Mehr Geld zieht nicht: 185 Schulen in Niedersachsen haben keinen Schulleiter

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HANNOVER. Mit besserer Besoldung und weniger Verwaltungsarbeit wollte die Landesregierung mehr Lehrer auf Schulleiterstellen locken. Doch immer noch sind zu wenige Pädagogen an dieser Aufgabe interessiert. Besonders eine Schulform ist von dem Mangel betroffen.

Sucht händeringend pädagogische Führungskräfte: Kultusminister Grant Hendrik Tonne. Foto: Foto-AG Melle, derivative work Lämpel – Own work / WIkimedia Commons / CC BY 3.0

Bei der Besetzung vakanter Schulleiterstellen hat Niedersachsen nur geringe Fortschritte gemacht. Derzeit sind an den rund 3000 allgemein- und berufsbildenden Schulen 185 Führungspositionen unbesetzt, im März 2018 waren es noch 194. Dies ergibt sich aus einer Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage der FDP-Landtagsfraktion. Die Masse der unbesetzten Leiterstellen entfällt auf Grundschulen – in fünf Fällen waren Berufsschulen betroffen. Die Schulen werden bis zur Wiederbesetzung kommissarisch geleitet. Die oppositionelle FDP und der Landesschulleitungsverband kritisierten, die rot-schwarze Landesregierung unternehme nicht genug, um die Schulleiterstellen wirklich attraktiv zu machen.

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Laut Angaben des Kultusministeriums dauerte das Besetzungsverfahren in 131 Fällen länger als sechs Monate. In 70 Fällen brachten selbst mehrfache Ausschreibungen kein Ergebnis. Den traurigen Rekord hält die katholische Grundschule in Schüttorf (Grafschaft Bentheim): Seit 2011 ist hier der Schulleiterposten vakant, insgesamt wurde die Stelle 27 mal ausgeschrieben – ohne Resultat.

“Nicht zufriedenstellend”

«Selbstverständlich ist die Situation nicht zufriedenstellend. Es ist insbesondere an kleineren Schulen in ländlichen Regionen schwieriger, Schulleitungsstellen zu besetzen», sagte dazu eine Sprecherin des Kultusministeriums. Dennoch sei auch hier ein leicht positiver Trend zu verzeichnen. Im Vergleich zum Vorjahr sei es gelungen, einige Schulleitungsstellen mehr zu besetzen.

Das Ministerium verweist auf Schritte, die die Attraktivität der Leitungsstellen erhöhen sollen. Seit Beginn des laufenden Schuljahrs erhalten die Leiter von Grundschulen, die zuvor nach der Tarifgruppe A12Z besoldet werden, ein höheres Entgelt nach der Beamten-Besoldungsstufe A13. Dies entspricht der Besoldung eines Gymnasiallehrers. Eine weitere Erleichterung: Die 1900 Schulleitungen von Grund- und kleineren Schulen wurden von Verwaltungstätigkeiten bei der Einstellung pädagogischer Mitarbeiter entlastet.

Das sei alles viel zu wenig, sagte der FDP-Bildungsexperte Björn Försterling. «Wir sehen ja, dass die Erhöhung der Besoldung auf A13 nicht gegriffen hat.» Denn auch Sonderpädagogen, die an Grundschulen unterrichten, erhalten dieses Gehalt – ohne Leitungsverantwortung. «Fast 18 Monate Ankündigungspolitik des Kultusministers haben dazu geführt, dass sich nichts verändert hat», kritisierte Försterling.

Die Besoldung für Grundschulleiter müsse auf A14 erhöht werden. Zudem müsse es mehr Entlastung von der Unterrichtsverpflichtung geben. Und die Möglichkeit, eine Leitungsstelle auch in Teilzeit zu besetzen. «Warum sollen sich nicht zwei Lehrkräfte so einen Posten teilen können?», fragte Försterling.

Ähnlich sehen das Verbandsvertreter. So verweist der Landesvorsitzende Franz-Josef Meyer vom Verband Bildung und Erziehung darauf, dass die Nachbarländer Hamburg und Nordrhein-Westfalen unabhängig von der Größe der Grundschule den Leitern A14 zahlen. Niedersachsen aber sitze den Mangel aus. «Mit einer Besoldung von A13 locken sie keinen hinter dem Ofen hervor. Die Schulleitung muss sich finanziell von einem Normallehrer abheben», sagte Frank Stöber, Vorsitzender des Schulleitungsverbandes Niedersachsen. Außerdem müsse das Land endlich das Berufsbild des Schulleiters in einer festgelegten Stellenbeschreibung definieren. Denn derzeit landeten alle möglichen Aufgaben, für die die Zuständigkeit nicht geklärt sei, auf dem Tisch des Schulleiters. dpa

Kein Einzelfall – Grundschule seit sieben Jahren ohne Schulleiter – Verband fordert 1000 Euro mehr im Monat

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1 KOMMENTAR

  1. “Denn derzeit landeten alle möglichen Aufgaben, für die die Zuständigkeit nicht geklärt sei, auf dem Tisch des Schulleiters.”
    … und jeder lädt noch etwas ab und lässt SL und Schulen damit allein, die alles selbst lösen und tagtäglich ausbaden müssen.

    Die hoch gelobte Entlastung besteht darin, dass die Akten für die Vertretungskräfte (=pädagogische MitarbeiterInnen) nun doppelt geführt und zusätzlich Hinweise dazu an die Behörde geschickt werden müssen, einschließlich der Krankmeldungen (stets zeitnah, auch in den Ferien).

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