In immer mehr Schulen droht Kontrollverlust: “Mobbing, Übergriffe und Verhaltensauffälligkeiten bringen viele Lehrer an ihre Grenze”

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BERLIN. Lehrererinnen und Lehrer kommen immer öfter an ihre Grenzen – und darüber hinaus. Verhaltensauffällige Schüler und aggressive Eltern sorgen für ein Klima in vielen Klassenräumen, in dem Lernprozesse kaum mehr in Gang zu bringen sind. Und das betrifft keineswegs nur Brennpunktschulen. „Es gibt eine Verrohung im Umgang miteinander“, so stellt der Leiter eines Hamburger Gymnasiums fest. Der Eindruck verfestigt sind: In vielen deutschen Schulen droht ein Kontrollverlust. Warum?

Lehrkräfte werden zunehmend zur Zielscheibe von Angriffen. Foto: Shutterstock

„Hi! Wie geht ihr damit um, wenn euch ein Schüler vor versammelter klasse anschreit, frech wird und unschöne Sätze fallen? Ich habe einen sehr aufbrausenden Schüler, der auch bei anderen Lehrern das Verhalten zeigt. Bekommt auch regelmäßig Strafen aber mehr passiert da nicht. Was würdet ihr in der Situation selbst tun? Ich war ein wenig perplex und hab es ignoriert aber fühle mich dabei nach 3 Tagen Abstand immer noch nicht gut“, so fragt eine Referendarin in die Runde einer Selbsthilfegruppe auf Facebook – und bekommt Dutzende Antworten. Der Chat gibt einen anschaulichen Einblick in Situationen, denen Lehrkräfte heutzutage ausgesetzt sind.

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Eine Kollegin gibt Rat: „Ein ruhiges ‚bist du jetzt fertig?‘ Vielleicht muss man ihm den Wind aus den Segeln nehmen.“ Die Reaktion der Fragestellerin: „Mein ‚bist du fertig‘ würde man bei dem Geschrei nicht mal hören.“ Weiter führt sie aus: Wenn dem Schüler – 10. Klasse – etwas nicht passe, etwa die Sitzordnung, werde er sofort aggressiv und laut. Seine Mutter sei alleinerziehend und selbst überfordert. Niemand in der Schule stelle sich dem Jugendlichen entgegen. „Scheinbar hat er alle in der Hand.“ Sie selbst, so die Junglehrerin, habe Angst, vor der Klasse die Autorität zu verlieren. „Ich versuche, beim nächsten Mal zu signalisieren, dass ich alles unter Kontrolle habe.“

  • Ein Sonderpädagoge an einer Hauptschule empfiehlt: „Die Eltern einbestellen und ein klärendes Gespräch führen. Dort solltest du den Erziehungsberechtigten deutlich machen, dass sein/ihr zukünftiger Chef in der Arbeitswelt wahrscheinlich anders reagieren würde, wenn er sein Verhalten nicht ändert.“
  • Ein anderer Kollege meint: „Schulsozialarbeiter ins Boot holen – falls vorhanden.“
  • Eine andere Lehrerin schreibt: „Souverän und professionell bleiben. Nicht aus der Ruhe bringen lassen. Vorher (machbare) Konsequenzen für so ein Verhalten ankündigen und diese dann auch durchführen.“
  • In die gleiche Kerbe schlägt ein erfahrener Kollege: „Ruhig bleiben, wenn man deeskalieren möchte, oder dagegen halten und signalisieren, dass man sich durch Lautstärke nicht einschüchtern lässt. Lösen kann man die Situation so oder so nicht, sondern nur damit umgehen. Wenn ein Schüler so ein Verhalten regelmäßig zeigt, wird die eine oder andere Reaktion daran erstmal nichts ändern. Würde langfristig versuchen, die Kollegen und Eltern ins Boot zu holen und mir kurzfristig nicht zu sehr den Kopf darüber zerbrechen. Ändert auch nichts.“
  • Eine vierte Lehrerin zieht ein resigniertes Fazit: „Da fragt man sich echt, warum man sich das antut. Man muss sich beschimpfen lassen und ist der Blitzableiter für überforderte Schüler. Ich finde das so schlimm für das eigene Selbstwertgefühl.“

Tatsache ist: Die Situationen, in denen Schüler mit ihrem Verhalten Lehrer an ihre Grenzen bringen – oder darüber hinaus – nehmen rasant zu. Bundesweit häufen sich die Klagen. In Mönchengladbach beispielsweise machte der Fall eines Lehrers unlängst Schlagzeilen, der einen 13-jährigen Schüler körperlich bedrängte, ihn schubste und über den Schulhof jagte („Was glaubst du denn, wer du bist? Verdammt noch mal!“). Die Szene wurde per Handy gefilmt und verbreitete sich rasant in den sozialen Medien. Die Empörung über den Lehrer war groß.

Nicht in der Szene zu sehen war allerdings das vorausgegangene Verhalten des Schülers. Der war vom Lehrer aufgefordert worden, auf den Pausenhof zu gehen – und hatte darauf mit einer Beleidigung reagiert. Eine Lehrerin, die schlichten wollte, wurde von einem Freund des Schülers als „alte Hure“ tituliert. „Die seit 35 Jahren zuverlässig und besonnen an der Schule tätige Lehrkraft hat sich in diesem Moment provozieren lassen. Sie bedauert ihr Verhalten sehr. Da es sich somit um einen einmaligen Vorfall gehandelt hat, wurde von dienstrechtlichen Maßnahmen abgesehen“, so teilte später die Schulaufsicht mit. Tatsächlich war das Geschehen kein Einzelfall. Wie später bekannt wurde, ist das Kollegium immer wieder mit aggressiven Schülern und Eltern konfrontiert.

Gekniffen, gebissen, bespuckt

„Was den Umgang miteinander betrifft, stehen Lehrer in einer Reihe mit Polizisten, Rettungskräften und Ärzten“, sagt Ruth Reinartz, Vorsitzende der GEW Mönchengladbach, gegenüber der „Rheinischen Post“. Lehrer würden mit Schimpfwörtern provoziert, mitunter auch gekniffen, gebissen und bespuckt. Entgleisungen, vor allem verbale, gebe es immer wieder. „Bei den Schülern wird es entschuldigt, bei den Lehrern nicht“, berichtet Reinartz, die selbst Lehrerin an einer Hauptschule ist.

Das Problem lässt sich weder regional eingrenzen noch ist es auf bestimmte Schulformen beschränkt. Auch Gymnasien, die früher als eher beschauliche Lernstätten galten, sind betroffen.

„Gymnasien stehen vor facettenreichen Herausforderungen“, sagt beispielsweise der Leiter eines Hamburger Gymnasiums einem aktuellen Bericht des „Hamburger Abendblatts“ zufolge. „Immer mehr Kinder, die von der Grundschule zu uns kommen, haben schulische Probleme.“ Nicht nur, dass das Leistungsniveau generell nach unten gehe. Auch komme es immer häufiger vor, dass Schüler, die Schwierigkeiten haben, mit Aggression reagierten und sich auffällig im Sozialverhalten zeigten. „Es gibt eine Verrohung im Umgang miteinander“, so zitiert das Blatt den Schulleiter.

Der Direktor eines benachbarten Gymnasiums ergänzt: „Lange hieß es, an Gymnasien braucht man keine Schulsozialarbeit. Das stimmt so nicht mehr. Das System muss sich mit veränderten Bedingungen auseinandersetzen.“ In immer mehr Familien seien beide Elternteile ganztags berufstätig. Die Folge: „Die Kinder sitzen dann den ganzen Nachmittag vor der Daddelkiste oder dem Smartphone. Sie sind komplett überfordert.“ Agentur für Bildungsjournalismus

Hilferuf aus dem Saarland

„Mittlerweile greifen alltäglich Schlagzeilen in Deutschland Gewalt an Schulen auf – und noch immer gibt es keine wirkliche Hilfe für Lehrkräfte und Schüler“, so heißt es in einer Pressemitteilung des Verbands Reale Bildung (VRB) Saarland. „Zwar werden im Saarland mehr Schulsozialarbeiter eingestellt, doch verhindern bürokratische Vorgaben ein wirklich  effektives  Zusammenarbeiten  aller  Beteiligten. Somit gelingt es auch nicht, Lehrkräfte zu entlasten.“ Der VRB mahnt an, dass hier die Politik Wege schaffen müsse, die ein problemloses Austauschen der unterschiedlichen Behörden untereinander ermöglichen. So könne ein schnelleres Eingreifen in Gefährdungssituationen gewährleistet werden.

Aktuelle Vorfälle an Gemeinschaftsschulen zeigten, dass der Schulhof ein Bereich mit hohem Gefahrenpotential sei. „Schulfremde Personen bedrohen und beleidigen Lehrkräfte und Schüler und  schrecken auch nicht vor körperlichen Angriffen zurück. Emotionale Betroffenheit verhindert nach solchen Vorfällen noch lange Zeit ein unbeschwertes  Pausenverhalten bei  Schülern. Die vielfältigen Gefahrensituationen stellen Lehrkräfte  vor  immer  neue  Aufgaben, die nicht zu ihrem Lehrauftrag gehören. Zunehmend respektloses Verhalten  von  Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern  ist  mittlerweile  ein gesellschaftliches Phänomen und erschwert in jeglicher Hinsicht die Gestaltung des Schullebens. Mobbing, körperliche Übergriffe und verschiedene weitere negative Verhaltensauffälligkeiten von Schülern im alltäglichen Schulbetrieb haben viele Lehrer an ihre Belastungsgrenze gebracht.“ Der VRB fordert die verantwortlichen Politiker auf, trotz der vorhandenen Sparzwänge dringend die Prioritäten neu zu setzen  und  eine  höhere Planstellenanzahl  für Lehrer zu schaffen, um eine wirkliche Entlastung für die Lehrkräfte an den Schulen zu ermöglichen.

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

VBE-Umfrage: Gewalt gegen Lehrer an jeder vierten Schule – an Grundschulen sogar noch häufiger

 

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31 KOMMENTARE

  1. Zitat: „Bei den Schülern wird es entschuldigt, bei den Lehrern nicht“.

    Genau das ist das Problem, es sollte natürlich bei Lehrern nicht entschuldigt werden, aber es darf bei Schülern und Eltern auch nicht durchgehen gelassen werden. Schüler und leider auch viele Eltern brauchen einfach Grenzen gesetzt, wenn diese überschritten werden, muss es auch Konsequenzen geben.

    Ganz falsch war vermutlich, das einfach auf sich sitzen zu lassen und so zu tun, als sei nie etwas passiert, dazu neigt man aber leider, wenn man so überrascht ist, und sich dann zwangsläufig hilflos fühlt. Hinterher fallen einem immer die guten Ideen ein, die sollte man sich dann aber auch merken für zukünftige Vorfälle, denn die werden zwangsläufig kommen.

    Bei mir wäre der Schüler sofort rausgeflogen mit einer Sonderaufgabe, wäre er dieser nicht nachgekommen, hätte ich ein Nacharbeiten angesetzt (mit schriftlicher Benachrichtigung der Eltern). Wäre er dem dann auch nicht nachgekommen, hätten die Eltern von mir nen Brief bzgl. unentschuldigtem Schulversäumnis bekommen, ich hätte bei der Klassenlehrerin, dem Klassenlehrer dafür gesorgt, dass dies auch als unentschuldigte Fehlstunde gilt und hätte eine Aktennotiz angefertigt. Aktennotiz dafür, dass ich, wenn alles nicht helfen würde, irgendwann bei der Schulleitung auf eine Ordnungsmaßnahme pochen würde, und dann dieses Verhalten in mehreren Situationen detailliert erklären müsste. Möglich wären dann auch Dinge, die richtig weh tun, wie der Ausschluss von Klassenfahrt und Wandertagen, da man die Aufsicht für diesen Schüler nicht übernehmen kann. Wichtig dafür ist aber, dass alle anderen Lehrer und vor allem auf die Klassenlehrer an einem Strang ziehen.

    Bei allen Aktionen sollte man sich im Vorhinein immer überlegen, was man macht, wenn der Schüler nicht drauf eingeht. Verlässt der Schüler nicht den Unterricht, kann ich ihm entweder klar sagen, dass er nach der Stunde da bleibt, und wir das danach klären, damit nehme ich ihm die Bühne und ich verliere nicht mein Gesicht vor den anderen Schülern. Was ich auch schon einmal gemacht habe, als ein Schüler meinen Unterricht nicht verlassen wollte, war, dass ich einfach mit allen anderen Schülern im Nachbarraum weiter unterrichtet habe, und ihn doof hab sitzen lassen.

    • Zitat: “Bei allen Aktionen sollte man sich im Vorhinein immer überlegen, was man macht, wenn der Schüler nicht drauf eingeht.”

      Genau. Damit haben vor allem unerfahrene Kollegen oftmals noch so ihr Problem. Sie haben eine Sanktion parat und sind nicht darauf gefasst, was sie tun sollen, wenn der Schüler diese aber verweigert.

  2. Ich habe dieses Problem als eines, das ganz wesentlich dazu beiträgt, dass der Lehrerberuf nicht mehr attraktiv ist und viele Kollegen körperlich und seelisch ausbrennen, mehrfach angesprochen. Grund ist auch die Du-du-du-Pädagogik, festgeschrieben in Schulgesetzen und Verordnungen, die uns Lehrer ohnmächtig machen bzw. lächerlich erscheinen lassen.

    Die Reaktion verantwortlicher Politiker: Gehälter erhöhen bzw. eine Brennpunktzulage.

    Naja, wer hätte gedacht, dass das Problem sooo einfach zu lösen ist. (Vorsicht, Ironie!)

  3. Man zieht als Lehrer eben auch aus solchen Erfahrungen Konsequenzen. Ich bin inzwischen schneller bereit ein Kind von den Eltern bei wiederholter Entgleisung abholen zu lassen. Es ist meist ein erzieherisches Problem, dass von mir nicht gelöst werden kann, da die Eltern bei Konsequenzen gegen mich arbeiten. Strafarbeiten werden nicht gemacht, Nachsitzen darf es nicht geben, in Sportstunden soll man die Kinder nicht ausschließen… Die Eltern haben immer eine Entschuldigung parat und selbst wenn ich bei Tätlichkeiten direkt dabei bin und den Vorgang schildere, wiegeln die Eltern ab oder behaupten schlicht alle anderen inklusive mir würden lügen.
    Selbst Kollegen entschuldigen Faustschläge ins Gesicht von Mitschülern (inklusive geplatzter Lippe) mit eventueller Provokationen und den Worten „sowas kann schon mal außversehen passieren“… ichkann mich in meiner Grundschulzeit nicht daran erinnern, dass ein ruhiges Kind außversehen so auf die Lippe geschlagen wurde das sie platzt.
    Ellenbogengesellschaft und eine schon verzogene Elterngeneration hat jetzt eben Kinder bekommen. Und diese Kinder sind perfekt und über jede Kritik erhaben. Und da kann eben nicht sein, dass das perfekte Wunschkind eventuell doch nicht so gerade in der Spur läuft.
    Notfalls bekommt man noch gesagt, dass das doch Aufgabe der Schule ist. Und der Schule wurden mit der Stärkung der Elternrechte alle Möglichkeiten genommen.
    Schulsozialarbeit gelingt auch nur, wenn die Eltern mitarbeiten, ansonsten ist das Ganze sinnlos.
    Leiden kann dann die ganze Klasse, da in diesen Stunden auch Lernstoff des Lehrplans auf der Strecke bleibt mit Streitschlichtung und Klärung mit den immer selben Kandidaten.
    Und das Schulamt macht dicht, wenn es um Geld geht und das entsprechende Kind auf eine E Schule müsste. Da wird dann ohne die am Schulleben beteilitgen in einer Kommission entschieden, dass ja alles nicht so schlimm ist und das Kind auf der Schule und auch ohne Unterstützungsmaßnahmen verbleibt.
    Und in der Presse wird dann eines Tages laut, dass wir Lehrer ja nicht genug tun um solche Dinge zu vermeiden.
    So gerne ich meinen Job mache, bin ich diese nutzlosen Diskussionen leid. Es ändert sich doch nichts, wenn dann nur zum schlechteren. Also rauf mit den Klassengrößen ….

    • Guter Beitrag olle Schachtel!

      “Es ist meist ein erzieherisches Problem, dass von mir nicht gelöst werden kann, da die Eltern bei Konsequenzen gegen mich arbeiten. Ellenbogengesellschaft und eine schon verzogene Elterngeneration hat jetzt eben Kinder bekommen.”
      Ja, das Phänomen tritt immer häufiger auf und es wird sich noch verstärken!

    • Ich finde den Beitrag auch gut, da er die Realität in den Blick rückt. Er knüpft an die Beiträge von vor einigen Tagen an, in denen ysnp und ich versucht haben, die Veränderungen in der Gesellschaft zu erläutern: Ellenbogengesellschaft, Dreistigkeit und Rücksichtslosigkeit sind gepaart mit dem uneingeschränkten und übertriebenen Schutz des eigenen Wunschkindes, dessen Fehlverhalten nicht eingesehen wird und das keinerlei Konsequenzen erfährt

      Auch die Feststellung, dass man als Lehrkraft aus solchen Erfahrungen Konsequenzen zieht, teile ich.
      Konsequenzen, die die Landesschulbehörde offenbar seltener zieht.
      Es wäre an der Zeit, wenn sich Dienstherr samt Rechtsabteilung deutlich für klare Verhältnisse an den Schulen einsetzt – zu Gunsten des Schulfriedens.

      Natürlich braucht es Möglichkeiten des Widerspruchs. Das finde ich weiterhin richtig.

      Aber die Form und das Verfahren kann nicht so extrem umfangkreich sien, dass es eine Schule lahm legt, weil Lehrkräfte und SL viel zu lange mit den Schriftstücken und Konferenzen beschäftigt sind. DAFÜR würde sich eine Schreibkraft lohnen oder eine Rechtsabteilung, die sich seitens der Schule den Sachverhalt erläutern lässt, die Auseinandersetzung mit den Eltern und/oder Anwälten dann aber übernimmt.

      Für die Schule sind folgende Konsequenzen sinnvoll:
      – klares Konzept mit klaren Konsequenzen innerhalb der Schule
      – Möglichkeiten der Dokumentation finden, die allgemein im Alltag gilt
      – Möglichkeiten der Dokumentation finden bei SuS mit Auffälligkeiten im Bereich der emotional-sozialen Entwicklung
      – Auffangkonzept der Schule für SuS, die häufiger den Unterricht stören – im Sinne von Trainingsraum oder anderen Absprachen (geht in Klasse x, erledigt zur Aufarbeitung Schriftstück y, wird vermerkt in Akte z, Information an Eltern etc.)
      – kollegiale Beratung, wenn man die Unterstützung und Bestätigung oder Ratschläge anderer braucht

      Was andere tun könnten?
      – Die pädagogischen und rechtliche Beleuchtung gehört in jedes Studium und auch noch einmal in die Ausbildung der 2. Phase.
      – Die Landesschulbehörde müsste Unterstützungssysteme für Lehrkräfte haben, die sich Anfeindungen ausgesetzt sehen.
      – Die Landesschulbehörde müsste Unterstützungssysteme für Schulen haben, die in diesem Bereich Hilfe benötigen, wenn die Situation zu verfahren ist bzw. generell für Schulen mit höherem Konfliktpotential.
      – Es bräuchte ein schulformübergreifendes Vorgehen bei SuS, die schon ab Klasse 1 auffallen und trotz Gesprächen, Erziehungsmitteln, Förderung/ Förderplänen, Unterricht zu sozialem Lernen und vielem anderen an den Schulen täglich erneut auffallen, einschließlich der Fortführung der Akten bei Schulwechsel.
      – Warum es bei aggressiven SuS keine Möglichkeit gibt, diesen durch die der Schule eine Aufsichts-Kraft oder eine Integrationshilfe an die Seite zu stellen, erschließt sich mir nach wie vor nicht. Wenn die Erziehung von Schule und Elternhaus geleistet werden soll und die Schule bei diesen SuS einen erheblich größeren Teil übernehmen muss, warum darf dann die Schule als Erziehungsbeteiligte keine I-Helfer beantragen?

      • Zitat: “Aber die Form und das Verfahren kann nicht so extrem umfangkreich sien, dass es eine Schule lahm legt, weil Lehrkräfte und SL viel zu lange mit den Schriftstücken und Konferenzen beschäftigt sind.”

        Ihnen kann ich diesmal auch wieder zustimmen, Palim. Das Zitierte ist oft von mir im Kern vorgebracht worden.

    • @ Cavalieri, ja, das sollte möglich sein, aber dazu muss das Problem ja erst einmal als solches erkannt werden. Dass verschiedene Bestimmungen in den Schulgesetzen und Verordnungen zu dem von Palim beschriebenen unverhältnismäßigen Aufwand führen, steht ja gar nicht im Fokus der Kritik. Da heißt es oftmals einfach nur: Wir brauchen mehr Sozialarbeiter und Schulpsychologen.

      Eigentlich waren wir Lehrer mal in der Lage, solcher Dinge weitestgehend selber Herr zu werden. Das sind wir aber aus oben genannten Gründen nicht mehr so sehr.

    • Was nützen Herr-im-Hause-Standpunkte oder Schulverweise usw, solange nicht der Blick auf die Rahmenbedingungen der erziehenden Elternhäuser fällt ? Deren Erziehungsverhalten ist doch zu einem großen Teil eine notwendige Bedingung für einen “Erfolg” in dieser “Ellenbogengesellschaft”, das Verhalten der Kinder dann das Resultat der verzweifelten Anstrengung, unter den (unbegriffenen ) politökonomischen und kulturellen Rahmenbedingungen “das Beste rauszuholen”.
      Einen Schwarzen Peter andernorts zu legen(@Cavalieri),egal welcher gerade gemeint ist, verbessert nichts.

  4. Das Verhalten der Schüler ist analog zum Verhalten der Menschen in anderen Gesellschaftsbereichen. Der Staat, die Justiz, die Lehrer, insgesamt alle Autoritäten, machen sich schwach und machtlos oder werden durch entsprechende Urteile / Erlasse dazu gezwungen. Die “Obrigkeiten” müssen mehr und mehr Einschränkungen und Regeln beachten, die “unteren” müssen keine Regeln beachten und kommen dennoch damit durch.
    Beispiele: Ein Straftäter hätte fast aus Tunesien zurückgeholt werden müssen. Schüler können durch eine einfache Amok-Drohung die Schule lahmlegen. Ein mutmaßlicher Kindsmörder muss aus der Untersuchungshaft entlassen werden, weil sein Prozess zu lange dauerte. Die Polizei darf keine Autokennzeichen erfassen, um Straftäter zu finden.
    Die Visionen der 68er – jegliche staatliche Macht muss hinterfragt werden – nehmen Gestalt an. Natürlich lernen die Menschen daraus, was sie sich alles erlauben können.

    • Ebenfalls Zustimmung! Vieles ist “selbstgemacht”, weil man die Folgen nicht beachtete oder nicht sehen wollte.

    • Was wollen Sie Pälzer? Einen autoritären Staat wie Russland oder China, in denen die Bürger vor der Staatsgewalt kuschen? Das, was in den Schulen heute passiert, hat doch nichts mit 1968 zu tun. Das war vor mehr als 50 Jahren. Da waren noch nicht mal die Eltern der Kinder von heute geboren.

      Was wir erleben, auch in den Schulen, das hat mit einer Verrohung zu tun, die durch das Internet massiv befeuert wird. Selbstdarstellung ist alles. Wer am lautesten brüllt, bekommt die meiste Aufmerksamkeit. Ein Trend, der von Ihren Freunden von Rechts massiv befeuert wird – siehe Trump und Konsorten. Moral ist Dreck. Wer sich für andere einsetzt, ist ein “Gutmensch”. Das kommt dann dabei heraus.

      • Vorweg: ich habe keine “Freunde von Rechts” und leide solche hassredenden Unterstellungen nicht, auch nicht von Ihnen.
        Ihrer Klage “Selbstdarstellung ist alles” stimme ich ein.
        Wenn Sie den Begriff 68er nicht kennen, empfehle ich Ihnen dringend, darüber einiges zu lesen; es ist die Bewegung, deren Anhänger zum “langen Marsch durch die Institutionen” antraten und dort heute in Medien, Politik, Universitäten, Kirchen usw. an den Machtpositionen angekommen sind. Deshalb wurde letztes Jahr auch aus allen Lautsprechern so lobhudelnd über “1968” berichtet. Eines ihrer großen Ziele war, Autoritäten zu “hinterfragen” und zu delegitimieren. Das ist gelungen. Z.B. stammt der Begriff “Bullen”aus jenem Milieu.
        Ich fand unsere demokratische deutsche Gesellschaft in den 1970er und 1980er Jahren sehr gut. Es gab umfassende Freiheit, aber die rechtmäßigen, demokratisch bestimmten, dem Recht verpflichteten Autoritäten hatten die Macht und Mittel, die sie brauchten, und waren auch bei den Bürgern anerkannt. Dorthin möchte ich gerne wieder kommen.
        Derzeit gibt z.B. die Justiz ein Bild der Hilflosigkeit ab. Wenn Prozesse erst Jahre nach der Tat beginnen, wenn Gerichtsurteile nicht durchgesetzt werden, wenn eventuelle Strafen den Tätern lächerlich erscheinen, wenn ein Mord 8,5Jahre Gefängnis nach sich zieht, dann entsteht keine Autorität.
        In der Schule haben wir Lehrer von einer Schulordnungsrevision zur nächsten immer weniger Rechte, mehr einschränkende Regeln zu beachten, aber weniger uns zustehende Einwirkungsmöglichkeiten, um die schwieriger werdende Schülerschaft angehen zu können, zumindest in RP. Ich finde nicht, dass Unrechtsstaaten wie Russland oder China die einzigen Alternativen dazu wären.

    • Was Pälzer aber hier im Grunde fordert, ist die Abschaffung des Rechtsstaats und z.B. türkische Verhältnisse.
      Natürlich hat auch ein MUTMASSLICHER Kindermörder Rechte, auch der Asylant, den in Deutschland aus guten Gründen keiner haben möchte.

      Was ist denn die Alternative? Behörden können machen, was sie wollen? Das finden hier einige sicher ganz toll, allerdings nur so lange, bis sie nicht selbst mal im Kreuzfeuer ist.

      Übrigens: Lehrer sind in meinen Augen aus 2 Gründen in einer schwachen Position, und eine ist vollständig selbstgemacht:

      1. Schulleiter und Schulämter haben keinen Arsch in der Hose, eine Sache auch mal durchzuziehen.

      2. Lehrer scheuen sich, ihre Rechte zur Not jurisitsch durchzusetzen. Wie oft werden Anzeigen bei der Polizei gestellt? Das kommt meines Wissens in der Regel nur bei massiven körperlichen Angriffen vor. Beleidigungen, “leichte” Körperverletzungen, usw. usw. werden im Grunde hingenommen.
      Überlastungsanzeigen an die Schulleitung bei Klassen, die kaum händelbar sind und Zeit ohne Ende fressen? Fehlanzeige!
      Wann wird ein Schulleiter, der absolut nicht handelt, nur abwiegelt und alles auf die einzelne Lehrkraft abschgiebt, mal von den Lehrkräften unter Druck gesetzt, zur Not mit einer Dienstaufsichtsbeschwerde?

      Lehrer treten zu wenig und zu wenig nachdrücklich für ihre Rechte ein. Immer findet man für “die armen Kleinen” eine Entschuldigung! Und das hat nichts mit einem zahnlosen Staat zu tun, das ist schlicht hausgemacht.

      • Küstenfuchs 10. Februar 2019 at 09:14

        Was Pälzer aber hier im Grunde fordert, ist die Abschaffung des Rechtsstaats und z.B. türkische Verhältnisse.
        ——————————–

        Ach, das ist doch dummes Zeug (Sie mögen ja diesen Diskussionsstil, nun denn!). Das hieße ja, dass Deutschland in früheren Jahrzehnten, z.B. in den 1970er Jahren, kein Rechtsstaat gewesen ist, nur weil Lehrer sich noch nicht alles bieten lassen mussten und Eltern- und Schülerrechte im Schulwesen noch nicht so weitgehend waren wie heute.

        Wenn Schulleitungen nicht den Mumm haben, hinter ihren Lehrkräften zu stehen, hat das auch mit Schulaufsichten zu tun, die nicht hinter den Schulleitungen stehen und Bildungspolitikern, die nicht hinter den Schulaufsichten stehen. Letztlich also auch mit Bestimmungen, wie wir sie in den Schulgesetzen und Verordnungen vorfinden und beachten müssen, weil sie gerichtlich einklagbar sind.

        Siehe z.B. das Verbot in Bayern, Schüler bei Unterrichtsstörungen des Raumes zu verweisen. Gäbe es dieses Verbot nicht, könnten Lehrer das ja im Notfall tun (insbesondere an weiterführenden Schulen).

        • Meines Wissens darf ein Schüler auch in Bayern rausgeworfen werden, wenn trotzdem eine Aufsicht (z.B. Sozialpädagoge) vorhanden ist und er dafür möglicherweise sogar noch Aufgaben bekommt.

          Ansonst hat jedes Schulgesetz Ordnungsmaßnahmen parat, die in der Regel eine Klassenkonferenz beschließt und die Schulleitungen oder Schulaufsicht nur bei Rechtswidrigkeit aufheben können.

          Wenn man renitente Schulleiter oder Schulaufsichten hat, muss man sie mit nerviger Arbeit zumüllen. Das passiert bisher nur von Elternseite und deshalb haben wir Lehrer die Probleme.
          Kurzformel: Eltern nerven, Lehrer nicht, also bekommen Eltern Recht!

          • Das zeitweilige Beschulen außerhalb des üblichen Unterrichtsraumes als Lösung innerhalb der Schule ist in unserem BL sogar nur Erziehungsmittel, damit gar nicht anfechtbar von Eltern.
            Der Ausschluss vom Unterricht ist bei Gefahr in Verzug auch umgehend möglich.

            Auch ich glaube, dass es da eine genauere Kenntnis der Möglichkeiten geben sollte, ggf. auch eine Diskussion darüber, wann diese eingesetzt werden. Dazu gibt es Anhaltspunkte in Kommentaren zum Schulrecht.

            Genau so sehe ich auch die Konsequenzen, von denen ganz oben schon die Rede war, die man nach solchen Vorfällen zieht: man ist noch schneller und erheblich deutlicher in seinen Reaktionen.

            Das kommt einer Verschärfung gleich, ist aber weiterhin nur ein Anwenden der bestehenden Gesetze und eine Reaktion auf Dreistigkeit und Renitenz, die einem von anderen entgegen schlägt.
            Es gefällt mir nicht, es kommt einer Art Wettrüsten gleich, aber das Verhalten besagter SuS und der Eltern gefällt mir auch nicht.

            Dass einen das mit nerviger Arbeit zumüllt, sehe ich auch so. Da der Vorfall am Ende dann doch bei der Schulaufsicht landet, könnte diese auch früher zuständig sein.

            Aber selbst da bin ich mir nicht sicher, ob das unter derzeitigen Bedingungen hilfreich ist, jedenfalls nicht, wenn es den Anschein hat, dass Eltern generell Recht bekommen.

      • “1. Schulleiter und Schulämter haben keinen Arsch in der Hose, eine Sache auch mal durchzuziehen.”
        Es gibt sicher Schulleiter, Schulämter und Lehrer, die Auseinandersetzungen scheuen.

        Aber:
        Es gibt aber auch Schulleiter die diesen Mut haben und dann werden sie von Eltern vor Gericht gezerrt. Ich denke da an einen Fall in Bayern, der noch nicht so lang her ist.
        Oder das Beispiel mit dem Musiklehrer, das wir alle kennen. Da gibt es sicher unerkannt noch mehr solche ähnliche Fälle, die wir nicht kennen.

        Ich schrieb es schon einmal: Immer mehr Eltern – früher quasi undenkbar – gehen vor die Gerichte um für ihre unerzogene Kinder gegen Ordnungsmaßnahmen zu klagen. Manchmal haben sie Erfolg, weil die Schule unwissentlich einen Verfahrensfehler gemacht hat. Da suchen Anwälte regelrecht nach Gesetzeslücken. Aber moralisch Recht ist das noch lange nicht.

        Das stört mich so oder so bei der Rechtssprechung. Es ist keine Recht – Sprechung, sondern ein Gewinnen aufgrund von Gesetzeslücken und Interpretationsmöglickeiten, die ein gewiefter Anwalt gefunden hat.

        • Dem kann ich nur zustimmen.
          Es ist ein ziemliches Ungleichgewicht, die Lehrkräfte erledigen sämtliche daran hängenden Aufgaben, Dokumentationen, Konferenzen, Protokolle, Stellungnahmen zusätzlich zu ihren sonstigen Aufgaben … und ohne rechtlichen Beistand.
          Sobald Eltern mit einer Klage drohen oder ein Widerspruch eingereicht wird, müsste es rechtliche Hilfe für Lehrkräfte/Schulen geben.

          Es ist immer wieder erschreckend, dass das Fehlverhalten eines einzelnen Kindes die Arbeitszeit und -kraft etlicher KollegInnen bindet, vor allem, wenn es über normale Erziehungmittel und Gespräche hinaus zu oben genanntem Aufwand kommt.

      • “Was Pälzer aber hier im Grunde fordert, ist die Abschaffung des Rechtsstaats und z.B. türkische Verhältnisse.”
        Das ist eine hässliche und falsche Verleumdung.
        Sie haben im weiteren Verlauf ihres Beitrags ausgeführt, was mir auch ein Anliegen ist.

  5. @ Bernd, ZITAT: “Was wir erleben, auch in den Schulen, das hat mit einer Verrohung zu tun, die durch das Internet massiv befeuert wird. Selbstdarstellung ist alles. Wer am lautesten brüllt, bekommt die meiste Aufmerksamkeit. ”

    Dazu finde ich gerade dieses:
    “Volker Busch: “Nicht das Internet radikalisiert uns, sondern wir radikalisieren uns mit Hilfe des Internets.”
    https://www.focus.de/digital/dldaily/smartphone-konsum-busch_id_10296288.html

    • ZITAT: “FOCUS Online: Das klingt optimistisch. Sind wir also gar nicht so beeinflussbar durch Facebook, Google und andere Konzerne, wie man oft glauben mag?

      Busch: Wir haben unser Gehirn nicht nur zur Steuerung der Ausscheidung erhalten. Der Mensch kann mehr, zum Beispiel kritisch denken. Das ist weniger eine Sache des Intellekts oder der Schulbildung, sondern in erster Linie abhängig von der Bereitschaft, genau hinzuschauen. Studien zeigen nämlich, dass Menschen vor allem dann beeinflussbar sind, wenn sie bequem sind und keine Lust haben, sich mental anzustrengen. Der Klammergriff des Internets und sozialer Netzwerke ist kein Freibrief dafür, nicht mehr über das, was man liest, nachzudenken. Nicht das Internet radikalisiert uns, sondern wir radikalisieren uns mit Hilfe des Internets. Das ist ein feiner aber bedeutender Unterschied.”

      (ebenda)

  6. Der SL kann bei Gefahr in Verzug den Schüler umgehend suspendieren,
    im Anschluss braucht es eine Klassenkonferenz, um diese Ordnungsmaßnahme und den sofortigen Vollzug dort zu bestätigen (oder auch nicht).
    Das ist kein Schulverweis, aber dennoch eine drastische Maßnahme.

    Tatsächlich habe ich auch schon erlebt, dass die Landesschulbehörde in einem Fall einen Schulverweis ausgesprochen hat, mit dem das Kollegium nicht gerechnet hatte.

    Letztlich braucht es in einem demokratischen System die Möglichkeit eines Widerspruchs, um nicht der Willkür ausgeliefert zu sein. Dafür habe ich Verständnis, …

    … nicht aber dafür, dass Verfahrensfehler – im Sinne eines vergessenen Datums oder einer falsch platzierten Unterschrift – die Entscheidungen aushebeln.

  7. Herr Mückenfuß 10. Februar 2019 at 10:22
    “Das hieße ja, dass Deutschland in früheren Jahrzehnten, z.B. in den 1970er Jahren, kein Rechtsstaat gewesen ist, nur weil Lehrer sich noch nicht alles bieten lassen mussten und Eltern- und Schülerrechte im Schulwesen noch nicht so weitgehend waren wie heute. ”

    In den 70er Jahren wurden die Schüler geschlagen in den deutschen Schulen und deswegen wurden Eltern- und Schülerrechte gestärkt und die “Erziehungsmaßnahmen” zivilisiert.

    Immer noch sehen die Lehrer die Eltern nicht als Partner bei der Erziehung, sondern entweder
    1. befreien sich selbst von dem Erziehungsauftrag
    “Es ist meist ein erzieherisches Problem, dass von mir nicht gelöst werden kann”, “mir kurzfristig nicht zu sehr den Kopf darüber zerbrechen”
    oder
    2. versuchen die Eltern unterordnen
    “viele Eltern brauchen einfach Grenzen gesetzt “, bzw. “Die Eltern einbestellen und ein klärendes Gespräch führen”
    3. versuchen die Eltern austricksen
    “ist in unserem BL sogar nur Erziehungsmittel, damit gar nicht anfechtbar von Eltern”

    Gleichzeitig haben sie ein Problem, wenn sie: pädagogische Arbeit dokumentieren, Förderpläne schreiben, Maßnahmen begründen, deren Wirkung verifizieren, müssen.

    Ellenbogengesellschaft ist ja im produktivem Alter, Einige unterrichten auch in den Schulen. Eigene Ideen durchsetzen ohne Rücksicht auf Schüler- und Elternrechte!

    Leistungsniveau sinkt, die Kinder gehen ungerne zur Schule, die Lehrer sind kein Autorität, immer mehr Schüler, die auffällig im Sozialverhalten zeigten… Das sind doch Hinweise auf miserable Pädagogik.

    Wenn die Arbeit in der Schule jemanden an grenze bringt, es gibt viele anderen Berufen und offenen Posten für Intelligente gut ausgebildete Menschen.

    • Ich wurde in den 70er Jahren nie geschlagen in der Schule. Sie etwa?
      Irgendwas an Ihrem Text lässt mich vermuten, dass Sie kein Lehrer sind und wenig Vorstellung von der Fülle der Aufgaben dort haben.

    • Herr May, wir wurden in den 70er Jahren in den Schulen nie geschlagen, weder in Rendsburg noch am Niederrhein. Auch habe ich von derartigen Züchtigungen bei Verwandten nie etwas derartiges gehört.

    • Ups, das ging ja an mich, Herr May. Ich sehe das jetzt erst.

      Dass Lehrer Eltern nicht als Partner bei der Erziehung sehen (der schulische Erziehungsauftrag ist dem Erziehungsrecht der Eltern übrigens gleichgestellt), finde ich falsch und realitätsfern. Mit den allermeisten Eltern arbeiten wir gut zusammen. Es sind immer einige wenige, die gegen die Schule / gegen die Lehrer arbeiten und alles ganz anders sehen und wollen als wir (oder denen alles egal ist).

      ZITAT:
      “In den 70er Jahren wurden die Schüler geschlagen in den deutschen Schulen und deswegen wurden Eltern- und Schülerrechte gestärkt und die “Erziehungsmaßnahmen” zivilisiert.”

      Da liegt der Hund begraben. Klingt natürlich schön bei Ihnen und richtig, wenn Sie der Zivilisierung der Erziehungsmaßnahmen schlagende Lehrer entgegenstellen (in der DDR übrigens gleich nach Gründung verboten, in Westdeutschland erst in den 1970er Jahren, glaube ich). An manchen Stellen war das sicher richtig und nötig. Ich weiß nicht, was damals gang und gäbe war. An anderen Stellen war es wohl eher die berüchtigte Kuschelpädagogik, die da ihren Anfang nahm, und zu den Zuständen führte, die wir heute an unseren Schulen haben, sodass oftmals gar kein vernünftiger Unterricht mehr möglich ist. (Und dann denkt man sich tausend Maßnahmen aus, um die Unterrichtsqualität wieder zu verbessern.)

      Es müssen auch die Sanktionsmöglichkeiten der Lehrer bei ständigen und heftigen Unterrichtsstörungen wieder gestärkt werden!

  8. Besonders interessant finde ich die Idee von den “Menschenrechtsbeobachtern” in jeder Klasse.

    Auszug:
    “Wenn er einen Mobbingfall lösen soll, setzt er gemeinsam mit der Schule einen Prozess in Gang, der oft Wochen dauert. Er arbeitet dabei nicht nur mit den Betroffenen und deren Eltern, sondern mit der ganzen Klasse.

    Zunächst spricht er mit allen Mitschülern über demokratische Werte und Normen und darüber, dass jeder Mensch ein Recht auf körperliche und seelische Unversehrtheit hat. “In dieser Phase geht es nicht darum, Schuldige zu finden und Täter in die Ecke zu drängen”, sagt Schmitt. Wichtig sei, das Mitgefühl der anderen anzuregen.

    Schmitt lässt die Klasse sogenannte Menschenrechtsbeobachter wählen. Die sollen einer Vertrauensperson respektloses Verhalten von Mitschülern berichten, Beleidigungen im Klassenchat zum Beispiel. Allerdings dürfen sie dabei keine Namen nennen. Schließlich soll die Klasse sie als neutrale Beobachter anerkennen und nicht für Denunzianten halten.

    Erst wenn Schüler auch danach nicht aufhören, andere zu verletzen, konfrontiert Schmitt sie direkt mit den Tatvorwürfen – unter vier Augen. Am Ende dieses Prozesses steht häufig ein Tatausgleich: Dann stellt sich ein Beschuldigter zum Beispiel vor die Klasse und liest einen Entschuldigungsbrief vor. Das könne Verletzungen wiedergutmachen und den Klassenzusammenhalt stärken.”

    Quelle: http://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/mobbing-an-schulen-das-hilft-wirklich-gegen-gewalt-und-ausgrenzung-a-1252725.html

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