Anteil der Quereinsteiger in NRW erneut gestiegen

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DÜSSELDORF. Seiteneinsteiger spielen eine immer größere Rolle bei Neueinstellungen in Nordrhein-Westfalen. Die GEW fordert indes bessere Rahmenbedingungen um die Unterrichtsqualität zu sichern.

Immer mehr Quereinsteiger unterrichten als Lehrer an den Schulen in Nordrhein-Westfalen. 2018 war jeder siebte neu eingestellte Lehrer ein sogenannter Seiteneinsteiger. Dies geht aus jüngst veröffentlichten Zahlen des NRW-Schulministeriums hervor. Seiteneinsteiger haben zumeist ein Studium absolviert, aber keine klassische Lehrerausbildung. Pädagogische Grundlagen erhalten sie berufsbegleitend.

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Rund 180.000 Lehrer arbeiten an den öffentlichen Schulen in NRW. Der Anteil der Quereinsteiger steigt. Foto: Reisefreiheit_eu / Pixabay (CC0 1.0)
Rund 180.000 Lehrer arbeiten an den öffentlichen Schulen in NRW. Der Anteil der Quereinsteiger steigt. Foto: Reisefreiheit_eu / Pixabay (CC0 1.0)

«Seiteneinsteiger verbessern die personelle Situation an unseren Schulen kurzfristig», erklärte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) auf Anfrage. Sie würden helfen, Unterrichtsausfall zu vermeiden. Mit ihren Vorerfahrungen und Berufsbiografien seien sie außerdem eine Bereicherung für das Kollegium.

Von den 7225 Einstellungen entfielen im vergangenen Jahr 1006 auf Seiteneinsteiger, also fast 14 Prozent. Darunter waren 274 Neueinstellungen an Grundschulen. Eine Prognose für das laufende Jahr ist nach Angaben des Ministeriums nicht möglich. Grund sei, dass mögliche Bewerber vorab nicht bekannt seien. Außerdem entschieden die Schulen selbst, ob sie ihre Stellenausschreibungen für den Seiteneinstieg öffneten, hieß es aus dem Ministerium.

Die absoluten Zahlen steigen wieder seit 2014, als nur 130 neue Seiteneinsteiger gezählt wurden. Mehr Neueinstellungen von Lehrern ohne Lehrerstudium gab es zuletzt 2010. Damals wurden 1120 Quereinsteiger eingestellt, was einer Quote von 17 Prozent entsprach. An den staatlichen Schulen in Nordrhein-Westfalen arbeiteten im Schuljahr 2017/18 rund 180.000 Lehrer.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) forderte bessere Rahmenbedingungen für Quereinsteiger. «Die Seiteneinsteiger müssen gründlich vorbereitet werden, bevor sie in die Schulen kommen, und dann berufsbegleitend qualifiziert und durch Mentoringprogramme unterstützt werden», erklärte die Vorsitzender der GEW NRW, Dorothea Schäfer anlässlich der Halbjahreszeugnisse. «Die Lehrkräfte, die die Quer- und Seiteneinsteiger in der Schule in ihrer Ausbildung unterstützen, müssen entlastet werden. Nur so kann die Qualität des Unterrichts gesichert werden.»

Der Seiteneinstieg ist in NRW prinzipiell an allen Schulformen möglich – außer an Förderschulen. In der Sekundarstufe I gibt es die Möglichkeit für alle Fächer – in der Grundschule nur für Kunst, Musik, Sport und Englisch. Für Mathematik und Deutsch bleibt dieser Weg in der Primarstufe verschlossen, weil die Anforderungen aus Sicht des Schulministeriums besonders hoch sind.

Seiteneinsteiger mit Studium und zwei Jahren Berufserfahrung können einen zweijährigen berufsbegleitenden Vorbereitungsdienst und eine Staatsprüfung absolvieren. Sie erhalten dann nachträglich eine Lehramtsbefähigung für zwei Fächer und können auch verbeamtet werden. Lehrer kann man auch mit einem Fachhochschul-Abschluss werden. Theoretisch möglich, aber praktisch selten ist darüber hinaus die Einstellung mit einer fachspezifischen Ausbildung, also etwa eines Handwerksmeisters, als Lehrer in der Sekundarstufe I. (dpa)

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3 KOMMENTARE

  1. Diese Entwicklung finde ich gut. Quereinsteiger haben mehr Ahnung vom außerschulischen Berufsleben, und die meisten Schüler arbeiten nun einmal später auch außerhalb der Schule. Von den Erfahrungen der Quereinsteiger kann man nur profitieren.

    • Nun brauchen Lehrer auch Fähigkeiten und Training darüber, wie man Unterricht gut macht. Das lernen sie in der Regel in ihrer Ausbildung, vor allem im Referendariat. Dies ist eine extrem anstrengende Zeit. Quereinsteiger müssen dies alles mit viel weniger Zeit, bei voller Unterrichtsverpflichtung bewältigen. Ob das dann genauso gute Lehrer werden? Kommt auf den Fall an. Wenn sie aber keine guten Lehrer werden, sind sie am Ende ihres Einstieg dennoch verbeamtet und “sitzen” die nächsten 30 Jahre im Lehrerzimmer. Ist das gut?

  2. ” in der Grundschule nur für Kunst, Musik, Sport und Englisch. Für Mathematik und Deutsch bleibt dieser Weg in der Primarstufe verschlossen, weil die Anforderungen aus Sicht des Schulministeriums besonders hoch sind.”

    Was bedeutet das konkret?
    Der/ Die SeiteneinsteigerIn kommt über die genannten 4 Fächer ins Lehramt.

    Ist er oder sie dann hinterher reguläre Lehrkraft an einer Grundschule und unterrichtet dort als Klassenlehrkraft Deutsch und Mathematik?
    Oder übernimmt eine grundständig ausgebildete Lehrkraft 2 Klassenlehrerschaften mit Mathematik und Deutsch, erteilt aber weniger der anderen Fächer?

    Meiner Meinung nach braucht es angesichts des Lehrermangels Überlegungen, ob es 1-Fach-Lehrkräfte geben sollte oder andere Möglichkeiten, über die Quereinsteiger als Lehrpersonen in die Schulen kommen.
    Gleichzeitig dürfen darüber aber die Belastungen der anderen Lehrkräfte nicht weiter erhöht werden
    UND es muss für die Zukunft klar geregelt werden, in welchen Fächern diejenigen, die nur für bestimmte Fächer qualifiziert sind, im Unterricht eingesetzt werden – auf dem Papier, sowie in der Praxis.

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