Schüler bewerten Referendare – Umstrittener Modellversuch erntet positive Reaktionen

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MÜNCHEN. Schüler sollten zweimal zweimal jährlich den Unterricht ihrer Referendare bewerten. Beim Start vor zwei Jahren hatte der Modellversuch an 79 bayerischen Schulen noch für heftige Empörung gesorgt. Jetzt zog selbst der Bayerische Philologenverband ein erstes positives Fazit. Ob das Modell bayernweit eingeführt werden soll, wird aber wohl erst 2019 entschieden.

Zwei Jahre lang haben Schüler an 79 Schulen im Freistaat den Unterricht von Nachwuchslehrern bewertet – das Kultusministerium zieht nun eine erste positive Bilanz. Vorläufige Rückmeldungen zeigen, «dass die Schülerinnen und Schüler ihr Feedback in der Regel sehr überlegt und umsichtig abgeben», teilte ein Sprecher mit. Die Akzeptanz sei bei allen Beteiligten hoch. Ob das Feedback bayernweit eingeführt wird, werde erst nach Abschluss der Auswertung Ende 2018 entschieden, hieß es weiter. Für die 79 Modellschulen hat das Ministerium das Projekt um das kommende Schuljahr 2018/2019 verlängert.

Vorläufige Rückmeldungen zeigten, dass die Schüler ihr Feedback überlegt und umsichtig abgeben heißt es aus dem bayerischen Schulministerium. Foto: Maklay62 / pixabay (CC0) (bearbeitet)
Vorläufige Rückmeldungen zeigten, dass die Schüler ihr Feedback überlegt und umsichtig abgeben, heißt es aus dem bayerischen Schulministerium. Foto: Maklay62 / pixabay (CC0) (bearbeitet)
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Das Schüler-Feedback habe nichts mit einer Benotung der Lehrkräfte zu tun, erklärte der Sprecher. «Es geht um eine Rückmeldung an junge Referendare beziehungsweise Lehramtsanwärter, wie ihr Handeln und Verhalten von den Schülerinnen und Schülern wahrgenommen und verstanden wird.»

Kultusminister Bernd Sibler (CSU) betonte: «Viele unserer Lehrerinnen und Lehrer holen sich regelmäßig von ihren Schülern Rückmeldungen zu ihrer Arbeit, um ihren Unterricht weiterzuentwickeln. Unser Schulversuch greift diese Praxis auf. Er soll die Feedback-Kultur an unseren Schulen weiter stärken.»

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Ihr Bewertungen konnten Schüler zweimal jährlich unter anderem online abgeben. Dazu wurde eine neue Feedback-Funktion innerhalb einer Lernplattform für digitale Elemente im Unterricht entwickelt. Die abgegebenen Daten wurden nach Angaben des Ministeriums verschlüsselt, damit keine Rückschlüsse auf Schüler oder Lehrer möglich sind.

Der Bayerische Philologenverband (bpv) zeigte sich zufrieden mit dem Verlauf des Pilotprojekts – trotz anfänglicher Bedenken. Es ermögliche den Referendaren, «sich anhand der Anregungen und Rückmeldungen weiterzuentwickeln», teilte der Verband mit. «So wird das Schülerfeedback zur Evaluation des eigenen Unterrichts genutzt.»

Vor dem Beginn hatte das geplante Projekt für Kontroversen gesorgt. Eine Befürchtung des bpv beispielsweise war: Die Lehrer würden bessere Noten verteilen, um schlechte Rückmeldungen der Schüler zu vermeiden. Eine Feedback-Pflicht könnte daher zu einer «Bestnoteninflation» führen. Dies sei aber nicht eingetreten, heißt es nun vom Verband.

Der Schulleiter des Wittelsbacher-Gymnasiums in München, Helmut Martin, erklärte dies damit, dass die Referendare das Feedback der Schüler nur mit einer anderen Lehrkraft ihres Vertrauens besprechen – nicht mit dem Schulleiter, der die Leistung der Referendare bewertet. Seine Schule habe positive Erfahrungen mit dem Projekt gemacht und will es nun weiterführen. Für persönliche Beleidigungen hätten Schüler die Feedback-Möglichkeit nicht missbraucht. «Wenn die Schüler ernsthaft gefragt werden, antworten sie auch ernsthaft», sagte Martin. «Probleme gibt es nur, wenn sie nicht gefragt werden und sich Frust von der Seele schreiben.»

Digitale Bewertungen von Lehrern haben in der Vergangenheit immer wieder Diskussionen ausgelöst. Im Mittelpunkt stand dabei das Internetportal spickmich.de. Auf der Seite konnten registrierte Schüler ihre Lehrer bewerten – etwa danach, ob sie «fachlich kompetent», «gut vorbereitet», «menschlich», «motiviert» oder gar «cool und witzig» sind. Mehrmals hatten Lehrer erfolglos gegen die Seite geklagt, weil sie ihre Persönlichkeitsrechte verletzt sahen. Derzeit ist die Plattform nicht in Betrieb. (dpa)

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2 KOMMENTARE

  1. Meiner Ansicht gehört ein Feedback am Ende des Schuljahrs für eine professionelle Lehrkraft dazu. Warum also nicht für alle Lehrkräfte und nur für Referendare? Meine persönlichen Erfahrungen damit sind bestens und helfen mir immer wieder, verschiedene Aspekte meines Unterrichts zu verbessern.

    Wichtig ist allerdings der Umgang mit den Ergebnissen, der hier ja offenbar auch gut funktioniert.

  2. Eine Verpflichtung dazu sollte es nicht geben. Allerdings muss der Lehrer selbst in der Hand haben, wem er die Ergebnisse zeigt und wie er damit umgeht. Insbesondere sollen Vorgesetzte keinen Anspruch auf Einsicht bekommen dürfen.

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