Dauerstress im Schulalltag: ZDF-Dokumentation zeigt “Lehrer am Limit”

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MAINZ. Lehrer arbeiten nur halbtags und machen ständig Ferien – so das gängige Klischee. Doch die Realität sieht ganz anders aus. Mit dem gesellschaftlichen Wandel sind die Anforderungen an Lehrer massiv gestiegen. Die Hauptaufgabe, die Bildung, bleibt dabei oft auf der Strecke. Die “37°”-Dokumentation “Lehrer am Limit – Dauerstress im Schulalltag” begleitet im ZDF am Dienstag, 18. September 2018, 22.15 Uhr, zwei leidenschaftliche Lehrer, die ihren Beruf zwar lieben, der sie aber auch an ihre Grenzen bringt.

Christof B. (48) unterrichtet an der Gertrud-Bäumer-Realschule in Dortmund. Er will Wissen vermitteln und muss ständig Ruhe und Disziplin herstellen. Foto: obs/ZDF

Julia W., 42, Lehrerin an einer Gesamtschule in Kassel, unterrichtet Englisch, Politik, Wirtschaft und Darstellendes Spiel. Sie ist Klassenlehrerin einer 8. Hauptschulklasse mit 24 Schülern – davon sechs mit Förderbedarf, also Inklusionskinder. Um den Lehrstoff zu vermitteln, muss Julia erstmal für Ruhe sorgen. Was von dem vermittelten Wissen hängenbleibt, ist unklar. Entsprechend sind die Noten und die Perspektiven der Schüler. Zum Schuljahresende haben an dieser Schule nur fünf von 133 Abschlussschülern eine Lehrstelle. “Ich bin hier Sonderpädagogin, Rechtsexpertin, Reisekauffrau und vor allem Psychologin”, sagt die alleinerziehende Mutter dreier Kinder über ihren Beruf, der einmal Berufung war. “Manchmal denke ich, da wird eine ganze Generation an die Wand gefahren.”

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Christof B., (48, verheiratet, eine Tochter) ist seit 20 Jahren Lehrer. Er unterrichtet an einer Realschule in der Dortmunder Nordstadt Mathematik und Erdkunde. Viele seiner Schüler haben einen Migrationshintergrund, in seiner 6. Klasse gibt es vier Inklusionskinder. Statt Frontalunterricht fördert der Lehrer das so genannte kooperative Lernen. Das schafft einen hohen Lärmpegel. “Die Schüler sind eigentlich nicht mehr in der Lage, sich länger als 20 bis 30 Sekunden zu konzentrieren. Ich denke mir, das ist auch so ein YouTube-Zeitalter Problem”, sagt Christof. Genervt ist er allerdings, dass seine Schüler immer weniger Wissen behalten. “Ich kann heute nicht mehr die Lehrstoffe vermitteln, die ich noch vor Jahren mit den Schülern geschafft habe”, trotzdem glaubt der Lehrer fest daran, dass seine Schüler ihren Weg gehen werden. News4teachers

Nach dem Sendetermin am Dienstag, 18. September 2018, ist die Doku hier verfügbar.

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7 KOMMENTARE

  1. Bei den Lehrern am Limit ist in den Dokusendungen immer ein Chaos und eine Lautstärke in den Klassenräumen. So kann man doch nicht arbeiten und über Sachverhalte reflektieren.

  2. Die Kasseler Lehrerin ist aber ziemlich aggressiv und demotivierend, wenn der eine Schüler “it gives” sagt. Erhält man bei einem solchen Verhalten das 2. Staatsexamen? Da müsste mal stärker gesiebt werden. Mich haben solche Verhaltensweisen von Lehrern jedenfalls immer ziemlich demotiviert. Das von 133 Schülern nur 5 eine Ausbildungsstelle bekommen, spiegelt auch die katastrophale Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt wider.

  3. Ach ja: Der 90-minütige Unterricht dürfte auch stark zur Erschöpfung der Lehrer und zur Unruhe unter den Schülern beitragen, da eine Pause nach 45 Minuten meist fehlen dürfte. Sitzen die Schüler dann auch dann die meiste Zeit, kommt es dann noch zu Krankheitsbildern wie Rückenschmerzen und verkürzte Oberschenkelmuskulatur, was sich im Alter noch rächen wird und die Gesundheitskosten in die Höhe treibt.

    • Ich sprach mich zu Zeiten meiner Ausbildung zwar sehr für Doppelstunden aus, aber nicht ohne kleine Pause dazwischen. Sie sollte nur vom Lehrer flexibel eingeräumt werden, natürlich nicht genau am Anfang oder einfach am Ende.

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