Schulkakao: Foodwatch sieht darin “lobbyverseuchtes Absatzförderprogramm”

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DÜSSELDORF. An vielen Schulen in NRW bekommen Kinder und Jugendliche vergünstigten, gezuckerten Kakao. Das ist der Verbraucherorganisation Foodwatch ein Dorn im Auge. Sie sieht ein Zusammenwirken von Milch-Lobby und Politik – zulasten der Schüler.

Gezuckerte Milch? Muss nicht sein, meint Foodwatch. Foto: Travis Wise / flickr (CC BY 2.0)

Die Verbraucherorganisation Foodwatch wirft der nordrhein-westfälischen Landesregierung vor, den Schulmilchabsatz der Molkereien vor die Gesundheit der Schüler zu stellen. Das Angebot sei «ein lobbyverseuchtes Absatzförderprogramm für die Milchwirtschaft», sagte Foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker am Mittwoch in Düsseldorf. Dazu stellte die Organisation ihren Bericht vor: «Im Kakao-Sumpf – der Schulmilch-Report».

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Im Zentrum der Debatte steht die Abgabe von vergünstigtem, gezuckertem Kakao an Schüler. Foodwatch, Ärzte und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sehen eine Gefahr für die Gesundheit der Kinder und Jugendlichen und verlangen ein Ende der Förderung. Die Landesvereinigung der Milchwirtschaft NRW bezeichnete die Forderungen als unverantwortlich.

Seit Jahrzehnten gebe es in NRW eine Verflechtung zwischen Milchwirtschaft, Wissenschaftlern und Politik, bemängelt der Foodwatch-Bericht. Mit «dubiosen Auftragsstudien» werde der Eindruck erweckt, dass Kakao gesund und intelligenzfördernd sei. Zudem dürfe die Milchwirtschaft sogar Werbung in den Klassenzimmern machen.

Ausgewogene Ernährung in den Mittelpunkt

Die Gewinne der Lieferanten seien abhängig vom bei Schülern beliebten Kakao. Dafür werde «die Extraportion Zucker eben billigend in Kauf genommen», sagte Rücker. Die gesundheitsschädigende Wirkung für die Kinder werde vernachlässigt. Die Organisation pocht darauf, die Kakao-Förderung zu beenden und die Nähe zwischen Landespolitik und Milchwirtschaft aufzulösen.

Das Verbraucherministerium hatte angekündigt, das Schulmilchprogramm nach dem laufenden Schuljahr erneut auf den Prüfstand zu stellen. Rücker fordert, die Frage einer ausgewogenen Ernährung der Kinder in den Mittelpunkt zu stellen. Ihren Calciumbedarf könnten Schüler auch ohne gezuckerte Milchgetränke decken, beispielsweise mit Käse.

Die Landesvereinigung der Milchwirtschaft hielt dagegen, auch Schulmilch und Kakao lieferten Kindern, die ohne Frühstück in die Schule kommen, Nährstoffe und Vitamine. Der Zuckergehalt im Schulkakao unterschreite den vorgegebenen EU-Wert deutlich.

Aus Sicht der GEW ist das zu wenig. Noch immer enthalte jede Packung Kakao sieben Stücke Würfelzucker. Auch Burkhard Rodeck von der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin bezeichnete die Subventionierung von Kakao als «sehr problematisch». Der Staat solle besser Wasserspender und gesunde Ernährungsprogramme fördern, sagte er der dpa.

«Es gibt derzeit einen sehr fruchtbaren und offenen Austausch, bei dem es nicht um eine Abstimmung für oder gegen Kakao geht, sondern generell um die Rahmenbedingungen einer gesunden Schulverpflegung», sagte Ministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) laut Mitteilung über die Debatte. Einen überstürzten Ausstieg aus der Kakao-Förderung halte sie für nicht sinnvoll. Das Ministerium will nach eigenen Angaben zunächst weiter Fakten sammeln und auf dieser Basis entscheiden.

Für Nikolaj Grünwald von der Landesschülervertretung geht es vor allem «um freien und sozial gerechten Zugang zu gesunder Ernährung» für alle Schüler des Landes. Er betonte allerdings auch, dass der Kakao für viele Schüler ein «Ersatzfrühstück» sei.

Die Landesregierung stellt für das Schulmilchprogramm im laufenden Schuljahr nach eigenen Angaben circa 2,6 Millionen Euro aus EU-Mitteln und 370 000 Euro aus Landesmitteln bereit. 5437 Einrichtungen und insgesamt 186 194 Schüler nahmen im Schuljahr 2016/2017 an dem Programm teil, wie aus Zahlen des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz hervorgeht. dpa

Offener Brief: Ärzte, Lehrer und Eltern machen gegen Schulkakao mobil

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1 KOMMENTAR

  1. Ich halte nichts davon, Schulkakao etc. anzugreifen, schließlich gibt es auch untergewichtige Kinder, die jede Kalorie gut gebrauchen können. Solange es sowohl Wasser und Milch als auch Kakao gibt, kann jeder sich individuell passend ernähren.

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