Berlin in der Kitakrise – doch Anträge für private Kinderbetreuungen bleiben aus

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BERLIN. Tausende Eltern gingen im Mai in Berlin auf die Straße, um gegen den Mangel an Kitaplätzen in Berlin zu demonstrieren. Die neue Möglichkeit, sich eine private Betreuung zu suchen und vom Jugendamt bezahlen zu lassen, wird von Eltern bislang jedoch kaum genutzt.

Kinderbetreuung ist für viele Eltern ein leidiges Thema.                                              Foto: oana mya / flickr / CC BY 2.0

Berliner Eltern ohne Kitaplatz können sich vom Jugendamt privat organisierte Betreuer bezahlen lassen. Doch bislang nutzen nur Wenige diese Möglichkeit, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur in den Bezirken zeigt. «Viele kennen diese Option wahrscheinlich noch gar nicht», vermutet Ann-Mirja Böhm vom Elternbündnis «Kitakrise», das im Mai mit einer großen Demonstration auf den Platzmangel in Kitas aufmerksam gemacht hat.

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Eltern können für die Betreuer die Kosten erhalten, die das Land Berlin für einen Kita-Platz bezahlen würde. Die Summe richtet sich nach Alter und Betreuungsumfang. Das könnten beispielsweise 600 Euro im Monat sein für Kinder ab drei Jahren mit einer Teilzeit-Betreuung, aber auch bis zu 1.200 Euro im Monat für ein einjähriges Kind und dessen Ganztags-Betreuung, erläutert die Sprecherin der Familienverwaltung, Iris Brennberger. Übernehmen Verwandte die Aufgabe, erhalten sie den Satz, den eine Tagesmutter bekommen würde. Die Summen bewegen sich zwischen 430 und 530 Euro im Monat.

Im Jugendamt Friedrichshain-Kreuzberg sind laut Sprecherin Sara Lühmann 38 Anträge von Eltern für den so genannten Aufwendungsersatz für eine selbstbeschaffte Kindertagesbetreuung eingegangen. Bislang sei aber nur eine Zahlung ausgelöst worden, zwölf weitere seien in Vorbereitung. In Lichtenberg hat das Jugendamt zwei Vereinbarungen abgeschlossen, zwei weitere seien in Arbeit, so ein Referent.

Das Jugendamt in Tempelhof-Schöneberg hat fünf Vereinbarungen geschlossen, sieben weitere sind im Prüfverfahren, teilte Jugendstadtrat Oliver Schworck (SPD) mit. Er betont, wie wichtig die Regelung sei: «Selbstverständlich hat die Betreuung und Förderung in einer Kita oder Kindertagespflegestelle immer Vorrang, aber gerade in Zeiten der Platzknappheit müssen Eltern eine Option haben, wie sie beispielsweise nach der Elternzeit in ihren Beruf zurückkehren können und ihr Kind betreut zu wissen.»

Verlängerung möglich

Spandau berichtet von einer abgeschlossenen Vereinbarung und Steglitz-Zehlendorf von keinem einzigen Antrag. Relativ niedrig ist auch die Zahl im kinderreichen Pankow: Das Jugendamt arbeite an sieben Fällen, berichtet Stadträtin Rona Tietje (SPD). Sie erklärt diese geringe Zahl damit, dass die Möglichkeit des Aufwendungsersatzes zunächst nur befristet geschaffen wurde. «Die tatsächliche Nachfrage ist deutlich höher und wächst stetig», so Tietje.

Die Familienverwaltung prüfe, ob die Regelung über den 31. Juli hinaus verlängert werden soll. «Dafür finden Rücksprachen mit den Bezirken sowie der Finanzverwaltung statt», sagt Brennberger. «Als Bezirk würden wir es begrüßen, wenn das Verfahren vereinfacht würde und die Regelung über den 31. Juli hinaus gelten würde», betont Sara Lühmann aus Friedrichshain-Kreuzberg.

In Berlin gibt es laut Familienverwaltung rund 170.000 Plätze in Kitas und Tagespflege. Obwohl sich diese Zahl in den vergangenen Jahren stetig erhöht hat, fehlen Plätze mit der Folge, dass etliche Eltern keine wohnortnahe Betreuung für ihren Nachwuchs bekommen. Am größten sei der Bedarf in der Regel zwischen März und Juni. In diesem Jahr sprach die Verwaltung von einem Puffer von 2.500 bis 3.000 Plätzen, die zur Entspannung der Lage nötig wären. Im Sommer – nach Einschulungen und Neuaufnahmen – entspannt sich die Situation meist deutlich.

Eltern haben einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für ihre Kinder. Einige klagten deshalb erfolgreich gegen den Senat. Das Verwaltungsgericht hatte im Februar entschieden, dass die Jugendämtern Eltern finanziell unterstützen müssen, wenn sie keine andere Möglichkeit als eine private Betreuung finden. Eine Ursache für die angespannte Situation ist der Erziehermangel. Der rot-rot-grüne Senat und die zuständige Familiensenatorin Sandra Scheeres (SPD) wollen weiter massiv zusätzliche Kita-Plätze schaffen. dpa

Der Deutsche Kitaleitungskongress (DKLK) in Augsburg: Intensive Debatten und konstruktive Lösungsansätze.

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4 KOMMENTARE

  1. Ich habe mich seinerzeit sehr gewundert, als das Recht auf Kinderbetreuung beschlossen wurde und gedacht, wie wollen die das gewährleisten und was wird sein, wenn nicht?!

  2. Dafür zahlen wir einen recht hohen Steuersatz für alle Lebensbereiche. Da sollte man sich auch auf sein Land verlassen dürfen. Verlassen sind aber viele zigtausend Eltern in Deutschland.

    • Naja, da ist also wieder das Argument, dass wir zu viele Steuern zahlen und anderswo heißt es dann wieder, dass das aber kostet … Sag ich ja, alle wollen möglichst wenig Steuern zahlen und möglichst alles vom Staat finanziert bekommen. Das muss schief gehen auf Dauer.

  3. Eine Tagesmutter wird also indirekt vom Land bezahlt. Wenn nun eine Mutter ihr Kind selber betreuen will, kriegt sie dann auch Geld dafür?

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