Viele Seiteneinsteiger: Auch Hesse liebäugelt jetzt mit A13 für Grundschullehrer

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SCHWERIN. Seit Montag läuft in Mecklenburg-Vorpommern wieder der Unterricht. Nach Meinung von Bildungsministerin Hesse ist das Schuljahr 2018/19 – auch dank vieler neuer Lehrer – ruhig und geordnet gestartet. Trotzdem denkt sie laut darüber nach, Grundschullehrkräfte künftig doch nach A13/E13 zu besolden. Die Bildungsgewerkschaft GEW wundert das nicht. Sie kritisiert einen holprigen Schuljahresstart.

Kämpft gegen den Lehrermangel auf dem Land: Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD). Foto: Bildungsministerium Mecklenburg-Vorpommern
Ist das Glas halb voll – oder halb leer? Macklenburg-Vorpommerns Bildungsministerin Birgit Hesse. Foto: Bildungsministerium Mecklenburg-Vorpommern

Mecklenburg-Vorpommern hat zum neuen Schuljahr so viele Lehrer eingestellt wie nie zuvor, muss aber immer häufiger auf Seiteneinsteiger zurückgreifen. Wie Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD) am Dienstag in Schwerin sagte, wurden 639 Lehrer neu in den Schuldienst übernommen. Etwa 30 Prozent davon seien Seiteneinsteiger. «Mir wäre auch lieber, wir hätten mehr ausgebildete Lehrer einstellen können. Die aber sind ein rares Gut, um das wir alle im Wettbewerb stehen», erklärte Hesse. Mit einem Drittel an Seiteneinsteigern bei den Neueinstellungen sei das obere Limit aber erreicht.

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Diese Lehrer hätten zumeist ein naturwissenschaftliches Hochschulstudium absolviert, seien aber ohne pädagogische Ausbildung, die berufsbegleitend nachgeholt werde. Wichtig sei dabei ein dreiwöchiger Kompaktkurs in Pädagogik und Didaktik gleich zu Beginn des Schuljahres, betonte Hesse. Den betroffenen Schulen würden dafür gesondert Stunden zugewiesen, was allerdings nicht alle Nachteile für den Schulstart aufwiege, räumte Hesse ein.

Wichtig sei aber, dass möglichst wenig Stellen unbesetzt blieben. Laut Hesse waren zum Schulstart bei landesweit 11 500 Pädagogen an öffentlichen allgemeinbildenden Schulen noch 27 der ausgeschriebenen Lehrerstellen offen. Mit den vielen Neueinstellungen könne die Unterrichtsversorgung an den 483 Schulen sichergestellt werden. «Das Schuljahr 2018/19 ist ruhig und geordnet gestartet», konstatierte Hesse. In Berlin etwa, wo ebenfalls am Montag die Schule wieder begann, seien noch 1000 Lehrerstellen vakant.

Die Linke warf der Ministerin erneut Schönfärberei vor. «Wie kann Frau Hesse zufrieden sein, wenn 30 Prozent der eingestellten Lehrkräfte Seiteneinsteigerinnen und -einsteiger sind? In keinem anderen Bundesland werden diese Lehrerinnen und Lehrer derart allein gelassen und ins kalte Wasser geworfen», beklagte Linken-Fraktionschefin Simone Oldenburg. Eine «Schnellbesohlung» ersetze kein Referendariat und schon gar nicht ein Lehramtsstudium. Seiteneinsteiger seien für eine kurzfristige Lösung des Lehrkräfteproblems nötig, bräuchten aber eine fundierte pädagogische Grundausbildung, forderte Oldenburg.

Auch die Bildungsgewerkschaft GEW kam zu einer anderen Bewertung des Schulstarts im Land als Hesse. Vielfach habe es bis zuletzt Unsicherheiten bei der Stellenbesetzung und Stundenverteilung gegeben. «Der Schulstart war alles andere als geräuschlos», sagte die GEW-Landesvorsitzende Annett Lindner. Die Personaldecke sei zudem äußerst dünn geplant. «Weiterbildungen, Krankheit oder Familienzeiten können dann den Stundenplan schon schnell einmal durcheinander bringen», erklärte die Gewerkschafterin. Sie fordert Hesse auf, den Beruf attraktiver zu machen, insbesondere für den Grundschulbereich.

Hesse zeigte sich erstmals offen für den Vorschlag, die Gehaltsklassen der Grundschullehrer bis A13 sowie E13 anzuheben. «Wir stehen im Wettbewerb mit den anderen Bundesländern. Da wären wir gut beraten, diesen Weg auch zu gehen», sagte die Ministerin. Mehrere Bundesländer, darunter Berlin, Brandenburg und Sachsen, haben eine finanzielle Angleichung der Gehälter für Grundschullehrer bereits beschlossen.

Von den zum neuen Schuljahr ausgeschriebenen 100 Referendarsstellen an Grundschulen konnten laut Ministerium mangels Interesse lediglich 35 besetzt werden. Für die Gymnasien hingegen hatte es dreieinhalb Mal so viele Interessenten gegeben wie Stellen. Hesse kündigte zeitnah Gespräche mit den beiden Universitäten im Land an, um das Lehrerstudium interessanter zu machen und eine bedarfsgerechte Ausbildung zu erreichen. «Ich habe klare Vorstellungen», sagte die Ministerin. Diese wolle sie aber mit den Zuständigen an den Hochschulen besprechen, ehe sie damit an die Öffentlichkeit gehe, erklärte Hesse auf Nachfrage. dpa

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2 KOMMENTARE

  1. Man kann ja aus verschiedenen Gründen für die gleiche Bezahlung sein, aber mit dem Lehrermangel hat sie NICHTs zu tun und deshalb würde gleiche Bezahlung allein (!) auch nichts am Lehrermangel ändern.

    Man stelle sich also vor, es würden die Ausbildungsplätze nicht erhöht werden und es würden nicht mehr Lehrer eingestellt / gebraucht werden, dann würde gleiche Bezahlung auch nicht dazu führen, dass wieder mehr Leute Lehrer werden wollen. Es würde sich lediglich eine Verschiebung innerhalb der Lehrämter ergeben, mehr Grundschullehrer, aber weniger Gymnasiallehrer womöglich – wenn überhaupt.

    Und man stelle sich außerdem vor, dass alle Bundesländer A13/E13 für alle zahlen. Worin besteht denn dann der Wettbewerbsvorteil? In 3 Jahren ist der eh vergessen und alle, naja fast alle jammern wieder neu über die “schlechten Gehälter” und die geringe Wertschätzung im Vergleich zu jenen, die noch mehr bekommen.

    • … aber die Probleme, wegen derer man mit besseren Gehältern unser Stillhalten kaufen wollte, sind alle noch da und ungelöst.

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