Weniger Flüchtlingskinder besuchen niedersächsische Sprachlernklassen

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HANNOVER. Jeder neunte Schüler in Niedersachsen hat einen ausländischen Pass. Doch die Anzahl der Kinder, die in speziellen Sprachlernklassen unterrichtet werden, ist zuletzt stark zurückgegangen. Weitere Sprachförderung spielt laut Kultusministerium eine wichtige Rolle.

Nach dem Zuzug von vielen Flüchtlingen in den Jahren 2015 und 2016 lernen mittlerweile weniger Schüler in Niedersachsen in Sprachlernklassen. Im laufenden Schuljahr 2017/18 werden 4114 Schülerinnen und Schüler unterrichtet, teilte das niedersächsische Kultusministerium mit. Zum Vergleich: 2016 waren es mit 9159 mehr als doppelt so viele.

 Die Zahl der Kinder in Sprachlernklassen an niedersächsischen Schulen ist weiter zurückgegangen. Foto: DFID / Flickr  (CC BY 2.0)
Die Zahl der Kinder in Sprachlernklassen an niedersächsischen Schulen ist weiter zurückgegangen. Foto: DFID / Flickr (CC BY 2.0)
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Der Rückgang um 55 Prozent ist vor allem dadurch zu erklären, dass in diesem Jahr weniger Menschen in Deutschland Zuflucht suchten als im Vorjahr. Die aktuelle Zahl entspricht damit etwa der von 2015, als 4110 Kinder in speziellen Sprachlernklassen unterrichtet wurden. Vor fünf Jahren war die Zahl noch geringer: Damals waren es 763 Kinder.

Die meisten Flüchtlingskinder verbringen maximal ein Jahr in einer Sprachlernklasse und werden dann in gewöhnliche Klassen ihrer Jahrgangsstufe eingegliedert. Danach erhalten sie, wenn nötig, noch zusätzlichen Sprachunterricht. Oft ist das intensiver Deutschunterricht in kleinen Gruppen. Insgesamt bekamen im vergangenen Jahr landesweit 44000 Kinder eine solche Förderung. Mit diesem Modell werden aus Sicht des Kultusministeriums gute Lernerfolge erreicht. Denn durch die Teilnahme am Unterricht mit Gleichaltringen verbessere sich häufig die Integration, teilte das Ministerium mit.

Meidinger für Wertekunde – aber nicht nur für Flüchtlinge

Die Landesschulbehörde unterstützt die Schulen dabei, Sprachförderkonzepte zu entwickeln. Zu dem Konzept gehört neben dem Erwerb sprachlicher Kompetenzen auch, dass Schüler soziale, methodische und interkulturelle Kompetenzen entwickeln.

Die Lehrer üben mit Schülern die deutsche Sprache oft auch mittels Rollenspielen, kleinen Vorführungen und handlungsorientiertem Unterricht. Viele Schulen setzen zudem auf alternative Methoden, um den Kindern das Deutschlernen zu erleichtern: Theaterprojekte, Lernen mit musikalischen Elementen und Kooperationen mit nicht schulischen Partnern gehören dazu.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) forderte mehr Stellen für Lehrer in der Sprachförderung. GEW-Landesvorsitzende Laura Pooth sagte: «Die Landesregierung hat bei der Einrichtung von Sprachlernklassen schnell und umsichtig gehandelt. Doch für einen erfolgreichen Übergang in die Regelklassen braucht es weitere Maßnahmen, für die schlicht die Fachkräfte fehlen.» Diesen Bedarf müsse die Landesregierung anerkennen und rasch alle Hebel in Bewegung setzen, um die Ressourcen zu schaffen. Die Belastung der Beschäftigten in den Schulen sei schon jetzt enorm, sagte Pooth.

Im Moment hat etwa jeder neunte Schüler an Niedersachsens allgemeinbildenden Schulen einen ausländischen Pass. Das Statistische Bundesamt hatte im März auf Basis vorläufiger Daten mitgeteilt: Die Zahl der Mädchen und Jungen ohne deutsche Staatsangehörigkeit stieg im laufenden Schuljahr um 5,8 Prozent auf 77 240 Schüler.

Die GEW geht davon aus, dass der Anteil von Schülern mit ausländischem Pass durch den Familienzuzug und weitere Flüchtlingsbewegungen in den kommenden Jahren steigen wird. (dpa)

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