PISA-Chef Schleicher auf der #KonfBD18: „Die Rolle der Lehrkraft verschiebt sich – weg vom reinen Wissensvermittler“

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BERLIN. Anrührend schöne Initiativen aus der schulischen Praxis, zukunftsweisende Diskussionen zwischen Wissenschaftlern, Lehrkräften, Schülern und Bildungsengagierten, Workshops renommierter Experten zu Grundsatzthemen wie zeitgemäßer Demokratieerziehung oder künftiger Lehrerausbildung, aber immer wieder auch aufflammender Ärger über die schlechten Rahmenbedingungen: Wie unter einem Brennglas ließ sich auf der #KonfBD18 des Forums Bildung Digitalisierung beobachten, vor welch drastischen Umwälzungen das deutsche Bildungswesen steht. Tag zwei einer Konferenz, die als Leitveranstaltung für das Zukunftsthema Nummer eins gelten darf.

Hier geht es zu einem Bericht über den ersten Tag der Konferenz.

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“Wissen reproduzieren kann Google besser”: PISA-Koordinator Andreas Schleicher hielt ein Plädoyer für ein neues Verständnis von Bildung. Foto: #KonfBD18

Zuerst die schlechte Nachricht: Die Digitalisierung der Schulen steht dramatisch auf der Kippe. Damit der Bund dafür endlich – wie schon seit zwei Jahren angekündigt – fünf Milliarden Euro ausschütten kann, muss das Grundgesetz geändert werden, das die Länderhoheit bei der Bildung festschreibt. Weil dafür eine Zweidrittelmehrheit im Bundestag nötig ist, braucht die große Koalition auch Zustimmung aus Reihen der Opposition. Und die fehlt immer noch. Zwei Sitzungstermine, auf denen eigentlich der Digitalpakt festgezurrt werden sollte, seien geplatzt – weil es nach wie vor keine Einigung gebe, so berichtet Heinz Wolff, Staatssekretär aus dem sächsischen Kultusministerium und Vorsitzender der KMK-Lenkungsgruppe „Bildung in der digitalen Welt“, vor den rund 650 Teilnehmerinnen und Teilnehmern der #KonfBD18.

Ob die fünf Milliarden überhaupt noch kommen? Steht in den Sternen. Noch schlimmer: Kommunen und Länder haben ihr eigenes Engagement für die Digitalisierung der Schulen in Erwartung des Geldregens aus Berlin weitgehend gestoppt. Heißt: Deutschland leistet sich beim Zukunftsthema Nummer eins derzeit politischen Stillstand. Was das vor Ort bedeutet, macht Maike Schubert, Leiterin der (mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichneten) Freiherr-vom-Stein-Schule im niedersächsischen Neumünster deutlich. Das Kollegium stehe in den Startlöchern, die Konzepte seien längst entwickelt – aber die erforderlichen Geräte fehlten. Und nichts passiere. Es werde zwar immer zu Recht betont, dass Pädagogik vor Technik gehe, so Maike Schubert. Aber völlig ohne IT könne die Digitalisierung ja wohl kaum gelingen.

In Dutzenden von Workshops wurden Ideen praxisnah vermittelt. Foto: #KonfBD

Die gute Nachricht: Trotz aller Widrigkeiten gedeihen an vielen Schulen bundesweit spannende Initiativen, für die die Digitalisierung der Hebel ist, um Unterrichtsreformen voranzubringen. Die Technik mit ihren vielfältigen Möglichkeiten zur Kommunikation und zur Kollaboration eröffnet Lernwege, von denen Lehrende und Lernende früher nicht mal zu träumen gewagt hätten. Beispiel Hermann-Lietz-Schule / Internat Schloss Bieberstein: Die schickt Schüler der 10. Klasse ein halbes Jahr lang auf eine Reise über drei Kontinente, um Lektionen vor Ort zu bekommen – Kunst in Florenz, Religion in Nepal, Wirtschaft in Indien oder Englisch in Südafrika. Ein Pädagoge begleitet die Schüler, der Fachunterricht läuft online. Selbst Klausuren finden dabei im vorgeschriebenen Turnus statt.

Ein überkandideltes Projekt nur für Millionärskinder? Keineswegs, so betont Koordinator Robert Miebach im Gespräch. „Es geht dabei ja hauptsächlich um die praktischen Erfahrungen – und darum, parallel dazu einen passenden Unterricht anzubieten. Und das ist mithilfe der Digitalisierung möglich.“ Der außerschulische Lernort könne ja genauso gut in einem Betrieb in der Nachbarschaft oder in einem Museum der Heimatstadt liegen, die (überaus positiven) Erfahrungen seien also durchaus übertragbar auf staatliche Regelschulen.

Ein anderes Beispiel: eine Alternative zum tradierten System der Leistungsbewertung, das Oberstufenkoordinator Björn Nölte an der Voltaireschule Potsdam praktiziert. Es geht dabei darum „Arbeitsvorhaben über einen längeren Zeitraum zu bewerten, wobei es den Schülerinnen und Schülern selbst freigestellt ist, zu welchen Zeitpunkten sie von mir das Feedback holen“, wie Nölte erklärt. „Die Schülerinnen und Schüler haben in umfangreichen Lernaufgaben in meinen beiden Unterrichtsfächern Deutsch und Geschichte von mir übers ganze Halbjahr eine komplexe Leistung zu erbringen. Sie bekommen von mir immer dann, wenn sie das möchten, ein Feedback zu ihrem bisherigen Stand, um mit diesen Hinweisen dann ihre Arbeit zu verbessern, um am Ende dann ein gutes oder sehr gutes Ergebnis zu erreichen – möglichst alle Schülerinnen und Schüler. Niemand wird mit einer schlechten Note bestraft, einige Schülerinnen und Schüler benötigen nur halt mehr Zeit oder mehr Rückmeldungen von mir, um zu diesem Ergebnis zu kommen.“ Das, so Nölte, sei ein fundamentaler Paradigmenwechsel.

“Totes Wissen”

Das wird nicht der einzige bleiben – wie Andreas Schleicher, internationaler Koordinator der PISA-Studien, deutlich machte: Deutschlands Schulen stehen vor einer Revolution. Und zwar nicht, weil die Digitalisierung nette neue Möglichkeiten bietet, den Unterricht bunter zu gestalten. Sondern weil die Digitalisierung die Welt so verändert, dass es künftig nicht mehr darum gehen kann, Wissen bloß zu reproduzieren. „Das kann Google besser und schneller“, sagt Schleicher.

„Wichtiger wird ein epistemisches Verständnis: Kann ich denken wie ein Mathematiker? Kann ich denken wir ein Naturwissenschaftler? Kann ich denken wie ein Historiker? Wenn wir zum Beispiel an die Geschichte denken: Im Zeitalter der Digitalisierung macht es wenig Sinn, sich Namen oder Plätze zu merken. Denn das ist im Grunde totes Wissen“, so  befindet der OECD-Direktor. Wichtiger sei: „Kann ich erkennen, wie sich das Narrativ einer Gesellschaft entwickelt hat? Warum hat es sich so entwickelt? Kann ich die historischen Prozesse verstehen? Übertragen auf die Naturwissenschaften heißt das: Kann  ich ein Experiment konzipieren? Kann ich unterscheiden zwischen Erkenntnissen, die man wissenschaftlich verstehen kann und Behauptungen, an die man glauben muss. Ich denke, dass ist das Entscheidende. Nicht das Anhäufen von Fachwissen, sondern die Kenntnis der Strukturen. Wenn wir dieses Strukturwissen nicht haben, dann werden wir auch nicht sinnvoll bei Google suchen können. Man muss lernen, die geeigneten Fragen zu stellen.“

Rund 650 Teilnehmerinnen und Teilnehmer – darunter Schulpraktiker, Wissenschaftler und Experten aus Verwaltungen und Stiftungen, diskutierten über die Zukunft des Lernens. Foto: #KonfBD

Was bedeutet das für den Unterricht? Schleicher erklärt im Gespräch: „Die Rolle der Lehrkraft verschiebt sich – weg vom reinen Wissensvermittler, hin zum Mentor, der Lernprozesse ermöglicht und steuert. Lernen ist immer ein sozialer Prozess. Und Technologie kann diesen sozialen Prozess verstärken. Aber sie kann diesen nicht ersetzen. Insofern werden Lehrkräfte sogar noch sehr viel wichtiger, als sie es heute schon sind.“

Begeisterung löst diese Perspektive bei den meisten Lehrkräften allerdings nicht aus. Viele sehen sich schon heute am Rande ihrer Möglichkeiten – die Digitalisierung wird von ihnen als weiteres Problem wahrgenommen, neben Herausforderungen wie Inklusion, Integration und verhaltensauffälligen Schülern. „Das ist doch völlig verständlich“, entgegnet Schleicher. „Weil wir die Digitalisierung auf alles andere draufpacken. Wir verändern nichts. Natürlich ist das eine Zumutung. Es gibt zwar Enthusiasten unter den Lehrkräften, aber die sind nicht die Mehrheit. Wir müssen Anreize schaffen. Das bedeutet: die Zeit, den Raum für Veränderung geben. Das ist in jedem anderen Unternehmen auch so. Lehrkräfte müssen eben auch was davon haben. Die Digitalisierung wird für sie interessant, wenn sie sehen: Meine Arbeit verändert sich grundlegend. Sie wird leichter, spannender, durch die Zusammenarbeit mit Kollegen interessanter.“

Dabei allerdings wäre dann auch die Politik am Zug, geeignete Rahmenbedingungen zu schaffen, so ist allenthalben auf der #KonfBD18 zu hören – und sei’s nur erst mal durch Entschlackung der Lehrpläne, um Freiräume für exploratives Lernen zu schaffen. Doch die Verantwortlichen, so scheint es, haben an den Ideen und Initiativen aus den Schulen genauso wenig Interesse wie an den Warnungen aus der Wirtschaft und der Wissenschaft, die Entwicklung nicht zu verschlafen. „Die Politik hat die Tragweite überhaupt nicht verstanden“, so empört sich Dr. Ekkehard Winter, Geschäftsführer der Telekom-Stiftung. Bezeichnend: Kaum ein Parteienvertreter lässt sich auf der Konferenz blicken, die immerhin als Leitveranstaltung für digitale Bildung in Deutschland gelten kann. Und Staatssekretär Wolff ist zu sehr in Eile, um sich mit den Anliegen der Teilnehmerinnen und Teilnehmern näher zu beschäftigen. Er gibt sein Statement und rauscht ab. Andrej Priboschek / Agentur für Bildungsjournalismus

Hier gibt es weitere Informationen zur #KonfBD18.

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

#KonfBD18 zur Zukunft des Lernens: „Wir müssen junge Menschen dazu befähigen, mit Veränderungen umgehen zu können”

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34 KOMMENTARE

  1. Mein Eindruck: Schleicher gibt das übliche, keineswegs neue Geschwafel von sich.
    In meiner Unterrichtserfahrung dagegen ist die Rolle als Wissensvermittler für die meisten Schüler wichtiger denn je, weil die Schüler weniger Selbständigkeit im Arbeiten und Lesen zeigen als vor 2 Jahrzehnten. Weil sie weniger wissen, können sie Phänomene schlechter wiedererkennen und nützliche von falschen und unwesentlichen Informationen seltener unterscheiden.

      • Ich auch. Leider kollidiert die erforderliche Rolle als Wissensvermittler in Kombination mit der geringeren Selbstständigkeit der Kinder mit der von allen modernen Didaktikern, Fachleitern usw. propagierten bzw. verlangten Rolle als Lernbegleiter und dem Konzept der Binnendifferenzierung in immer heterogener zusammengesetzten Klassen.

        • Herr Schleicher erliegt einem Trugschluss, wenn er meint, dass zukünftige Generationen ihr Allgemeinwissen im Internet parken sollen, lediglich grobe Strukturen und Zusammenhänge verstehen sollen.
          Erarbeitetes Wissen über Vergangenes im geschichtlichen Kontext, sowie allgemeinbildendes Wissen über Naturwissenschaften, Kunst, Musik und Sprachen, wird erst in seiner praktischen Anwendbarkeit zum Bestandteil der Persönlichkeit und ermöglicht es uns selbstständig zu denken, und es ermöglicht es individuell sich weiter zu entwickeln.
          Das , was er, Schleicher unbewusst propagiert, ist die Aufgabe eigenständiger Denkstrukturen, die durch das Internet nur noch manipulierbarer werden.
          Der Markt für den Zugang der Internettechnologie-Konzerne zu den Schulen soll durch eine Grundgesetzänderung ermöglicht werden.

          • Das sehe ich anders. Wenn man sich mal wirklich damit beschäftigt wie SuS lernen, muss man feststellen, dass die Zunahme an der Konsumierung von YouTube-Erklärvideos ab der 8./9. Klasse massiv zunimmt. Fragen Sie mal in der Oberstufe, wie die SuS dort z.B. in Mathematik lernen. Die Mehrheit wird ihnen sagen, dass das was der Lehrer vorne an der Tafel erzählt hat kaum verständlich war und man sich das benötigte Wissen innerhalb von 5 Minuten über ein Erklärvideo angeeignet hat.

            Das ist ein bisschen zu spitz formuliert, da man durch ein Video nicht wirklich alles verstehen kann und die SuS durch die Lehrkraft aus dem Unterricht schon etwas mitnehmen. Wer jedoch die Lehrkraft weiterhin als Wissensvermittler darstellt lebt in einer nicht mehr zeitgemäßen Welt.

            Die Aufgabe von Lehrern sollte und muss in Zukunft sein, dass eben das selbstständige Lernen beigebracht wird. Ich stimme zu, dass die SuS z.B. in der 5. Klasse völlig unselbstständig sind. Da braucht es eine Lehrkraft, die eben genau vorsagt was zu tun ist. Nur sollte es in den Jahrgängen genau das Ziel sein selbstständiges und selbstbestimmtes Lernen zu fördern. Das geschieht jedoch nur in den wenigsten Klassen.

            Ich erachte es als Lehrkraft für wichtiger, dass meine SuS gelernt haben sich Inhalte selbst zu erarbeiten und, auch durch das Internet, fehlenden Informationen sich zu erschließen. Das empfinde ich wichtiger als das Auswendiglernen irgendeiner Mathematikformel oder Programmiersyntax. Nur genau das müssen die SuS ja aktuell leisten, um eine gute Note zu erhalten. Da kränkt es im System und solange sich daran nichts ändert, können Personen wie Schleicher erzählen was sie wollen.

            Ich möchte gerne auch mal das Konzept Flipped Classroom hier lassen. Das wird von immer mehr Lehrkräften verwendet und stellt die Lehrkraft eben nicht mehr als reinen Wissensvermittler dar. Wenn man als Lehrkraft wirklich möchte, muss man nicht mehr der Wissensvermittler sein. Die Erfahrung zeigt, dass viele SuS darüber dankbar sind und den Unterricht auch als zeitgemäßer empfinden.

          • @Felixa
            Selbst bei Erwachsenen nimmt die Tendenz zu, sich durch Videos Verfahrensabläufe anzueignen , um diese zu erlernen und zu verbessern. Die Videos sind stark praxisorientiert und steigern den Lernfortschritt.

  2. Und was machen wir, wenn das Internet zusammenbricht? Dann wissen wir gar nichts mehr. Außerdem machen wir uns von einem Großkonzern abhängig.
    Wissen braucht bestimmte Ordnungsstrukturen und dazu braucht man Grundlagen. Um welche Fächer und welches Niveau geht es da eigentlich? Bestimmte Dinge kann man nachschlagen und sich selbst erarbeiten, aber das ist nur ein kleiner Ausschnitt dessen, der in der Schule vermittelt wird. Beim großen Rest braucht man die Vermittlung durch eine Lehrkraft. Die kann dann auch auf Fragen eingehen oder sieht, wo die Sache noch klemmt.
    Leichter wird es mit der Digitalisierung nur bedingt. Wie gesund ist eigentlich die ständige Bildschirmarbeit?

    • Digitalisierung wie von Bildungsforschern propagiert beschränkt sich im Wesentlichen auf die Bedienung von Geräten auf einem technisch schon beim Kauf veralteten Standard, die aber zusätzlich mindestens fünf Jahre durchhalten sollen.

      Sinnvoll für die Digitalisierung wäre ein sehr abstrakter, theorielastiger Mathematik-, Physik-, Technik- und Informatikunterricht, der das logisch-abstrakte Denken schult, mit dem sich die Schüler schnell in neue technisch-digitale Aufgaben einarbeiten können. Damit lassen sich aber weder Beamer noch Tablets verkaufen und führt nicht zu einer Erhöhung der Abiturquote.

  3. Versteht einer den Hype um die Digitalisierung? Nur weil es neu ist? Was macht das Ganze besser? Ist davon plötzlich der Lernerfolg abhängig?
    Wir sehen doch schon, wie negativ sich das Internet mit der Handyabhängigkeit auswirkt.
    Wenn man in Maßen diese Medien als Zusatzangebot nutzt, ist das okay und sie dort einsetzt, wo sie einen didaktischen Mehrwert haben. Aber jetzt zu tun, als müsste das die Hauptvermittlungsmethode sein, verstehe ich nicht. Ich sehe das sogar stressanfällig, wenn – wie in einer FB mitbekommen habe – Lehrer digitale Aufgaben an die Schüler stellen und mit ihnen übers Netz kommunizieren. Das ist eher für solche Leute, deren Steckenpferd der Computer ist.

    • Was uns als Persönlichkeit auszeichnet ist das das individuell verarbeitete Allgemeinwissen, dass unsere Lehrer und unsere Eltern vermittelt haben. Es ist ein unverwechselbarer Bestandteil unserer Persönlichkeit, die uns als Orientierung, Standfestigkeit und innerer Kompass dient. Das alles aufzugeben bedeutet unbegrenzte Manipulierbarkeit durch andere.

    • So sehe ich das auch. Die aktuellen digitalen Möglichkeiten beschränken sich hauptsächlich auf das reproduzierende Üben, also sich selbst korrigierende Arbeitsblätter auf Papier. Leider steht dabei der Begriff Spaß im Vordergrund, Lernen deutlich weniger. Dazu kommt, dass die Verlage das einzig wirklich brauchbare, nämlich das eingeführte Schulbuch als pdf-Datei, den Lehrern nicht zur Verfügung stellen möchten. Angeblich aus rechtlichen Gründen, hauptsächlich aber aus Angst vor Raubkopien, was ich bei öffentlichen Schulen für ausgeschlossen halte. Wenn sich die Lehrer untereinander die Dateien zuschieben, spielt das aus finanzieller Sicht für die Verlage keine nennenswerte Rolle.

  4. Was wirklich zur Grundausstattung gehören sollte sind ein Beamer, eine Dokumentenkamera und ein mit dem Internet vernetzter Laptop für jedes Klassenzimmer. Die Overhead- Projektoren sollten so langsam ausgedient haben.

  5. Eine Einschränkung: die Entwicklung guter interaktiver Lernmaterialien, differenzierend und Rückmeldung gebend, die nichtkommerziell jedem Kind und allen Lehrern zur Verfügung stehen, würde ich sehr begrüßen. Wenn die KMK das hinbekäme, würde ich anfangen an Bildungsföderalismus zu glauben.

    • sehe ich auch so. die wird es aber nicht geben, weil die kmk die Autoren dafür bezahlen müsste. Lehrer machen das kostenfrei selbst oder bezahlen Verlage aus eigener Tasche dafür.

    • Stimmt, Pälzer. Also, ich kann jetzt nur für Grundschulen sprechen. Viel besser als Computerräume fände ich mobile Klassensätze von Laptops, den sich Klassen teilen, die im Klassenzimmer bei Bedarf mit Wlan mit dem Netz verbunden werden können.
      Wir haben einen Computerraum; dennoch reichen die Schülerplatze nicht aus und es ist organisatorisch sehr umständlich.
      Außerdem kann man schlecht differenzieren, weil man andere Schüler vielleicht etwas anderes arbeiten lassen möchte, was nicht digital ist und die Aufsicht dann nicht gewährleistet ist.

      • Ich kann den Wunsch zwar verstehen und widerspreche doch: Unser Schulträger würde den PC-Raum gerne auflösen, weil er dadurch 1 Raum gewinnt. Pädagogische Gründe hat das nicht, es geht auch da ums Geld.

        Mir reichen die Plätze im PC-Raum mit der neuen Klasse auch nicht aus, dennoch bin ich damit zufrieden, dort recht stabil laufende PCs vorzufinden.

        Alles andere scheint selbst für die Fachfirma zu schwierig zu installieren zu sein 😉 , denn es dauert schon Jahre, dass Sicherheitsaspekte, WLan und anderes umgesetzt werden und der Schulträger scheint das Problem nicht verstehen zu wollen, aber bezahlt weiter.

        Die Erweiterung der Digitalisierung scheitert daran, dass Hard- und Software nicht zur Verfügung gestellt und nicht gewartet wird. Für Wartung, Einführung, Einarbeitung oder Erarbeitung von Content setzt man auf die kostenlose Mehrarbeit von Lehrkräften. Anders herum würde es womöglich besser möglich sein: Lehrkräfte als Fachkräfte werden entsprechend ihrer Beratungsleistung entlohnt, sodass Techniker entsprechend der Vorgaben zielgerichtet arbeiten können.
        Unverständlich ist mir persönlich auch, warum es Verwaltungs- und Zeugnisprogramme und weiteres, das jede Schule benötigt, nicht gestellt und entsprechend der Vorgaben laufend angepasst wird.

        • Vorsicht, unser Land RLP führt derzeit ein universelles Verwaltungs- und Zeugnisprogramm “Edoosys” ein. Sie würden’s nicht glauben, wie unübersichtlich und unlogisch man so was machen kann.

          • Doch, ich habe eine Ahnung, der Name ist sicher auch an Odyssee angelehnt, oder?
            Wie viele Lehrkräfte aus dem aktiven Dienst dort wohl als Berater geholfen haben?

          • Das Programm wird von Programmierern (Datenbankspezialisten) auf der Basis eines Pflichtenhefts erstellt, soweit ich mitgekriegt habe. Offenbar hat man vergessen, “leichte Bedienbarkeit” und “übersichtlich” als Spiegelstrich aufzuführen …

      • Das mit den mobilen Laptopsätzen funktionierte an meiner alten Schule nicht gut. Vier Hauptgründe:
        – Wer lädt rechtzeitig die Akkus auf? Das fällt einem immer zu spät ein.
        – Irgendwer muss irgendwo verwalten, wer wann welche und wie viele Laptops benutzt. Sowohl dem Verwalter als auch den Nutzern fehlt die Selbstdisziplin.
        – Ja wenn es Geräte gäbe, die einfach immer weiter funktionieren. Aber das derzeit herrschende System ständiger Lücken, Viren, updates und Systempflegebedarfs sorgt dafür, dass die Geräte sehr oft nicht betriebsbereit sind, wenn nicht, ja, ein hauptamtlich bezahlter Mensch sich darum kümmert.
        – WLAN ist viel zu langsam, wenn eine ganze Klasse darüber Daten abzapfen will. Das nennt unser Informatiklehrer als Hauptproblem.

        • Das sehe ich auch so.
          Es gab vom Schulträger einen Laptopwagen, so schwer, dass er nicht geschoben werden kann… in Schulen mit vielen Treppenstufen schon gar nicht.
          Viele Schulen haben es ausprobiert und zurück gegeben.
          Sinnvoll kann es sein, ergänzend 3-5 mobile Geräte zu haben, wenn man Recherchen im Unterricht ermöglichen möchte, alles andere gelingt besser im PC-Raum.

  6. Ich finde es immer wieder spannend wie Menschen die nicht täglich vor einer Klasse stehen, der Gesamtheit der Menge der deutschen Lehrer erklären wollen, was gut ist und was nicht. Was die Schüler brauchen und was sie nicht benötigen. Wirklich grpßes Kino.
    Desweiteren sehe ich diese Ideen von Fachleitern und anderen Fach”fremden” die Lehrer zu Lernbegleitern machen zu wollen, ebenso mehr als kritisch. Das gibt das Schülerklientel in Deutschland nicht her. Träumer gibt es genug unter diesen Leuten.

    Stellen Sie sich doch mal eine Airline vor die aus ihren Piloten “Flugbegleiter” gemacht haben. Welcher Pilot würde sowas mitmachen und wer würde dann den Vogel fliegen?

    • Der Autopilot zweifellos. Gutes Beispiel dafür, dass ohne Digitalkenntnisse heute nichts mehr läuft – glauben Sie ernsthaft, mit einer Pilotenausbildung aus dem letzten Jahrtausend ließe sich ein modernes Flugzeug fliegen? Alle Berufe verändern sich. Die Welt verändert sich dramatisch durch die Digitalisierung, und das rasend schnell. Glauben Sie ernsthaft, davon bleibt die Schule unberührt?

      • deswegen müssen in der schule die Grundlagen dafür gelernt werden. das geht nicht, wenn Schüler mit einem prgoramm A auf Plattform X spielerisch irgendetwas machen. das erfordert eine ebene drüber, d. h. eine abstrakte Verallgemeinerung besonders im naturwissenschaftlichen Unterricht. In Sprachen besonders das sinnentnehmende Lesen und Schreiben.

        • Sinnentnehmendes Lesen kann man tatsächlich über vernünftige digitale Programme trainieren,
          bewerten, beurteilen, deuten von Texten eher weniger.

          Auch anderes, bei dem es abfragbares Wissen gibt, lässt sich darüber üben und die Übungen können individueller gestaltet werden. Dies muss aber entweder über das Programm wirklich gut gesteuert sein oder die Lehrkraft hat die Aufgabe, Differenzierung vorzunehmen, indem z.B. Aufgaben zugewiesen werden.
          Ebenfalls kann ein gutes Programm auch eine Übersicht und eine detaillierte Fehleranalyse bereitstellen, aber da muss sich die Lehrkraft einarbeiten und Zeit haben, Ergebnisse zu sichten und letztlich die individuelle Auswertung vorzunehmen.

          Bei den genannten Möglichkeiten geht es aber immer um Übung, weniger um das Erarbeiten neuer Inhalte. Den Umgang mit Medien zu vermitteln, ist etwas ganz anderes und meiner Meinung nach nicht nebenbei zu leisten.

          • @Palim
            Stimmt, denn mit dem Silbenanalytischen Leselernprogramm, z.B. vom Mildenberger Verlag auf einer DVD, ist das Lesenlernen ergänzend zum innerschulischen Lesen möglich.
            Gleichzeitig besteht für die Eltern mit einem fremdsprachigen Hintergrund mit dem Kind gemeinsam die deutsche Sprache zu erlernen.
            Allerdings finde ich das regelmäßige Lesetraining 1 : 1 mit einem Lesepaten, den Eltern oder den Großeltern besser.

          • Das meinte ich, palim. Mit den digitalen Trainingsprogrammen geht es kaum über den Anforderungsbereich 1 hinaus, weil nur das automatisiert abfragbar ist. Rückmeldungen des Programmes sind derzeit auch nur sehr eingeschränkt möglich, Rückfragen der Schüler an das Programm über die Aufgabe sind auch so eine Sache.

          • Richtig. Und deswegen gibt es abgesehen von erfolgreicher Lobbyarbeit keinen Grund, so stark auf die Digitalisierung zu setzen.

  7. “deswegen müssen in der schule die Grundlagen dafür gelernt werden”, so schreiben Sie, xxx – und haben damit zweifellos Recht.

    Nur: Was sind die Grundlagen? Muss ein Pilot ein Flugzeug konstruieren können? Muss er berechnen können, mit welchem Umsatz sich eine Fluggesellschaft betriebswirtschaftlich rechnet? Muss er Goethe oder Shakespeare im Original gelesen haben?

    Oder ist es nicht vielleicht wichtiger, Verantwortung und Arbeiten im Team erlernt zu haben – und das schon als Schüler? Oder z. B. die Probleme zu kennen, die eine Abhängigkeit von digitaler Technologie mit sich bringen kann?

    • Die Grundlagen habe ich oben genannt, die Sekundärtugenden, die Sie aufgezählt haben, kommen noch dazu. Weil eine Schule allgemeinbildend ist und viele Schüler vor Ende der Sek I oder sogar Sek II noch nicht wissen, was sie mit ihrem Schulabschluss anfangen wollen, müssen sie sinnentlehnend lesen können, Texte lesen, einordnen und interpretieren können sowie Algebra und abstraktes Denken beherrschen können.

      Ihr Beispiel mit dem Piloten ist daher schief. Allerdings sollten seine als Schüler gebildeten Gehirnstrukturen ihn ermöglichen, die Flugphysik prinzipiell erlernen zu können. Das erfordert Lesen, verstehen und natürlich Algebra.

  8. Wie konnte ein derartiger Schwätzer nur der Koordinator der Pisa-Studien werden.
    Wenn jemandem der Bezug zur Praxis fehlt, dann diesem Möchte-gerne-Oberpädagogen, der wohl nie eine Schulklasse unterrichtet hat. Englische und französische Vokabeln vernetzt mit anderem am Computer lernen, keine Lernstandards mehr, jede Schule legt selbst die Inhalte fest , Lernwege und die Ziele fest, kein Allgemeinwissen mehr im Kopf, denn dieses wird im Internet geparkt, wo jeder eigentlich jeden Scheiß absetzen kann, ohne dass ein kritisches Hinterfragen mehr möglich ist, ebenso wie eine fehlende Vermittlung moralischen Inhalte. Das nachgeschaltete Interview im Kurzfilm sagt eigentlich schon sehr viel über diese Lichtgestalt und diesen geistigen Überflieger.

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