Zutritt nur für geimpfte Kinder: Kita facht Debatte um Impfpflicht an

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ESSEN. Der Vorstoß einer Essener Kita hat die Debatte ums Impfen neu entfacht: Dort werden nur noch geimpfte Kinder aufgenommen, um alle vor Krankheiten wie Maser, Mumps und Röteln zu schützen. Die meisten Eltern befürworten die Entscheidung.

Kita- und Schulbesuch künftig nur noch mit Impfnachweis? Foto: Bernd Kasper / pixelio.de

In diese privat geführte Kita müssen Eltern zur Anmeldung den Impfausweis ihres Kindes mitbringen – sonst können sie gleich wieder gehen: Die «Kinderkiste» in Essen und vier weitere angeschlossene Horte nehmen ab sofort nur noch Kinder auf, die gegen die gängigen Krankheiten wie Masern, Mumps und Röteln einen Impfschutz haben. Damit hat die Einrichtung eine neue Diskussion um das Für und Wider von Impfungen losgetreten.

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«Unser Elternrat hält die Impfpflicht für notwendig und sinnvoll. Und viele Eltern schließen sich dem an, weil sie ihre Kinder schützen wollen», sagte Kita-Betreiberin Jutta Behrwind am Freitag. Ungeimpfte Kinder würden bei der Anmeldung abgelehnt, hieß es weiter. «So wie katholische Einrichtungen sich einen Taufschein vorlegen lassen, verlangen wir einen Impfnachweis von den Eltern», sagte Betreiberin Jutta Behrwind. Zuerst hatten WAZ-Online und der WDR darüber berichtet.

Rund 60 Kinder im Alter von vier Monaten bis drei Jahren besuchen die fünf Horte in privater Trägerschaft, die «Kinderkiste», «BärenBande», «Süd-Stadt-Strolche», «Ruhr-Tal-Räuber» und «West-Stadt-Wichtel» heißen. Bislang war bei Anmeldegesprächen der Impfstatus der Kinder abgefragt worden. Gab es Lücken, wurde eine Impfberatung angeboten und den Eltern empfohlen, die Impfung freiwillig nachzuholen.

Jetzt habe sich aber der 13-köpfige Elternrat der Kita für eine Pflicht ausgesprochen. Jutta Behrwind hatte schon lange dafür gekämpft. «Wenn alle geimpft sind, sind auch alle geschützt. In unsere Kita kommen viele Geschwisterkinder mit und schwangere Mamas.» Probleme mit Krankheiten durch nicht geimpfte Kinder habe es bislang allerdings nicht gegeben.

Die Resonanz auf die Maßnahme sei durchweg positiv, so Behrwind. Viele Eltern begrüßten, dass nun Infektionen mit Krankheiten besser vorgebeugt werde. Während der laufenden Anmeldegespräche habe bislang nur ein einzelner Vater Kritik an der neuen Regelung geübt.

Impfgegner bezweifeln die Wirksamkeit von Impfungen, fürchten die Risiken und setzen auf die natürlichen Abwehrstoffe des Körpers gegen Erkrankungen. Diese Positionen werden aber von der Fachwelt fast einhellig als unzutreffend und unwissenschaftlich abgelehnt.

Impfpflicht eher kontraproduktiv?

Das Robert Koch-Institut (RKI) spricht sich nicht für eine Impfpflicht aus. Sie sei vermutlich eher kontraproduktiv, hieß es. Forscher aus Aachen und Erfurt hätten herausgefunden, dass eine Verpflichtung die Entscheidungsfreiheit einschränke. Damit könne sich die Bereitschaft zum Impfen bei den freiwilligen Impfungen deutlich verringern, wie der Präsident des RKI, Professor Lothar H. Wieler 2017 in der «Ärztezeitung» schrieb.

Nach Angaben der Stadt Essen brauchen private Kita-Träger für eine Vorgabe wie die Impfpflicht keine Genehmigung der Behörden, sagte eine Stadtsprecherin. Sie könnten ihre Verträge frei festlegen. Das Gesundheitsamt der Stadt Essen hält die Maßnahme der «Kinderkiste» aber für eine gute Idee. Für städtische Kitas sei allerdings keine Impfpflicht geplant, sagte Amtsleiter Rainer Kundt laut einem WDR-Bericht.

Auch der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V. befürwortet die Idee der Impfpflicht. «Wir fordern so etwas für alle öffentlich geförderten Einrichtungen und wünschen uns eine entsprechende gesetzliche Regelung», sagte Sprecher Hermann Josef Kahl am Freitag auf dpa-Anfrage.

Ende Januar hatte in Köln ein Gymnasium Kinder, die nicht gegen Windpocken geimpft waren, einige Tage vom Unterricht ausgeschlossen, nachdem dort ein Fall der hochansteckenden Krankheit bekannt geworden war. Schüler mussten ihren Impfstatus nachweisen. Von Eva Gerten, dpa

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Wegen Windpocken-Fall: Wer nicht geimpft ist, hat ab sofort schulfrei

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5 KOMMENTARE

  1. Gut so. Grundsätzlich bin ich dafür, dass Eltern schon selbst entscheiden sollten, wann und gegen was geimpft wird, ich sehe aber trotzdem das große Problem, dass hierdurch andere gefährdet werden, die nicht geimpft werden können.
    Dass es überhaupt soweit kommt, da sollte sich die Politik fragen, an welcher Stelle die Gesundheitsaufklärung von Erwachsenen versagt hat, und wo sie Fehler gemacht haben. Bei Kindern wird sofort immer geschrien, dass die Lehrer und das Schulsystem alles falsch macht, in diesem Fall hat die Gesundheitsaufklärung von Erwachsenen kläglich versagt. Viele Krankheiten könnten lange ausgerottet sein, wenn die Impfrate hoch genug wäre.

  2. Nicht geimpfte Kinder profitieren von den geimpften Kindern um sie herum. Weil die sich nicht anstecken können, ist auch das nicht geimpfte Kind geschützt. Dann sagen dessen Eltern wohl noch: “Seht ihr, Impfen ist gar nicht nötig. Mein Kind ist nicht krank geworden.”

    • Um die Ausbreitung von lebensgefährlichen Krankheiten wie Maser (chronische Enzephalitis 1:1000, 2005 Hessen 1 akuter Todesfall auf 225 Erkrankte), die Röteln-Embryopathie, Hepatitis A , Polio, sowie Diphterie bei der weiterhin verbreiteten weltweiten Reisefreude potentiell einzudämmen, ist eine hohe Impfquote erforderlich, damit sich die Viren bei der Einschleppung nicht ausbreiten können.

        • Und wer sich da vor der Impfung drückt, der handelt gegenüber anderen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht geimpft werden dürfen, also zum Beispiel immunsupprimierte und Organempfänger, dass diese einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind.

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