Masernausbruch: Schule schließt nicht-geimpfte Schüler vom Unterricht aus – Kinderärzte fordern Impfpflicht

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HILDESHEIM. Nach dem Masernausbruch an einer Schule in Hildesheim hat sich die Zahl der Krankheitsfälle weiter erhöht. Die Schule unterrichtet nur noch geimpfte Schülerinnen und Schüler. Die Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin fordert eine Impfpflicht.

Masern sind nicht so harmlos, wie manche Menschen immer noch meinen. Foto: Shutterstock

Nach dem Masernausbruch an einer Hildesheimer Schule ist die Zahl erfasster Krankheitsfälle im Landkreis inzwischen auf 24 gestiegen. Zusätzlich betroffen seien zwei Geschwisterkinder bereits erkrankter Kinder sowie ein weiterer Mensch, wobei es sich nicht um einen Schüler handle, teilte der Landkreis am Montag mit.

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Impfpässe kontrolliert

Nur noch geimpfte Schüler dürfen die Oskar-Schindler-Gesamtschule bis zum Ende der kommendem Woche besuchen. Wie viele Kinder von dem befristeten Ausschluss betroffen sind, sollte erst am Dienstag feststehen. Zahlreiche Schüler hätten sich am Montag beim Gesundheitsamt gemeldet, um ihre Immunität gegen die Krankheit nachzuweisen, teilte der Landkreis mit.

Bei einer Kontrolle am Freitag hatten bereits 510 Schüler, Lehrer und andere Schulbeschäftigte einen Impfpass mit dem entsprechenden Nachweis vorlegen können. Die übrigen 190 Schüler und Beschäftigten erhielten bis Montagnachmittag Zeit, sich beim Gesundheitsamt zu melden. Überprüft wurden zudem auch die Impfpässe von 70 Kindern einer nahe gelegenen Grundschule, die im möglichen Infektionszeitraum die Mensa der Gesamtschule besucht hatten.

Das Gesundheitsministerium in Hannover hatte die drastische Maßnahme eines Schulbetretungsverbots für ungeimpfte Schüler gerechtfertigt. Die Schule müsse in Absprache mit der Kreisgesundheitsbehörde eine rechtliche Abwägung zwischen der Schulpflicht und dem Schutz der Kinder vor einer ansteckenden Krankheit vornehmen.

Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) forderte eine Impfpflicht. Masern seien extrem ansteckend und potenziell tödlich. Neben der akuten Erkrankung könne es zur gefürchteten SSPE (subakute sklerosierende Panenzephalitis) kommen. Die SSPE ist eine teilweise erst nach Jahren auftretende Gehirnentzündung, bei der es keine Behandlung gibt. Alle betroffenen Patienten sterben daran.  Mit einer Häufigkeit von einem auf 3.300 Kinder im Alter unter 5 Jahren nach der Maserninfektion sei SSPE nicht selten, heißt es. Besonders gefährdet seien Kinder im ersten Lebensjahr, die noch zu jung für eine Masern-Mumps-Röteln-(MMR)-Impfung sind.

«Es ist mir nicht verständlich, warum trotz dieser Datenlage Eltern ihre Kinder nicht impfen lassen», sagte der DGKJ-Generalsekretär Burkhard Rodeck. Der Kinderarzt entkräftet eine Fehlinformation über das Impfen: „Eine aktuelle Studie aus Dänemark an 657.000 Kindern widerlegt erneut den in der Laienpresse oft geäußerten Verdacht der Entstehung von Autismus nach einer Masernimpfung“.

Auch bundesweit mehren sich derzeit die Masernfälle: In den ersten sieben Wochen des Jahres wurden dem Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin zufolge bereits 132 Fälle registriert – nach 46 Fällen im Vorjahreszeitraum. Eine Häufung gibt es dabei auch in Nordrhein-Westfalen, wie aus den Daten hervorgeht. dpa

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

Zutritt nur für geimpfte Kinder: Kita facht Debatte um Impfpflicht an

 

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4 KOMMENTARE

  1. Danke für den wichtigen Beitrag, der noch einmal sehr gut die Folgen dieser schlimmen Krankheit Masern mit der Möglichkeit einer subakuten sklerosierenden Panenzephalitis SSPE aufzeigt.
    Wer derartiges einmal an Menschen gesehen, der ist geschockt, zumal mit hohem einem Durchimpfungsgrad über 95 % sich diese heimtückische Erkrankung ausmerzen ließe.
    Je nach Alter der Betroffenen liegt die Letalität bei 1:500 bis 1:1000.
    Hinzu kommt, dass unser Immunsystem mit jeder Impfung, auch gerade bei Mehrfachimpfungen stimuliert wird.

    • Wenn aber Papi und Mami bei Impfungen so ein schlechtes Gefühl haben, weil es ja Nebenwirkungen haben könnte (so bei jeder Millionsten Impfung), und sich dann in idiotische Ausreden flüchten (“Ich kenn da jemanden, der…” oder “Alles nur eine Gelddruckmaschine der Pharmalobbys” oder irgendwas mit “Apparatemedizin”), dann muss es nur ein Ansporn sein, besseren Unterricht zu machen, damit die Vollidioten weniger werden.
      In diesem Fall würden einfachste Kenntnisse der Wahrscheinlichkeitsrechnung mit einem Rest gesunden Menschenverstands genügen.

  2. In dem Artikel fehlt eine wichtige Information: Wie viele Kinder, die in Hildesheim an Masern erkrankt sind, waren geimpft, wie viele ungeimpft?

    • Wieso sollte das eine Rolle spielen? Der Impfschutz gegen Masern liegt bei 95%, es dürften also nicht wirklich viele sein (wenn überhaupt einer).

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