Mobbing-Ritual, bei dem Opfer zu Tätern wurden, unter Zehn- und Elfjährigen aufgeflogen

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SCHWERIN. Ein Fall von sexualisiertem Mobbing erschüttert Mecklenburg-Vorpommern: Über mehrere Jahre sollen Sechsklässler Jüngere mit einem «Ritual» traktiert haben. Mobbing ist ein Problem an Schulen – bundesweit und landesweit, sagen CDU und SPD. Sie holen das Thema in den Landtag.

Wie kommen Kinder darauf, Jüngere systematisch zu quälen? Foto: Shutterstock

Ein schwerer Fall von Mobbing hat sich an einer Regionalschule in Crivitz (Landkreis Ludwigslust-Parchim) ereignet. Über einen Zeitraum von vier Jahren sollen rund 30 Schüler daran beteiligt gewesen sein. Das Bildungsministerium in Schwerin bestätigte einen entsprechenden Bericht der «Ostsee-Zeitung». Sechstklässler sollen danach Fünftklässler mit sogenanntem «Stängeln» gequält haben. Vier bis fünf Jungen der sechsten Klasse sollen dabei einen Fünftklässler hochgehoben und den Schritt des Kindes an einem Baumstamm gerieben haben. Die Mehrzahl der Opfer sei im kommenden Schuljahr selbst zum Täter bei diesem «Ritual» geworden.

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Nach einer Anzeige der Schule ermittelte zunächst die Staatsanwaltschaft Schwerin. Die Ermittlungen seien zu Jahresbeginn jedoch eingestellt worden, sagte eine Sprecherin. Ein Kind sei befragt worden, habe aber keine Namen von Tätern genannt. Sie wären ohnehin strafunmündig gewesen. Die Rostocker Rechtsanwältin Gesa Stückmann ist Expertin für Mobbing. Sie sagt gegenüber der «Ostsee-Zeitung»: „Strafrechtlich werden Jugendliche erst ab 14 Jahren verfolgt. Aber auch Kinder sind für ihre Taten verantwortlich. Zivilrechtlich abgemahnt werden können bereits Zehnjährige.“

Verantwortung der Eltern

Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD) verwies auf zahlreiche Projekte gegen Mobbing in der Schule. Sie sehe aber auch die Eltern in der Verantwortung, genauer hinzusehen, sagte sie. «Sie müssen ihren Kindern aufzeigen, wann sie Grenzen überschreiten.» In der Schule werde vor allem auf Prävention gesetzt, damit Mobbing und Gewalt gar nicht erst entstehen. Ministeriumssprecher Henning Lipski ergänzte: «Es ist wichtig, dass über Mobbing gesprochen und den Schülern vermittelt wird, dass das nicht geht.»

Der Landtag befasst sich am Freitag mit Mobbing in der Schule. Die Angebote sollen besser koordiniert werden. CDU und SPD fordern in ihrem Antrag eine ganzheitliche Anti-Mobbing-Strategie an den Schulen. «Das Bildungsministerium ist in der Pflicht», sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende Vincent Kokert. Mobbing in der Schule sei ein verbreitetes Phänomen. «Es gibt haarsträubende Geschichten.» Nötig seien etwa Vertrauenslehrer und psychologische Hilfe. In Crivitz werde nun noch einmal ein Schulpsychologe an die Schule entsandt, sagte Ministeriumssprecher Lipski. dpa

“Schulen dürfen keine Angsträume sein”: Tod einer Grundschülerin löst Debatte über Mobbing aus

 

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