Studie: Eltern gefährden regelmäßig Kinderrechte bei der digitalen Mediennutzung

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KÖLN. Die Mediennutzung ihrer Kinder zu kontrollieren ist für Eltern eine schwierige Aufgabe. Das viele dabei über das Ziel hinausschießen ist kaum verwunderlich. Doch auch die alltägliche Nutzung digitaler Medien führt oftmals zu gravierenden Verletzungen der Persönlichkeitsrechte von Kindern, wie Kölner Wissenschaftler festgestellt haben.

Digitale Medien alltäglich zu nutzen und zugleich den Kindern einen kompetenten Umgang zu vermitteln, das ist ein Spagat, der für Eltern grundsätzlich nicht viel Unterschied zur Mediennutzung in analogen Zeiten bedeutet. Erst die wesentlich größere Vielfalt der digitalen Medien und der damit verbundenen Möglichkeiten stellt Eltern heute vor eine ungleich größere Herausforderung als früher. Der allgemeine Konsens, was überhaupt kompetenter Umgang mit Medien bedeutet stellt sich zumindest komplex dar. Die Verunsicherung ist groß und Eltern haben es schwer, die Kontrolle über die Mediennutzung ihrer Kinder zu behalten.

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Eltern dürfen bei Nutzung und Kontrolle digitaler Meiden die Persönlichkeitsrechte ihrer Kinder nicht außer Acht lassen. Foto: NoeliaDemaria / Pixabay (CC0 1.0)
Eltern dürfen bei Nutzung und Kontrolle digitaler Meiden die Persönlichkeitsrechte ihrer Kinder nicht außer Acht lassen. Foto: NoeliaDemaria / Pixabay (CC0 1.0)

Das es in diesem Zusammenhang oftmals zu teils gravierenden Verletzungen der Persönlichkeitsrechte von Kindern kommt, haben jetzt Wissenschaftler der Universität zu Köln in einer Studie festgestellt. Die Studie zeigt auf der Basis von 37 Interviews mit Eltern und Kindern im Alter von sechs bis 15 Jahren, wie Medien im Alltag von Familien genutzt werden und wie Eltern die Medienerziehung gestalten. Ist die Studie zahlenmäßig damit nicht repräsentativ, ergibt sich durch die Streuung ein durchaus aussagekräftiges Bild. So fand die Erhebung fünf Städten und Gemeinden (darunter sowohl Großstädte als auch Gemeinden im ländlichen Raum) in vier verschiedenen Bundesländern (Berlin, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein) statt.

Die Wissenschaftler fanden zunächst wenig überraschend heraus, dass Eltern ihren Kindern einen möglichst sicheren Umgang mit digitalen Medienangeboten ermöglichen wollen. Gleichzeitig zeigten sie sich oft unsicher, wie sie den Risiken der digitalen Mediennutzung begegnen sollen, besonders bei der Nutzung sozialer Netzwerkdienste wie WhatsApp, Facebook, Instagram, Snapchat und YouTube. Wie kann man beispielsweise die Daten der Kinder schützten, wenn sie Fotos mit anderen über soziale Netzwerke teilen? „Digitale Medien sind heute ein fester Bestandteil des familiären Lebens und Eltern beschäftigen sich intensiv mit der Frage, wie sie die digitale Mediennutzung ihrer Kinder erzieherisch begleiten können“, so Studienleiterin Nadja Kutscher.

In allen befragten Familien waren soziale Netzwerke und mobile Medien selbstverständlicher Teil der Kommunikation zwischen den Familienmitgliedern. Alle befragten Eltern hatten Smartphones und darauf in der Regel die einschlägigen Apps (u.a. WhatsApp, Facebook, YouTube und Instagram) installiert. Die Mehrheit der Eltern unterschied dabei Facebook als „öffentliche“ und WhatsApp als „private“ Kommunikation. Im Sinne dieser Unterscheidung reflektierten die Eltern stärker, was sie auf Facebook veröffentlichen, und teilten dagegen weitgehend bedenkenlos Bilder der Kinder über WhatsApp..

„Eltern wollen prinzipiell die Daten ihrer Kinder schützen, fühlen sich aber in den meisten Fällen nicht ausreichend kompetent in der Nutzung verschiedener Dienste. Unzureichende Informiertheit, Unsicherheit, Hilf- und Machtlosigkeit, aber auch Nutzungsroutinen sind oft dafür verantwortlich, dass Eltern die Daten ihrer Kinder unzureichend schützen“, erklärt Kutscher. Die Forscher untersuchten dabei besonders die Rolle des sogenannten „Sharenting“, also der Verbreitung von Kinderbildern durch Eltern in sozialen Medien. Oftmas würden gerade dabei die Beteiligungsrechte und Persönlichkeitsrechte der Kinder verletzt. Ebenso würden die Mitbestimmungsrechte der Kinder nur selten ausreichend beachtet. Die Kinder selbst hätten oftmals genaue Vorstellungen davon, ob, wann und mit wem Bilder von ihnen geteilt werden sollten. Allerdings würden sie von den Eltern in der Regel nicht an diesen Entscheidungen beteiligt.

Um ihre Kinder bei der Mediennutzung zu schützen, griffen sie darüber hinaus häufig zu Mitteln wie der Kontrolle von passwortgeschützten Kommunikationsinhalten der Kinder in sozialen Netzwerken, fand Kutscher heraus. Solche Eingriffe verletzten die Privatsphäre der Kinder teilweise massiv. Auch in dieser Hinsicht würden die Rechte von Kindern im Rahmen von Medienerziehung in der Familie oftmals nicht hinreichend berücksichtigt,

„Unsere Befunde geben wichtige Hinweise auf grundlegende Konflikte in der alltäglichen Mediennutzung und Erziehung im Umgang mit sozialen Netzwerkdiensten in Familien“, sagt die Professorin für Erziehungshilfe und Soziale Arbeit. „Der Spagat zwischen Schutz auf der einen Seite und Freiräumen und Autonomie auf der anderen gelingt nicht immer im besten Sinne der Kinder.“

Das sieht auch Thomas Krüger so. „Die Rechte von Kindern sind auch im digitalen Raum nicht verhandelbar“, stellte der Präsident des Deutschen Kinderhilfswerkes, Kooperationspartner der aktuellen Studie fest. Aus Krügers Sicht bedürfe es „verständlicher und umsetzbarer gesetzlicher Vorgaben für die Erhebung, Verbreitung und Verarbeitung digitaler Daten.

Kutscher sieht dabei auch das Bildungssystem in der Pflicht. Kindertageseinrichtungen, Schulen oder Erziehungsberatungsstellen könnten und sollten nach ihrer Ansicht Eltern stärker unterstützen. Zudem sollten entsprechende politische Rahmenbedingungen geschaffen werden, eine Forderung, der sich auch Krüger anschloss. Ein an der UN-Kinderrechtskonvention ausgerichteter Jugendmedienschutz sollte Krüger zufolge gleichermaßen Schutz, Teilhabe und Kompetenzförderung von Kindern in den Medien absichern. (zab, pm)

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