Lehrer beklagen Motorik-Schwächen ihrer Schüler – Forscher bestätigen das: Viele Kinder können nicht mal mehr einen Purzelbaum

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BERLIN. Die aktuelle Lehrer-Umfrage des VBE und des Schreibmotorik Instituts zum Thema Handschreiben (News4teachers berichtete) wirft vor allem eine Frage auf: Wenn es stimmt, dass die Schreibfertigkeiten der Schüler abnehmen – was ist dann die Ursache? Aktuelle medizinische Studien stützen den Befund, dass die motorische Entwicklung der Kinder und Jugendlichen in Deutschland immer schlechter wird. Das hat offenbar mit ihrer sich radikal verändernden Lebenswelt zu tun.

Jedes siebte Kind in Deutschland ist zu dick. Foto: Shutterstock

Purzelbaum? War früher für gesunde Kinder eine Selbstverständlichkeit. Das ist er heute keineswegs mehr. „Die Rolle vorwärts wird tatsächlich in vielen Bundesländern nicht mehr gelehrt“, so berichtet Swantje Scharenberg, Leiterin des Forschungszentrums für den Schulsport und Sport von Kindern und Jugendlichen (FoSS), gegenüber der „taz“. „Auch aus der Kinderturnausbildung ist sie verschwunden. Die Begründung: Die Armkraft vieler Kinder reiche nicht aus, um ihr zu hohes Körpergewicht zu halten. Dadurch steige die Verletzungsgefahr.“

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Gleichzeitig erleben Lehrkräfte, dass die motorischen Voraussetzungen zum Schreibenlernen in der Schülerschaft schlechter werden. In der aktuellen Umfrage von VBE und Schreibmotorik Institut zum Thema Handschreiben meinen zwei von drei Lehrkräften, dass sich die Grobmotorik der Kinder „verschlechtert“ oder sogar „sehr verschlechtert“ habe. Neun von zehn Lehrkräften sind jeweils der Ansicht, dass sich die Feinmotorik und die Schreibmotorik „verschlechtert“ oder sogar „sehr verschlechtert“ habe.

Mit dieser Einschätzung dürften die Pädagoginnen und Pädagogen richtig liegen – denn eine Langzeit-Studie zur Kindergesundheit weist in eine ähnliche Richtung. Neueste Erkenntnis des „Motorik-Moduls“: Im Alltag bewegen sich Kinder und Jugendliche immer weniger (News4teachers berichtete). Obwohl so viele Schüler wie nie zuvor in Sportvereinen engagiert seien, könne dies den Bewegungsmangel im Alltag nicht ausgleichen, heißt es.

Sitzender Lebensstil – in der Schule wie zu Hause

Der Studie zufolge sank die körperliche Alltagsaktivität in der Altersgruppe der 4- bis 17-Jährigen in den vergangenen zwölf Jahren um 37 Prozent und damit um 31 Minuten pro Woche. „Ein großes Problem ist der sitzende Lebensstil. Die Kinder und Jugendlichen sitzen immer länger in Klassenräumen und am Schreibtisch. Auch den Abend verbringen viele Familien auf dem Sofa vor dem Fernseher. Eine Folge: Weniger als ein Drittel der Kinder und Jugendlichen schafft die Bewegungsempfehlung von mindestens 60 Minuten pro Tag“, so erklärt die Sportwissenschaftlerin Swantje Scharenberg. Andersherum: Jedes siebte Kind in Deutschland ist übergewichtig, jedes 20. sogar fettleibig, wie das Robert-Koch-Institut in seiner Studie zur Kindergesundheit (KiGGS) ermittelt hat.

Klar, so werden nun viele meinen – die Digitalisierung bannt die Kinder vor den Bildschirmen. Überraschenderweise scheint die mittlerweile fast flächendeckende Verbreitung von Tablets und Smartphones gar nicht so viel mit dem grassierenden Bewegungsmangel zu tun zu haben. Zwar steigt der Medienkonsum. Erstaunlicherweise hängen körperliche Aktivität und Mediennutzung aber nicht direkt miteinander zusammen. Heißt: Kinder, die weniger daddeln, surfen oder in sozialen Medien unterwegs sind, bewegen sich nicht zwangsläufig mehr, fanden die Forscher heraus.

Tatsächlich scheint der Wandel der die Kindheit prägenden Kultur in den vergangenen zwei, drei Jahrzehnten umfassender zu sein, als dass „nur“ die Digitalisierung über die Familien hereingebrochen wäre.

Leichter und flüssiger schreiben dank ergonomischem Füller

Mama Sabine und Tochter_STABILO EASYbirdy: „Der Füller liegt super gut in der Hand.“ Foto: privat

Die überwiegende Mehrheit der Lehrerinnen und Lehrer in Deutschland stellt fest, dass sich die Handschrift der Schülerinnen und Schüler verschlechtert hat.

Ein ergonomischer Füller kann Kinder unterstützen, ihre Schreibfähigkeiten zu verbessern. Deshalb hat STABILO die Schulfüller STABILO EASYbirdy und STABILO EASYbuddy entwickelt. Denn: für ein sauberes Schriftbild ist auch die Wahl des Schreibgeräts entscheidend.

 Weitere Informationen gibt es hier.

„Die städteplanerischen Entwicklungen führen zu einer zunehmenden Zersiedelung der Wohnräume. Natürlich gewachsene Wohnbereiche finden sich häufig nur mehr in kleinen Landgemeinden. Diese Zersiedelung bringt eine Verinselung der Menschen mit sich, die einen Zwang zu permanenter Mobilität nach sich zieht. Man benötigt das Auto, den Bus, die Straßenbahn, um den Arbeitsplatz, den Kindergarten, die Schule oder Geschäfte und Praxen zu erreichen. Auch die prinzipielle Dauer der Wohnansässigkeit an einem Ort sinkt, und dies hat Auswirkungen auf die sozialen Kontakte“, so heißt es in dem Beitrag „Veränderte Kindheit“ des Kita-Handbuchs. „Diese Kennzeichen führen zu einer Verinselung des kindlichen Lebensraumes, denn auch Kinder sind zu permanenter Mobilität gezwungen. (…) Spielen wird zum Termingeschäft. Feste soziale Bindungen werden durch häufig wechselnde funktionsbezogene ersetzt.“

Darüber hinaus werden die natürlichen Spielräume der Kinder immer kleiner. „Wie oft sind nicht gerade die wenigen Grünflächen in den Innenstädten für Kinder gesperrt. Wir alle kennen Schilder wie ‚Rasen betreten verboten‘. Stattdessen organisieren Erwachsene eine künstlich ausgestattete Spielwelt für Kinder.“ Deren Alltag habe sich von außen nach innen verlagert. „Wurde früher die nähere und weitere Umgebung der elterlichen Wohnung, die Straße als Spiel- und Erlebnisraum genutzt, ist es für die heutigen Kinder die elterliche Wohnung. Damit sind kindliche Erlebnisräume stark abhängig von der Art der Wohnverhältnisse.“

Mit mehr Aufmerksamkeit zu Hause dürfen die lieben Kleinen allerdings kaum rechnen: Immer häufiger arbeiten beide Elternteile, so dass die Familienzeit, wie sie früher üblich war, abnimmt. Zeitdruck in den Familien, hoher Medienkonsum, Bewegungsmangel – das alles hat Folgen. „Nicht selten zeigen heutige Kinder Verhaltensauffälligkeiten, deren Ursache in sozialen Problemen, psychischen Störungen oder körperlichen Erkrankungen und Beeinträchtigungen als Folge der veränderten Lebensumstände liegen“, so heißt es in dem Beitrag.

Konkret wird aufgelistet:

  • „Auffälligkeiten im emotionalen Bereich wie Stresssymptome, Angst, Unsicherheit, Ersatzbefriedigungen,
  • Auffälligkeiten im sozialen Verhalten von Kindern wie Distanzlosigkeit, Kontaktarmut,
  • Auffälligkeiten und Störungen im Wahrnehmungs- und Leistungsbereich wie Konzentrationsschwächen,
  • körperliche Auffälligkeiten wie Bewegungsarmut und Bewegungsstörungen, die zu einer körperlichen Unsicherheit bis hin zu erhöhter Unfallgefährdung führen können.“

Oder eben, so möchte man anfügen, zu fein- und schreibmotorischen Schwächen.

Nicht nur der Purzelbaum stirbt aus – auch das Fahrradfahren leidet. In Baden-Württemberg führt das zu der Konsequenz, dass das seit Jahrzehnten übliche Radfahrtraining von Grundschülern auf öffentlichen Straßen im neuen Schuljahr ab Herbst verboten sei, wie der „Südkurier“ aktuell berichtet. Die unsicheren Viertklässler sollen künftig zunächst auf gesonderten Verkehrsübungsplätzen mit dem Fahrrad vertraut gemacht werden, damit sie nicht zu Schaden kommen. Das Problem: Die teuren Plätze müssen erst gebaut werden. Agentur für Bildungsjournalismus

Hier lässt sich die vollständigen Studie zum Thema Handschreiben des VBE und des Schreibmotorik Instituts herunterladen.

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

Defizite bei Schreibkompetenzen mit digitalem Stift analysieren

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3 KOMMENTARE

  1. Wo besteht eine motorische Verbindung in der grobmotorischen Ausführung eines Purzelbaumes und den feinmotorischen Übungen zum Erlernen einer verbundenen Schreibschrift ?

    Gemeint ist doch wohl eher die Unfähigkeit vieler Schüler, sich konzentriert mit Malkreide, Buntstiften und Wachsmalstiften über einen längeren Zeitraum malend auseinander zu setzen, dabei die richtige Schreibstifthaltung einübend vermittelt bekommen zu haben und somit eine eigene Kreativität entwickelt zu haben, Dinge der eigenen Umgebung selbständig mit den eigenen Mitteln abbilden zu können.
    Derartige feinmotorische Übungen kann man zu Hause und im Kindergarten vorher der schulischen Phase, aber auch weiter in dieser noch praktizieren, ohne dass man auf vorgefertigte Schablonen zur malerischen Gestaltung zurückgreift.

    Hinderlich erscheinen beim Erlernen einer verbundenen Handschrift aber eher bestimmte Schrifttypen, die im Bewegungsablauf der geschriebenen Kleinbuchstaben gar keine dieser miteinander zu einer Verbindung ermöglichen, wie dies bei der Druckschrift oder der Grundschrift der Fall ist.
    Oder es fehlt einer Schrift an der Bindung an eine orientierende Grundlinie, wie bei der Vereinfachten Grundschrift, die zusätzlich durch schwer umsetzbare, aufstrichartige Verbindungen, gar keinen gleichmäßigen Schreibfluss in Silben ermöglichen.
    Zwar gelingt dem Menschen das optische Erfassen geometrischer Formen einfacher, allerdings gestaltet es sich schon schwieriger diese geometrischen Formen formstabil schreibmotorisch abzubilden.
    So gelingt den meisten Schreibnovizen das Ziehen einer geraden Linie nur mit Hilfe eines Lineals, wohingegen organische, runde Formen, sich motorisch einfacher im Bewegungsablauf vermitteln lassen.
    Tritt dann noch die verkorkste Pädagogik einer selbst organisierten Alphabetisierung und der eigenständigen Entwicklung der Buchstaben durch einfaches Abmalen hinzu, so sind keine Wunder zu erwarten, denn es ist nicht egal , in welcher Richtung der Bewegungsablauf der vorher selbständig erlernten Kleinbuchstaben sich angeeignet wurde, so man diese Buchstaben zur Entwicklung einer flüssigen und gut lesbaren Handschrift verwenden möchte.
    Dann ist eben wieder ein Umlernen erforderlich, ein vorher gelerntes Wissen kann somit nicht aufbauend verwendet werden, der Lernrhythmus wird unterbrochen, die Schüler werden zurückgeworfen und erlernen die Schrift erneut. Benachteiligt sind dann Kinder mit feinmotorischen Problemen, mit Aufmerksamkeitsstörungen, visuellen Wahrnehmungsstörungen und vielen anderen Beeinträchtigungen.

  2. Zum Verkehrsunterricht:
    In Bayern findet der Verkehrsunterricht seit Jahrzehnten auf geschützten Verkehrsübungsplätzen satt. Es ist ein richtiges Programm, das wir durchziehen – erst im Klassenunterricht die Theorie, auf dem Verkehrsübungsplatz unter Anleitung von einem Polizisten die Praxis. Das ist auch gut so, denn das richtige Rechts- und Linksabbiegen, was Umschauen und Handzeichen (einhändiges Fahren) beeinhaltet, das richtige Einordnen, Verhalten in der Einbahnstraße und in Straßen ohne und mit Verkehrsschildern, das richtige Anfahren vom Fahrbahnrand, das Beachten von Vorfahrsregeln will gelernt und geübt sein, ohne dass man zuerst auf Autos achten muss. Es ist schon Herausforderung genug, auf andere Fahrräder auf dem Verkehrsübungsplatz zu achten. Ich wundere mich, dass es Städte wie Waldshut bis jetzt verantwortet haben, auf öffentlichen Straßen mit Autoverkehr diese schwierigen Dinge zu üben.
    Natürlich muss so etwas erst im Schonraum geübt werden und in der Theorie gelernt werden. In Bayern haben wir zum Schluss eine gelenkte Praxiseinheit im Realverkehr. Bei uns können die Kinder noch Fahrradfahren und sie brennen darauf, endlich nach bestandener Fahrradprüfung mit dem Fahrrad zur Schule fahren zu können. Ein solider Verkehrsunterricht hilft Unfälle zu verhindern und die Statistiken beweisen dies!

  3. Zum “Purzelbaum”:
    Es ist tatsächlich so, dass Kinder empfindlicher geworden sind. Wenn ich die Rolle vorwärts mit der Klasse langsam in Schritten, wie es vorgesehen ist, einübe, klagen dennoch einige Kinder über Rücken- bzw. Nackenschmerzen, obwohl sie alles beachtet haben. Sie sind es nicht mehr gewohnt, den Rücken rund zu machen und die ungewohnte Bewegung verusacht Schmerzen.

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