Ballkleid, Anzug, Edel-Lokation – Eltern stöhnen über teure Abi-Bälle

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DÜSSELDORF. Roter Teppich, schöne Kleider und ein unvergesslicher Abend nach dem ganzen Abitur-Gepauke – dafür müssen Eltern ziemlich tief in die Tasche greifen. Nicht alle schaffen das finanziell. Und was passiert, wenn der Abend mit einem Defizit endet?

Weiß gedeckte Tische, ein spektakulär gestylter Eingangsbereich und um zu Tanzen ein riesiger Ballsaal von 1500 Quadratmetern – die Grand Eventhalle in Mülheim bietet Abiturienten für ihre Abschlussparty «stilvolles Feiern auf hohem Niveau», wie ihr Geschäftsführer Faris Kiskoski verspricht. Dafür werden mindestens 34 Euro pro Person fällig – bei Vollauslastung mit 700 Personen und Security, Musik und Profi-Fotografen insgesamt schnell 30 000 Euro oder mehr.

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Der Trend zum glamourösen Abiball hält an, doch das ist nicht ohne Risiko (Symbolbild). Foto: Карина Жестовская / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)
Der Trend zum glamourösen Abiball hält an, doch das ist nicht ohne Risiko (Symbolbild). Foto: Карина Жестовская / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

«Die Kosten für die Abitur-Abschlussfeiern sind in den vergangenen Jahren explodiert und für viele Familien eine finanzielle Belastung geworden», sagt das Vorstandsmitglied der Landeselternschaft der Gymnasien in NRW, Dieter Cohnen. «Da können je nach Familie schon vierstellige Summen zusammenkommen.» Eintrittskarten von 100 Euro oder mehr pro Person könnten sich längst nicht alle Eltern leisten. An manchen Schulen gibt es Umlagen der Elternschaft für Finanzschwache.

Für das Abitur seiner eigenen Tochter musste Cohnen an einem Aachener Gymnasium 120 Euro pro Eintrittskarte zahlen, die bereits vorab per Dauerauftrag gezahlt werden mussten. An einem Gymnasium in der Münsteraner Innenstadt fallen für den diesjährigen Abitur-Jahrgang sogar rund 160 Euro pro Karte an, wie eine Mutter berichtet. Hinzu kämen Anzüge für Schüler oder Kleider für die jungen Frauen oft im Wert von mehreren hundert Euro, nicht zu vergessen der Damenfriseur, für den auch schon mal 100 Euro fällig werden. Zur Finanzierung der Luxus-Sause habe es vorab regelmäßige Partys mit Mindestverzehr gegeben, bei denen – trotz des Lernstresses vor der Abiturprüfung – reichlich Alkohol fließe, berichtet die Mutter, die ihren Namen lieber nicht nennen will.

Schlechter oder gar nicht verdienende Eltern kommen bei den Kosten oft nur mit Mühe mit und können auf die Hilfe des Staates kaum bauen. Eine Kostenübernahme für Hartz-4-Empfänger sei nicht geboten, entschied etwa das Sozialgericht Düsseldorf Ende Oktober 2018 (Az.: S 43 AS 221/18). Schließlich sei die Schulabschlussfeier keine schulische Veranstaltung, und Hartz-4-Empfängern sei es ja auch generell «vielfach nicht möglich, an gesellschaftlichen Ereignissen in gewünschtem Umfang teilzunehmen», befanden die Sozialrichter in erstaunlicher Offenheit. Zwei Schwestern, die von Hartz 4 leben, hatten um Hilfe für jeweils 100 Euro Anteil an der Hallenmiete, 27 Euro Eintritt und weitere 90 bis 100 Euro für Kleider und Schuhe gebeten.

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) rät zur Mäßigung: «Wer das Abi geschafft hat, soll das auch ordentlich feiern. Keine Frage», sagte sie. «Ich persönlich würde dazu raten, nicht die Bodenhaftung zu verlieren, damit alle unbeschwert mitfeiern können. Ein Abiball ist kein Opernball.» Auch die Ministerin betont indes – wie das Sozialgericht: «Ein Abiball ist eine privat organisierte Veranstaltung.»

Dass die Schule rechtlich komplett außen vor ist, kann zum Problem werden, wenn es beim ausgelassenen Feiern Schäden im Saal gibt oder die Finanzierung des Balls platzt – etwa, weil deutlich weniger Besucher kommen als eingeplant waren. Nach der Feier laufen die Abiturienten auseinander, die Jahrgangsstufe als Ganzes auf Kostenerstattung zu verklagen, ist nach einem Gerichtsurteil (Amtsgericht Detmold 6 C 394/14) nicht statthaft. So kann es am Ende denjenigen persönlich treffen, der unvorsichtig genug war, den Fest-Vertrag zu unterschreiben.

Die Luxus-Locations in irgendwelchen Schlössern glichen sich doch sowieso wie ein Ei dem anderen, findet Cohnen. Da rät er, lieber originelle und preisgünstige Standorte wie etwa eine Unimensa zu wählen. Eins sollten Eltern nicht vergessen, sagt Cohnen: Um Mitternacht ist der Abend für sie sowieso meist zu Ende. Dann werfen die erwachsen gewordenen Sprösslinge sie in der Regel hinaus, um ohne die störenden Alten, mehr oder weniger kurzweilige Reden und sonstiges Festprogramm endlich richtig abzufeiern. (Rolf Schraa, dpa)

Teurer, glamouröser, besser – Abibälle wollen immer noch einen drauf setzen

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