Lehrer sollen bei der Identifizierung von kinderpornographischen Bildern im Internet helfen

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POTSDAM. Nach dem Fund von kinderpornografischen Bildern im Netz gestaltet sich die Ermittlungen für die Polizei oft schwierig. Nun werden Schulen bei der Suche nach den Opfern einbezogen.

Die Anonymität im Netz erschwert die Fahndungsarbeit.                                 Foto: funca88 / flickr / CC BY 2.0

Bei der Suche nach Opfern schweren sexuellen Missbrauchs können Polizisten künftig gezielt in Brandenburger Schulen nachforschen. Bei der sogenannten Schulfahndung sollen den Lehrern Bilder mit den Gesichtern von Missbrauchsopfern vorgelegt werden, um diese möglichst zu identifizieren. Innenminister Karl-Heinz Schröter und Bildungsministerin Britta Ernst (beide SPD) unterzeichneten jetzt einen entsprechend ergänzten Runderlass zur Zusammenarbeit der Schulen mit der Polizei. Die weitere Fahndungsarbeit bleibe der Polizei vorbehalten, betonte Schröter.

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In Einzelfällen werde dieses Vorgehen an Brandenburger Schulen bereits seit 2015 praktiziert, so der Innenminister. In den vergangenen vier Jahren habe die Polizei allerdings erst zweimal Mappen mit Bildern von Opfern vorgelegt, berichtete Christina Schneider, Leiterin der Grundschule «Am Pekenberg» in Zülichendorf (Teltow-Fläming). Diese Form der Fahndung sei zwar auch belastend für die Lehrkräfte, räumte Schneider ein. «Aber es ist für jeden einsichtig, dass diese Mitarbeit notwendig ist.»

Die Schulfahndung sei ein wesentlich milderes Mittel als die komplette Öffentlichkeitsfahndung mit Bildern der Opfer, betonte Schröter. «Denn dabei müssen Bilder und Hintergründe in ganz Deutschland und darüber hinaus bekannt gemacht werden.» Zudem würden die Täter bei vertraulichen Hinweisen der Lehrer nicht gewarnt. «So können die Fahnder ungestört im Umfeld der Opfer ermitteln.»

Erschwert wird diese Art der Fahndung dadurch, dass es sich meist um ältere Bilder handelt. Denn die von Beamten im Internet entdeckten Filme seien oft schon vor Jahren aufgenommen worden. «Außerdem wird die Schulfahndung wie die öffentliche Fahndung nur als letztes Mittel eingesetzt, wenn alle anderen Spuren nicht zum Erfolg führen.»

Der regelmäßig fortgeschriebene Runderlass zu «Partnerschaft Polizei und Schule» regelt seit 2002 die vorbeugende Arbeit der Polizei in den Schulen zu den Themen Verkehrserziehung und Kriminalität. Die Themen reichen von Radfahrprüfungen über Drogen- und Gewaltprävention bis hin zu kriminellen Machenschaften in sozialen Medien. Im vergangenen Jahr haben nach Angaben von Schröter daran mehr als 122.000 Schülerinnen und Schüler teilgenommen. dpa

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2 KOMMENTARE

  1. Solche Fotos, bei denen ich den Kotzreiz unterdrücken muss, sehe ich mir schon seit Jahren immer mal wieder an. Und ja, das ist auch belastend für Lehrkräfte, aber meiner Meinung nach auch notwendig.

  2. Auch bei uns gibt es solche Fahndungen bereits seit Jahren. Wir haben schon mehrmals nach den Sommerferien Bilder von Kindern uns ansehen müssen, um festzustellen, ob wir eines der Opfer kennen. Die Bilder sind zum Glück stets harmlos gewesen, trotzdem hatte ich als Mann jedesmal einen dicken Klos im Hals und Pippi in den Augen. Wenn Misshandlungen, von denen man sonst nur in Zeitungen liest, plötzlich ein Gesicht bekommen, dann ist das schon eine andere Nummer.
    Diese Fahndungen sind absolut wichtig!

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