Unterrichtsmaterial für die 10. Klasse: Aufregung um altes Bio-Heft mit “Rassenlehre”

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DRESDEN. Ein 20 Jahre altes Biologie-Heft kommt an einer sächsischen Oberschule zum Einsatz und sorgt mit seinem Inhalt für Wirbel. Die Grünen fordern Aufklärung, das Kultusministerium sieht nur einen «bedauerlichen Einzelfall».

Das Lehrwerk ist vergriffen, es ist allerdings noch in Antiquariaten erhältlich. Screenshot

In Sachsen hat ein veraltetes Biologie-Lehrheft über die «Rassenlehre des Menschen» für Wirbel gesorgt. Die Grünen hatten in einer Kleinen Anfrage kritisiert, dass im Biologie-Unterricht an einer Oberschule im Kreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge die «Rassenlehre des Menschen» thematisiert worden sei und Aufklärung verlangt. Nach eigenem Bekunden hatten die Grünen Hinweise von Eltern erhalten.

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In dem umstrittenen Lehrmaterial für die 10. Klasse sei etwa von «negriden, mongoliden und europäischen Rassenkreisen» die Rede, hieß es. Schüler hätten etwa typische Hautfarben, Nase- und Gesichtsformen zuordnen müssen. Zuvor hatten verschiedene Medien berichtet.

Laut Kultusministerium handelt es sich um das Themenheft «Naturwissenschaft Biologie, Chemie, Physik – Farben» aus dem Jahr 1998. «Bei 1400 Schulen, über 20.000 Klassen und noch viel mehr Schulbüchern handelt es sich hier um einen bedauerlichen Einzelfall», sagte eine Sprecherin am Dienstag. Die Inhalte des Themenheftes würden nicht vom Ministerium unterstützt.

Zugleich verwies die Behörde auf die Eigenverantwortung der Schulen bei der Auswahl der Lehrmittel. In Sachsen müssen nur Schulbücher für die Fächer Religion und Ethik zugelassen werden. Bei allen anderen zulassungsfreien Materialien wählen die Schulen aus dem Sortiment der Verlage aus, hieß es. Der Schulleiter der betreffenden Oberschule habe die alten Unterrichtsmaterialien mittlerweile entfernt.

Bis 2004 tauchte der Begriff «Menschenrassen» noch als Bestand des Lehrplans im Fach Biologie auf. Der Begriff wurde in den neuen Lehrplänen gestrichen, seither ist das Thema «Evolution des Menschen» verpflichtender Inhalt im Biologie-Unterricht der 10. Klasse – mit Fokus auf den Gemeinsamkeiten der Menschen.

Erst 2018 widmete sich das Deutsche Hygiene-Museum in einer vielbeachteten Ausstellung dem Thema Rassismus. «Rassismus ist eine menschenfeindliche Ideologie und gleichzeitig eine alltägliche Praxis, durch die viele Menschen unter uns mit Diskriminierung und Gewalt konfrontiert sind», hatte das Museum die Schau seinerzeit angekündigt.

Aufgrund ihrer Hautfarbe, ihres Aussehens, ihrer Religionszugehörigkeit oder ihrer Sprache würden Menschen immer wieder erniedrigende Erfahrungen machen, die für andere Teile der Bevölkerung nur schwer vorstellbar sind. Kuratorin Susanne Wernsing stellte von Anfang an klar: «Es gibt keine Rassen. Rassen sind eine Erfindung des Menschen. Sie hat immer mit Abgrenzung zu tun.» dpa

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7 KOMMENTARE

  1. Bei genauerem Recherchieren (es würde sich lohnen, das auch hier zu berichten) stellt man fest, dass Schülerinnen aussagen, die betreffenden Seiten seien nie thematisiert worden. Sie standen halt auch in dem Buch drin. Aber ein 20 Jahre altes Buch ist natürlich hoffnungslos veraltet, wir alle kennen die alte Weisheit “Trau keinem über 20!” Vor 20 Jahren gab es ja auch noch Menschenrassen.
    Zum Glück wissen wir inzwischen, dass Rassen rassistisch sind. Ethnien dagegen sind modern und gut.

      • Ich habe auch noch gelernt, dass Menschen zu den Säugetieren gehören. Stimmt das nicht mehr und wo werden sie jetzt biologisch eingeordnet?

    • Ist das jetzt ernst gemeint? Ethnien sind schlicht Völker.

      Für den Begriff Rasse gilt (da reicht ein Blick in Wikipedia):

      “Rassentheorien (zusammenfassend auch als Rassenkunde oder Rassenlehre bezeichnet) sind Theorien, die die Menschheit in verschiedene Rassen einteilen. Sie waren vor allem im 19. und im frühen 20. Jahrhundert sehr einflussreich, gelten aber heute als überholt und wissenschaftlich nicht mehr haltbar. Die „Rassen“ wurden primär aufgrund äußerlicher (phänotypischer) Merkmale wie Hautfarbe, Behaarung oder Schädelform typologisch unterschieden, häufig wurden aber auch zusätzliche Unterschiede im Charakter und den Fähigkeiten entsprechender Individuen angenommen bzw. behauptet.”

  2. Rassen gibt es nicht. People of color dagegen schon. Und natürlich kritische Weißseinsforschung, nicht aber kritische Farbigseinforschung.
    Ich bin froh, dass dieses Buch aus dem Verkehr gezogen wird. Ein wichtiger Schritt zur Bekämpfung des Rassismus in Deutschland.

    • Mir ist auch nicht bekannt, dass sich Menschen oder Menachengruppen aufgrund ihrer Hautfarbe so verhalten oder auch nicht verhalten, wie sie es tun.

      Man kann im Unterricht aber durchaus die Gründe thematisieren, weshalb in Europa im Laufe der Jahrtausende die Hautpigmentierung zurückging. Daraus aber Rückschlüsse auf was weiß ich zu ziehen, ist überzogen.

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