Rabe: Schüler brauchen mehr Hausaufgaben

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HAMBURG. Die Hamburger Lehrer sollten den Kindern nach Ansicht von Schulsenator Ties Rabe (SPD) mehr Hausaufgaben aufgeben.

«Ich bin der Überzeugung, dass Schüler besser lernen, wenn sie auch Schulaufgaben bekommen», sagte der Senator dem «Hamburger Abendblatt» (Samstag). Dabei sei es egal, ob die Aufgaben zu Hause oder im Rahmen des Ganztagsunterrichts erledigt würden. Ihn wundere, dass Hausaufgaben aus der Mode gekommen sein sollen.

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Bildungsnahe Eltern würden sich am Nachmittag um den Lernfortschritt ihrer Sprösslinge kümmern. «Aber bei 30 bis 40 Prozent der Schüler haben wir solche Elternhäuser nicht», sagte Rabe. «Ich bin der festen Überzeugung, dass es besser ist, wenn die Schule diesen Kindern Übungsaufgaben mitgibt, damit sie auch wie die anderen am Nachmittag etwas lernen können.»

Nach Meinung von Hamburgs Bildungssenator Rabe sollten Kinder auch am Nachmittag etwas lernen können. Foto: anaterate / pixabay (CC0)
Nach Meinung von Hamburgs Bildungssenator Rabe sollten Kinder auch am Nachmittag etwas lernen können. Foto: anaterate / pixabay (CC0)

Üben, wiederholen und feste Abläufe – das ist nach Ansicht des Senators auch im Unterricht mit Kindern aus benachteiligten Familien angeraten. Erste Ergebnisse einer Studie zeigten, dass solche Schüler so auch besser lesen lernten. Rabe nannte als Beispiele das gemeinsame Lesen im Chor und das Wiederholen der immer gleichen Schlüsselwörter. «Wissenschaftler sagen uns, das funktioniert besser als die “Bücherkiste” im Klassenraum oder der Lesewettbewerb.» (dpa)

Duden-Umfrage: Eltern halten Leistungsdruck für größten Stressfaktor in der Schule

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30 KOMMENTARE

    • Wenn Hausaufgaben durch professionell betreute Lernzeiten ersetzt werden, finde ich das einen richtigen Schritt. Allerdings muss dann die Zeit, in der man sich in der Schule aufhält, erweitert werden. Das ist nicht anderes als die Konzepte der Ganztagesklassen, gebunden oder offen, wo diese Übungszeiten auch eingeplant sind.

  1. Ein guter Ansatz vom Familienvater Herrn Rabe, der wahrscheinlich von den richtigen Leuten wieder als reaktionär abgeurteilt wird.
    Wenn die Schulen keine Hausaufgaben aufgeben, so werden die Eltern aus bildungsnahen Familien diese selber stellen, um die Lerninhalte zu vertiefen.
    Niemand wird durch Hausaufgaben benachteiligt, es sei denn es erfolgt keine korrekte Rückmeldung der Schule über die Lösungen mit einer Nacharbeitung bei Problemen und Fehlern.

  2. “Üben, wiederholen und feste Abläufe – das ist nach Ansicht des Senators auch im Unterricht mit Kindern aus benachteiligten Familien angeraten.” Wenn Herr Rabe das meint und Wissenschaftler zitiert, dann liegt es ihm sicher so sehr am Herzen, dass er den 30-40% SuS, die nicht aus entsprechenden Elternhäusern kommen, über eine der Schule angegliederte und vom Land finanzierte Hausaufgabenhilfe die notwendige Unterstützung gewährt…

    … oder warum kommt ein Vorschlag, der Bildung als wichtig darstellt, aber keinerlei konkrete Konsequenzen beinhaltet?

  3. Hausaufgaben machen meisten die, die sie eigentlich nicht nötig hätten. Hausaufgaben werden meisten von jenen nicht gemacht, die sie nötig hätten.

    Hausaufgaben aufzugeben, zu erklären, eintragen zu lassen, zu vergleichen, ggf. wieder zu erklären, nachzuforden … kostet mich viel Zeit. In dieser Zeit hätten auch alle Schüler am Stundenanfang unter meiner Anleitung eine Wiederholung machen können (dazu siehe wiederum den 1. Absatz).

    Wenn Eltern zu Hause den Lernstoff gemeinsam mit den Kindern üben, ist das gut. Nicht alle Kinder haben Eltern, die dazu Zeit und Lust haben. Oft kommen berufstätige Eltern spät nach Hause und sind dann von prekären Arbeitsverhältnissen ausgebrannt. Diese Eltern dann “Lehrer spielen” zu lassen, finde ich auch unfair.

    Älteren Schüler kann man natürlich mehr Aufgaben für zu Hause übertragen, die sie eigeninitiativ lösen können sollten. Das wäre dann bereits eine Lernkompetenz.

    • “Oft kommen berufstätige Eltern spät nach Hause und sind dann von prekären Arbeitsverhältnissen ausgebrannt. Diese Eltern dann “Lehrer spielen” zu lassen, finde ich auch unfair. ”
      Aha.
      Und was wäre dann die Lösung?

      • Ganz einfach. Mehr üben in der Schule!

        Heißt auch, weniger Spielkram und Dinge, die Zeit kosten, aber nichts bringen. Heißt auch, Lehrpläne entschlacken und sich auf Wesentliches konzentrieren. Wiederholen und üben muss in die Schule verlagert werden (zumindest im Grundschulbereich wäre ich daher auch für die Ganztagsschule). Alles Spielerische kann ja nachmittags zu Hause bzw. im Hort passieren. Es wird einfach viel zu viel Zeit in den Schulen mit Unnötigem und Nutzlosem verplempert.

        Und rund 1 Monat geht verloren wegen Unterrichtsstörungen.
        Und rund 1 Monat geht verloren wegen nicht-erteiltem Unterricht (weil außerunterrichtliche Veranstaltung bzw. Lehrkraft erkrankt).

        • Wenn Wiederholen und Üben in die Grundschule verlagert werden sollen, braucht es mehr Unterrichtsstunden, die Stundentafel zeigt ja je nach Bundesland große Unterschiede.
          Aber Unterrichtsstunden brauchen Lehrkräfte und Geld.

          Und der Ruf nach Horten zieht nur dort, wo es auch Horte gibt … und es braucht ErzieherInnen, die dort arbeiten… aber diese Steuerausgaben sprudeln regional sehr unterschiedlich.
          Wo es keine Horte gibt haben Familien lediglich die Möglichkeit die Ganztagesschulen anzuwählen, die es vielleicht gibt, die aber auch einem Sparkonzept unterliegen und die am Nachmittag Beaufsichtigung anbieten, jedoch keine Förderung.

          Ansonsten: Wenn Sie selbst zu viel Zeit mit Unnötigem und Nutzlosem verplempern, können Sie ja sofort damit beginnen, Ihren Unterricht besser zu strukturieren. Der Lehrplan ändert sich nicht so schnell.

          • Der letzte Absatz disqualifiziert Sie mal wieder. Immer wieder denkt man, Ihre Nachfragen sind wirklich ehrlich gemeint, aber es geht doch wieder nur darum, dem Meinungsgegner eins auszuwischen.

            Ja, für mehr Wiederholen und Üben (in allen Schularten) wird Unterrichtszeit benötigt, die dann woanders fehlt. Deshalb sprach ich auch oft schon vom Entschlacken der Lehrpläne und verwies auf all das, was uns jetzt schon Unterrichtszeit kostet.

            Pi mal Daumen 1 Monat Unterrichtsausfall durch Unterrichtsstörungen. Pi mal Daumen 1 weiterer Monat Unterrichtsausfall durch alle möglichen außerunterrichtlichen Veranstaltungen und durchschnittliche Ausfallszeiten infolge Krankheit. Das stark zu minimieren brächte schon 1,5 Monate mehr Zeit fürs Üben und Wiederholen, ohne dass dafür ein einziger Lehrer mehr eingestellt werden müsste.

          • Ich muss auch sagen, Palim, dass mir Ihr letzter Absatz sehr missfällt und ich Ihre Giftigkeit nicht verstehe. So Unrecht hat sofawolf doch nicht, dass Sie dermaßen überheblich reagieren müssen.
            Zumindest habe ich bei ihm den Eindruck, dass er aus der Praxis berichtet und nicht mit Angelesenem und Wohlfeilem glänzt.

          • Bleibt wieder die Frage, wie man denn den Unterrichstausfall minimieren will.
            Wie schafft man es, dass der Unterricht erkrankter Lehrer dennoch erteilt wird?
            Es bräuchte im System Menschen, die das Übernehmen können.
            Aus Berlin hört man, dass Erzieher in den Schulen sind, die JETZT verstärkt zum Unterrichten eingesetzt werden.
            Was haben sie zuvor in den Schulen gemacht?

            In anderen Bundesländern gibt es diese Möglichkeit nicht.
            In Niedersachsen wird die Vertretung über Pädagogische MItarbeiter (zumeist ohne Ausbildung) geregelt, die den Unterricht beaufsichtigen/ durchführen, den Lehrkräfte zusätzlich zum Deputat für sie vorbereiten müssen. Darüber hat man schon vor Jahren Einsparungen vorgenommen und seit vielen Jahren übernehmen Lehrkräfte diese Mehrarbeit.
            Langfristige Ausfälle können von Menschen mit pädagogischer Vorbildung als Vertretungslehrkraft übernommen werden, auch diese sind aber keine Lehrer, es ist schwierig, jemanden zu finden und noch schwieriger, die Anträge und Genehmigungen alle zu erhalten. Währenddessen läuft das Schuljahr munter weiter.

            Wieder andere haben eine Mobile Reserve, sodass Lehrkräfte zur Verfügung stehen, die Einspringen können. Diesen teuren Luxus leistet sich aber offenbar nur BY.

            Die von sofawolf aufgezeigten Lösungen:
            – Ganztag und Hort – braucht Personal
            – Unterrichtsausfall minimieren durch mehr Personal

            Jeder andere, der ähnliches schreibt, wird von Sofawolf auf die Steuern hingewiesen … siehe oben ein Hinweis auf eine Unterstützung der angesprochenen 30% Kinder durch eine finanzierte und organisierte Hausaufgabenhilfe.

          • Teilweise falsch, teilweise richtig. Aber wie erkannt, sind Ihre Nachfragen ja nicht darauf gerichtet, etwas zu erfahren, sondern etwas erneut niederzumachen.

            Darauf möchte ich aber eingehen:

            (1) Zitat Palim: “Aus Berlin hört man, dass Erzieher in den Schulen sind, die JETZT verstärkt zum Unterrichten eingesetzt werden.” Wieder eine Falschauslegung. In Berlin dürfen Erzieher, die eine DDR-Lehrerausbildung hatten, aber bisher nur als Erzieher arbeiten durften, inzwischen doch wieder als Lehrer arbeiten. Nein, das referiere ich nicht weiter. Googeln Sie mal danach!

            (2) Ja, meine Vorschläge (Sie nennen nur einen Teil, wobei Sie wieder falsch wiedergeben, ich wäre für Ganztagsschulen, ich bin das nur im Grundschulbereich !!!) kosten auch Geld und ich sagte schon IMMER, DESHALB soll jetzt mal nicht in die Gehälter investiert werden, die gut sind (!!!), sondern in die Arbeitsbedingungen (welche, habe ich auch etliche Male ausgeführt), WEIL wir nicht erwarten können, dass die sprudelnden Steuereinnahmen (Schlagwort derer, die ich fragte, woher das ganze Geld für all das Wünschenswerte kommen soll, wenn doch gleichzeitig alle weniger Steuern zahlen wollen), nur und ausschließlich für die Lehrer ausgegeben werden, WEIL Geld im ÖD überall fehlt. DAS ist meine Argumentation, die Sie ja nun schon seit einigen Jahren kennen (aber immer wieder falsch darstellen).

  4. Ich selbst gebe HA in der Regel so auf, dass ich nichts mehr erkläre, weil sich die Übungen aus dem Unterricht ergeben und die Kinder außerdem selbst lesen und nachdenken sollen. Das erfordert natürlich differenzierte HA.
    Die Kontrolle danach ist meist Partneraufgabe und dauert in der Regel 3-4 min. Ergo ist der übrig bleibende Übungseffekt durchaus lohnenswert.
    Nicht verschweigen darf ich allerdings, dass ich regelmäßig alle Hefte kontrolliere und somit auch die HA der Kinder selbst zu Gesicht bekomme, um korrigierend eingreifen oder Wiederholungen planen zu können.
    … Ich merke aber, dass der größte Lerneffekt durch die eingeforderte Selbständigkeit zu verzeichnen ist. Langsam zwar, aber immerhin. 😉
    Es geht bei HA um mehr als die Übung am Stoff. Selbstorganisation, Konzentration und Selbstbewusstsein als langfristige Ziele sind auch nicht zu verachten! Es wäre schön, wenn das in die Diskussionen mit einbezogen werden könnte.

    • @ simmiansen, gut, wenn Sie es denn unbedingt wollen:

      Ich halte das für reichlich schöngefärbt und an der Wirklichkeit vorbei. Es hört sich an wie von einer Theoretikerin (Uni-Dozentin, Studienleiterin)?

      • Um noch ein wenig ins Detail zu gehen, die schöne Partnerarbeit zum Vergleichen der Hausaufgaben würde wohl in allen Klassen meiner Schule schon mal daran scheitern, dass 1/4 bis sogar die Hälfte, gelegentlich sogar noch mehr Kinder die HA nicht gemacht haben (nicht wenige würden behaupten, wenn sie vorher nicht erklärt worden war, sie hätten sie nicht verstanden). D.h., ich müsste also die Partnerarbeit zwischen denen organisieren, die sie gemacht haben, oder wie machen Sie das? Machen auch die mit, die sie nicht gemacht haben, dann ist es aber kein Vergleichen mehr und wenn es also keine Sanktion gibt, dann verführt es noch mehr dazu, die HA künftig nicht mehr zu Hause zu machen. Dann sitzen da noch mehr Kinder, die die HA in Partnerarbeit vergleichen sollen, aber nicht gemacht haben.

        Das zweite Problem sehe ich in der Qualität der gegenseitigen Kontrolle. Hier kommt es sicher auch auf die Altersstufe an, aber nicht nur. Hat denn bei Ihnen jedes Kind die HA automatisch richtig gemacht? Was ist, wenn zwei mit den gleichen Fehlern aufeinander treffen und sich also gegenseitig “Recht geben”? Von älteren Kindern können Sie nicht sprechen, denn da werden Sie kaum noch regelmäßig die Hefte und die HA darin kontrollieren. (regelmäßig = einmal wöchentlich, einmal monatlich, einmal halbjährlich???) Je jünger die Kinder, desto mehr Bedenken habe ich um diese Qualität der gegenseitigen Kontrolle. Woher wissen Sie, dass dann richtige Lösungen kommunziert werden und dass falsche korrigiert, aber auch erklärt werden? Reicht es Ihnen, wenn gesagt wurde, dass etwas falsch war oder muss es auch berichtigt werden? Wie kriegen Sie mit, dass Fehler berichtigt werden und vernünftig erklärt wird, warum das falsch war?! So manche werden sich, ja, in 3-4 Minuten schnell die Lösung sagen und sind dann fertig. Ob das wirklich alles richtig war, wie erfahren Sie das? Ach ja, durch ihre regelmäßige Heft-Kontrolle.

        Wie greifen Sie korrigierend bei den HA ein, die Sie durch die Heft-Kontrolle regelmäßig zu Gesicht bekommen? Geben Sie viele oder wenige HA? Da Sie sie ja immer regelmäßig kontrollieren?! Wie schaffen Sie das (neben den Tests und Klassenarbeiten oder müssen Sie keine Noten geben?)? Von welchen Fächern reden Sie da eigentlich? Von was für HA vom Umfang her? Was passiert mit den Fehlern, die Sie in den Heften finden? Müssen die Kinder sie dann auch berichtigen? (Wozu sonst angestrichen?) Kontrollieren Sie die Berichtungen auch? (Sollten Sie aber, sonst war das ja für die Katz’!) Und die Berichtigungen der Berichtigungen? Sie wissen ja, das Falsche lernt man genauso durch Wiederholung wie auch das Richtige. Es muss also unbedingt am Ende richtig da stehen, gerade dann, wenn es sich bereits wiederholt hat. Wie leisten Sie das alles? Tun Sie das überhaupt?

        Es klingt doch alles ein bisschen zu sehr “idealtypisch” und “praxisfern”. Jedenfalls ohne die ganzen Detailinformationen.

      • Sofawolf,

        sorry, aber bei mir funktioniert es! Man muss natürlich ab Klasse1 konsequent hinterher sein … gepaart mit vielen Formen der Lernmotivation.
        Ich bin seit nunmehr mehr als 30 Jahren Lehrerin und kann bestätigen, dass es unheimlich schwierig geworden ist, früher selbstverständliche Dinge einzufordern. Dass deshalb viele KollegInnen resignieren, kann ich durchaus nachvollziehen – geht mir in manchen Bereichen ja auch so.
        Aber genau deshalb ist die Übung nach einer Erholungspause am Nachmittag so wichtig. … Und genau deshalb finde ich Rituale (und Konsequenzen), die sowohl die Erledigung als auch die Kontrolle zeitlich knackig halten, damit ich den Kindern nicht auch noch diese Chance des Lernens nehme.
        Nun zu Ihren Fragen:
        Die HA plane ich möglichst so, dass die vorgeschriebene Erledigungszeit von 30 bzw. 45 min. einzuhalten ist. Geben Eltern oder Betreuungskräfte Rückmeldung, dass das Pensum zu umfangreich ist, suche ich stets das Gespräch mit den Eltern. Meist stellt sich dann heraus, dass das Problemen an Mutter-Kind-Spielen oder einer der zunehmenden Lernproblematiken liegt. Wenn nicht, gibt es eine individuelle Lösung.

        Wie schon geschrieben, erkläre ich die HA oft nicht, denn unser Motto lautet: “Wer lesen kann, ist klar im Vorteil”. Dazu sind die HA meist als Weiterführung der Übungen im Unterricht angelegt – nicht selten differenziert, denn die Kinder sollen ja auch in der Lage sein, selbstständig arbeiten zu können.
        Ab der Klasse 3 gibt es HA-Chefs für D und MA. Sie entscheiden (anfangs mit L-Unterstützung), ob gemeinsam oder in Partnerarbeit kontrolliert wird. Letzteres kennen die Kinder ab Klasse 1, wobei Kinder gleicher Leistungsgruppen die Hefte tauschen. Nach 3 Minuten (absehbar an einer Eieruhr) beenden die Chefs und alle Kontrolleure unterschreiben an der Stelle, bis zu der sie kontrolliert haben. Den Rest übernehme ich später.
        Natürlich übersehen die Kinder Fehler, besonders wenn sie schwach sind. Aber es geht erst einmal um die Kontrolle: Erledigt? … Grundsätzlich richtig? … Form stimmt?
        Was ich aus DDR-Zeiten beibehalten habe ist: Hefte der Klasse 1 werden mit jedem Buchstaben und jeder Zahl kontrolliert. Hefte der Klasse 2 fast genau so, nur überfliege ich die Hefte derer, die leichter lernen, manchmal etwas oberflächlicher. Ab Klasse 3 schaue ich bei grundsätzlichem Lernstoff noch genau hin, z.B. Lernwörter oder Grundaufgaben und dass die Aufgaben an sich alle erledigt wurden. Nun, in Klasse 4 nehme ich mir vor, etwas lockerer zu lassen und den Kindern mehr Verantwortung in die Hände zu legen.
        Es heißt auf jeden Fall und in jeder Klassenstufe: Täglich etwas kontrollieren – so, wie es früher normal war. Nur heute reibt es einen schon mal auf, weil da noch so viele Baustellen warten. Aber wie gesagt: Es lohnt sich laaaaangfristig.
        Kinder, die die HA nicht erledigt haben (inzwischen seltener geworden) warten diese 3 min Kontrollzeit und können sie auch nutzen um zuzuhören, wie sie beim Nachholen zu arbeiten haben.

        Gravierende Fehler oder eindeutig Hingewurschteltes müssen noch einmal bearbeitet werden. Ich markiere diese Stellen mit Kreuzen und Markierungsstreifen am Rand der Seite(n). … und sehe dann beim nächsten Mal gleich, wo ich genau hinzusehen habe.
        Sollte eine Berichtigung der Berichtigung anstehen, wird mitgeteilt, in welcher 6. Stunde nachgeholt wird.

        Zeigen sich bei der HA-Kontrolle übrigens durchgehende Fehler oder Missverständnisse, werden aus den 3 Minuten schon mal 30, um noch mal zu zeigen oder zu erklären/erklären zu lassen.

        In Hessen (wohin es mich verschlagen hat) dürfen in D und Ma nur 3 Arbeiten sowie in Sachunterricht nur 2 Arbeiten pro Halbjahr geschrieben werden. Dieser Kontrollaufwand ist also im Vergleich zu vernachlässigen.
        Um immer den genauen Überblick über den Leistungsstand zu haben, schreibe ich zu jedem Thema kleine Diagnosen auf einem A5-Blatt – auch als Rückmeldung an die Kinder über den Lernfortschritt. Geht aber auch recht schnell mit dem Nachsehen.

        Ist das jetzt praxisfern genug? 😉
        Für mehr Detailinformationen aus der PRAXIS stehe ich gerne zur Verfügung – falls denn weiteres Interesse besteht. 😉

        • @ simmiansen: Das haben Sie sehr schon ausführlich und detailliert genug beschrieben.

          Es geht also um die Grundschule und eher noch um die Jüngsten (bis maximal Klasse 4). Da ist vieles sicherlich leistbar, was Sie schreiben. Ich will nicht weiter hinterfragen.

          Sie leisten eine tolle Arbeit, wie mir scheint. Danke!

          • Entschuldigen Sie, ich tue es einfach. Es ist ja anonym.

            Ich finde das, was Sie da schreiben, im Großen und Ganzen voribildlich und beispielhaft !

          • Sofawolf,
            danke für Ihre Anerkennung von Grundschularbeit. 🙂

            Sie haben Recht: Ich hätte erst mal auf den wesentlichen Fakt eingehen sollen, dass ich mit der 1.-4. Klasse arbeite. Ups.
            Auch dort ist immer weniger leistbar und jeder muss für sich Prioritäten finden.
            Nun, meine ist es , den Kindern eine positive Lebens- und Arbeitshaltung mitzugeben.

            Leider werden uns dabei nicht nur durch die immer weiter auseinander klaffende Heterogenität, sondern auch durch die oft praxisfernen Vorgaben der Administration sowie die Nichtachtung unserer Arbeit immer mehr Steine in den Weg gelegt.
            Aber das ist schon wieder eine der zahlreichen anderen “Baustellen”.

            PS: Sie können mich gern zitieren unter der Bedingung, dass der Sinnzusammenhang dabei gewahrt bleibt und neutral gegenüber KollegInnen eingesetzt wird. 😉
            Wir sitzen schließlich alle irgendwie in einem Boot und ich finde, dass dieses Forum dem kollegialen Austausch verschiedener Sichtweisen und der gegenseitigen Unterstützung dienen sollte.
            Jede Schulart hat ihr Päckchen zu tragen, aber kaum einer weiß wirklich, was im anderen drin ist. Ich denke jedoch, kaum einer wollte das Päckchen des anderen tragen, …

          • Ich habe 90% zitiert, nur die letzten 3 Sätze nicht. Ich habe nichts weggelassen davor und nichts hinzugefügt. 🙂

          • Oh, das ging schnell, da hatten Sie bestimmt schon einen zu kommentierenden Beitrag im Blick.?
            Darf ich wissen, welchen. 🙂

            … Ich lese auch gerne konträre Meinungen, weil sie immerhin manchmal interessante Denkanstöße in verschiedene Richtungen geben. 😉

          • Danke für den Link.
            Habe auch gleich reingeschaut ;-).
            Der Kollegin “Schneefrau 27” hätte ich dabei gern geantwortet, doch dafür muss man sich sicher anmelden, wozu ich im Moment nicht den Nerv habe.

            Vielleicht wäre es gut mitzuteilen, dass ich dem Gesetz nach die ELTERN über das Nachholen der “Berichtigung von der Berichtigung” informiere. Geht fix mit Stempel im HA-Heft.

            Ein schönes Wochenende
            … wozu ich auch Ruhe und Entspannung wünsche. 😉

  5. Gibt es nicht in allen Bundesländern eine Verordnung in Bezug auf Hausaufgaben?
    In Bayern – so steht es sinngemäß in der Schulordnung – werden Hausaufgaben zum Zwecke des Einübens des Unterrichtsstoffes und der Anregung zur eigenen Tätigkeit. In der Grundschule ist der Richtwert für einen Schüler mit einem durchschnittlichen Leistungsvermögen eine Stunde.
    http://www.gesetze-bayern.de/Content/Document/BaySchO2016-28

    Nach Artikel 76 des BayEUG (weiteres Gesetz) sind zudem die Erziehungsberichtigten verpflichtet, auf die gewissenhafte Erfüllung schulischer Pflichten (das sind auch Hausaufgaben) zu achten.

    So ist es zumindest einmal geregelt. Ich halte mich bei den Hausaufgaben daran – nicht nur, weil es im Gesetz steht, sondern weil diese Regelung wirklich sinnvoll ist.
    Kritisch ist, wie Eltern die Verpflichtung zur gewissenhaften Erfüllung leisten können oder wollen. Den Kampf mit den Hausaufgaben führe ich mit jeder Klasse. Mehr als zwei Stunden pro Tag kann ich nicht für die Kontrolle sämtlicher Haus- und Schularbeiten verwenden, das andere übersteigt die zeitlichen Ressourcen, ich muss ja auch noch andere Sachen machen. (Es ist, wie jemand anders geschildert hat, öfter auch einmal eine Klassenkontrolle oder eine Partnerkontrolle vorgeschaltet.) Das ständige Nachfordern und Nachkontrollieren frisst auch Zeit.
    Es ist für mich eine richtige Erleichterung, wenn ich einmal Hausaufgaben gebe, die ich nicht kontrollieren muss. Es ist einfach ein Dilemma – man will, dass die Schüler ihre Übungsaufgaben ordentlich erledigen, dass ein Lernzuwachs da ist, doch immer weniger Eltern überwachen je nach Bedarf diese Hausaufgaben zuhause. Und ich stehe immer vor der Frage, lasse ich das durchgehen oder nicht, schaffe ich es noch zeitlich, wenn ich es nicht durchgehen lasse. Auf der anderen Seite fällt es mir sehr schwer, eine “hingerotzte” Hausaufgabe, wo man genau merkt, dass der Kopf nicht bei der Sache war oder eine Hausaufgabe mit vielen Fehler einfach so stehen zu lassen, weil hier der Lerneffekt zu Null tendiert.

    Die Denkweise ist allgemein so, dass man meint, dass der Lehrer, der die Hausaufgaben gibt, auch verantwortlich für die Durchführung ist. Ich kann halt nur in der Schule schauen, wie die Schüler ihre Übungsaufgaben machen, mein Arm reicht nicht bis nach Hause.
    Langjährige Erfahrungen zeigen, selbst, wenn ich die Eltern auf die Mängel in der Hausaufgabenerledigung aufmerksam mache, wird das kurzfristig besser, aber langfristig fallen alle Eltern wieder in ihre alten Gewohnheiten zurück. Die Messskala der Eltern sind die Noten. Wenn die gut oder erwartungsgemäß ausfallen, haben bei den meisten die Hausaufgaben keine große Priorität.

    Ich schätze es so ein, dass es mindestens die Hälfte und sogar mehr der Eltern nicht verinnerlicht hat, dass sie sehr wohl – und nicht nur in Klasse 1 und 2 – eine Verpflichtung haben, je nach Gewissenhaftigkeit ihres Kindes die Hausaufgaben zu überwachen – zumindest, wenn ihr Kind die Hausaufgaben am Nachmittag zuhause macht.
    Haben sie ihr Kind in einer gebundenen Ganztagesklasse (rhythmisierter Unterricht) oder einer offenen Ganztagesklasse (Hausaufgabenbetreuung nachmittags) , dann sind sie größtenteils von dieser Pflicht entbunden.

    • ysnp,
      danke für diesen ehrlichen Beitrag, der das Dilemma aufzeigt, dass zunehmend viele Eltern aus verschiedensten Gründen die HA als Belastung empfinden und ihre Kinder nicht unterstützen wollen oder können. Deshalb plädiere ich für ein System von gut ausgestatteten und sinnvoll organisierten Ganztagsschulen. (Man braucht ja noch Träume. 😉

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