Website-Icon News4teachers

Streit um Giffeys Kita-Broschüre zu Rechtsextremismus – Meidinger: “Schnüffelei!”

Anzeige

BERLIN. Schon kleine Kinder sollen zu Toleranz und Demokratie erzogen werden. Das ist auch Anliegen der Bundesfamilienministerin. Dazu gibt es eine sogenannte Handreichung für Kita-Erzieher. In dem Text geht es aber nur um eine extremistische Problemgruppe.

Darf man über den Umgang mit Rechtsextremen informieren, ohne andere Extreme zu benennen? Bundesfamilienministerin Franziska Giffey meint “ja”. Foto: SPD Berlin/ Joachim Gern

 

Im Streit um eine Broschüre für Erzieher zum Umgang mit Rechtspopulismus hat der Jugendstadtrat in Berlin-Neukölln von der Nutzung abgeraten. Falko Liecke (CDU) teilte am Freitag mit: «Die Broschüre will Vorurteile bekämpfen, vermittelt sie aber selbst.» Es sei nicht Aufgabe von Erziehern, die politische Gesinnung der Eltern zu überprüfen. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD), die die Broschüre unterstützte, und Martin Hikel (SPD), ihr Nachfolger als Bezirksbürgermeister in Neukölln, widersprachen.

Die 60-seitige Broschüre «Ene, mene, muh – und raus bist du» stammt von der Amadeo Antonio Stiftung, die sich gegen Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus engagiert. Im Bundestag hatte es von der CDU Kritik an der Broschüre gegeben. Moniert wurden unter anderem ein Fallbeispiel, in dem es um ein Mädchen mit Zöpfen, Röcken und Vorlieben für Handarbeit und Disziplin geht – und ihren Bruder, der körperlich gedrillt werde. Daraus wurden Hinweise auf rechtsextreme Eltern abgeleitet.

Anzeige

“Einseitige Fixierung”

Liecke bemängelte eine «einseitige Fixierung auf rechtsradikale Elternhäuser» und fügte hinzu: «In Neukölln sehen wir eher ein Problem mit religiösem Extremismus, wenn Kinder beispielsweise zum Tragen des Kopftuches genötigt oder Zwangsehen schon im Kindesalter arrangiert werden. Auch die Indoktrination durch Linksextremisten ist eine Gefahr.»

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, sagte der «Neuen Osnabrücker Zeitung»: «Hier wird zu einer Gesinnungsschnüffelei aufgerufen, wie sie zuvor der AfD wegen ihres «Lehrer-Prangers» vorgeworfen worden war.» Mit fragwürdigen Kategorien werde ein «völkischer Typus» kreiert, «das ist abstoßend, kontraproduktiv und entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage».

Giffey betonte dagegen, es gehe um Informationen und Unterstützung für Erzieher, die mit rechtsextremen oder radikalen Aussagen und Verhaltensweisen von Eltern in der Kita in Berührung kommen. Die Broschüre solle Erzieher unterstützen, «eigenständig und bezogen auf den konkreten Fall zu entscheiden».

Weiter betonte die Ministerin, es gehe nicht um Kontrolle, «sondern darum, eine Erziehungspartnerschaft auch mit völkisch lebenden Familien einzugehen, die im Sinne der Bildungschancen ihrer Kinder ist». Den kritisierten Beispielen lägen wahre Fälle aus der langjährigen Beratungspraxis zugrunde. Die Broschüre sei mit 4600 Euro für die Druckkosten gefördert worden. Die Auflage betrage 3000 Exemplare.

Bezirksbürgermeister Hikel betonte, er beteilige sich nicht an einer Kampagne der AfD. «Ich finde es richtig, dass Erzieherinnen und Erzieher einen Ratgeber an die Hand bekommen, der über Rechtsextremismus und den Umgang damit in Kitas aufklärt.» dpa

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

 

Rechtsextremismus – ein Problem für Kindergärten

Anzeige
Die mobile Version verlassen