Die “Instant-Inklusion” ist gescheitert! Ein Lehrer (und betroffener Vater) antwortet auf die Streitschrift von Wocken

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DÜSSELDORF. Die Debatte um die Inklusion bewegt die Lehrerschaft in Deutschland. Die dreiteilige Streitschrift von Prof. Hans Wocken, einem der renommiertesten Experten zum Thema in Deutschland also, auf News4teachers ist ein Riesenthema in vielen Kollegien. “Es beschäftigt die Kollegien immer noch sehr! Erst kürzlich forderten die Lehrkräfte einer Kölner Gesamtschule, die Inklusion mangels Ressourcen wieder auszusetzen”, so berichtet Tillmann Nöldeke, selbst Lehrer an einer Gesamtschule – und Vater eines behinderten Kindes. Nöldeke ist zudem Autor eines Buches zum Thema. Und er hat eine Replik auf Wocken verfasst, die wir in zwei Teilen veröffentlichen. Hier ist der erste.

Eine Inklusion, die nichts kostet, ist nicht zu machen. Also muss mehr Geld her. Foto: Shutterstock
Eine Inklusion, die nichts kostet, ist nicht zu machen. Also muss mehr Geld her. Foto: Shutterstock

Das Scheitern der Instant-Inklusion

Wer die Krise der schulischen Inklusion verstehen will, muss Felten und Wocken lesen: Der eine schreibt ein Buch darüber, weshalb Inklusion eine böse „Falle“ sei, die unser ach so schönes Bildungssystem „ruiniert“. Der andere gefällt sich in Spiegelfechterei über das Recht auf Inklusion und polemisiert gegen die Inklusionsgegner. Beiden scheint es vor allem um eines zu gehen: jeweils von ihrer Warte aus Recht zu behalten. (Links zu Beiträgen von Felten und Wocken finden Sie am Fuß dieses Beitrags, die Redaktion.)

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Gerade von Wocken als „Integrations-Pionier“, der die Inklusion verteidigen will, kann, nein muss man mehr erwarten. Beispielsweise eine ehrliche Analyse der Barrieren und Fehlentwicklungen, die das gemeinsame Lernen in der Praxis bislang oft so schwierig macht. Und dann natürlich Vorschläge, was zu tun ist, um diese Hindernisse sukzessive zu überwinden.

Wer einen nüchternen Blick auf die Schwierigkeiten wirft, mit denen schulische Inklusion zu kämpfen hat, kann sich nur wundern, wie manche Bundesländer überhaupt auf die Idee kommen konnten, sie per Dekret unter den Bedingungen der Kostenneutralität durchsetzen zu wollen. Ist es doch wissenschaftlich belegt, dass Inklusion für sich allein genommen keineswegs unsere Schulen besser macht. Wer auch nur ein bisschen Ahnung hat von der schulischen Wirklichkeit einerseits und den Anforderungen an inklusive Pädagogik, für den ist eigentlich klar, dass sie nur gelingen kann, wenn sich die Schulen dieser Aufgabe mit ganzer Kraft stellen und gleichzeitig die erforderlichen Ressourcen zur Verfügung haben.

Inklusion: Ganz oder gar nicht

Inklusion ist in Verruf geraten. War das Ganze ein riesengroßer Irrtum? „Geht“ Inklusion einfach nicht? Oder ist an dem schlechten Image eher eine gewisse Hysterie der Skeptiker schuld, gepaart mit mangelndem Veränderungswillen in den Schulen? Tillmann Nöldeke zeigt in seinem Buch “Inklusion: Ganz oder gar nicht” auf, woran Inklusion „krankt“ und wie sie gelingen kann. Hier lässt sich das Buch bestellen oder herunterladen (kostenpflichtig).

Der Befund ist erschreckend: Jenseits der Schulversuche in den Pionierjahren sind Schulen nachweislich schlecht vorbereitet auf Inklusion und verfügen über mangelhafte Ressourcen und Konzepte. Individuelle Förderung ist nicht Regel, sondern Ausnahme.
Nach der Bruchlandung solcher „Inklusion light“ braucht es dringend die Strategie einer „Inklusion 3.0“, die ein gewinnbringendes gemeinsames Lernen für alle Kinder an sehr vielen Schulen ermöglicht. Tillmann Nöldeke gibt hierzu Antworten mit Blick auf Ziele, Ressourcen und Change-Management.

So ist es auch alles andere als eine Überraschung, wenn sich jetzt in der Praxis zeigt: Jenseits der Schulversuche in den Pionierjahren und einzelner Leuchttürme sind die Schulen nachweislich schlecht vorbereitet auf die Inklusion und verfügen über mangelhafte Ressourcen. Es fehlen die Zeit und manchmal auch der Wille, das Kollegium auf die neue Aufgabe positiv einzustimmen und gemeinsam ein durchdachtes pädagogisches Konzept zu erarbeiten. Die Lehrerinnen und Lehrer werden unzureichend fortgebildet und stehen vor einer Reihe von Zusatzaufgaben, die sie in einem ohnehin überlasteten Schulalltag häufig überfordern. Die Klassen sind zu groß und der Unterricht findet viel zu selten im Team-Teaching statt. Individuelle Förderung ist nicht Regel, sondern Ausnahme.

Besonders für die Förderschüler ist diese Art der schulischen Inklusion mit hohen Risiken verbunden: Es drohen Überforderung, Isolation, (heil-)pädagogisch falsche Behandlung und mangelnde Förderung mit Folgen, die für das Lernverhalten, den Lernerfolg und die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder dramatisch sein können. Ein gelingendes Leben, Bestätigung im Beruf, gesellschaftliche Anerkennung und Teilhabe werden so gerade gefährdet.

Leere Verheißung

Ausgerechnet in sozialen Brennpunkten und überall dort, wo Schulen besonders viele Kinder aus bildungsfernen Elternhäusern und mit Lernschwierigkeiten unterrichten, ist außerdem damit zu rechnen, dass Inklusion zu einem Absinken des allgemeinen Lernniveaus führt. Die versprochene Chancengerechtigkeit erweist sich derzeit noch als leere Verheißung, während immer mehr Kinder in den Regelschulen scheitern und froh sein müssen, wenn sie dann noch eine intakte Förderschule finden, die sich ihrer annimmt.

Die stagnierende Zahl von Kindern, die in Förderschulen unterrichtet werden, muss vor diesem Hintergrund auch als »Abstimmung mit den Füßen« gewertet werden: Obwohl sich gerade Eltern behinderter Kinder den gemeinsamen Unterricht grundsätzlich wünschen, schicken sie ihre Kinder doch lieber auf die Förderschule, weil sie das inklusive Angebot einfach noch nicht überzeugt. Ist damit nun aber schon die ganze Inklusion gescheitert, noch bevor sie überhaupt so richtig losging? Keineswegs. Gescheitert ist schlecht gemachte Inklusion, die von vornherein mit unhaltbaren Versprechungen angetreten war:

  • Inklusion sollte nichts kosten oder das Bildungssystem sogar billiger machen.
  • Inklusion sollte per se die Schule verbessern.

Diese beiden Behauptungen haben sich nun als falsch herausgestellt. Die dritte Begründungsfigur für das gemeinsame Lernen von Kindern und Jugendlichen ist dessen ungeachtet jedoch nach wie vor richtig:

  • Wer eine inklusive(re) Gesellschaft anstrebt, muss damit schon in der Kita und in der Schule beginnen.

Mir scheint genau das die einzig überzeugende Begründung zu sein für das gemeinsame Lernen, und sie leuchtet gleich doppelt ein: Separation in Förderschulen widerspricht nicht nur dem inklusiven Grundgedanken, sondern sie ist auf der Seite behinderter Menschen noch zu häufig auch der Einstieg in eine Parallelgesellschaft relativ fernab des normalen Lebens im Wohnheim und in der Werkstatt für Behinderte. Für alle sich als »normal« definierenden Menschen ist es dagegen der Beginn eines Lebens unter sich, das sich mit Behinderung nicht auseinandersetzt und dem eine echte Begegnung mit den betroffenen Menschen häufig verwehrt bleibt. Deshalb setzen Inklusionsfans so viel Hoffnung gerade in die Schule.

Hier geht es zu Teil zwei des Beitrags von Tillman Nöldeke.

Der Autor

Tillmann Nöldeke ist verheiratet und hat zwei Kinder – eines davon ist Inklusionskind. Das Thema Inklusion beschäftigt ihn nicht nur privat, sondern auch beruflich – als Lehrkraft für Biologie und Philosophie mit langjähriger Erfahrung im „inklusiven“ Alltag einer Brennpunktschule und als freier Journalist. Er ist Mitglied im Verband Sonderpädagogik (vds).

“Inklusion ist ein leidenschaftliches Bekenntnis zu Vielfalt” – aber die müssen Lehrer auch wollen! Eine Streitschrift

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33 KOMMENTARE

    • Kenne nur Instant-Kaffee. Ist das also eine lösliche Inklusion? Hm …

      (Jeden 2. Tag hier Inklusion, Inklusion, Inklusion … Sommerlochthema? Bzw. summerholetopic. 😀

    • Instant-Inklusion ist die stark verkürzte Umschreibung der derzeit praktizierten Form der Inklusion,
      bei der die vormals im Lernen beeinträchtigten Schülern ohne einen wesentlich größeren Personalaufwand in den Schulen mit normal begabten Schüler zusammen betreut werden.
      Ich schreibe bewusst betreut, weil der Unterricht überwiegend in vom Schüler gesteuerten Lernmethoden des eigen initiativen Lernens und in Form ineffektiver offener Unterrichtsmethoden, siehe Hattie-Meta-Analyse, wie Gruppenarbeit, Freiarbeit, Stationsarbeit und Wochenarbeit propagierend praktiziert wird.

      • Sie schreiben bewusst gegen irgendwas, dass Sie sich selbst erdenken.
        Um mich herum sind alle Grundschulen inklusiv, aber niemand arbeitet, wie Sie behaupten und überlässt SuS sich selbst.
        Tätsächlich gehört aber Unterricht mit Aufgaben in Einzel-, Partner und auch Gruppenarbeit, Arbeitsphasen, Arbeitsplänen und vielem anderem zum Alltag in Schulen, Einzelunterricht jedoch in der Regel nicht.

        • @Palim
          Gruppenarbeit diente in ihrer Erstanwendung ab 1927, im Jena-Plan durch Peter Petersen, der Entwicklung unselbständig denkender Gemeinschaftswesen, die in der Gruppe sich einbringend und unterordnend , es verlernen eine eigenständige Meinung entwickeln zu können, geschweige denn selbständig das Lernen zu erlernen.
          Was soll sich an den Ergebnissen geändert haben ?

          • Oder anders ausgedrückt, wie es eine Schülerin formulierte, bedeutete für diese 15 Jährige Schülerin Gruppenarbeit, dass Dumme noch Dümmeren etwas beizubringen versuchen, was dazu führt , dass das Gesamtniveau der Arbeit vom Besten Beitrag ab, während die weniger schlauen Beiträge unter den Tisch fallen und eigentlich nur noch eine Person aktiv arbeitet.
            Sind derartig traktierte Schüler nicht kommunikationsfähig, so ist der Effekt eines postulierten Lerneffektes um so geringer einzustufen.

          • Sie sind ja sonst auch in der Lage, sich kundig zu machen…
            dann sollten Sie das auch für Methoden im Unterricht schaffen einschließlich der Entwicklung unterschiedlicher Methoden, sodass Ihr Wissen und Können nicht dem von 1927 entsprechen muss.

          • Ich beschrieb das Ziel der Gruppenarbeit, dass der Einzelne sich den Zielen der Gruppe unterordnet und somit eigenständiges Arbeiten und Denken hin zu einem Gruppen bezogenen Denken und einer Unterordnung unter die Gruppe befördert wird.
            Und ich sehe die mageren Ergebnisse, die bei Kinder mit Einschränkungen in der Kommunikation noch dürftiger ausfallen.
            Entscheidend ist aber die Einschränkung des eigenständigen Denkens des Individuums.
            Wer derartig zu Lernen gelernt hat, der wird niemals sich schwierige Sachverhalte sich beibringen erlernen, weil die Gruppe die Geschwindigkeit vorgibt.
            Scheitern im Studium von naturwissenschaftlichen Fächern, der Medizin, Geschichte und Jura wird vorprogrammiert, bestenfalls dem sprachlichen Redefluss geschuldete Fächer, wie Soziologie und Pädagogik, scheint erreichbar zu sein, natürlich in kleinen Lerngruppen immer im Gleichtakt.

          • “Und ich sehe die mageren Ergebnisse,”
            Sie sehen stets immer alles, stehen täglich vor verschiedenen Klassen, haben selbst unendlich viel Erfahrung…
            … obwohl Sie nicht bereit sind, sich kundig zu machen:
            “Entscheidend ist aber die Einschränkung des eigenständigen Denkens des Individuums.” Wie wahr!

        • @Palim
          Sie schreiben ständig pro reformpädagogischer Methoden in Grundschulen, und wenn von meiner Seite Kritik an Folge der angewandten Methoden kommt, bezweifeln Sie ständig ,dass diese Methoden eine Anwendung finden.
          In meiner Umgebung werden diese Methoden aber angewendet, die Unterlagen dazu lagern auf dem Dachboden.
          So kommt es dazu, dass die meisten Schüler am Ende der vierten Klassen nicht annähernd die deutsche Orthographie beherrschen, geschweige denn dass sie automatisiert lesen können.
          Sie können nur mehrfach geübte Texte fließend vorlesen, weil sie diese mehr oder weniger auswendig gelernt haben, um bei Vorlesewettbewerben zu gewinnen.
          Legt man diesen Schülern unbekannte Texte vor, so bricht der Lesefluss in sich zusammen, es erfolgt das mühsame Dechiffrieren mit dem Arbeitsspeicher und der Textinhalt wird von den Lesenden ab 5 Zeilen selbst nicht mehr entnommen.
          Aber machen Sie ruhig weiter wie bisher, ich habe nicht vor, Sie zu belehren oder zu bekehren. Sie gehören zu den unkritischen Anhängern des eigenständigen und selbst gesteuerten Lernerwerbs.

          • “Sie schreiben ständig pro reformpädagogischer Methoden in Grundschulen, und wenn von meiner Seite Kritik an Folge der angewandten Methoden kommt, bezweifeln Sie ständig ,dass diese Methoden eine Anwendung finden.”

            Ich bezweifle, dass die Methoden, so wie SIE es behaupten, angewendet werden. Das ist ein bedeutender Unterschied.
            Zudem spreche ich mich vehement dagegen aus, dass sämtliche Öffnung des Unterrichts gleichbedeutend damit ist, SuS sich selbst zu überlassen.

            Ich teile Ihre Meinung nicht, dass Kinder im Grundschulalter generell von allem, was eigenständigen Einsatz erwartet, überfordert seien, und nur lernen würden, wenn man sie pausenlos anleitet und jeden Schritt vorgibt. Dennoch kann man Kindern dank der Methodenvielfalt auch Hilfestellungen geben, wenn es notwendig erscheint, in dem man Anleitungen zeigt oder gar Schritt für Schritt das Vorgehen erläutert. Das geht sogar für die Methode Gruppenarbeit oder für deren Inhalt.

            Auch bezweifle ich, dass jeder, der reformpädagogische Methoden nutzt, diese im Sinne von Petersen oder mit nationalsozialistischen Gedanken einsetzt. Die einen haben sich gar nicht damit auseinander gesetzt, die anderen haben dies sehr bewusst getan. Beide Gruppen von Lehrkräften sind in der Lage, den Nutzen einer Methode als solcher abzuwägen und in Abstimmung mit Ziel und Schülergruppe eine Entscheidung für eine Methode und gegen viele andere zu treffen.

            Für Methodenvielfalt habe ich mich diverse Male ausgesprochen, und tue dies immer wieder, wobei dabei das Augenmerk auf eine sinnvolle Auswahl gerichtet sein muss, nicht auf die Anzahl der Methoden selbst. Mir gefällt das Bild von Werkzeugen im Hinblick auf Methoden und ich wähle aus, ob oder wann ich den Zestenreißer einsetzen möchte oder ob das schlichte Küchenmesser ausreicht.

            “Sie gehören zu den unkritischen Anhängern des eigenständigen und selbst gesteuerten Lernerwerbs.”
            Das unterstellen Sie mir laufend, darum wird es nicht besser oder wahrer. Aber Sie wissen ja genau, was in meinem Unterricht läuft … besser als ich es je wissen könnte.

            “Aber machen Sie ruhig weiter wie bisher, ich habe nicht vor, Sie zu belehren oder zu bekehren.” Amen.

          • @Palim
            Sie demonstrieren immer wieder durch Textkopien, dass ihre Kopiertasturtaste tadellos funktioniert.
            Außerdem unterstellen Sie mir ständig, altertümliche Methoden der Bevormundung und Dauerinstuktion der Schüler nach dem Nürnberger Trichter- Modell zu bevorzugen,was Sie aber mit keiner meiner Textpassagen belegen können.
            Während sie die Methodik des selbst gesteuerten Lernens vom ersten Tag an propagieren, habe ich immer darauf hingewiesen, dass die Schüler in den ersten zwei Schuljahren viel mehr Instruktion und Anleitung benötigen, als dies vom Spracherfahrungansatz her gefordert wird. Und natürlich werden die Schüler sehr viel sicherer dann selbstständig schreiben als nach der Methodik aus dem Elfenbeinturm des Herrn Brügelmann.
            Aus dessen Ansatz rühren auch die Probleme im Lese- und Schrifterwerb mit den desaströsen Ergebnissen in den Vergleichsstudien.

          • @Palim
            Gruppenarbeit fördert die Einordnung der Ideen des Einzelnen und Unterordnung des Einzelnen in die Gruppengemeinschaft.
            Das die Gruppe funktionieren muss, bestimmte Grundregeln im Verhalten eingehalten werden müsse, stellt eine Grundvoraussetzung da, dass gemeinsam gearbeitet werden kann. Meistens setzt sich aber der Beste in der Gruppe mit seinen Ideen durch, was dazu führt , dass der Rest in der Entwicklung seiner Eigenständigkeit nicht gefördert wird.
            Der Lerneffekt fällt für schwächere Schüler geringer aus.
            Beweisen mal das Gegenteil.

          • Ich habe darüber hinaus die Erfahrung gemacht, dass sich insbesondere die schwächeren Schüler gerne zurückziehen und die besseren Schüler die (Haupt-) Arbeit machen lassen.

          • Gruppenarbeit funktioniert nur, wenn der Lehrer sie gut vorbereitet hat und nicht nur sagt: Arbeitet gemeinsam an dieser oder jener Aufgabe.
            Dann treten genau die Effekte ein, die Herr Wrobel und xxx beschrieben haben.

          • Danke, Maren, das sehe ich auch so.

            Als Lehrkraft kann man vieles beeinflussen, Gruppenzusammensetzung, Thema, Arbeitsweise.
            Die Erfahrung, dass sich die einen zurückziehen und die anderen machen lassen, teile ich ebensowenig, wie die Behauptung, es würden sich nur die Besten durchsetzen. Aber es gibt durchaus Kinder, denen die Arbeit in einer Gruppe leichter fällt, weil sie sich eher auf andere einstellen können, als andere. Auch das ist ein Lerneffekt, wobei die darin schwächeren Schüler mehr zu lernen haben.

            Es gibt zudem die Möglichkeit, die Aufgaben innerhalb der Gruppe zu verteilen, sodass jeder beteiligt ist, indem es hinführende Aufgaben gab (siehe Think-Pair-Share/ Gruppenpuzzle/ Placemat) oder entsprechend oder entgegen der Begabung (Beispiel: Übernehmen die stilleren Kinder die Präsentation oder diejenigen, die sich häufig beteiligen, oder alle einen Teil?).

            Immer hat es auch etwas mit dem Thema an sich zu tun. Wenn man eine Gruppenarbeit hat, bei der es um möglichst viele verschiedene Ansätze oder Ideen geht (z.B. Wörtersammlung zu bestimmtem Aspekt/ Thema, Systematisierung von Materialien), kann sich jeder beteiligen. Warum sollte da der Lerneffekt für die schwächeren Schüler geringer ausfallen?

            Manchmal kann man über den Anspruch sehr schön differenzieren und setzt homogenere Gruppen mit entsprechend schwierigeren oder leichteren Aufgaben um. Dadurch wird die Aufgabe für die Schwächeren leistbar und die Stärkeren zur Herausforderung, am Ende braucht es eine gute Zusammenführung der Ergebnisse.

            Tatsächlich schaffen Kinder es innerhalb einer gemischten Gruppe recht gut, sich z.B. bei der Erstellung eines Plakates selbst zu überlegen, wer schreibt, malt, gestaltet – entsprechend ihrer Fähigkeiten oder Vorlieben – und wollen nicht alle “anmalen”, weil das am bequemsten wäre.

            Aber man muss mit ihnen die Vorgehensweise für Absprachen und die Arbeit in einer Gruppe lernen und üben und kann nicht generell erwarten, dass Kinder dies von Beginn an selbst schaffen – ebenso, wie bei anderen Methoden auch.

          • Was soll man zu so viel euphemistische Schönfärberei der eigensprachlichen Entmündigung noch sagen.
            Der Erfinder hätte eine wahr Freude mit Ihnen gehabt, nur die Themen wären andere gewesen. Was haben wir uns damals gegen diese beschissene Gruppenarbeit gemeinsam gewehrt .
            Ich wundere mich inzwischen gar nicht mehr über fehlende sprachliche Ausdruckmöglichkeit der Schüler, weil diese einschläfernde Methodik zum abgewöhnen ist.
            Schwelgen Sie weiter in salbungsfreudiger rosaroter Wahrnehmung ihrer eigenen Realität, setzen sie dabei bloß nicht ihre rosafarbige Brille ab, denn sie haben nie anderes erfahren, weil Sie einer ganz anderen Generation angehören, die allzu gerne alles so hinnimmt , wie es ist, sowie immer etwas positives in dem derzeitigen Schulchaos erheischt.
            Diese endlos langen Erklärungstiraden diesen der Relativierung der effektiv bescheidensten Lernmethoden.

          • palim schreibt “Tatsächlich schaffen Kinder es innerhalb einer gemischten Gruppe recht gut, sich z.B. bei der Erstellung eines Plakates selbst zu überlegen, wer schreibt, malt, gestaltet – entsprechend ihrer Fähigkeiten oder Vorlieben – und wollen nicht alle “anmalen”, weil das am bequemsten wäre.”

            Mir fehlt dabei der Begriff Lernen. Daher ist mir das Preis – Leistungsverhältnis bei Gruppenarbeiten oft zu schlecht. Bei Experimenten ist sie unvermeidlich mit dem Risiko, dass sich jemand zurückzieht. Generell sollten Gruppen nur maximal 3-4 Personen umfassen, damit überhaupt etwas herauskommt.

            Weil Kinder in der Grundschule noch viel unbekümmerter miteinander umgehen als in der Sek I, kommen diese unterschiedlichen Sichtweisen wohl zustande.

          • @xxx – welche Form der SekI außer der am GY kennen Sie denn?
            @palim’s Sichtweise läst sich nämlich auch auf die Schülerschaft anderer SekI-Schulen übertragen, an denen der Konkurrenzdruck de facto geringer ist als am GY.

          • “Mir fehlt dabei der Begriff Lernen. Daher ist mir das Preis – Leistungsverhältnis bei Gruppenarbeiten oft zu schlecht.”
            Das gehört zu einer genauen Methodenauswahl dazu. Wenn die Aufgabe selbst das Erstellen des Plakates ist, ist eine PA/GA sinnvoller als eine EA. Wenn es um Meinungsaustausch geht, finde ich eine EA nicht zielführend.
            Es gibt Klassen, in denen die Gruppnarbeit sehr intensiv ist, ohne dass man viel steuern muss, und andere, in denen muss erheblich mehr gesteuert werden.

            Zudem bin ich der Meinung, dass die Methode selbst auch geübt sein muss, auch das braucht Zeit, die in meine Preis-Leistungs-Kalkulation einbezogen wird. Liegt beim ersten Mal der Focus mehr auf der Methode, kann ich beim zweiten Mal darauf zurückgreifen und den Focus wieder mehr auf den Inhalt setzen. Auch müssen Regeln dann nicht jedes Mal wiederholt werden, sondern sind bekannt.
            Außerdem gehört in die Abschätzung auch die Einschätzung der Gruppenprozesse, denn Gruppenarbeit kann auch diesen Hintergrund haben.
            Im übrigen bin ich während der Aufgabe im Raum und kann auch dann eine Gruppe beeinflussen oder auseinandersetzen.

            “Bei Experimenten ist sie unvermeidlich mit dem Risiko, dass sich jemand zurückzieht.”
            Ich käme nur sehr bedingt auf die Idee, Experimente in Einzelarbeit machen zu wollen. Doch auch da kann man Gruppen anleiten,indem es Aufgaben gibt,die alle einbinden, z.B. eine sehr klare Rollenverteilung, die auch notiert wird.

            Experimente sind klassisch GA. 3-4 Personen finde auch ich gut, in manchen Klassen kann man auch größere Gruppen zulassen, ohne dass sich jemand herauszieht. Die Zusammensetzung hat man als Lehrkraft in der Hand … um sie aus der Hand zu geben.

            Den Hinweis von dickebank auf den Konkurrenzdruck finde ich gut, zur Klassenführung hatte ich vor ein paar Tagen schon etwas geschrieben. Konkrrenzdruck ist für mich etwas anderes als ab und an in den Wettbewerb zu treten.
            Wozu ist Konkurrenzdruck und der damit verbundene Neid nötig? M.E. schafft er zu viele Verlierer.
            Darum dürfen sich meine SuS dennoch gerne miteinander messen, aber dann mit einem Partner der einwilligt und der in der Regel auf Augenhöhe steht.

  1. Wocken polemisiert nicht gegen “Inklusionsgegner”, sondern gegen diejenigen, die die “menschen- und verfassungsrechtlichen Grundlagen der Gleichheit” – und damit Demokratie – nicht verstanden haben.

    Außerdem ist er der Allerletzte, der das Versagen der Bildungspolitik und die unterfinanzierte Einführung der Inklusion gutheißen wurde.

    Mich nervt an den Gegenargumentationen, das entweder ebenfalls ersteres nicht anerkannt wird und/oder letzteres ständig “übersehen” oder nicht beachtet wird, damit man seine Kritik an Wocken, der ja ach so realitätsfern wäre, reiten kann.

    Außerdem: Wer glaubt, das Uni-Professoren keinen Zugang zu und kein Verständnis von schulischer Realität haben, hat keine Ahnung von den Verknüpfungen und dem Austausch, der zwischen Unis und Schulsystem besteht.

    Man muss nicht jeden Tag aufs Neue vor Klassen stehen und in Schulen sein, um ein Gefühl dafür zu bekommen, was die bildungspolitischen Probleme sind. Schon gar nicht, wenn man selbst als LK gearbeitet hat.

    • @Georg
      Da muss ich Ihnen widersprechen, denn gerade der tägliche direkte Austausch mit der praktizierten Wirklichkeit der Patienten, ermöglicht es erst Universitätsprofessoren der Medizin, Neuerungen in der Therapie anzuregen und zu implementieren, diese mit zu gestalten und die Ergebnisse selbst direkt zu erfahren und standartisierte Verfahren einzuführen.
      Es würde einigen Ihrer Standesvertreter auch sehr gut zu Gesicht stehen, derartig zu arbeiten, denn Fehlentwicklungen wären weniger eingetreten.
      Nimmt man dann noch die Arbeitsweise, an großen , prospektiven und internationalen Vergleichsstudien mit zu arbeiten hinzu, in denen Ursache- und Wirkungsprinzipien analysiert werden , hätten wir alle bessere Verhältnisse in der Auswertung und Ermittlung effektiver Lernmethoden und weniger Fehlentwicklungen in der Schulpolitik.
      Aber Teilen Ihrer Standesvertreter genügt es anscheinend, zur eigenen Selbstbestätigung, die eigene bornierte Überzeugung , die den Geist der Schüler befruchten soll ,und in ihrer Wirkung frei entfaltend wirken soll, eben eigene Ideen zu bestätigen sucht, durch eine Verkennung, Selbsttäuschung und Leugnung der Wirklichkeit wahrzunehmen sucht, weil der Kontakt zu eben dieser Realität fehlt.
      Durch die immer wiederholende und dialektisch begründete Scheinlogik der selbst beweihräuchernden Erklärungsmodelle, gelingt schließlich der Glaube an das selbst entworfene Konstrukt, dessen Inhalt durch eilig nachäffende und im Geiste verwandte Jünger, Bestätigung findet, und weiter publiziert und eine weitere Anwendung findet.

    • @Georg
      Um bildungspolitische Probleme zu erkennen, muss man tatsächlich nicht ständig unterrichten.Aber um das geht es nicht nur. Es geht hauptsächlich um Lösungen, die in der Praxis umsetzbar und nachhaltig wirksam sind. Und dazu braucht es Erfahrung in kontinuierlichem Unterricht, mit allen Konsequenzen. Nicht ab und zu mal schöne Schaustunden ansehen oder abhalten.

  2. Das ist alles so bzw. sehe ich so, wie Sie es schreiben, Herr Nöldeke. Danke für den Artikel.

    Wenn die schulische Inklusion sehr schwer machbar ist und das Idealziel weit in die Ferne gerückt ist (in der Grundschule wegen Lehrermangels im Augenblick nicht durchsetzbar), dann müsste man allerdings auf der anderen Seite mehr Anstrengungen unternehmen, damit die Behinderten, von denen Sie schreiben, nicht eine Art Parallelgesellschaft bilden – ich nehme an, Sie meinen da vor allem die geistig Behinderten, mit denen man wenig zu tun hat. In dieser Sache gibt es zwar Ansätze, aber wird immer noch zu wenig getan. Bei uns in der Nähe es z.B. ein kleines Restaurant, das gemeinsam mit GBehinderten betrieben wird. Vielleicht bräuchte jede Gemeinde einen “Behindertenbeauftragten”, der für diese Art von Integration zuständig ist? Ich könnte mir z.B. auch gemeinsame Aktionen mit Förderschulen für vorstellen. Das wird viel zu wenig getan.

  3. Vielen Dank für den in seiner realistischen Perspektive sehr gut vorgebrachten Beitrag.
    Inklusion beginnt im Kindergarten, erfordert aber schulisch eine Angliederung der Inklusionskinder an normale Schulformen mit einer teilweise getrennten Unterrichtung der Schüler und mit geeignetem zusätzlichem Personal.
    Ich kann auch gut verstehen , warum Eltern ihre im Lernen beeinträchtigten Kinder, anstatt auf eine Förderschule zu schicken, diese außerhalb der Förderschulen zur Schule gehen lassen.
    Wenn man , wie bei unserer Tochter geschehen, diese von der Sonderpädagogin Frau von der W. aus Münster, wie ein debiles Kind behandelt wird, dass nach Aussage dieser selbst ernannten Expertin , unsere Tochter, obwohl diese automatisiert lesen kann und mit der Fähigkeit zur Entnahme des Textinhaltes ganzer Bücher und diese zunehmend selbständig schreibt, ihr und uns Eltern dann immer wieder eine Lebensperspektive in einer betreuenden Einrichtung vorschlägt, dann wird man langsam ungehalten und böse Gedanken beschleichen mich.

    Wenn dann noch eine Gefühlskälte und ein fehlendes Wahrnehmungsverhalten vorliegt, so ist die Katastrophe perfekt. Da versteht man dann schon einmal Frau Unverzagt.

  4. Es ist nicht so, wie es in dem Artikel heißt,dass Eltern behinderter Kinder grundsätzlich schulische Inklusion wollen. Bei vielen schwerer Behinderten steht die gesundheitliche Versorgung im Vordergrund, und als Eltern ist man genug ausgelastet mit der alltäglichen Pflege und der Suche nach der richtigen medizinischen Hilfe. Da wünscht man sich schon mal eher eine bessere inklusive medizinische Versorgung.
    Lernt ein Kind trotz guter Förderung nicht sprechen und es zeigt sich im geführten Kindergarten, dass es kaum oder gar nicht die Vorläuferfunktionen erlernen kann, so überlegen viele Eltern schon, ob sie es ihrem Kind zumuten wollen, in einer normalen Schulklasse zu sitzen. Manchmal ist das einfach nicht vorstellbar! Kita und Schule sind in meinen Augen nicht für jedes behinderte Kind der Katalysator zur gesellschaftliche Inklusion. Da wo ein kognitives Interesse des Kindes vorhanden ist, gerne. Aber neben der Schule gibt es viele Lebensbereiche(Familie, Nachbarschaft, Kommune ,Kirchengemeinden, Vereine), in der Behinderte oft Inklusion erleben oder die dafür noch ausbaufähig sind.
    Nein, Sonderschulen und Werkstätten sind keine Wege in eine Parallelgesellschaft, sondern manche Behinderte haben eben eine andere Lebenswelt und brauchen tatsächlich mehr Schutz als andere Menschen.

    • @unverzagte,Anna,c.e.b.
      Wenn aber eine Lehrerin hingeht und ohne eine Berüchsichtigung der individuellen Entwicklungsgeschichten , die zur Beeinträchtigung geführt haben, von vornherein die im Lernen beeinträchtigten Kinder abstempelt, obwohl andere Therapeuten und Lernbegleiter eine andere Perspektive sehen, so ist das Verhalten der Lehrerin, in diesem Fall Frau von der W. aus Münster ,grob fahrlässig.
      Oder wie Sehen Sie das ?

    • @unverzagte,Anna,c.e.b.
      Wenn aber eine Lehrerin bzw ein Lehrer hingeht und ohne eine Berüchsichtigung der individuellen Entwicklungsgeschichten , die zur Beeinträchtigung geführt haben, von vornherein die im Lernen beeinträchtigten Kinder abstempelt, obwohl andere Therapeuten und Lernbegleiter eine andere Perspektive als ein Leben in einer Behindertenwerkstatt sehen, so ist das Verhalten der Lehrerin bzw.des Lehrers, in diesem und ähnlich gelagerten Fällen ,grob fahrlässig.
      Oder wie Sehen Sie das ?

      • @AvL fragen sie bitte die unmittelbar betroffene kollegin nach ihrer sichtweise, die wird ihnen wesentlich besser ihre vermeintlich fahrlässige einschätzung erläutern können.

        • Das Gespräch hatten wir schon zusammen gemeinsam mit der Lerntherapeutin, der Mitarbeiterin vom Sozialamt, der Lernbegleiterin und uns Eltern.

          • Sie könnten es nocheinmal mit einer anderen Beratungsstelle versuchen. Vielleicht einem Beratungslehrer einer Sonderschule. Haben wir bei einem unserer nichtbehinderten Kinder gemacht, das in einer ähnlichen Situation (chronische Erkrankung, ADHS, Wahrnehmungsschwäche im auditiven Bereich)auf die Sonderschule abgeschoben werden sollte. Später schaffte unser Kind einen mittleren Bildungsabschluss.

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