Schlechte Ernährung, digitaler Stress und Schlafmangel – Mehr als die Hälfe der 14-34-Jährigen fühlt sich nicht gesund

2

VILLINGEN-SCHWENNINGEN. 55 Prozent der jungen Bundesbürger klagen bereits über gesundheitliche Probleme – bei Frauen sind es sogar 65 Prozent. Das ist das Kernergebnis einer Studie unter knapp 1.100 Bundesbürgern.

Zwei Drittel führen ihre gesundheitlichen Beeinträchtigungen dabei selbstkritisch auf ein ungesundes Leben mit schlechter Ernährung zurück. Deutlich erkennbar sei in der Studie vor allem der Trend zu mehr Fast Food: Die Zahl derer, die Mahlzeiten häufig durch schnelle Snacks unterwegs ersetzen, nimmt seit 2014 kontinuierlich zu und liegt inzwischen bei 60 Prozent.

Anzeige


Digitaler Stress bringt schlechte Ernährung mit sich. Foto: Jason / Wikimedia Commons (CC BY 2.0)
Digitaler Stress bringt schlechte Ernährung mit sich. Foto: Jason / Wikimedia Commons (CC BY 2.0)

“Es ist alarmierend, dass sich bereits junge Menschen in so hohem Maße gesundheitlich beeinträchtigt fühlen”, sagt Tanja Katrin Hantke, von der Schwenninger Krankenkasse, die die Studie in Auftrag gegeben hatte. Besonders betreffe das mit einem Anteil von 58 Prozent die Gruppe der 18- bis 25-Jährigen, die oft in diesem Alter zu Hause ausziehen und für sich selbst sorgen müssen. Die schnelle Nahrungsaufnahme unterwegs ist offenbar zum Normalfall geworden.

Sportunterricht verfehlt sein Ziel – Studie: Junge Erwachsene sind Bewegungsmuffel

Junge Menschen dieser Altersgruppe klagten überdies mehr als andere junge Bundesbürger über Schlafmangel. Insgesamt 58 Prozent und fast 70 Prozent der Frauen fühlten sich hiervon betroffen. “Es zeigt sich schon in jungen Jahren: Ein ungesundes Leben mit zu wenig Schlaf ist Raubbau am eigenen Körper”, so die Ärztin.

Ursächlich für den Schlafmangel sehen die Studienautoren nicht zuletzt die Nutzung digitaler Medien. 36 Prozent der 14- bis 34-Jährigen fühlen sich davon unter Druck gesetzt. Männer seien mit 38 Prozent sogar etwas stärker betroffen als Frauen (34 Prozent).

Stress durch digitale Medien werde vor allem ausgelöst durch die vielen Ablenkungsmöglichkeiten wie Blogs, Videos und Chats in sozialen Netzwerken. 67 Prozent können sich diesen nach eigenen Angaben nicht entziehen. Unter Druck gesetzt sehen sich mehr als 50 Prozent auch durch die allgemeine Informationsflut, ausgelöst beispielsweise durch Push-Nachrichten, Mails und Newsletter.

Fast jeder zweite digital Gestresste, bekannte in der Befragung, dass er kaum Möglichkeiten sieht, etwas gegen die Belastung zu tun. Besonders Männer. Sehr gaben an, „ständig“ für ihren Arbeitgeber oder Ausbilder erreichbar sein zu müssen. Dasselbe geilte für „erzwungenes Online-sein“ in der Freizeit, ausgelöst durch Belohnungen oder Prämien, die etwa durch Online-Spiele für längeres Dranbleiben in Aussicht gestellt werden.

Frauen dagegen klagen deutlich stärker über die ständige Erreichbarkeit für Freunde und Familie. „Daran wird deutlich, dass es offensichtlich immer noch die Frauen sind, die die Hauptlast der Familienorganisation und der Beziehungspflege zu schultern haben. Verstärkend kommt der Trend hinzu, jederzeit und sofort auf Nachrichten reagieren zu müssen“, so Tanja Katrin Hantke.

Als positiv bewerteten die Studienautoren, dass junge Menschen inzwischen kritischer mit dem Thema Rauchen umgingen. Ein Viertel derjenigen, die sich nicht rundum gesund fühlen, spürten, dass ihnen Rauchen schade, egal ob es sich um klassische oder E-Zigaretten handelt. “Die lockere Einstellung, Rauchen ist cool und gehört dazu, weicht der Selbsterkenntnis, dass Nikotinkonsum schädlich ist”, so Hantke. Daher nutzen immer mehr junge Raucher inzwischen auch Apps zur Entwöhnung.

Besonders aus diesem Befund zieht Hantke einen eindeutigen Schluss: “Attraktive Angebote, Aufklärung und Gesundheitsbildung zeigen Wirkung. Umso wichtiger ist es, von klein auf ein Verständnis dafür zu schaffen, was zu einem gesunden Leben gehört”. Das sehe auch der weitaus größte Teil der jungen Bundesbürger so: 80 Prozent der Befragten wünschen sich das Thema Gesundheit an Schulen als eigenständiges Schulfach. (zab, pm)

• Die Ergebnisse der Studie “Zukunft Gesundheit 2018 – Jungen Bundesbürgern auf den Puls gefühlt” stehen kostenlos zum Download zur Verfügung.

Krankenkasse schlägt Alarm: Zahl psychisch kranker Kinder und Jugendlicher steigt rasant

Anzeige


2 KOMMENTARE

  1. Noch mehr Tablet-Klassen, noch mehr Smartphones in den Unterricht, alles nur noch digital!!! Dann sind es bestimmt bald 80%.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here