Studie: Erfolgreicher Einsatz von Quereinsteigern bedingt Personal- und Teamentwicklung

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Düsseldorf. Ohne Quereinsteiger wird es im sozialen Bereich auf absehbare Zeit nicht möglich sein, dem Problem des Fachkräftemangels zu begegnen. In einer neuen Studie haben Wissenschafter des Deutschen Jugendinstituts (DJI) den Einsatz von Berufsumsteigern in Kitas untersucht. Die Erfahrungen seien überwiegend gut allerdings müssten sich auch Kitas organisatorisch weiterentwickeln, um Quereinsteiger erfolgreich ausbilden und einsetzen zu können.

Könnte die Arbeitsagentur nicht einfach möglichst viele Berufswechsler und Arbeitssuchende umschulen? Schließlich geht der Ausbau der Kinderbetreuung viel zu langsam voran: Das DJI rechnet damit, dass bis 2025 mindestens 310.000 zusätzliche pädagogische Fachkräfte in Kitas gebraucht werden. Solche Gedankenspiele greifen zwar zu kurz, erklärt ein Forscherteam vom DJI. Längst nicht jeder bringe die Voraussetzungen für die fachlich, physisch und psychisch anspruchsvolle Arbeit in der frühkindlichen Bildung mit. Diejenigen, die sich im Laufe ihres Berufslebens entschließen, mit einer Ausbildung zum Erzieher noch einmal neu anzufangen, seien für ihre Arbeitgeber jedoch meist eine große Bereicherung. Die Befürchtung, dass durch die Einstellung von Quereinsteigern das fachliche Niveau sinken könnte, habe sich bislang als unbegründet erwiesen, so die Wissenschaftler.

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Auch Quereinsteiger können sehr gute Erzieher sein. Foto: Stadt Troisdorf / flickr (CC BY 2.0)
Auch Quereinsteiger können sehr gute Erzieher sein. Foto: Stadt Troisdorf / flickr (CC BY 2.0)

Die Forscher stützen ihre Einschätzung auf Interviews und Gruppendiskussionen mit Quereinsteigern selbst, den Leitungen von Betreuungs- und Pflegeeinrichtungen sowie schulischen Lehrkräften. Neben den Kitas waren dabei auch Altenpflegeinrichtungen Ziel der Untersuchung. Beide Felder böten unterschiedliche Möglichkeiten des Quereinstiegs. Die Zugänge zu den Ausbildungen würden jeweils verschieden geregelt. Im Gegensatz zur Altenpflege, wo auch verschiedene „niedrigschwellige“ Einstiegsmöglichkeiten bestehen, liege die Hürde bei der Kinderbetreuung relativ hoch. Hier seien praktisch nur Quereinstiege möglich, die über eine Fachausbildung zum Erzieher führen.

Auch den Arbeitsagenturen fällt an dieser Stelle eine wichtige Rolle zu. Hier merken die befragten Kitaleiter teilweise kritisch an, dass die Agenturen die persönliche Eignung der vermittelten Personen zu wenig berücksichtigen würden und die Quereinsteiger oft ungenügend über die Anforderungen im Tätigkeitsfeld informiert sind. Das führe zu erhöhten Abbruchquoten in der Ausbildung. Eine „Rekrutierungsoffensive“ über die Arbeitsagenturen wird aus diesen Gründen eher skeptisch beurteilt.

Generell halten es die DJI-Experten für nötig, dass sich die Arbeitsagentur, die ausbildenden Schulen und die Einrichtungen, in denen Quereinsteigende arbeiten sollen, auf gemeinsame Anforderungen an Bewerber verständigen und dann entsprechend umfassend informieren. Das könne Enttäuschungen wegen falscher Erwartungen an die Tätigkeit vorbeugen.

Doch wer Motivation und Qualifikationsbereitschaft mitbringt, ist der Untersuchung zufolge Schul- und Einrichtungsleitungen in beiden Sektoren willkommen. Die Befragten berichten meist über positive Erfahrungen mit ihren spätberufenen Auszubildenden beziehungsweise Arbeitskräften. Entscheidend ist aus ihrer Sicht neben der Teamfähigkeit der Anwärter, dass sie bereits „praktische Berührungspunkte“ mit ihrem neuen Berufsfeld hatten – sei es im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres, eines Praktikums, in früheren Jobs oder im Privaten, beispielsweise durch persönliches Engagement in Elternbeiräten, Elterninitiativen oder Projektgruppen. Das könne etwa die Betriebswirtin sein, die nach einer Familienauszeit lieber mit Kindern arbeiten möchte, als wieder ins Controlling zurückzukehren.

Der Quereinstieg als Notnagel für Menschen die auf dem Arbeitsmarkt gescheitert sind ist eher die Ausnahme als die Regel. Angesichts der großen Investition, die eine zwei- oder dreijährige Ausbildung für bereits mitten im Leben stehende Menschen bedeute, entstehe vielmehr der Eindruck, dass diese Entscheidung sehr reflektiert getroffen wird. Die eigene Motivation komme durchaus selbstkritisch auf den Prüfstand.

Erkennbar sei zudem, „dass Quereinstiege gerade auch Männern die Möglichkeit eröffnen, geschlechtstypische Berufswahlentscheidungen hinter sich zu lassen“ und im zweiten Anlauf einen „Frauenberuf“ zu wählen, was sie sich in jüngeren Jahren nicht getraut hätten, schreiben die Wissenschaftler.

Quereinsteiger sind gegenüber jüngeren Auszubildenden in mancher Hinsicht im Vorteil. Lehrkräfte in der theoretischen Ausbildung erleben sie als „sehr reflektiert und engagiert“, in der betrieblichen Praxis gelten sie als „strukturiert, zielorientiert und belastbar“. Das hat allerdings auch eine Kehrseite: Zuweilen kommt es zu Überforderungen, weil in Vergessenheit gerät, dass es sich bei den Quereinsteigern trotz reichlicher Lebenserfahrung um Auszubildende handelt. Zudem tun sich jüngere Vorgesetzte sowie Praxisanleiter gelegentlich schwer im Umgang mit älteren Quereinsteigern. Gelungene Quereinstiege setzen insofern auch „neue Personalkonzepte und eine gezielte Teamentwicklung auf Seiten der Kitas und Pflegeheime voraus“, konstatieren die Autorinnen.

Damit die Kinderbetreuung auch langfristig von den Quereinsteigern profitiere, müsse natürlich auch deren „Verbleib“ in diesem Tätigkeitsfeld sichergestellt werden, heißt es in der Studie. Insbesondere in der Altenpflege sei dies fraglich, weil viele Befragte sich recht kritisch zu den Arbeitsbedingungen äußern und eine weitere Spezialisierung anstreben – womit bei der vom Personalmangel gebeutelten Grundversorgung nichts gewonnen wäre. (zab, pm)

• Studie “Quereinsteigende auf dem Weg zur Fachkraft” (Hans Böckler Stiftung)

Meidinger kritisiert “Schweine-Zyklus” im Lehrerberuf – und fordert: Mehr Stellen für Gymnasien!

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1 KOMMENTAR

  1. Die Arbeitsagenturen interessieren sich weder für Motivation noch Eignung. Für sie sind Quereinsteiger nur Zahlen, die unter allen Umständen aus der Statistik getilgt werden müssen. Ogar drei Wochen Praktikum an einer KiTa und danach Abbruch wirkt sich positiv auf die Statistik aus.

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