Darf man Väter rügen? Wirbel um Palmers Erziehungstipps auf einem Spielplatz

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TÜBINGEN. Ein Kind weint auf einem Spielplatz – und Boris Palmer zieht den Vater zur Verantwortung. Dafür erntet Tübingens Rathauschef Kritik – aber auch Zustimmung.

Ist eingeschritten: Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer. Foto: Bündnis 90/Die Grünen Baden-Württemberg / flickr (CC BY-SA 2.0)

Mit seiner Einmischung in die Erziehung eines Zuwandererpaares hat Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) einmal mehr für Aufsehen gesorgt. «Ich bin mir ziemlich sicher, dass man Eltern, die wenige Jahre hier leben, erklären muss, wie Erziehung bei uns funktioniert», sagte der Grünen-Politiker. Sobald Kindern physisch oder seelisch schwerer Schaden angetan werde, müsse man sich einmischen. Applaus bekam der 46-Jährige dafür vom Kinderschutzbund.

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Palmer hatte auf Facebook eine Diskussion mit mehr als 700 Kommentaren ausgelöst, weil er die Erziehung des Paares auch in einen kulturell bedingten Zusammenhang setzte. Demnach hatte Palmer auf einem Spielplatz einen Mann beobachtet, der einen rund zweijährigen Jungen immer weiter schaukelte, obwohl das Kind weinte und schrie. Die Mutter im schwarzen Kopftuch und Umhang habe zugeschaut, schrieb Palmer. Der Oberbürgermeister forderte den Mann auf, das zu beenden – was dieser getan habe.

Die Kritik folgte prompt: «Dem Typen ist echt nicht mehr zu helfen. Hätte Angst um unsere Kinder, wenn Leute wie Palmer sie erzögen», twitterte die Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli (SPD). Die Geschäftsführerin des Deutschen Kinderschutzbundes, Cordula Lasner-Tietze, hingegen lobte Palmer für sein Einschreiten. «Wir brauchen Aufklärung und beherztes Eingreifen, damit Alternativen in der Erziehung aufgezeigt werden», sagte sie im Gespräch.

«Die Eltern waren erkennbar der Meinung, das schreiende Kind soll so lernen, mit der Angst umzugehen. So erzieht man Jungs zu harten Männern», sagte Palmer. Er interpretiert das als Methode der sogenannten schwarzen Pädagogik. Diese sei weder christlich noch muslimisch, aber ziemlich schlimm für die Kinder. «Wenn wir uns einig sind, dass das bei den Nazis falsch war, warum sollte es dann heute nicht möglich sein, es bei Einwanderern auf dem Spielplatz falsch zu finden?», so der Oberbürgermeister.

Den Begriff der schwarzen Pädagogik prägte Katharina Rutschky Ende der 1970er Jahre. Lasner-Tietze zufolge steht er im landläufigen Gebrauch für einen autoritären Erziehungsstil. Dieser ist ihrer Meinung nach aber nicht auf eine kulturelle Gruppe beschränkt. «Der Glauben, dass Kinder für das Leben gewappnet sind, wenn sie einmal ihre Angst überwinden, ist leider noch weit verbreitet», sagte Lasner-Tietze. dpa

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4 KOMMENTARE

  1. Dass Frau Chebli es im Licht ihrer eigenen Kultur völlig normal findet, wenn Väter ihren Zweijährigen ängstigen bis zum Schreien, ist verständlich. Und dass sie Angst vor Leuten kriegt, die in typisch schwäbischer Direktheit de Leut saget was bei uns gaht ond was net – nun, angeblich sei in arabischen Gesellschaften Gesichtsverlust das schlimmste und empörendste, was einem passieren kann.
    Wäre ihr Tweet milder ausgefallen, wenn der Schwabe SPD-Mitglied gewesen wär?

    • Ohne ihre eigene Kultur wäre Frau Chebli nicht in die (eigens für sie geschaffene) Position gekommen, die sie innehat. Was sie den ganzen Tag so macht, weiß man nicht so genau.

      • Sie wissen wirklich nicht genau, was Frau Chebli den ganzen Tag macht?? Ja wissen Sie denn, was der Beamte in deren Nachbarzimmer genau macht?
        Ich meine, so billige … Aussprüche können entfallen.

    • Wenn die Erziehung von kleinen Jungs zu “harten Männern” bei den Nazis falsch war, dann kann sie ja wohl nicht bei anderen sog. “Kulturen” richtig sein. Das hat doch Palmer ganz richtig beschrieben. Dasselbe betrifft Sprüche wie “Prügel haben noch keinem geschadet” usw. Gab es nicht mal eine UN-Konvention zur gewaltfreien Erziehung von Kindern? Welche Staaten haben die unterzeichnet? Und welche beherzigen sie?

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