Spielen im Unterricht: Wie Schach helfen kann, Kinder ans Lernen zu bringen

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BREMEN. Zug um Zug lernen – das ist das Motto in mehr als 70 Grundschulklassen im Bundesland Bremen. Für Grundschüler gehört das Schachspielen zum Unterricht. Es soll auch andere Fähigkeiten unterstützen.

Schach beflügelt Fähigkeiten wie Konzentration, räumliches Denken, Sozialkompetenz, Rechnen und Lesefähigkeit. Foto: Shutterstock

Schach ist weit mehr als ein Denksport. Das Brettspiel beflügelt Fähigkeiten wie Konzentration, räumliches Denken, Sozialkompetenz, Rechnen und Lesefähigkeit. Wegen dieser vielen positiven Effekte taucht Schach zunehmend in den Lehrplänen der Schulen auf. Im Land Bremen beispielsweise gehört Schach seit diesem Schuljahr für 1500 Grundschüler zum regulären Unterricht. Eine Stunde pro Woche dreht sich in mehr als 70 Klassenzimmern in Bremen und Bremerhaven alles um Turm, Läufer und König.

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«Die Kinder sind total begeistert», sagt Sylvia Rugen, Leiterin der Grundschule an der Glockenstraße im Bremer Stadtteil Hemelingen. Dort wurde das Bremer Pilotprojekt am Montag der Öffentlichkeit vorgestellt. Alle acht Klassen der Schule sind an «Schach macht schlau» beteiligt. «Wir haben kurz vor den Herbstferien angefangen», sagt Rugen. Die Erst- bis Viertklässler haben mittlerweile schon Bekanntschaft mit dem König und dem Turm gemacht. «Schach kann man schon mit wenigen Figuren lernen», sagt der Schachexperte Rainer Woisin aus Hamburg, der das Projekt begleitet. Zuerst lernen die Kinder den König kennen. «Dann kommt Figur zu Figur dazu», so Woisin. «Sprachbarrieren spielen keine Rolle. Auf dem Brett können sie zeigen, was sie können.»

Mittlerweile gibt es in Deutschland nach Angaben der Deutschen Schachjugend etwa 60.000 Kinder und Jugendliche, die an Schulen im Unterricht oder in AGs Schach spielen. In Bremen müssen die vermittelnden Lehrer keine Schachfreaks sein. «Das besondere ist, dass wir das mit den Lehrern umsetzen», sagt der Bremer Projektleiter und ehemalige Fußballprofi Marco Bode. Das Material sei so konzipiert, dass die «Lehrer es beim Unterricht erlernen».

Andernorts, etwa in Hamburg, haben Lehrer beispielsweise Schulungen der «Deutschen Schulschachstiftung» für das Schulschachpatent durchlaufen. «Die haben schon ganze Lehrerkollegien geschult», sagt der Geschäftsführer der Deutschen Schachjugend Jörg Schulz. Die Bremer hingegen orientieren sich an den Erfahrungen aus Salzgitter. Dort lief 2016 an vier Schulen ein von der Lotto-Sport-Stiftung gesponsertes Schachprojekt an.

Bode hofft, «dass vielleicht mal jedes Kind in Bremen und Bremerhaven Schach lernt». 2019 soll es laut Bode für die 1500 Bremer Schulschachkinder ein großes Turnier in den «Räumen des Bremer Weserstadions» geben. Der Termin stehe aber noch nicht fest.

Mit Schachturnieren haben die Hamburger Schulen nach Angaben von Jan Pohl von dem bei der Hamburger Schulbehörde angesiedelten «Fachausschuss Schach» gute Erfahrungen gemacht. Populär ist beispielsweise das «Alsteruferturnier», bei dem Schüler vom rechten Ufer gegen Konkurrenten vom linken antreten. 2017 spielten dort 4240 Kinder. Laut dem «Rekord-Institut für Deutschland» war es das größte eintägige Schulturnier der Welt. 2018 maßen sich immerhin 4000 Heranwachsende am Schachbrett.

Hamburgs Schulen haben eine lange Schachtradition. «Die Schule, die das am längsten macht, ist die Grundschule Genslerstraße, seit 2007», sagt Pohl. Anfangs lief der Unterricht unter dem Motto «Schach statt Mathe». Heute ist Schach dort ein reguläres Unterrichtsfach, durchgängig von Klasse 1 bis 4. In Hamburg sind zudem einige der 70 «Deutschen Schachschulen» ansässig. Das Qualitätssiegel wird von der Deutschen Schachjugend nach einem strengen Kriterienkatalog vergeben.

Schach kommt nicht erst ab dem Grundschulalter in Frage. «Es gibt auch Initiativen, dass man im Kindergarten Schach erlernt», sagt Jörg Schulz, Geschäftsführer der Deutschen Schachjugend. Für Schulz hat Schach übrigens noch einen weiteren hilfreichen Lerneffekt. «Es fällt im Schach schwer, eine Ausrede zu finden. Der Spieler ist selbst für seine Entscheidungen verantwortlich. Der Zug hat Bestand und dann muss man mit den Folgen halt leben.» Eine einmal gesetzte Figur darf nicht zurückgenommen werden. Von Berit Böhme, dpa

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2 KOMMENTARE

  1. Da es das Schachspiel doch schon länger gibt als unser derzeitiges Schulsystem und die Schulpflicht, fragt man sich, warum Schachspielen als pädagogische Wunderwaffe von der Wissenschaft nicht schon vorher entdeckt wurde:
    http://www.osw-online.de/index.php/unterricht/zusatzangebote/schulschach?rCH=2
    Früher hat man ähnliche Eigenschaften dem Lateinunterricht zugeschrieben, aber dann hieß es, Latein sei eigentlich unnütz. Schachspielen ist per se eigentlich auch unnütz, es soll jetzt plötzlich für alle möglichen Kompetenzen instrumentalisiert werden, sogar die Sozialkompetenz.. In meiner Schulzeit war es sogar verboten, in der Schule Schach oder auch Karten zu spielen. Fragt sich, ob es dereinst auch einen Schach-Leistungskurs in der Oberstufe geben wird mit entspechender Schach-Prüfung im Abitur.

    • Bremen hofft bestimmt auf pisa-tests in Schach, damit es den letzten Platz endlich los wird.

      Spaß beiseite: Ich kann mir kaum vorstellen, dass Risikogruppen besser lesen, schreiben und rechnen lernen, wenn sie 45 Minuten pro Woche zum Schachspiel verdonnert werden. Als AG finde ich die Idee super.

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