Mehr Schulschwänzer in Mecklenburg-Vorpommern

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SCHWERIN. Innerhalb von zwei Jahren hat sich der Anteil der Schulschwänzer an den Schulen in Mecklenburg-Vorpommern um fast die Hälfte erhöht. Rein statistisch bleibt inzwischen in jeder Klasse mindestens ein Schüler unentschuldigt fern. Die Linke schlägt Alarm.

Die regulären Ferienzeiten scheinen immer mehr Schülern in Mecklenburg-Vorpommern nicht auszureichen. «Offenbar ist der «Kurzurlaub» von der Schule auf dem Vormarsch. Auch im Schuljahr 2016/2017 ist die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die dem Unterricht unentschuldigt fernblieben, gestiegen», konstatierte die Chefin der Linksfraktion im Landtag, Simone Oldenburg. Sie berief sich auf die Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage ihrer Fraktion zu unentschuldigten Fehltagen an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen im Land.

Die Zahl der Schulschwänzer in Mecklenburg-Vorpommern nimmt zu. Foto: Zeitfixierer / flickr (CC BY-SA 2.0)
Die Zahl der Schulschwänzer in Mecklenburg-Vorpommern nimmt zu. Foto: Zeitfixierer / flickr (CC BY-SA 2.0)
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Demnach wiesen im Schuljahr 2016/2017 mehr als 5400 Schüler an allgemeinbildenden Schulen Fehltage auf. Das waren 4,2 Prozent der rund 128 000 Schüler an staatlichen Schulen. Im Schnitt gebe es damit in jeder Klasse einen Schulschwänzer, konstatierte Oldenburg. Im Schuljahr 2015/2016 habe der Anteil bei 3,9 Prozent, im Schuljahr davor noch bei 2,9 Prozent gelegen. Daten zum Schuljahr 2017/18 liegen noch nicht vor.

Etwa 3000 und damit mehr als die Hälfte der betroffenen Schüler blieben der Statistik der Schulämter zufolge im Schuljahr 2016/2017 für fünf Tage und mehr dem Unterricht unentschuldigt fern. Auf das Konto von 1150 Schülern gingen jeweils sogar zehn oder mehr Fehltage. Zumeist besuchten diese Schüler Regional-, Gesamt- und Förderschulen. Doch auch 152 Grundschüler brachten es demnach auf zehn und mehr unentschuldigte Fehltage.

Den größten Zuwachs gab es laut Statistik aber bei kurzzeitiger Abwesenheit. Das hatte auch zu Diskussionen geführt, ob Eltern ihre Sprösslinge zur Verlängerung etwa von Feiertagsreisen nicht zur Schule schicken.

Nach Oldenburgs Ansicht zeigt die Entwicklung, dass das vom Bildungsministerium gestartete Sieben-Punkte-Programm gegen Schulschwänzen ins Leere läuft. Auffällig sei, dass die Zahl der Schüler, die sich eine kurze «Auszeit» von ein bis fünf Tagen nähmen, zugenommen habe. «Das muss alarmieren. Die Landesregierung darf nicht länger die Augen davor verschließen. Sie muss die Ursachen für dieses Verhalten herausfinden und wirksame Maßnahmen dagegen erarbeiten.»

Die Lehrkräfte benötigten klare Richtlinien, die vom ersten Tag des Fernbleibens wirksam werden könnten. Dazu gehöre die sofortige Einbindung der Erziehungsberechtigten und die frühzeitige Information des Jugendamts. Andererseits müsse auf die Schüler eingegangen werden: «Kein Schüler darf so viel Leistungsdruck und Schulangst haben, dass er dem Unterricht fernbleibt», betonte Oldenburg. Sie forderte ein flächendeckendes Netz von Schulsozialarbeitern. (dpa)

Schwänzen – Prävention heißt vor allem: Hinschauen

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3 KOMMENTARE

  1. “Den größten Zuwachs gab es laut Statistik aber bei kurzzeitiger Abwesenheit. Das hatte auch zu Diskussionen geführt, ob Eltern ihre Sprösslinge zur Verlängerung etwa von Feiertagsreisen nicht zur Schule schicken.”
    Diese Diskussionen wären überflüssig, wenn man sich entschlieißen könnte, jedes Schwänzen mitsamt Datum des betreffenden Tages in einer Statistik fürs ganze Land zu erfassen. Offenbar ist man unfähig dazu. An den Daten würde man es erkennen. Allerdings könnte man sich auch entschließen, mehr “Brückentage” offiziell frei zu geben. Schließlich nehmen immer mehr Leute an solchen Tagen Urlaub.

  2. Man ist dazu nicht unfähig. Man hat kein Interesse daran. Weder Schulämter und auf keinen Fall zumindest unser Jugendamt interessieren sich in irgendeiner Form fuer längere Fehlzeiten ohne Entschuldigung. Trotzdem: ab dem dritten Fehltag ohne Entschuldigung hat mir das jede Lehrkraft sofort mitzuteilen. Vorher ist ein Gespräch mit den Eltern zu führen.

    • Die Jugendämter haben schlicht nicht die Kapazitäten, sich auch noch um Familien zu kümmern, die den Familienurlaub zum Teil in die Unterrichtszeit zu legen.

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