Herr über 10.000 Figuren – Lehrer gestaltet bunte Playmobil-Welten

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HANNOVER. Erdmännchen in der Prärie, daneben ein Lagerfeuer und Cowboys. Das alles ist aus Playmobil-Figuren und mit vielen anderen Materialien aus dem Baumarkt in liebevoller Kleinarbeit entstanden. Der Lehrer Robert Packeiser bastelt begeistert an seinen historischen Dioramen.

Sorgsam schüttet Robert Packeiser ein wenig Sand auf, setzt kleine Palmen darauf und Playmobil-Figuren, die Ägyptern nachempfunden sind, hinein. Hinter dem sandigen Ufer am hellblauen Fluss sind Pyramiden und ein orientalischer Palast zu sehen. Jetzt ist der 46 Jahre alte Modellbauer in seiner eigenen Welt. «Das Bauen ist wunderbar meditativ», schildert Packeiser, während er in seinem etwa 135 Quadratmeter großen Hobbyraum in Hannover steht. Den schlanken Mann, der mit ruhiger Stimme spricht, umgeben in seinem Atelier etwa 10 000 Playmobil-Figuren und allerlei Baumaterial für neue Dioramen.

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Als Anschauungsmaterial für seine Schüler will Robert Packeiser seine Playmobil-Dioramen nicht benutzen. Foto: funnytools / Pixabay (CC0 1.0)
Als Anschauungsmaterial für seine Schüler will Robert Packeiser seine Playmobil-Dioramen nicht benutzen. Foto: funnytools / Pixabay (CC0 1.0)

«Im Kopf ist die Welt schnell fertig», schildert der Lehrer für Geschichte und Kunst. Packeiser arbeitet meist parallel an verschiedenen Welten: Barock, Western, Asien, Mittelalter, Stadt im 19. Jahrhundert, Märchen oder Dinosaurier. Seine Fantasie scheint ihm keine Grenzen zu setzen. Er orientiert sich bei seinen Themenwelten, die er mit zig Figuren aus Playmobil bestückt, an historischen Fotos, Gemälden oder Holzschnitten. «Ich recherchiere vorab zu den Themen», sagt er. «Oft fallen mir, wie auf einer Mind Map, gleichzeitig viele Dinge zu einer Epoche ein, die dann im Modell verdichtet werden».

In Kleinarbeit widmet sich Packeiser dann der Umsetzung seiner Idee – das reicht vom ersten Plan über das Bauen größerer Gebäude bis hin zum Bemalen der Straßenschilder und der Inneneinrichtung von Burgen und Tipis. In der Regel baut er ein halbes Jahr an einer neuen Welt.

Sechs seiner Dioramen können sich Besucher derzeit in einer Ausstellung im Historischen Museum in Hannover anschauen. Unter dem Titel «Geschichte spielen mit Playmobil» zeigen das Museum und Packeiser in mehreren Schaukästen zum Beispiel zwei Mittelalter-Welten, eine Barock-Welt und welche zu den Themen Mythen und Märchen. Auch regionale Bezüge sind eingebaut: So wandelt eine Figur, die den Universalgelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz darstellt, durch einen barocken Garten. Der Philosoph verbrachte einen Teil seines Lebens in Hannover, dem damaligen Sitz der Welfen.

Für Packeiser begann die Faszination für Playmobil 1976. Damals betrat er mit seiner Mutter und seinem Bruder einen Spielwarenladen in Bremen. «Seitdem ist kein Tag vergangen, an dem ich mich nicht mit dem Thema beschäftigt habe», erklärt der Mann mit Glatze und angegrautem Bart. Damals, als er drei oder vier Jahre alt war, habe er sich ein Set mit einer Putzfrau ausgesucht, weil er die dazugehörigen Utensilien wie einen Staubsauger von zu Hause kannte. Die vielen Möglichkeiten, das Spielzeug kreativ zu nutzen, begleiten ihn auch auf Reisen. «Der Playmobil-Katalog ist immer dabei», sagt er und schmunzelt. Vor etwa 15 Jahren war seine erste Playmobil-Welt fertig. Nun hat er 21 fertige und halb fertige Dioramen erschaffen.

Dass er selten das Gefühl hat, mit einem seiner Projekt fertig zu sein, liegt auch an seinem Perfektionismus. Keine der verbauten Playmobil-Figuren gibt es bei Packeiser doppelt. Er setzt die Figuren immer neu zusammen. «Zumindest eine andere Haarfarbe müssen sie haben», sagt er und zeigt auf die Gruppe von Indianern, die bei näherem Betrachten tatsächlich unterschiedlich aussehen. Einmal wollte er für eine Formel-1-Szenerie eine Tribüne mit Zuschauern besetzen und plante dafür zunächst hundert Mann ein. Nötig waren am Ende jedoch 350 Playmobil-Figuren, damit die Tribüne voll wirkte.

Solches Umplanen und die Liebe zum Detail stört Packeiser aber nicht. Im Gegenteil: Es macht für ihn sogar den Reiz seines Hobby aus. In seiner Werkstatt stehen Regale mit kleinen, aber prall gefüllten Schubladen. Darin die Accessoires für die Themenwelten – von Werkzeugen bis zu Saiteninstrumenten. Eine Schublade ist mit mit dem Wort «Zauberstäbe» beschriftet. «Das belustigt meine Gäste schon mal», schildert Robert Packeiser und lächelt dabei ein wenig.

Talent zum Konstruieren und Bauen sowie die Sammelleidenschaft liegen in Packeisers Familie. Schon sein Großvater war begeisterter Modellbauer, auch die Nichte bastelt schon mit Playmobil auf dem Dachboden. Packeiser kommt es vor allem auf das kreative Moment an: «Das ist mehr als ein Hobby», betont er. «Lego hat zum Beispiel zehn mittelalterliche Häuser herausgebracht. Ich habe 40», sagt er. Es gebe auch keine Barock-Welt von Playmobil. Entsprechende Burgen und Labyrinthe habe er selbst geplant und danach gebaut.

Obwohl er stolz ist, seine Themenwelten jetzt zum ersten Mal in einem Museum ausstellen zu können, enthält er sie einem anderen Publikum vor – seinen Schülern. Als Anschauungsmaterial im Unterricht sollen die Dioramen seiner Ansicht nach nicht dienen. Sein Traum ist, irgendwann ein eigenes Museum zu betreiben und dort wechselnd verschiedene Themenwelten auszustellen. «800 bis 1000 Quadratmeter könnte ich schon jetzt füllen», sagt Packeiser mit leuchtenden Augen. (Kristina Wienand, dpa)

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