Hesse muss einräumen: Noch immer fast jeder zehnte Abgänger ohne Schulabschluss

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SCHWERIN. In Mecklenburg-Vorpommern ist im Jahr 2018 der Anteil von Schülerinnen und Schülern ohne Schulabschluss gegenüber dem Vorjahr leicht gestiegen, wie das Bildungsministgerium bekannt gab. Die Quote der Mädchen und Jungen, die die Schule ohne Berufsreife verließen, lag bei 9,2 Prozent. In absoluten Zahlen waren das 1.194 Schülerinnen und Schüler. Im Jahr 2017 lag die Quote bei 8,7 Prozent, im Jahr 2016 waren es ebenfalls 9,2 Prozent der Schülerinnen und Schüler, die die Schule ohne Berufsreife verlassen haben. Im Jahr 2008 lag der Anteil der Schulabgängerinnen und Schulabgänger ohne Berufsreife noch bei 15,8 Prozent.

Kämpft gegen den Lehrermangel auf dem Land: Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD). Foto: Bildungsministerium Mecklenburg-Vorpommern
Wies auf Fördermöglichkeiten hin: Mecklenburg-Vorpommerns Bildungsministerin Birgit Hesse. Foto: Bildungsministerium Mecklenburg-Vorpommern

„Wer sich um einen Ausbildungsplatz bewirbt, muss die Berufsreife nachweisen. Die Berufsreife ist die Voraussetzung für beruflichen Erfolg“, betonte Bildungsministerin Birgit Hesse. „Im Ministerium haben wir uns die Zahlen genau angesehen und ergründet, warum die Quote im vergangenen Jahr gestiegen ist. Wir können den Anstieg um 0,5 Prozentpunkte überwiegend durch die gestiegene Quote der Abgängerinnen und Abgänger ohne Abschluss mit Migrationshintergrund erklären. Diese Quote ist im Jahr 2018 auf 1,1 Prozent gestiegen, im Jahr 2017 lag sie noch bei 0,7 Prozent“, so Hesse.

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Schülerinnen und Schüler in Mecklenburg-Vorpommern haben viele Möglichkeiten, die Berufsreife zu erlangen, meinte die Ministerin. Wer diesen Abschluss auf regulärem Weg voraussichtlich nicht erreichen werde, erhalte mit 9+ an ausgewählten Regionalen Schulen und Gesamtschulen ein zusätzliches Schuljahr Zeit. Das Produktive Lernen sei ein Angebot mit einem hohen Praxisanteil und wolle Jugendlichen Lust auf das Lernen machen. In einem freiwilligen 10. Schuljahr an Förderschulen könnten Schülerinnen und Schüler mit Lernschwierigkeiten die Berufsreife erlangen. Dieses Angebot solle nach dem Auslaufen der Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt Lernen erhalten und an ausgewählten Regelschulen fortgeführt werden.

„Wenn wir uns die Abschlussquoten im vergangenen Jahr je Einzelschule anschauen, zeigt sich, dass bei circa 64 Prozent aller Schulen mit Abgängerinnen und Abgängern ohne Abschluss ein Schüler weniger, genauso viele Schüler oder ein Schüler mehr als im Vorjahr die allgemein bildende Schule ohne Abschluss verlassen hat“, erläuterte Bildungsministerin Hesse. „Insofern ist die Veränderung gegenüber dem Vorjahr bei einem Großteil der Schulen sehr gering. Die Berufsreife ist allerdings auch kein Abschluss, der automatisch verliehen wird. Jede Schülerin bzw. jeder Schüler kann und muss zum eigenen Erfolg etwas beitragen“, sagte Hesse. News4teachers

Schulabbrecher bundesweit

Mit mehr als 49.000 Schulabgängen (6 Prozent der gleichaltrigen Bevölkerung) haben laut Bundesbildungsbericht 2016, der im vergangenen November herauskam, wieder mehr Jugendliche als in den Vorjahren die Schule verlassen, ohne mindestens den Hauptschulabschluss erreicht zu haben. Dabei handelt es sich dem Bericht zufolge vornehmlich um einen Anstieg bei ausländischen Jugendlichen. In den Jahren davor war die bundesweite Abbrecherquote stetig gefallen: 2009 waren es 6,6 Prozent, 2013 nur noch 5,2 Prozent.

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