Nach Tod einer Grundschülerin: Scheeres will Schüler als Anti-Mobbing-Beauftragten

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BERLIN. Der Tod einer Reinickendorfer Grundschülerin erschütterte vor einigen Wochen viele Menschen bundesweit. Seither wird darüber diskutiert, was gegen Mobbing getan werden kann. Nun macht die Berliner Bildungssenatorin Vorschläge.

Dass es an jeder Schule Probleme mit Mobbing gibt, gilt unter Experten als unstrittig. (Symbolfoto) Foto: Shutterstock

Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres hat ein verstärktes Vorgehen gegen Mobbing an Schulen angekündigt. Unter anderem will die SPD-Politikerin einen Schüler als eine Art Anti-Mobbing-Beauftragten benennen. «Wenn Angebote nicht oder nur von wenigen genutzt werden, dann müssen wir diese leichter zugänglich machen», begründete sie den Vorstoß am Mittwoch in einem Gastbeitrag im «Tagesspiegel». «Der direkte Draht von Schülern zu Schülern kann hier Hemmschwellen senken, deshalb will ich gemeinsam mit dem Landesschülerausschuss einen Schüler als Ansprechpartner in meiner Behörde einsetzen.»

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Verpflichtende Fortbildungen

Geplant sei zudem eine neue Anti-Mobbing-Stelle als zusätzliche Koordinierungs- und Kontaktmöglichkeit in der Bildungsverwaltung, so Scheeres. Zudem nannte sie verpflichtende Fortbildungen für Schulleitungen, eine Überarbeitung des Meldeverfahrens für Gewalt- und Mobbingvorfälle und einen Ausbau der Anti-Mobbing-Kurse für Eltern und pädagogisches Personal.

In den letzten Jahren sei einiges passiert, um Mobbing vorzubeugen und notfalls schnelle Hilfe zu mobilisieren, schrieb Scheeres weiter. «Leider bleiben dennoch zu viele Mobbingfälle unbemerkt, werden die Nöte von Betroffenen noch zu oft übersehen oder unterschätzt.» Das betreffe zuerst das Schulpersonal, aber auch Eltern.

«Wenn Kinder die Schule schwänzen, Noten absacken oder soziale Kontakte abnehmen, muss schneller und gezielter reagiert werden», forderte die Senatorin. «Wir werden deshalb bestehende Maßnahmen verstärken und neue Instrumente entwickeln, um die Sensibilität der gesamten Schulgemeinschaft für Mobbing zu erhöhen.» Scheeres weiter: «Wo “Opfer” ein Schimpfwort ist, da stimmt etwas nicht in unserem Zusammenleben.»

Hintergrund der Debatte ist der bislang ungeklärte Tod einer elfjährigen Grundschülerin in Berlin-Reinickendorf vor einigen Wochen. Sie soll laut «Tagesspiegel» einen Suizidversuch unternommen haben und später im Krankenhaus an den Folgen gestorben sein. Als möglicher Hintergrund steht der Verdacht von Mobbing im Raum. Allerdings wurde weder die offizielle Todesursache bekannt noch ist sicher, ob Mobbing zu dem mutmaßlichen Suizid führte.

Am Donnerstag (28. Februar) ist im Bildungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses eine Expertenanhörung zum Thema Mobbing an Schulen geplant. Davon erhoffen sich die Politiker auch Aufschluss darüber, wie verbreitet das Problem an den Schulen ist. Nach Einschätzung des Potsdamer Mobbing-Forschers Sebastian Wachs kommt Mobbing an jeder Schule vor. dpa

“Schulen dürfen keine Angsträume sein”: Tod einer Grundschülerin löst Debatte über Mobbing aus

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1 KOMMENTAR

  1. Ich fand die Idee eines “Menschenrechtsbeauftragten” pro Klasse gut, der erst anonym “Menschenrechtsverletzungen” in der Klasse zur Sprache bringt und dann – wenn es keine Besserung gibt – auch namentlich benennt, sodass Sanktionen eingesetzt werden können.

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