Wollte Özil mit einer PR-Aktion an seiner alten Schule vom Erdogan-Foto ablenken?

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GELSENKIRCHEN. Hat der zurückgetretene Fußball-Nationalspieler Mesut Özil versucht, mit einer PR-Aktion an seiner ehemaligen Schule in Gelsenkirchen vom umstrittenen Foto mit dem türkischen Staatspräsidenten Erogan abzulenken? Özil macht der Schulleitung jedenfalls aktuell den Vorwurf, ihn aufgrund der hochkochenden Rassismusdebatte „nicht länger sehen (zu) wollen“. Die weist das zurück. Das Merkwürdige an der Geschichte: Das Foto von Özil und Erdogan sorgte Mitte Mai für hitzige Diskussionen – wenige Tage später wollte sich Özil dann in der Gesamtschule als Förderer eines offenbar kurzfristig ins Leben gerufenen Integrationsprojekts präsentieren. Zufall?

Die AKP, die türkische Regierungspartei, verbreitete Fotos vom Treffen der Fußballer mit Erdogan über ihren Twitter-Account. Screenshot
Die AKP, die türkische Regierungspartei, verbreitete Fotos vom Treffen der Fußballer mit Erdogan über ihren Twitter-Account. Screenshot

Um seinen Vorwurf zu unterstreichen, er sei Opfer einer rassistisch motivierten Kampagne in Deutschland geworden, führt Özil in seiner Rücktrittsbegründung das Beispiel seiner früheren Schule an, der Gesamtschule Berger Feld in Gelsenkirchen. Die habe er besuchen wollen, um eine Initiative vorzustellen. „Ich habe ein einjähriges Projekt gegründet, wo Kinder mit Migrationshintergrund, Kinder aus ärmeren Familien und andere Kinder zusammen Fußball spielen können und soziale Regeln für das Leben lernen“, so schreibt Özil. Dann aber „hat die Schule meinem Management mitgeteilt, dass sie mich nicht länger sehen wollen, weil sie aufgrund meines Fotos mit Präsident Erdogan, Angst vor den Medien und vor der rechten Partei in Gelsenkirchen hätten.“ Die Schule allerdings stellt das anders dar.

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Die Schulleiterin wehrt sich gegen die Vorwürfe. „Es hätte einen Termin in den Pfingstferien geben sollen, aber da wären ja auch keine Schüler da gewesen”, sagte sie der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ (WAZ). Allerdings, so räumte sie laut “WAZ” ein, könne es schon sein, dass es auch terminliche Abstimmungsprobleme unter den Schulleitungsmitgliedern gegeben habe. Özil sei weiterhin an der Schule willkommen. Man sehe ihn als ehemaligen Schüler und Förderer – nicht als politischen Menschen.  Das Management von Özil wiederum hat offenbar der „WAZ“ eine Korrespondenz zur Verfügung gestellt, aus der hervorgeht, dass auch ein Termin vor den Pfingstferien, die am 22. Mai in Nordrhein-Westfalen begannen, infrage gekommen wäre.

Möglich also, dass die Schule einfach keine Lust hatte, als Bühne für eine schnelle PR-Aktion herhalten zu müssen. Das wäre ihr kaum zu verdenken… Agentur für Bildungsjournalismus

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5 KOMMENTARE

  1. “Özil sei weiterhin an der Schule willkommen. Man sehe ihn als ehemaligen Schüler und Förderer – nicht als politischen Menschen. […] Möglich also, dass die Schule einfach keine Lust hatte, als Bühne für eine schnelle PR-Aktion herhalten zu müssen.”

    So sehe ich das auch. Der Besuch — selbst wenn er von der Schule nur für einen Özil als ehemaligen Schüler und Förderer genehmigt worden wäre — wäre von Özil selbst, seinem Management und der Presse politisiert worden.

  2. Wer sich mit einem Despoten wie Erdogan , der zehntausende Lehrer und tausende Anwälte und Richter unter ein Berufsverbot gestellt hat, sich so naiv öffentlich zur Schau stellt, freiwillig Wahlkampfhilfe für diesen türkisch-nationalistischen Präsidenten leistet, der braucht sich über das Echo nicht zu wundern, das ihn in seiner naiven Denkweise unvermindert trifft.
    Er ist schon ein Beispiel für eine erfolgreiche Integrationspolitik, nur ist ihm, Özil, die Orientierung im demokratischen Staatswesen verloren gegangen.
    Aber dafür gibt es auch die AfD, der dieses Grundmuster eines demokratischen Staatsapparates nach preußischer Religionstoleranz und Akzeptanz anderer Herkunft abhanden gekommen ist.
    Wenn gerade wieder eine Frau Alice Schwarzer ihn, Mesut Özil, als ein gescheites Beispiel anführt, zeigt sie ihre eigen Unfähigkeit zur Integration anderer Menschen aus anderen Kulturen auf.
    Anscheinend dient ihr dieser Mesut Özil nur als Vehikel, um an die dummen und durchsichtigen Vorurteile einiger Wähler zu appellieren, um bei diesen Sympathien frei zu rufen.

  3. Leider habe ich gerade keine Million frei, ich würde auch gerne mal ein wunderbares, gut durchdachtes soziales Projekt gründen.

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