Neuer Leitfaden für Lehrer soll Rechtschreibung der Schüler verbessern

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Bei der Rechtschreibung sind Baden-Württembergs Schüler keine Überflieger – eine Handreichung für die Lehrer soll zu besseren Leistungen der Kinder und Jugendlichen beitragen.

Gute Rechtschreibkenntnisse sind wichtig.                                                               Foto: Marco Verch / flickr / CC BY 2.0

«Richtiges Schreiben ist eine elementare Kulturtechnik und gehört wie Lesen oder Rechnen zu den Schlüsselqualifikationen», betonte Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) bei einer Fachtagung. Der sogenannte Rechtschreibrahmen soll vor allem Lehrer der Klassen 1 bis 10 bei der Vermittlung unter anderem von Groß- und Kleinschreibung, Getrennt- und Zusammenschreibung sowie Zeichensetzung unterstützen. Der VBE begrüßte das Vorhaben. «Man darf diese Angelegenheit jedoch nicht ausschließlich auf der Schule abladen», meinte der Landesvorsitzende des VBE, Gerhard Brand.

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Eisenmann reagiert damit unter anderem auf den Bildungstrend 2016 des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen. Besonders schmerzt es den einstigen Klassenprimus Baden-Württemberg, dass demnach rund ein Fünftel der Schüler nicht einmal den Mindeststandard bei der Orthografie erreicht. Der Rahmen ist ab dem Schuljahr 2018/19 die verbindliche Grundlage für den Rechtschreibunterricht im Fach Deutsch an allen allgemein bildenden Schulen. Mit rund 900 Beispielen und Hinweisen ist er dem Ministerium zufolge konkreter und ausführlicher als die Bildungspläne. Auf einen Blick zeige das Werk, wie sich die Unterrichtsinhalte über die Klassenstufen hinweg entwickelten. «Somit unterstützt er die Lehrer bei der Planung», erläuterte Eisenmann.

Der mit dem Rat für deutsche Rechtschreibung und dem Mercator-Institut der Universität Köln erarbeitete Leitfaden wird als 65-seitige Broschüre in einer Auflage von 100.000 Exemplaren veröffentlicht. dpa

Nach dem IQB-Desaster: Eisenmann nimmt auch Sek-I-Lehrer in die Pflicht, sich um Rechtschreibung zu kümmern – in allen Fächern!

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14 KOMMENTARE

  1. Wer weiß, was diese Handreichung in Konzeption und Druck gekostet hat, wahrscheinlich viel zu viel. Meiner Meinung nach reicht “Üben Üben Üben” vollkommen aus. Kostet nichts, hat in den vergangenen 1000 Jahren gut funktioniert und wird wahrscheinlich leider im Vergleich zu anderen Hinweisen in der Handreichung deutlich unterrepräsentiert sein.

    • Die Handreichung steht auch online unter https://www.km-bw.de/Publikationen (Rechtschreibrahmen)
      und ist erheblich komprimierter als das, was in Niedersachsen vor 3 Jahren herausgegeben wurde.

      Übersichtlich finde ich die Darstellung dessen, was in welchen Doppeljahrgängen Schwerpunkt ist und was BIS KLASSE 10 bearbeitet wird.
      Während die Handreichung in Nds allein den Primarbereich betrifft, sind hier Lehrkräfte aller Schulformen angesprochen und können sich selbst ein Bild davon machen, was in welchen Klassenstufen gefordert ist.

      Es wäre für alle Fächer wünschenswert, wenn Verlage auf neue Curricula und Handreichungen verwiesen und Lehrwerke darauf vor der Genehmigung überprüft würden.

  2. «Man darf diese Angelegenheit jedoch nicht ausschließlich auf der Schule abladen», meinte der Landesvorsitzende des VBE, Gerhard Brand.

    ach was, der hamburger schulsenator meint, dass mehr deutschklassenarbeiten, nämlich sechs anstatt vier pro jahr, die rechtschreibleistungen erhöhen werden: die beurteilung soll zukünftig 1/6 (vorher 1/5) der gesamtnote ausmachen. problemlösungen sind im norden manchmal beeindruckend einfach, effektiv und insbesondere frei von zusatzkosten.

    • Sind Sie sicher, dass die Zahl der Klassenarbeiten pro Jahr in den letzten 50 Jahren nie abgesenkt wurde? Sind 6 Klassenarbeiten pro Jahr nun — inhaltlich gesehen — viel oder wenig in einem Hauptfach?

      • Gemessen an früher sind es wenige.
        Ich schätze mal, “unverzagte” gehört zu jenen guten Geistern, die Klassenarbeiten, Noten, das Sitzenbleiben und auch mehr als “eine Schule für alle” ablehnen.
        Das sind für sie wahrscheinlich kinderfeindliche Folterinstrumente früherer Tage.

        • @cavalieri sie kennen sicher die aussage “vom messen allein wird die sau nicht fett” wozu also eine noch ältere waage bemühen, die letztlich auch nur viel oder weniger anzeigen wird?

          @geli hoffentlich geht es ihnen nach ihren “wahrscheinlichen schätzungen” besser, dann wäre ihr beitrag wohl gelungen.

        • Wenn sehr wenige (und dann lange) Klassenarbeiten geschrieben werden, dann hängt viel vom Ergebnis ab. Das kann nervös machen. Wenn das mehr Routine ist, kann es eher beruhigend wirken: Wenn jemand einen schlechten Tag hat, wirkt es sich nicht besonders stark aus. Wenn alle 2 Wochen ein kleiner Mathetest geschrieben würde, würde die Aufregung vermutlich reduziert und der Ärger über falsche Lösungen auch.
          Warum, meinen Sie, hat man an den Hochschulen die wenigen Abschlussprüfungen, vor denen alle Angst hatten, bei Bachelor/Master durch zahlreiche studienbegleitende Prüfungen ersetzt?

          • vermehrte prüfungen, das zu schaffende pensum, erwartungs- u. leistungsstress haben bekanntermaßen seit der bolognareform deutlich zu genommen. ein resultat daraus ist, dass jede 7. studierende gesundheitlich beeinträchtigt ist, von erhöhten suiziden ganz abgesehen. vor diesem hintergrund erscheint mir ihre frage zu gutgläubig.

            auf wen u. was zielt der appell des landesvorsitzenden g. brandt, wenn er anmahnt, sich mit forderungen nicht nur an schule (lehrkräfte, eltern etc.) zu richten, was vermuten sie?

          • @Unverzagte
            Einen Leitfaden für Orthographie würden Sie wahrscheinlich nicht umsetzen, und Ihre konsequente Anwendung einer eigenen Kleinschreibung wird ihr Übriges dazu beitragen, dass Ihre Schüler Probleme bei der Anwendung der Großschreibung haben, dabei sind die Regeln dazu einfach erlernbar, wie auch alle anderen Regeln das Schreibenlernen erleichtern.

          • “zu gutgläubig”
            Nen, nein, ich bin auch eigentlich kein Freund der Bologna-Reform. Man hat gewiss übertrieben. Aber wie war es früher? Da studierten die Leute vor sich hin, und erst beim Staatsexamen nach 10, 12, 14 Semestern gab es die erste Prüfung. Das war sicher extrem unangenehm. Daraufhin hat man eine Zwischenprüfung nach 4 Semestern eingeführt und später eine Orientierungsprüfung nach dem 2.Semester.
            Wer die bestanden hat, konnte sich besser fühlen und zuversichtlich sein. Wer die nicht bestanden hat, musste irgendwas an seinem Studium ändern.
            Stellen Sie sich vor, es gäbe nie Klassenarbeiten und dann aber Klausuren für MSA oder das Abitur. Das Resultat wäre ein eine Katastrophe, nehme ich an.

          • Ich erinnere mich, dass neulich ein Referendar oder Junglehrer über das Studium schrieb und sich genau das wünscht, was wir früher im Studium hatten: Abschlussprüfungen.

            Von Überprüfungen nur am Ende der Schulzeit hat niemand gesprochen. Den Unterricht zu verändern, indem man die Anzahl der Leistungsbewertungen erheblich erhöht (in Nds. auch), ist dennoch ein Weg, der kritisch hinterfragt werden muss, zumal Inhalte nicht reduziert wurden und Vorgaben auch die Bewertung von zeitintensiven Aufgaben fordern.

          • @i. wrobel ist es ihnen nicht unangenehm, mir derartig vermeintliche “wahrscheinlichkeiten” unterjubeln zu wollen?

            was hindert sie daran, anstatt ihrer befremdlichen annahme, eine weniger seltsame frage zu formulieren?

          • @Unverzagte
            Nein , ist es nicht.
            Durch den konsequenten Gebrauch einer Kleinschreibung macht man sich keine Gedanken mehr über den inneren Regelgebrauch und seine Anwendung. Das Ganze folgt dann einer Automatisierung und schließlich lernt man Schreiben durch die konsequente Anwendung des Schreibens. Das läuft schließlich unbewusst automatisiert, so funktioniert eben unser Gehirn.

          • @Unverzagte
            Ich hatte nicht vor Ihnen zu nahe zu treten und entschuldige mich hiermit bei Ihnen.

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