftlichen Gruppe? Oder geht das querbeet?

Leibovici-Mühlberger: Es geht quer durch. Es gibt ja auch eine soziale Verwahrlosung, die nichts mit mangelnden Möglichkeiten zu tun hat – etwa im Fall einer alleinerziehendem Mutter im Überlebenskampf –, wir haben auch eine Konsumverwahrlosung, bei der kein in sich gefügtes ethisches und moralisches Werte-Set vorgelebt wird. Das sind dann Kinder, die auf einem Samtpolster als bestauntes, monumentales Ereignis durch ihre frühe Kindheit kutschiert werden.

Die allermeisten Eltern dürften sich aber schon Mühe bei der Erziehung geben …

Leibovici-Mühlberger: Es gibt auf der anderen Seite auch ein Über-Engagement von Eltern. Schauen Sie, wir haben in Österreich im Schnitt nur 1,4 Geburten pro Frau (in Deutschland 1,5, die Redaktion). Das heißt, wir haben in vielen Familien ein Projektkind. Wenn das erste nicht gelingt, bleibt nur mehr 0,4 über, und das klingt nicht sehr ermutigend, nicht? Also gehen Eltern die Erziehung heute nicht mehr mit der gewissen Lockerheit und Lässigkeit an, die frühere Generationen hatten. Dazu kommt: Schon in der vorherigen Generation herrschte die Kleinfamilie vor, sodass dieses Kind oft das einzige weit und breit ist. Es gibt dann auch kein tradiertes Wissen darüber, wie man denn mit so einem Kind umgeht, wie man es begleitet. Das Kind ist dann wie eine Naturerscheinung, die bestaunt wird, und die vielfach mit angelesenem Wissen durch seine frühe Kindheit gesteuert wird. Mit einem Berg von Ratgeberliteratur. Das Kind wird natürlich sofort psychologisch getestet, früh gefördert, möglichst noch im Uterus mit einem Englischkurs bedacht. Man hat das Kind ideal zu positionieren, das fängt schon bei einer besonderen Namensgebung an. Was ich sagen will, ist, dass viele Eltern verdammt unter Druck stehen. Man kann ihnen kaum einen Strick daraus drehen – obwohl: Es gibt auch Eltern, die Kinder als eine narzisstische Selbstverlängerung sehen und instrumentalisieren, das muss man schon sagen. Aber der Großteil der Eltern liebt seine Kinder und will das Beste. Und wird dann Opfer, oft unter hohem Selbstverzicht. Ich kenne Eltern, die sich selber nichts gönnen, damit das Kind durch alle Musikkurse und alle Fördergeschichten und Einrichtungen und Privatschulen geschleust werden kann. Das Ergebnis ist dann oft trotzdem mangelhaft.

Was ist denn die Konsequenz aus Ihrer Diagnose?

Leibovici-Mühlberger: Elternbildung.

 … oder den Schulen mehr Erziehungsverantwortung übertragen?

Leibovici-Mühlberger: Den Schulen die Erziehungsverantwortung zu übertragen, das ist doch längst passiert. Den Schulen ist durch die Hintertür eine riesige Verantwortung zugeschoben worden. Als Beispiel ein echter Fall, von dem ich weiß: Ein 13-jähriger Schüler, ein schwieriger Bursche, weigert sich im Unterricht, seine Kopfhörer abzunehmen. Die Schule versucht, die Mutter einzuladen – zunächst vergeblich. Erst nach mehreren Anläufen kommt die Dame. Und sie ist höchst verärgert, weil sie sich einen halben Tag hat freinehmen müssen für diesen Termin. Die Lehrer schildern die Situation und sie entgegnet: „Was wollen Sie da von mir? Ich bin eine alleinerziehende Mutter. Ich sehe den Buben abends um halb Sieben. Erziehen müssen doch Sie ihn. Sie haben ihn den ganzen Tag.“

Was können Lehrer denn in einer solchen Situation tun?

Die Antwort auf diese Frage lesen Sie im zweiten Teil des Interviews – hier geht’s hin. 

Hier lässt sich das Heft bestellen oder lassen sich einzelne Beiträge herunterladen (kostenpflichtig).

Zur Person
Prof. Dr. Martina Leibovici-Mühlberger. Foto: Matthieu Munoz

Prof. Dr. Martina Leibovici-Mühlberger, Mutter von vier Kindern, ist Praktische Ärztin, Gynäkologin, Ärztin für Psychosomatik und trägt als Psychotherapeutin das European Certificate of Psychotherapy. Sie leitet die ARGE Erziehungsberatung und Fortbildung GmbH, ein Ausbildungs-, Beratungs- und Forschungsinstitut mit Fokus auf Jugend und Familie, sowie die ARGE Bildung&Management, ein Kompetenzzentrum für Personal- und Organisationsentwicklung mit Fokus auf humanistischer Unternehmensberatung. Die Wienerin ist Buchautorin und Verfasserin zahlreicher wissenschaftlicher Artikel. Ihr aktuelles Buch „Der Tyrannenkinder-Erziehungsplan: Warum wir für die Erziehung ein neues Menschenbild brauchen“ ist im edition a-Verlag erschienen (24,90 Euro).

Der Beitrag führt auf der Facebook-Seite von News4teachers bereits zu vielen Reaktionen:

Wie die Spaßgesellschaft den Kindern beibringt, jede Anstrengung zu vermeiden (und welche Folgen das hat) – ein Gastbeitrag

Anzeige


74 KOMMENTARE

  1. Die beschriebenen Schüler sind ein Faktum, auf das man sich mit der Unterrichtsmethodik und der Pädagogik einstellen muss.
    Diese Gegebenheiten kann man bejammern, beschreien oder wie auch immer verarbeiten, denn diese 20 % bleiben bestehen und sie sind einer heutigen sozialen Wirklichkeit geschuldet, in der vielfach beide Elternteile berufstätig sind, familiäre Trennungen stattgefunden haben, mit der Folge der Alleinerziehung. Bei Teilen der Eltern bestehen zudem keine Vorstellungen von einer Erziehung zur Eigenverantwortung der Kinder oder diese können wegen der Berufstätigkeit nicht umgesetzt werden.
    Teile der Eltern erlauben und ermöglichen ihren Kinder alles, erfüllen ohne Bedingungen jeden Wunsch ,
    wiederum andere setzen ihre Kinder einer sozialen Verwahrlosung aus, indem sie diese vor Fernsehapparaten und Spielkonsolen sozial verwahrlosen lassen.
    Hinzu kommen noch Kinder mit einem Migrationshintergrund, von denen Teile kriegstraumatisiert sind, die einen vollkommen anderen kulturellen Hintergrund haben, nicht über ausreichende Deutschkenntnisse verfügen, sowie Kinder mit diversen Lernbehinderungen.
    Aber wie begegnet unsere Gesellschaft diesem Phänomen der heterogenen Klassenzusammensetzung. Macht es da überhaupt Sinn alle diese verhaltensauffälligen Schülergruppen zusammen mit vielen anderen Risikokindern zusammen zu unterrichten oder mit Kindern die kognitive Defizite aufweisen, auditive Wahrnehmungsstörungen haben, unter geistigen Behinderungen leiden oder einfach “nur” Teilleistungsstörungen aufweisen. Verschlimmern wir nicht die Situation für alle, wenn diese heterogenen Gruppen dann noch von nicht speziell ausgebildeten Lehrern unterrichtet werden, die diese Situation einfach überfordern muss.
    Und ist eine Pädagogik des eigen initiativen und selbst erforschenden Lernens diesen Risikogruppen überhaupt zuträglich und wird diese überhaupt deren Bedürfnissen gerecht ?
    Im Moment haben wir die Situation , dass alle diese Risikogruppen zusammen mit den normalen Schülern gemeinsam unterrichtet werden, und das erfolgt in Teilen dann noch mit Methoden, die diese Schülergruppen überfordern und somit eine Eigenständigkeit verlangsamen , blockieren oder sogar verhindern.
    Individualisierung ist das Zauberwort.
    Aber hat individuelles Lernen nicht schon immer das Schülerdasein bestimmt ?w
    War das Wissen um diese unterschiedliche Lernfähigkeit nicht schon immer vorhanden?
    Und wurde dieser nicht individuell begegnet?
    Bedeuten da Stationsarbeit, Wochenarbeit ,Freiarbeit, das Bearbeiten von Lückentexten, eben dieses benannte eigenständige Bearbeiten von Stapeln von Arbeitsblättern mit einer marginale Lehrerinteraktion ein individualisiertes Lernen.
    Aktiviert man so die oben beschriebenen Risikogruppen mit autistischen , hyperaktiven Krankheitsbildern, Kinder mit kognitiven und auditiven Wahrnehmungsstörungen.
    Legt man mit dieser Methodik bei Kindern mit einer normalen oder hochbegabten Lernfähigkeit kreative Fähigkeiten frei ?
    Oder langweilen diese sich nicht unter der Bearbeitung dieser gähnend langweiligen und unterfordernden losen Blattsammlungen ?
    Ist das moderner Unterricht, der Schüler aktiviert oder entstammt diese Pädagogik nicht doch Pädagogen, die niemals oder nur wenig praktische Erfahrungen im Umgang mit eigenen Schülern gewinnen konnten?
    Diese Pädagogik wurde dann über die universitäre Ausbildung implementiert, logistisch unterstützt von Verbandorganisationen, auf die diese Hochschullehrer einen dominierenden Einfluss haben , sowie über die Schuladministration eingeführt.

    • „Diese Gegebenheiten kann man bejammern, beschreien oder wie auch immer verarbeiten, denn diese 20 % bleiben bestehen und sie sind einer heutigen sozialen Wirklichkeit geschuldet, in der vielfach beide Elternteile berufstätig sind, familiäre Trennungen stattgefunden haben, mit der Folge der Alleinerziehung. Bei Teilen der Eltern bestehen zudem keine Vorstellungen von einer Erziehung zur Eigenverantwortung der Kinder oder diese können wegen der Berufstätigkeit“

      @Avl: Ich selbst bin in den 70 er Jahren geboren und meine beiden Eltern waren vollzeitberufstätig. Damals nannte man solche Kinder wie mich „Schlüsselkinder“. Wir waren zu dritt zu Hause und das Geld war stets knapp. Trotzdem ist es meiner Mutter gelungen, uns eine ordentliche Erziehung angedeihen zu lassen und sie hat unsere Hausaufgaben kontrolliert und wenn es denn sein musste mit uns gelernt.
      Ich finde es ist eine tolle Ausrede, dass man alles auf die Doppelberufstätigkeit der Eltern schiebt. Ich glaube es liegt eher daran,dass meine Generation schon zu der Generation gehörte in der viele verwöhnte Einzelkinder aufgewachsen sind, die heute wiederum als egozentrische Erwachsene das nötige Prestigkind bekommen, weil dass doch zum Glück dazugehört. Doch auf ihre Selbstverwirklichung nicht verzichten wollen.
      Kindererziehung ist müselig und unbequem. Man wird von der eigenen Brut eben nicht immer geliebt, vor allem wenn man Grenzen einfordert. Da ist es doch einfacher die lieben Kleinen gewähren zu lassen und die Erziehungsaufgaben den Institutionen auf das Auge zu drücken. Und der Staat verstärkt das alles noch in dem er das Schulsystem aufweicht und die Eltern immer mehr von ihrer Verantwortung freispricht.
      Und das erlebt man dann nicht nur in der Schule und in der Kita, sondern auch in Sportvereinen.
      Die Deutschen jammern auf hohem Niveau und das Erziehungsverhalten wie auch die Aufweichung der Unterrichtsarbeit in den Schulen zugunsten der Erziehung wird uns spätestens in 10 Jahren ins Gesicht schlagen.
      Gut das es auch moch Eltern gibt, die einen verdammt guten Job machen.

      • @ Olle Schachtel,

        so “oll” sind Sie ja dann anscheinend gar nicht. Ich stimme Ihnen zu, im Osten sollen bis zu 90% der Mütter berufstätig gewesen sein. Kinder wurden trotzdem erzogen, aber manchmal misslang es auch dort. In den Schulen herrschte noch ein gewisser Respekt vor den Lehrpersonen, aber nicht vor jedem.

        Ich meine auch, wie schon an anderer Stellen, dass man heutige Erziehungs- und Verhaltensprobleme nicht auf die Berufstätigkeit beider Elternteile schieben kann; wohl aber auf heutige Erziehungsideale und den Umgang mit Verhaltensproblemen.

      • @Olle Schachtel
        Meine Eltern waren auch beide berufstätig. Meine Mutter studierte nach der Trennung noch das Grundschullehramt und hatte das “Glück” mit den 68er Studenten zusammen studieren zu dürfen, obwohl wir 5 Kinder zu Hause waren, die sie dann auch noch alleine großziehen musste. Und entsprechend waren wir auch nicht finanziell auf Rosen gebettet. Und auch ihr gelang es, obwohl sie alleinstehend war, beruflich erfolgreich zu sein , wie auch wir Kinder.
        Es hängt eben stark vom Elternhaus ,deren Unterstützung , Forderung zu Leistungsbereitschaft und deren Vermittlung von Sekundärtugenden ab, ob man sich
        erfolgreich selbst verwirklicht. Da gehört die Entwicklung einer eigenständigen Lernkultur hinzu, um die in sich gesetzten Ziele zu erreichen.
        Lernen ist nicht immer mit Spaß verbunden, und faul sein ist jedem Menschen inne.
        Es ist teilweise ein langer Weg zur Entwicklung einer kontinuierlichen Arbeitshaltung des eigenständigen, und nachhaltigen Lernens. Wer sich diese Haltung nicht erarbeitet, um Zusammenhänge tiefgreifend und nachhaltig sich anzueignen, der scheitert oder er/sie/es arbeitet eben auch später oberflächlich. Möchte man von derartigen Charakteren abhängig sein ?
        Diese Arbeitshaltung gilt eigentlich für alle Berufsfelder. Ich bin froh, dass es sehr gut ausgebildete Handwerker gibt, die genauso gewissenhaft ihren Berufen nachgehen.

    • “… sie sind einer heutigen sozialen Wirklichkeit geschuldet, in der vielfach beide Elternteile berufstätig sind,”
      Aber wurde uns nicht immer gesagt, dass in anderen Ländern diese doppelte Berufstätigkeit gang und gäbe ist und sich keineswegs negativ auf die Kinder auswirkt? War das nicht so in Frankreich, Schweden, Finnland usw., auch in der DDR ? Eigentlich hätte diese Phänomene in diesen Ländern schon früher auftreten müssen. Ist das so?

  2. Nein, ma muss sich als fach- und Klassenlehrer nicht auf diese Klientel einstellen. Das ist Aufgabe von Sozial- und Sonderpädagogen. Von mir aus übernehme ich als Fachkraft die Rolle des “assistent teachers”, der fachliche Inhalte an die Schülerschaft vermittelt, wenn die anderen Spezialisten das dafür vorgesehene Setting mit den Schülern umgesetzt haben. Sprich ich unterrichte, wenn die Pädagogen dafür gesorgt haben, dass die Schüler aufnahmebereit sind. Ich persönlich bin nicht bereit personalisierten Unterricht vorzubereiten geschweige denn abzuhalten.

    • Das sollen und brauchen Sie auch nicht. Sie sollten aber authentisch bei den Schüler rüberkommen und ihre Emotionalität mit einbringen um die Schüler zu motivieren.

    • “Ich persönlich bin nicht bereit personalisierten Unterricht vorzubereiten geschweige denn abzuhalten.”
      Der Lehrermangel wird dazu führen, dass dennoch weiterhin ausreichend Stellen vorhanden sind.
      In den Erlassen steht wahrlich etwas anderes!

      Man muss sich als Klassenlehrkraft auf dieses Klientel einstellen, je jünger die Kinder sind, um so mehr. Niemand erwartet, dass die Lehrkraft den Kindern hinterher läuft, aber man muss genau diesen Kindern und diesen Zuständen irgendwie begegnen.
      Unbegreiflich bleibt aber, warum die Zustände allseits bekannt sind, und dennoch von Seiten der Politik keine Bemühungen ergriffen werden, sondern Schulen damit allein gelassen sind.

      Hinterher ist das Gejammere wieder groß, dass die Kinder nicht genug können würden. Das Schulsystem auf Sparflamme ohne Förderung, ohne Lehrkräfte, ohne Fachkräfte unterstützt diese Prozesse zunehmend. Bildung ist eben nur wichtig, solange es nichts kostet.

      • “Bildung ist eben nur wichtig, solange es nichts kostet.”
        Prinzipiell stimmt das natürlich — leider. Aber was die Disziplin in Schulklassen betrifft, so kostet die ja kein Geld, und deren Abschaffung hat keins eingebracht. Zu meiner Schulzeit gab’s in der Grundschule Disziplin (den Lehrern war zu gehorchen, ohne Rohrstock), und irgendwann danach ist es eingerissen, dass man darauf verzichtet hat. Man hat den Kindern immer mehr Freiheiten eingeräumt, die sie dann z.B. auch über Gebühr ausgenutzt haben. Oft wird ausgelotet, wie weit man mit den Unverschämtheiten gehen kann, gerade auch von solchen Kandidaten, die zu Hause nichts dürfen. Entsprechendes gilt auch für das Einfordern von bestimmten Leistungen. Das betrifft wieder das leidige Stichwort “Kuschelpädagogik”.

        • @Cavalieri
          Wir waren deutlich disziplinierter als die heutige Jugend, da man in Elternhäusern teilweise sehr altpreußische Erziehungsmethoden pflegte und man sich diesen nur durch befriedigende Leistungen entziehen konnte.
          Da hat dann sicherlich mancher Lehrer nachgeholfen, die Ergebnisse der schwächeren Schuler durch Nachhilfen zu verbessern, um sie vor Repressionen des väterlichen Rohrstocks oder des Gürtels zu schützen.
          Es gab bei uns Schüler, die von Hause aus diesem Regime ausgesetzt waren, und so halfen auch wir diesen.
          Von Lehrerseite habe ich aber derartige Züchtigungen nicht erfahren. Ein blauer Brief war schon Warnung genug.

          • Und das wünschen Sie sich zurück?

            Dazu:
            Ihre Lehrer hätten damals den SuS geholfen, damit sie keine Prügel beziehn, gleichzeitig vertreten Sie aber die Meinung, Lehrkräfte müssten sich nicht auf das Klientel einstellen?

          • Das klingt aber schon etwas pessimistisch und spekulativ dazu: Der Mensch verhält sich nur dann diszpliniert, wenn es andernfalls Prügel befürchtet. Mit guten oder schwächeren Schülern hat das doch nichts zu tun, denke ich. Oder sind es immer nur die Schwachen, die sich in der Schule schlecht benehmen? Warum tun sie das eigentlich? Aus Protest?

          • @cavalieri – so von der Hand zu weisen ist das nicht. Gerade Kinder von Zuwanderern, die zuhause einen restriktiven Erziehungsstil genießen und zum Teil auch “Prügel” bekommen, stellen in der Schule fest, dass Verstöße gegen Regeln – aus ihrer Sicht – keine Folgen haben. Ebenso sehen sie die polizeilichen, staatsanwaltschaftlichen sowie gerichtlichen Maßnahmen nicht als Strafe. Für viele von ihnen gehört die Jugendstrafe in der Adoleszenzphase zum Erwachsen- bzw. Mann-werden dazu.
            Das, was nicht gesehe wird, sind die indirekten Konsequenzen, wenn zu einem späteren Zeitpunkt ein Führungszeugnis vorgelegt werden muss oder Polizisten bei Kontrollen genauer hinsehen, da es schon etliche Einträge in POLIS gibt, Gerichte auch bei kleineren Vergehen im späteren Erwachsenenalter härter strafen, weil es eben eine ellenlange Jugendgerichtsakte gibt. da bleibt dann für viele nur das Abtauchen in der Community – aka Parallelgesellschaft -, die nicht immer ganz legale Finanzierung des Lebensunterhaltes und natürlich die große Geste, der Vorwurf an die Mehrheitsgesellschaft, die rassistisch sei usw. usf.
            Gerade bei Zuwanderern aus dem arabischen Raum fällt mir dies auf, genauso ihr Verhältnis zu Wahrheit und Fiktion., begnadete Märchenerzähler. – Hilft nur nicht bei der Klärung von Sachverhalten.

          • Natürlich wünscht sich niemand einen derartig autoritären Erziehungsstil zurück, ich am wenigsten.
            Ich habe nur beschreiben wollen, dass die Zeiten sich geändert haben. Selbstdisziplin kann man auch auch auf andere Weise vermittelt bekommen durch das Erlernen regelmäßigen Aufarbeitens des Unterrichtstoffs, so wie ich undandere Kinder dies bereits damals erlernt haben.

          • Und dickebank kann ich auch nur zustimmen, denn er beschreibt eines der Probleme mit dem Teile der Jugendlichen zu tun haben.
            Man schlägt keine Kinder, weil man ihnen falsche Sanktionsmaßnahmen und Konkliktlösungen vorlebt.

          • dickebank: “Kinder von Zuwanderern, die zuhause einen restriktiven Erziehungsstil genießen …”
            Solche Feststellungen finden sich auch in Artikeln des schon mal genannten Prof. Toprak (selbst aus der Türkei stammend):
            “Es konnte eindeutig belegt werden, dass beispielsweise Jugendliche türkischer und ex-jugoslawischer Herkunft zwei bis drei Mal häufiger von elterlicher Gewaltanwendung betroffen sind als die anderen Jugendlichen. Das heißt: Gewaltanwendung in türkischen und ex-jugoslawischen Familien ist ein verbreitetes Mittel, um Kinder und Jugendliche zu disziplinieren.”
            Quelle vom Familienministerium (Seite 10 oben):
            https://www.bmfsfj.de/blob/74636/98ae887759a6e22eef9eff0cead54454/gewaltphaenomene-maennliche-muslimischen-jugendliche-data.pdf
            Aber man scheint es bei uns seit 50 Jahren nicht für nötig zu halten, wirksam darauf zu reagieren. Nicht einmal Gegenpropaganda wird gemacht (“hört auf, eure Kinder zu verprügeln”, “macht Schluss mit diesem Männlichkeitswahn im Namen der sogenannten Ehre”). Stattdessen gelten solche Sätze wie oben eher als “Hetze gegen Minderheiten”, und das aggressive Verhalten dann auch der Jugendlichen soll einfach hingenommen bzw. schöngeredet werden. Toprak hat meiner Erinnerung nach mal gefordert, die türkischen Kinder in der Schule autoritärer zu behandeln, weil sie das erwarten würden. Was tun?

  3. @Palim
    Sie fragen AvL: “Und das wünschen Sie sich zurück?”
    Es ist billig, so zu fragen. Genauso billig wäre die Rückfrage an Sie: “Und so, wie es heute ist, wünschen Sie sich das also?”
    Es ist doch klar, was AvL meint. Bei Ihnen ist mir allerdings vieles nicht klar. Außer Ihrem ewigen Fordern von mehr Personal für die Schulen, was zumindest kurz- und mittelfristig Utopie sein dürfte, kenne ich so gut wie nichts von Ihnen, was Sie geändert haben wollen. Höchstens noch etwas Bürokratieabbau.
    Für mich ist klar, dass den Schulen bzw. Lehrern mehr Macht gegeben werden muss, die Schüler auch zu erziehen, auch mit Sanktionen, ohne dass sich die Lehrer hinterher für jeden Krümel rechtfertigen müssen und darum lieber wegsehen.
    Kinder verachten Erwachsene, die ihnen gegenüber Ohnmacht und Sich-nicht-Trauen ausstrahlen. Sie fühlen sich bei solchen Erwachsenen noch nicht einmal wohl. Erwachsene sollen in ihren Augen Führungspersonen sein, die entscheiden und auf die sie sich verlassen können, die notfalls auch zu etwas zwingen, wenn der innere Schweinehund zu groß ist. Hampelmänner und -frauen sind bei Eltern ebenso wenig gefragt wie bei Lehrern.
    Selbstbestimmtes Lernen mit der Degradierung des Lehrers zum willfährigen Lernhelfer ist nichts anderes als Drückebergerei vor der Verantwortung Erwachsener zum Erziehen. Dem Ganzen dann noch wohlfeile, euphemistische Aufkleber zu verpassen, so als handle es sich bei dieser Erziehung der Kinder zu Tyrannen um etwas Wunderbares, schlägt dem Fass den Boden aus.

    • Wer die guten alten Zeiten beschwört und sich derart dazu äußert, wird eine Rückfrage verkraften können. Selbst cavalieri hat angemerkt, dass der Beitrag missverständlich ist.

      Sie meinen, die Forderung nach mehr Personal sei eine Utopie?
      Ist es weniger utopisch, als Lehrkraft wegzusehen, sich nicht auf Kinder einstellen zu wollen, Leistungen ab dem ersten Schultag abzurufen ohne auf die oben beschriebene veränderte Kindheit bzw. Erziehung und die mangelnden Grundkompetenzen einzugehen?
      Wo ist dabei die Rolle der Lehrkraft als Führungsperson, wenn sie vermitteln: “Du bist dumm und benimmst dich schlecht, deshalb bin ich nicht deine Lehrkraft!”
      Als Lehrkraft hat man die Aufgabe, sich um die Kinder zu kümmern, die einem in die Klasse gesetzt werden. Da kann man sich hinterher über die Tyrannen aufregen oder den Kopf schütteln, aber es ist die Aufgabe, auch diesen Kindern einen Zugang zum Lernen zu ermöglichen UND ihnen Grenzen zu setzen – für die Kinder und für alle anderen, die mit im Raum sind. DAS hat dann tatsächlich etwas mit “Führungsperson” oder “Persönlichkeit” zu tun, denn ansonsten könnten sich Schulen ja lediglich die Begabtesten herauspicken und die anderen gleich nach Hause schicken. Dafür braucht es dann aber keine “Lehrer” oder “Führungspersonen”, denn diese Kinder sind ja schon erzogen und lernbereit und können vieles selbstständig erreichen.

      Gleichzeitig ist es m.E. die Aufgabe des Landes, in den Schulen die Bedingungen so zu gestalten, dass die gestellte Aufgabe auch bewältigt werden kann. Wenn also mehr Kinder Krankheiten, Beeinträchtigungen, Lernschwierigkeiten, mangelnde Grundkenntnisse oder Schwierigkeiten im sozial-emotionalen Bereich mitbringen, braucht es für diese zusätzlichen Aufgaben zusätzliche Zeit – längere Schulzeit oder mehr Förderung durch mehr Personal, multiprofessionell Teams.
      Die “gute alte Zeit” hatte also offenbar andere Kinder als heute, sodass das heutige System anders aufgestellt sein oder werden muss als früher.

    • Desweiteren kann ich bei selbstbestimmtem Lernen nicht erkennen, dass die Lehrkraft “zum willfährigen Lernhelfer” würde. Das ist Ihre Interpretation! “Verstecken” kann man sich bei jeder Methode. Auch das Abarbeiten eines Lehrwerkes kann fernab von Erziehung und Verantwortung geschehen.
      Selbstbestimmtes Lernen und die Begleitung desselben muss nicht unabhängig davon sein, dass Lehrkräfte “führen”, dass sie Forderungen aufstellen oder die Kinder herausfordern.
      Es hat auch nichts damit zu tun, dass man Kinder sich selbst überlassen würde oder dass man sie nicht erziehen würde. Wer das behauptet ist entweder unwissend und sollte sich besser informieren oder nutzt derartige Aussagen als Provokation oder Diffamierung.

      • @Palim
        Sie setzen auf eine eigeninitiative und selbsterforschende Vermittlung der Grapheme und des Leseerwerbs durch die Schüler in der Schuleingangsphase, andere Lehrer setzen dem die strukturierte Vermittlung der Grapheme in den ersten beiden Schuljahren entgegen.
        Ihre Methodik birgt die Gefahr in sich, dass die Schüler eigene Regelwerke zur Verschriftlichung von eigenen Texten entwickeln, die eine wichtige Bedeutung der Kommunikation für den Schüler darstellen soll.
        Die Gegenseite sieht sich in der Pflicht möglichst schnell die Hauptgrapheme linguistisch-silbiert zu vermitteln, als Vorraussetzung für die Entwicklung eines eigen sicheren Schriftsprachverkehrs mit Hilfe orthographischer Schreibregeln einer “Erwachsenschrift”.
        Sie sehen von vornherein eine sinnstiftende Mitteilung im Schrift- und Leseverkehr und ihre Seite betont diese Bedeutung.
        Die Gegenseite betont eine automatisierende , nicht unbedingt sinnentnehmende Leselernmethodik, um silbierte Schriftsequenzen im schnell arbeitenden Langzeitspeicher zu hinterlegen.
        Ihre Methodik stützt sich auf den langsamen Arbeitsspeicher des Gehirns,
        dem unter ihrer Methodik die Dechiffrierung und die Sinnentnahme gleichzeitig zugemutet wird. Dadurch erlernen nach ihrer Methodik Kinder sehr viel langsamer ein automatisiertes Lesen, während nach Intra-Akt-Plus-Konzept und Kieler Leseaufbau der Arbeitsspeicher zur Sinnentnahme alleine Verwendung findet und die Leseförderung strukturiert erfolgt mit der Möglichkeit der individuellen Anpassung oder dem aktiven Arbeiten in der Gruppe.

        • “@Palim
          Sie setzen auf eine eigeninitiative und selbsterforschende Vermittlung der Grapheme und des Leseerwerbs”
          Nein.
          SIE unterstellen mir das unentwegt, weil ich mehrfach die Vorteile beim Schreiben mit der Anlauttabelle erläutert habe.

          UND SIE teilen Lehrkräfte in zwei Lager ein, die es so gar nicht gibt – siehe Fibelmaterialien, die generell MIT Anlauttabellen vertrieben werden und immer auch die Möglichkeit bieten, Freies Schreiben oder Schreiben mit Anlauten einzusetzen. Ebenso, wie es nicht “rein analytisch” und “rein synthetisch” gibt, gibt es auch nicht “allein LdS” oder “allein automatisierender Lehrgang “.

          Ich bemühe mich zu vermitteln, dass es Methodenvielfalt gibt und braucht bei einer heterogenen Schülerschaft, dass es verschiedene Möglichkeiten zur Vermittlung geben muss, an deren Ende die gut vorbereiteten Kinder wie auch die Kinder ohne Grundkompetenzen Lesen und Schreiben erlernt haben.
          Wie wollen Sie denn in einer heterogenen Klasse mit und ohne Beeinträchtigten die von Ihnen bevorzugten Materialien einsetzen, wenn Kinder nach kurzer Übung die geforderten Leistungen erbringen, während andere dies nach mehreren Wochen noch immer nicht leisten können? Lassen Sie dann die einen still auf dem Stuhl warten, bis alle anderen soweit sind?
          Oder lassen Sie die, die es immer noch nicht können, in der Ecke sitzen? Oder reden Sie sich ein, dass die Kinder mit Beeinträchtigungen in Ihrer Klasse nichts zu suchen haben und es deshalb nicht Ihre Aufgabe ist, ihnen etwas zu vermitteln … und warten ab, was mit den Kindern passiert, die dem Unterricht schon nach kurzer Zeit nicht mehr folgen können?
          Wie sieht sie denn aus, die “Möglichkeit der individuellen Anpassung oder dem aktiven Arbeiten in der Gruppe”, wenn 1 Lehrkraft für eine große Klasse zur Verfügung steht?

          Sie unterstellen Lehrkräften, die differenziert arbeiten, unterlassene Hilfestellung, bieten aber neben den Namen von Konzepten keine konkreten Hinweise auf Unterricht in heterogenen Klassen.
          Wo ist also in Ihrem Konzept die Berücksichtigung der unterschiedlichen Ausgangslagen?

          • Sie verteidigen aber unentwegt die Methoden des Herrn Brügelmann und kritisieren die Gegenposition des strukturierten Schriftspracherwerbs , der gerade den Risikogruppen hilft, sich Schreibstrategien anzueignen.

          • Das entspricht dem, was Sie lesen und glauben wollen.

            Wenn ich schreibe, dass es verschiedene Methoden braucht, lesen und glauben Sie, dass ich Brügelmann verteidige.
            Wenn ich schreibe, dass es Vorteile beim Schreiben mit der Anlauttabelle gibt, lesen, glauben und behaupten Sie, dass es sich durchgängig und allein um LdS und “eigenitiativen…(was sie immer schreiben)” Unterricht handle und alle Kinder sich selbst überlassen wären.
            Wenn man Ihnen schreibt, dass ganze Regionen weder Sommer-Stumpenhorst noch Tinto noch LdS kennen, … weiß ich nicht, was sie daraus lesen, glauben tun Sie es nicht.

            Bei Ihnen hat man stets die Befürchtung, dass Sie selbst die schlechten Ergebnisse in Mathe und die Unkenntnis von christlichen Feiertagen bei eigentlich christlichen Kindern auf einen angeblichen Einsatz von LdS zurückführen werden.
            Dieses Schwarz-Weiß-Denken habe ich mehrfach moniert…

            … und konkrete Hinweise zum Unterricht in heterogenen Klassen erwartet.

          • Fragen Sie einfach mal bei Vertretern der Buchverlage nach, wo die jeweiligen Lehrwerke in ihrer Region Anwendung finden und bisher fanden. Ich habe mich erkundigt. Und Feedback habe ich hier sehr viel von Betroffenen erhalten.

          • Ich muss gar nicht bei Vertretern nachfragen, sowas wird in Verbundkonferenzen (gemeinsam mit Vertretern der umliegenden Grundschulen) besprochen.
            LdS kennen die Lehrkräfte womöglich aus den Medien, da dies ja immer wieder hoch gespielt wird, Sommer-Stumpenhorst ist unbekannt.
            Gleiches haben andere Grundschullehrkräfte auch schon geschrieben, aber das entspricht offenbar nicht dem, was Sie lesen oder glauben wollen.

            Wie neulich schon angemerkt haben alle Lehrwerke inzwischen Anlauttabellen, sodass jede Lehrkraft selbst überlegen kann, wie stark sie diese in den Unterricht einbringen möchte.

  4. Der PRIMÄRE Erziehungsauftrag – gesetzlich festgeschrieben – liegt zunächst bei den Eltern. Sie haben die Pflicht, ihren Kindern wesentliche Werte und Verhaltensnormen vorzuleben und zu vermitteln. Die Schule kann das nicht auch noch leisten. Eltern, die meinen, die Erziehung ihrer Kinder an die Schule delegieren zu können, handeln m.E. verantwortungslos. Statt solche Eltern, wie ein lächerlicher Bittsteller, zur Kooperation animieren zu müssen, wünschte ich mir Instrumente, um eben diese Kooperation einfordern zu können. Lehrer sind keine Erziehungsdienstleister! Die Schulen müssen sich hier klarer positionieren!

    • Im Grundsatz haben Sie Recht. Aber was ist mit diesen Sätzen hier aus dem obigen Artikel:
      “Was das konkret bedeutet, diesen Erziehungsauftrag richtig zu erfüllen, das hat sich natürlich über die Jahrhunderte verändert. […] Wir benötigen heute natürlich andere Fähigkeiten, andere Kompetenzen. Hier stehen Teamfähigkeit, Kollaborationsfähigkeit, Reflexionsfähigkeit ganz oben – wir benötigen also Menschen, die ihr Portfolio immer wieder neu arrangieren.”
      Sollen also die Eltern jetzt das “Portfolio neu arrangieren” oder ihre Kinder dazu anhalten? Ich wüsste gar nicht, was damit gemeint ist. Und von bildungsfernen Eltern kann man das ja wohl erst recht nicht erwarten.

    • Sehe ich auch so!
      Und um auf die obigen letzten 30 Texte einzugehen. Wir wurden als Kinder nicht geschlagen. Meine Eltern haben aber Grenzen eingefordert und uns nicht schon ab dem 2 Lebensjahr stets nach unserer Meinung gefragt. Wurde etwas angedroht (…wenn du nicht aufhörst, dann verlassen wir den Spielplatz etc. ) wurde es auch durchgezogen.
      Die Kinder waren nicht die wichtigsten Hauptpersonen und sie wurden auch nicht ständig übermäßig gelobt.
      Wir wurden ernstgenommen in unserer Persönlichkeit und uns wurde zugemutet abzuwarten.
      Das alles beobachte ich bei vielen Familien nicht mehr. Das hat nach 6 Jahren Erziehungszeit Konsequenzen, die man an einigen Schulvormittagen nicht auslöschen kann.

  5. Ebenso halte ich es für erforderlich, dass Kinder erst dann eingeschult werden können, wenn sie über basale Verhaltensnormen verfügen (Stichwort “Schulfähigkeit”)!

    • Und was ist mit den Kindern, die im Alter von 6 Jahren diese nicht erreicht haben?
      Wann sollen die eingeschult werden?

      • Ein Jahr später und den Eltern soll das Sorgerecht entzogen werden, weil die in der Erziehung ihrer Kinder massiv versagt haben. Gleichzeitig soll die KiTa einen auf den Deckel kriegen, weil die das dem Jugendamt nicht frühzeitig mitgeteilt haben.

        Ach ja: Kindergartenpflicht für die beiden Jahre vor der geplanten Einschulung. Diese beiden Jahre sollen dann zumindest vormittags kostenlos für die Eltern sein. Davor gerne alles kostenpflichtig.

        • Wie viele Kinder nehmen Sie denn unentgeltlich in Ihrer Familie zur Pflege auf und sorgen dann innerhalb eines Jahres dafür, dass das Kind die Schulreife erlangt?

          • Ihre Argumentation, Palim, hat etwas Zerstörerisches. Sie stellen höhnische Gegenfragen, machen die Argumente anderer lächerlich und haben selbst doch nur die gebetsmühlenartige Forderung als angebliche Problemlösung anzubieten : Wir brauchen mehr Personal in den Schulen!
            Muss auch mal etwas am Stil geändert werden, um dem im Artikel beschriebenen Erziehungsnotstand zu begegnen oder ist das dann gleich wieder ein Rückfall in die “böse” alte Zeit, in trügerische Nostalgie und geschönte Erinnerung?
            Sie monieren angebliches “Schwarz-Weiß-Denken”, wenn jemand eine klare Position vertritt. Ich moniere, dass Sie genau das Gegenteil tun, mehr relativieren, kleinreden und vernebeln als mal klar Stellung zu beziehen zu dem, was bildungspolitisch und methodisch (außer zu wenig Hilfskräften) im Argen liegt.
            Sich nur mit mehr Geld für Grundschullehrer, mehr Personal an den Schulen und einem gewissen Abbau von Bürokratie einzubringen und ansonsten alle, die mehr oder anderes an Meinung vorbringen, mit rhetorischen Fragen und Seitenhieben in ein schlechtes Licht zu rücken, genügt nicht.

          • Möchten Sie Ihre Andeutungen konkretisieren, damit man diese einschätzen kann?
            Was liegt denn bildungspolitisch im Argen, wenn Kinder mit Beeinträchtigungen unterschiedlichster Art und fehlenden Grundvoraussetzungen eingeschult werden? Welche andere Lösung soll es dafür geben?

            Wie soll der Erziehungsstil der Eltern geändert werden? Gibt es dazu Ansätze? Es gibt “Elternschulen” und Programme für Eltern im Kleinkindalter und später. Diese sind bisher aber freiwillig. Eltern, die sich ohnehin kümmern, besuchen diese Kurse, andere Eltern nicht.
            Soll es für diese Eltern die verbindliche Teilnahme an Seminaren geben, sobald eines der Kinder im Alter von 4 bei einer Untersuchung auffällige Befunde zeigt?
            Oder gibt es – ähnlich der Familienhebammen – Familienhilfen, die die Eltern beraten und ihnen helfen, ihren Stil zu ändern? Das gibt es schon. Es kommt aber dem Ruf nach mehr Unterstützung gleich.

            Statt bessere Bedingungenund mehr Unterstützung zu fordern, lese ich hier davon, dass man sich auf diese Kinder nicht einlassen müsse, dass es nicht die Aufgabe der Lehrkräfte sei. Wer soll sich dann um diese Generationen kümmern?
            Sie sich selbst zu überlassen, reicht eben auch nicht, denn auch diese Kinder sind bald Eltern und können ihren Kinder nicht mitgeben, was sie selbst nicht gelernt haben.

        • In der Praxis gab es genügend Beispiele für ein Fehlverhalten der Jugendämter, als man die Kinder als Vehikel zur Stabilisierung ungeregelter Familienverhältnisse mit Kindsvernachlässigung benutzte.
          Seit dem es mögliche strafrechtliche und dienstrechtliche Repressionen für Fehlentscheidungen gibt, hat sich Situation für betroffene Kinder anscheinend leicht verbessert, weil die Behörden eher intervenieren.

          • Außerdem sollten die Institutionen des Staates definitiv nicht die Erziehung der Kinder übernehmen. In einem freiheitlich-demokratischen Staat haben die Eltern das Recht und eben auch die Pflicht und Verantwortung zur Erziehung ihrer Kinder. Dass der Staat die Erziehung übernimmt kann im Sinne der Entwicklung des Menschen zu einem Individuum wirklich nicht wünschenswert sein!

          • Hier zur Erinnerung Art. 6 (2) Grundgesetz:
            “(2) Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft.”
            Aber was heißt das konkret? Wer hat jetzt versagt, wenn von einem “Erziehungsnotstand” die Rede ist?

          • Fragen der elterlichen Gewalt sind im Grundgesetz geregelt , und diese ist unantastbar.
            Der Entzug der elterlichen Erziehungsgewalt kann nur eine extreme Ausnahmesituation sein, bei schweren elterlichen Vergehen, wie sexuellem Missbrauch des Kindes , wiederholter schwerer körperlicher Misshandlung und schwerer kindlicher Vernachlässigung gerichtlich vollzogen werden.

        • Mal ein paar Daten zur “Schulfähigkeit”, denn offenbar stellen sich die meisten vor, dass es da um einzelne Kinder geht.
          Dazu gibt es ja Berichte der Gesundheitsämter, z.B. auch unseres Landkreises, zu den Untersuchungen im Alter von 4 Jahren (die gibt es auch und es gibt Hinweise an die Eltern) und zur Einschulungsuntersuchung, wie diese (von 2016):
          96% besuchen eine Kindertageseinrichtung

          5% der Kinder sprechen kaum oder kein Deutsch
          20% der Schulanfänger haben eine Beeinträchtigung des Sehvermögens, davon 12% in Behandlung
          10% haben eine Einschränkung des Hörvermögens, davon 5% in fachärztl. Behandlung

          Unterstützungsbedarf haben
          11% bei der Feinmotorik
          23 % bei der Grobmotrik
          15% bei der auditiven Wahrnehmung
          mehr als 25 % bei der visuellen Wahrnehmung
          über 30% bei der Mengenerfassung
          25% bei der Sprachentwicklung (davon ca. 8 % in Behandlung)
          19% zeigen Verhaltensauffälligkeiten

          davon waren 10% der Kinder bereits zurückgestellt und werden eingeschult,
          15% wurden 2016 zurückgestellt … und wurden 2017 eingeschult

          Wie vielen Eltern wollen Sie das Sorgerecht absprechen?
          Wo bleiben diese Kinder oder bleiben sie in den Familien?
          Und was passiert in den Schulen mit den Kindern, die trotz Wahrnehmungsbeeinträchtigung o.a. eingeschult werden?

          • Klingt für mein Empfinden ziemlich erschreckend. Die Intelligenz wird nicht getestet? Ist das nun ein “normaler” Landkreis, oder soll man sich eher “Problembezirke” darunter vorstellen? “Beeinträchtigung des Sehvermögens”, heißt das einfach “eine Brille ist nötig”? Das wäre ja eher harmlos. Aber 19 % Verhaltensauffälligkeiten, das ist heftig.

          • Kleinstadt mit ländlichem Umkreis im hohen Norden, das ist sicherlich nicht das, was Sie sich unter “Problembezirk” vorstellen und es ist erst einmal auch ein Durchschnittswert, der an einzelnen Schulen anders ausfallen kann.

            … und ich finde 25% visuelle Wahrnehmung und 30% Mengenerfassung noch viel bedenklicher.
            Diese Kinder haben Probleme Richtungen zu erfassen (Schreibrichtungen, Zahlenstrahl o.a.), was alle Bereiche betrifft, oder sie erfassen nicht einmal die 5 Punkte auf dem Würfel als Menge samt Zahlbegriff.

          • Ach so,
            die Intelligenz wird nicht getestet.
            Der Test bräuchte pro Kind 120 min,
            wobei z.T. ähnliche Wahrnehmungsbereiche wie oben getestet werden.

          • Ich kann da schlecht widersprechen. Allerdings würde ich erwarten, dass intelligente Kinder die 5 Punkte auf dem Würfel zumindest als solche erkennen (mit Umkehrschluss: es scheint viele nicht intelligente zu geben). Ein Würfel dürfte wohl in den meisten Haushalten vorhanden sein. Der Einfluss der Intelligenz wird immer unterschätzt, obwohl es doch bekannt ist, dass sie ein guter Prädiktor für schulischen Erfolg ist:
            http://www.spiegel.de/lebenundlernen/uni/intelligenz-ehrenrettung-fuer-den-iq-a-265178.html
            Das betrifft übrigens auch die echten Problembezirke: Man will die Intelligenz nicht testen, obwohl es nicht-sprachliche Intelligenztests gibt (Elsbeth Stern hat davon gesprochen), ideal geeignet für ausländische Kinder. Ich nehme an, Sprachkenntnis spielt dann einfach keine Rolle.

          • Gibt es eigentlich noch Zahlen zu den Untersuchungsergebnissen vor 10, 20 und 30 Jahren, wie sich die Kinder verändert haben ?
            Und sind die Untersuchungen immer im gleichen Sinn erfolgt.

          • Die Intelligenz will man wohl aus gutem Grund nicht testen. Vermutlich wird der IQ mit dem Wohnbezirk negativ korrelieren, d. h. je problematischer, desto niedriger, was den Autoren sofort ausländerfeindliche oder islamophobe Vorwürfe einbringen würde.

          • Ich hatte ja schon geschrieben, dass der Intelligenztest in Teilen das gleiche abbildet, wovon dann in Mittelwert gebildet wird. IQ setzt sich dann zusammen aus auditiver und visueller Warhnehmung, auch aus Anstrengunsbereitschaft und Konzentration. Ähnliches geben auch Ärztinnen an.

            Ob es vor 30 Jahren auch schon derartige Berichte der örtlichen Gesundheitsämter gab, entzieht sich meiner Kenntniss, ob man diese noch einsehen kann, auch.

            Wenn Kinder ein Würfelbild nicht erkennen, ist das zunächst einmal ein Indiz dafür, dass sie noch nie einen Würfel in der Hand hatten. Es gibt immer wieder Kinder, denen man zeigen muss, wie man einen Würfel nutzt.
            Sprachunabhängige Tests gibt es auch, immer aber wird auf gewisse Vorkenntnisse zurückgegriffen, wobei die Unkenntnis eben aufzeigt, dass Grundkenntnisse bisher nicht erworben wurden.

          • Jetzt bin ich doch irritiert. Wäre es also möglich, dass es tatsächlich an der Intelligenz (bzw. der Entwicklung derselben) hapert? Dass der Würfel 5 Augen zeigt, müsste man eigentlich sehen können, wenn man nicht blind ist oder nicht bis 5 zählen kann. Man muss nicht alles in der Hand gehalten haben. Ein Flugzeug und ein Feuerwehrauto müsste man auch als solches erkennen, auch ohne eins angefasst zu haben.
            Mir fällt zudem auf, dass im obigen Artikel eigentlich von anderen Defiziten die Rede ist als von denen, die Palim gestern um 21:40 aufgelistet hat, nämlich bei “Selbstmanagement, bei der Selbstorganisation, bei der Bedürfnisverschiebung”. Auch gibt’s das Stichwort “Tyrannenkinder”. Wie passt das alles nun zusammen?

  6. @Palim
    Wie erklären Sie sich diese auffälligen Schwächen der heutigen Kinder? Wurden die früher nur nicht gemessen und dokumentiert oder sind sie in den letzten Jahrzehnten vom Himmel geprasselt, obwohl doch keine Reform gescheut wurde, um alles moderner, fortschrittlicher, kindgemäßer, demokratischer, sozial kompetenter und nicht zuletzt bildungsgerechter zu machen?
    Ist da nichts bildungspolitisch hausgemacht, sondern alles nur von fremder Seite und belastende Umstände gekommen?
    Hausgemachte Fehlentwicklungen aufs Korn zu nehmen und zu korrigieren, ist doch sinnvoller als in falschen Bahnen fortzufahren und weil die schlecht funktionieren, nach mehr personeller Hilfe zu schreien, die Mangelware ist und nun mal nicht zur Verfügung steht.
    “Zu wenig Personal” stimmt bis zu einem gewissen Grad, hat aber auch den Geruch eines Feigenblatts zur Verdeckung oder Entschuldigung gravierender Fehler in der Pädagogik und Bildungspolitik der letzten Jahrzehnte. Kritik und Korrekturen auf diesem Gebiet scheinen Ihnen schwer zu fallen..

    • Der Artikel zeigt doch sehr deutlich, worin Wissenschaftler Gründe für die auffälligen Schwächen heutiger Kinder sehen. Da geht es um Kindheit und Elternhaus.
      Auch habe ich mich zum Thema “Schulreife” geäußert, die man in der Regel VOR dem Schulbesuch erlangt.
      Mir ist nicht klar, in welcher Weise Schulreformen der letzten Jahre die Schwächen von Kindern zur Einschulung bedingen sollen.

      Auch fehlen Ihrerseits konkrete und realistische Vorschläge, wie mit Kindern in den ersten beiden Klassen umgegangen werden soll, die derartige Schwächen mitbringen und zunächst Grundkenntnisse erlernen müssen, wenn sie erfolgreich mitarbeiten sollen.

      Hausgemacht ist allerdings, dass in den letzten Jahren zu Gunsten einer statistischen Zahl der Unterrichtsversorgung viele Einsparungen vorgenommen wurden: Klassen können nicht geteilt werden, Förderstunden wurden schon vor vielen Jahren abgeschafft, weitere Förderstunden werden nun gestrichen, die Sprachförderung vor der Einschlung ebenso, Zusatzbedarfe für große Klassen oder Schulen mit besonders vielen benachteiligte SuS werden nicht mehr gewährt, Inklusion wird verpflichtend umgesetzt ohne Mindeststandards zu gewährleisten, Lehrermangel bedingt in Grundschulen keinen Unterrichtsausfall, sondern ständige Vertretungssituationen etc.

      • @Palim
        Es existieren keine Vergleichszahlen zur Schulfähigkeitsprüfung vorausgegangener Jahrzehnte , um Vergleiche anzustellen, ob ein Anstieg der Risikokinder erfolgt ist.

        Andererseits haben die medizinische Diagnostik und die medizinischen und psychologischen Therapien sich auf Grund einer evidenzbasierten Wissenschaft in den letzten zwei Jahrzehnten deutlich weiterentwickelt, erfassen besser die Risikokinder, was wiederum auch auch auf eine steigende Zahl an Kinderpsychologen und Kinderärzten zurückzuführen ist, sodass wohl heute mehr auffällige Befunde erfasst werden als in den Zeiten davor.

        Woran macht man also, außer an einer verbesserten Diagnostik, einen scheinbaren Anstieg auffälliger Kinder bei den Einschulungsuntersuchungen fest, zumal die Erziehung generell auch noch zu Gunsten der Kinder, sich in die Richtung eines antiautoritären Erziehungsstil gewandelt hat ?

        • Gut, es gibt keinen Widerspruch zur meiner Erklärung eines vermeintlichen Anstiegs an Risikoschülern bei der Einschulung.

          • Ich habe nicht gesagt, dass keine Vergleichszahlen zur Schulfähigkeit existieren. Das ist Ihre Behauptung.
            Es dürften z.B. Zahlen geben, wie viele Kinder in früheren Jahren zurückgestellt wurden, wie viele Schulkindergarten-Gruppen (heißt das andernorts anders?) es gab und gibt, wie viele Kinder zur Förderschule geschickt wurden bereits vor dem Schulbesuch.
            Einschulungsuntersuchungen und -tests gibt es ja schon länger und viele Aufgaben sind gleich zu früheren. Maßstäbe zu Auswertungen werden angepasst, das stimmt, es ist aber nicht generell so, dass genauer hingeschaut wird oder mehr erwartet würde: Während früher der s-Laut im Alter von 6 sicher gebildet sein sollte, ist es heute so, dass dieser Sprachfehler noch als “gewöhnlich” in dem Alter gilt und Kinder damit nicht mehr auffällig gelten.
            Auch sprach die Ärztin unseres Gesundheitsamtes davon, dass die Maßstäbe angesichts des früheren Einschulungsalters angepasst worden seien: die Kinder müssen also weniger Vorkenntnisse mitbringen und dennoch sind mehr Kinder auffällig.
            Gleichzeitig wundern sich Lehrkräfte, dass Kinder in der Untersuchung als “nicht auffällig” gelten, obwohl offenbar Grundvoraussetzungen nicht vorhanden sind.
            Warum muss also die steigende Zahl von Risikokindern allein in der verbesserten Diagnostik begründet werden?

            Die steigende Zahl von Kinderpsychologen und Kinderärzten macht sich in meiner Region nicht bemerkbar, wohl aber die steigende Notwendigkeit von Terminen und Therapien.

            Bemerkbar ist aber eben auch, dass recht viele Lehrkräfte durchaus über ihre Beobachtungen von Kindern zur Einschulung Äußerungen tätigen und immer heutige Kinder bzw. Klassen mit früheren vergleichen. Demnach haben die Risikoschüler deutlich zugenommen.

      • Aber mit Verlaub: Früher gab es gar keine Förderstunden. noch größere Klassen (irgendwo las ich die Zahl von 50 Schülern in einer Klasse) und natürlich auch Unterrichtsausfall, wenn Lehrer krank wurden. vor der Einschulung gab’s Kindergärten, die mehr Aufbewahrungsanstalten waren. Benachteiligte SuS gab’s doch auch, z.B. die klassischen Arbeiterkinder im Ruhrgebiet, von denen so viel die Rede war. Allerdings gab’s Disziplin, und den Kindern wurden enge Grenzen gesetzt. Die Intelligenz ist insgesamt angeblich eher gestiegen als gesunken, also gab’ gerade früher Kinder mit einem IQ von 80 oder so (nach heutigen Maßstäben).
        Die Defizite müssen doch Gründe haben, die in unserer modernen Lebensweise liegen mit viel elektronischer Unterhaltung und Kommunikation, fast food, viel laissez-faire für die Kinder usw. Oder es liegt halt doch vieles an den zahlreichen Migranten aus rückständigen Ländern, deren Kinder dann tatsächlich keinen Würfel haben, keine Legosteine, keine Bilderbücher usw.

        • In den früheren Zeiten gab es aber auch einen direkten Zusammenhang zwischen guter Schulbildung und gutem Einkommen, den es heute nicht mehr gibt. Mit einem Hauptschulabschluss sind Nettoeinkommen signifikant über Hartz IV nur schwer möglich (weshalb also der Aufwand?) und auch ein Hochschulstudium garantiert bei der aktuellen Studentenschwemme nichts mehr.

          • Auch das gilt nur eingeschränkt. Zunächst gab es immer auch Krisenzeiten mit Arbeitslosigkeit und Strukturwandel (Bergbau, Werften, Kleinbauern). Und die ersten türkischen Gastarbeiter waren teils Analphabeten und fanden dennoch einen Job. Sie wollten nicht von Hartz IV leben, ihre Kinder doch wohl auch nicht. Und die Ökonomen der OECD erklärten uns doch, wir hätten zu wenige Hochschulabsolventen. Die “Studentenschwemme” kam dadurch doch erst so richtig in Fahrt.
            Das alles kann die genannten Phänomene nur teilweise erklären, die in dem obigen Artikel und die von Palim gestern um 21:40 genannten Defizite bei der Einschulung. Vorschulkinder sollen sich an Hartz IV und an Nettoeinkommen orientieren? Das kann ich nicht glauben. Wissen die, was das ist, wenn sie nicht mal bis 5 zählen können?

          • Auch Kleinkinder dürften schnell merken, dass sie im Vergleich zu anderen Kindern “kleinere” Geschenke bekommen, dass die Eltern ständig zuhause sind usw.. Wenn Eltern sich mit ihrem Hartz IV-Schicksal abgefunden haben (und damit zurechtkommen), färbt das auch auf die Kinder ab. Das andere Extrem, nämlich das Überbehüten, sofortige Bedürfniserfüllung und die extreme technische Aufrüstung, sorgt auch nicht für Schulfähigkeit.

          • “… dass die Eltern ständig zuhause sind usw.”
            Ich dachte, das Problem wären eher die Eltern, die kaum noch zu Hause sind und mit ihren Kinder daher kaum noch reden. Das wird doch oft auch hier so gesagt. Eltern ohne Job können doch wohl mit ihren Kindern zum Spielplatz gehen, ihnen Bücher vorlesen, mit ihnen Ball spielen und Würfelspiele, auch gemeinsam kindergeeignete Fernsehsendungen anschauen usw. Das kostet praktisch nichts, auch die freie Badestelle am See.

          • Dafür müssten sie sich ja aktiv mit ihren Kindern beschäftigen. Ansonsten gebe ich Ihnen recht. Wenn die Eltern ihre Kinder kaum sehen, wird das auch vielfach durch Geschenke o.ä. überkompensiert. Die Eltern meinen das noch nicht einmal böse, es rächt sich aber spätestens in der Pubertät, eher noch früher, wenn die Kinder auch in größeren Gruppen zu spuren haben.

          • Ich widerspreche mal: Kleine Kinder merken das mit den Geschenken gar nicht. Die nehmen ihre Familie in der Regel so, wie sie ist.
            Ein Bewusstsein für die (monetäre) Größe von Geschenken entwickelt sich erst im Laufe der Grundschulzeit.

            Auch haben Kinder recht wenig Einfluss darauf, wie stark sich Eltern mit ihnen beschäftigen.
            Einige Eltern der Kinder ohne ausreichend Grundkompetenzen sind viel zu Hause und kümmern sich dennoch kaum um ihre Kinder, sprechen nicht mit ihnen, animieren sie nicht, beschäftigen sich nicht mit ihnen. Diese Kinder sind so vernachlässigt, dass sie die notwendigen Grundlagen für den Schulbesuch nicht erlernen können. Es ist mir nicht klar, ob die Eltern es gar nicht wollen, weil es ihnen zu anstrengend ist, oder ob sie vielfach auch nicht wissen, wie es geht, oder beides.
            Hat man viele dieser Eltern im Umfeld, bestätigen sie sich gegenseitig selbst in ihrer Rolle… und nein, cavalieri, das sind keine Kinder von “Migranten aus rückständigen Ländern”.

            Andere Eltern der Kinder ohne ausreichend Grundkompetenzen sind auch viel zu Hause und kümmern sich unentwegt darum, dass die Kindheit optimiert wird, dass das Kind stests unterhalten wird und trainieren ein Konsumbedürfnis und -verhalten an, dass dann in der Schule nicht länger erfüllt wird.
            “Die Eltern meinen das noch nicht einmal böse” trifft es bei diesen Eltern ziemlich gut. Sie wollen das Beste für ihre Kinder und merken gar nicht, was sie wirklich machen.
            “es rächt sich aber spätestens … wenn die Kinder auch in größeren Gruppen zu spuren haben” Das nennt man Grundschule.

          • Palim: “keine Migrantenkinder”
            Okay, bei Ihnen nicht, aber hier wird schon einiges geschildert zu “Schulen mit hohen Ausländeranteil” und der “Einschulungsförderung”:
            https://www.regierung.mittelfranken.bayern.de/aufg_abt/abt5/40_2_integration_vorkurs.pdf
            Da heißt es: “Neben den sprachlichen Schwierigkeiten hatten die Kinder aber auch viele Defizite in anderen Bereichen.”
            “Oftmals sprachen sie ihre Muttersprache, die ja für das Erlernen einer Fremdsprache sehr wichtig ist sehr schlecht und hätten auch dort eine intensive Schulung gebraucht.”
            Und man schlägt unkonventionelle Abhilfe vor: “Beispielsweise ist der Hase Felix – für viele von Ihnen sicher ein Begriff – in die Türkei gereist und hat das Land vorgestellt. In diesem Zusammenhang haben die deutschen Kinder dann die türkischen Bezeichnungen für die einzelnen Farben kennen gelernt.” Dabei haben die deutschen Kinder doch auch ihre Defizite. Ob sie denn die deutschen Bezeichnungen für die einzelnen Farben kennen?

          • “Oftmals sprachen sie ihre Muttersprache, die ja für das Erlernen einer Fremdsprache sehr wichtig ist sehr schlecht und hätten auch dort eine intensive Schulung gebraucht.”

            Ich habe mich auch schon oft gefragt, weshalb ein Migrant, der ein genauso schlechtes Deutsch wie die biodeutschen Mitschüler aus derselben sozialen Gruppe, die Muttersprache der Eltern lupenrein beherrschen soll. Das macht nur wenig Sinn und wird durch dieses Zitat bestätigt.

            Den Hasen Felix finde ich vom Ansatz her sehr gut, weil auf diese Weise eine Fremdsprache gelernt werden kann. Die Sesamstraße verfährt seit Jahrzehnten ähnlich. Grenzwertig finde ich die Idee aber, wenn in Bayern, also in Deutschland, türkischen Kindern mit einem Hasen, erfunden von einer deutschen Kinderbuchautorin, korrektes Türkisch beigebracht werden soll, in der Hoffnung, dass es _anschließend_ auch auf Deutsch funktionieren wird.

          • Wenn ich aber lese, was hier bei n4t unter “Schwarze Pädagogik” so alles steht, dann muss ich doch glauben, dass es auch früher viele vernachlässigte und schlecht behandelte Kinder gegeben haben muss. Der Volksmund hatte schon immer “Heimkinder” in einem negativen Sinn gemeint. Er wusste auch, dass sie schlecht behandelt werden. Wie genau, das wusste er wohl nicht. Zumindest dieser Punkt sollte sich doch eigentlich gebessert haben, oder etwa nicht?

          • @Cavalieri
            Es entspricht einer selektiven Wahrnehmung , dass man von anderer Seite unsere früheren Mitschüler mal als besser organisiert beschreibt, dann aber die damit verbundene Erziehungsmethodik der strukturierten und eindeutigen Sanktionierung ohne Schläge verteufelt als drakonische Maßnahmen, die eine Entwicklung des Charakters verhinderten, Beides gehörte aber untrennbar zusammen.. Die Anerkennung der Autorität des Lehrers und dessen Unterstützung beim Lernvorgang waren unserer Erziehung zum selbstständigen Lernen untrennbar miteinander verbunden.
            Schwarze Pädagogik mussten nur einzelne Kinder über sich von Hause aus über sich ergehen lassen. Und diese Individuen hatten erhebliche Probleme bei Lernfortschritten in der Schule, da sie von ihren Vätern misshandelt wurden.

        • “vor der Einschulung gab’s Kindergärten, die mehr Aufbewahrungsanstalten waren.”
          Ihre Behauptung bezweifle ich, Cavalieri. Es waren eben “Kindergärten” statt “Kindertagesstätten”. Die Änderung des Begriffs ist hier mal nicht euphemistisch, sondern sehr bezeichnend.
          Trotz allen Pädagogisierens und Verschulens empfinde ich die heutigen Kitas als “Aufbewahrungsanstalten”.

      • Und was ist mit der linksideologisch bedingten und bewussten Vernachlässigung der Sekundärtugenden und des Leistungsgedankens in den Schulen seit den späten 70er-Jahren?
        Was ist mit der ständigen Schwächung der Lehrerrechte zugunsten der Eltern und Schüler?
        Was ist mit der Überbetonung der Spaßpädagogik und der unberechtigten Verteufelung allen früheren pädagogischen Erfahrungswissens als reiner Drill, stures Auswendiglernen ohne Sinn und Verstand usw.
        Gerade Sie sind doch ständige Anwältin für alles Neue und GEW-Konforme. Ich hoffe, dazu gehört nicht auch noch, die Schuld an allem Übel immer nur auf andere zu schieben.
        Klar sind Eltern in der Pflicht, aber ein Staat, der dafür wirbt, dass die Kinder am besten schon in der Krippe, dann in Kitas und schließlich in den Schulen ganztags von ihm erzogen werden, kann durch seine Staatsdiener, zu denen auch die Lehrer gehören, dann nicht behaupten, die staatlichen Institutionen (also auch Schulen) hätten mit der Erziehung nur wenig zu tun. Sie haben schon rein zeitlich mehr damit zu tun als jemals zuvor.

        • Was soll damit sein?

          “linksideologisch bedingten und bewussten Vernachlässigung der Sekundärtugenden und des Leistungsgedankens in den Schulen”
          Woran kann man das denn festmachen?
          Kinder müssen nach wie vor Leistung in der Schule erbringen.
          Man kann die Ausrichtung der Curricula kritisieren, die andere als bisherige Leistungen betonen oder zu viel Stoff in zu wenig Zeit stopfen oder durch die Aufnahme weiterer Inhalte (Grundkopmetenzen schulen!) anderes weniger beachten. Aber dass in Schulen keine Leistung verlangt würde, ist ein Märchen. M.E. sind gerade die Forderungen in der Grundschule erheblich gestiegen, da viele Inhalte aus den weiterführenden Schulen mit der Umstellung auf neue Lehrpläne in den Grundschulen gelandet sind.

          “Was ist mit der ständigen Schwächung der Lehrerrechte zugunsten der Eltern und Schüler?”
          Welche Rechte wurden denn konkret abgeschafft?
          Die Schwächung besteht m.E. nicht in den Rechten der Lehrkräfte, sondern darin, dass Eltern diese anders aufgreifen und sich selbst im Recht sehen, jegliche Erziehungsleistung, die über ihre nicht vorhandene hinausgeht, anzuzweifeln. Das verändert aber vorerst nicht das Verhalten oder die Rechte der Lehrkräfte, sondern die Wahrnehmung und den Umgang damit.

          “Was ist mit der Überbetonung der Spaßpädagogik”
          Wer betont das denn zu sehr? Wo ist das zu finden?
          Dass in den Schulen zu viel gespielt würde, ist ebenfalls eine undifferenzierte Betrachtung.
          Aber ja, wir spielen: Blitzrechnen – schult ungemein, Würfelspiele u.a. zum Training des 1+1, Eckenrechnen – sofern die Schüler ausreichend hören können, wir ziehen Wörter und erzählen damit Geschichten – das nannte man früher “Reizwortgeschichte”, Memory – um den Wortschatz zu trainiern und ganz nebenbei auch noch Feinmotorik und Raum-Lage-Wahrnehmung und Merkfähigkeit und Konzentration.
          Da ich aber die Methodenvielfalt verfecht, spielen wir nicht den ganzen Tag.

          “der unberechtigten Verteufelung allen früheren pädagogischen Erfahrungswissens als reiner Drill, stures Auswendiglernen ohne Sinn und Verstand usw.”
          Noch eine undifferenzierte Betrachtung.
          Was ist denn “alles frühere pädagogische Erfahrungswissen”? Wo beginnt das und wer grenzt das ab? Anschaulichkeit als Prinzip ist schon sehr alt und beinhaltet, dass man Kindern begreifbar macht, was sie lernen sollen.

          “Ich hoffe, dazu gehört nicht auch noch, die Schuld an allem Übel immer nur auf andere zu schieben.”
          Was erwarten Sie?
          “Klar sind Eltern in der Pflicht, aber ein Staat, … kann durch seine Staatsdiener, … nicht behaupten, die staatlichen Institutionen (also auch Schulen) hätten mit der Erziehung nur wenig zu tun.”
          Sie erwarten, dass ich mich dazu bekenne, dass Lehrkräfte mit der Erziehung von Schülern zu tun hätten? Können Sie haben: ICH erziehe! Für mich gehört der Erziehungsauftrag eindeutig mit zur Schule. Es sind andere, die das hier abstreiten und für sich verneinen.
          Grundschularbeit ist sehr viel Erziehung und sehr viel Elternarbeit, dazu eben sehr viel Arbeit daran, dass Kinder überhaupt schulfähig und lernbereit werden und die, die es bereits sind, es bleiben.
          Das geht im Übrigen konform mit früherem und neuerem pädagogischen Erfahrungswissen, mit differenzierten und methodisch vielfältigem Unterricht, mit Förderung und Herausforderung, mit Automatisierung ebenso wie mit Kreativität.
          Aber das ist ja dann gleich wieder so viel auf einmal, dass als nächstes behauptet wird, das ginge alles nicht und ich sei keine Lehrerin.

        • @Palim
          Josef Kraus: “Von der Gleichheit zur Dummheit”
          In dem Artikel können Sie nachlesen über die Ihnen unbekannte linke Leistungsfeindlichkeit und ihre Verachtung der Sekundärtugenden:
          http://www.lehrerverband.de/cicero1.htm

          Wenn Sie zu undifferenziert finden, was ich oder andere schreiben (z.B. “alles frühere pädagogische Erfahrungswissen”), ist es schwer, Ihnen mal kurz notwendiges Wissen zu vermtteln. Etwas Vorkenntnis der jüngeren pädagogischen Geschichte ist zum Verstehen schon notwendig.
          Außerdem: Ohne jede Kenntnis beschrieben Sie kürzlich die Pädagogik vor Jahrzehnten als Drill und stures Auswendiglernen.
          Was ist denn an einer solchen Aussage differenziert, geschweige denn den Tatsachen entsprechend?

          • Sie nehmen für sich in Anspruch, “differenziert” zu argumentieren? Jetzt muss ich lachen. Sie hauen hier eine undifferenzierte Platitüde nach der anderen raus, verweigern jede Konkretisierung, beschimpfen eine kompetente und reflektierte Lehrerin wie Palim als Ideologin, unterstellen ihr Ausagen, die sie nie getroffen hat – und feiern sich selbst noch als intellektuellen Leuchtturm? Wer sind Sie? Donald Trump? Pffffff

          • Wollen Sie sich nun auf die frühere oder die jüngere pädagogische Geschichte beziehen und welche Pädagogen sind Ihnen wichtig?

            Und worauf genau wollen Sie sich denn bei Herrn Kraus beziehen?

            “Natürlich brauchen wir keine sterilen Paukschulen.” schreibt er und erläutert, worum es gerade nicht geht.

            oder

            “Das Prinzip Leistung und das Prinzip Auslese sind die beiden Seiten ein und derselben Medaille. Auslese ist eine notwendige Voraussetzung für individuelle Förderung.”
            Das würde ich anders sehen oder anders definieren. Wer die Leistung nicht erbringen kann, benötigt Förderung. Wer die Leistung ohne Anstrengung erbringt, benötigt Herausforderung.
            An welcher Stelle wird Leistung verneint, wenn man Kinder angemessen fördert und herausfordert? Selbst Kraus schreibt: ” Es muss heißen: Fördern durch Differenzierung!”
            Uneins wäre ich bei der Bezeichnung von “Auslese” bei der Differenzierung. Natürlich trifft man eine Wahl, welchem Kind man auf welche Weise unterstützt, “Auslese” würde ich das aber nicht nennen.

          • Das Problem ist allerdings, dass die echten Herausforderungen für die wirklich guten Schüler überhaupt nichts mehr mit dem Lehrplan zu tun haben, weil der auf Nivellierung auf niedrigem Niveau ausgelegt ist. Wirklich fordern kann man diese Schülergruppe ohnehin so gut wie nicht, weil das untere Drittel hauptsächlich aus Verhaltensauffälligkeiten viel Zeit und Kraft bindet.

          • Das sehe ich beides anders,
            aber meine SuS sind erheblich jünger als Ihre.
            Die Begabteren können in der Grundschule durch weiterführende oder offene Aufgabenformate, Wettbewerbe oder weiteres Material durchaus herausgefordert werden. Einfacher wird es, wenn man mehrere dieser Schüler hat, die sich gegenseitig beflügeln.
            Die Schwächeren üben in der Zeit Grundlegendes.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here