Scheeres versetzt ihren Schul-Staatssekretär Rackles überraschend in den Ruhestand

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BERLIN. Offenbar gab’s hinter den Kulissen einen großen Knall: Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) trennt sich von ihrem langjährigen Staatssekretär Mark Rackles. Der 52-Jährige werde in den einstweiligen Ruhestand versetzt, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Montag aus Koalitionskreisen.  In der Senatssitzung am Dienstag will Scheeres bereits einen Vorschlag für die Nachfolge präsentieren.

Wird kaltgestellt: Staatssekretär Mark Rackles. Foto: SPD Berlin

Aus der Bildungsverwaltung hieß es, die Trennung erfolge in beiderseitigem Einvernehmen. Beide Politiker seien zu dem Schluss gekommen, dass es nach siebeneinhalb Jahren guter Zusammenarbeit nunmehr an der Zeit für eine Neuorientierung sei. Die heftigen bildungspolitischen Debatten der letzten Zeit, etwa um das Thema Lehrerverbeamtung, sollen dem Vernehmen nach dabei keine Rolle gespielt haben.

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Rackles übte das Amt seit Dezember 2011 aus. Er war in Scheeres’ Verwaltung für den Bildungsbereich zuständig und galt dort als Fachmann, während die Staatssekretärin Sigrid Klebba den Bereich Jugend und Familie verantwortet.

Bis 2018 war Rackles, der als Partei-Linker gilt, stellvertretender SPD-Landesvorsitzender. Nach rund acht Jahren kandierte er beim Parteitag im Juni 2018 nicht erneut. Er verband seinen Abgang seinerzeit mit heftiger Kritik am Zustand der Hauptstadt-SPD, ihren Strukturen und ihrem Vorsitzenden, Regierungschef Michael Müller. Die Führungsstrukturen seien von «Mehltau» befallen. Rackles sprach zudem von «inhaltlicher Entkernung und personellen Stillhalteabkommen» zwischen den Flügeln.

Rackles ist seit dem Start des rot-rot-grünen Senats Ende 2016 nicht der erste Staatssekretär, der die Segel streichen muss. Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) trennte sich erst im Februar von Henner Bunde, der ein CDU-Parteibuch hat.

Im Dezember 2018 zog Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos/für die Grünen) Unmut auf sich, weil sie ihren erkrankten Verkehrs-Staatssekretär Jens-Holger Kirchner in den einstweiligen Ruhestand versetzen ließ. Im selben Monat feuerte Gesundheitssenatorin Dilek Kolat (SPD) ihren Staatssekretär Boris Velter. dpa

 

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3 KOMMENTARE

  1. Wie bei allen Scheidungen Hollywoods auch: alles beste Freunde.
    Darf man erfahren, was Rackles inhaltliche Anliegen waren? falls das wichtig ist.

    • Der “Tagesspiegel” schreibt dazu u.a.: “Wer in Berln an Bildung interessiert ist, ging davon aus, dass der Partei-Linke der strategische Kopf der Bildungsverwaltung war. Während Behördenchefin Scheeres sich vornehmlich bei Fototerminen zeigt, musste er an allen Fronten als Problemlöser kämpfen”.
      Die “Berliner Zeitung” schrieb u.a.: “Andererseits galt Rackles nicht wenigen Schulleitern und der Opposition als Protoyp einer ideologisch getriebenen SPD-Bildungspolitik. Für Gemeinschaftsschulen und gegen Gymnasien, als jemand, der Parteifreunde auch auf Leitungsposten protegierte.”
      Es heißt auch, Scheeres sei eine Vertraute vom Regierungsschef Müller, und Rackles galt als parteiinterner Kritiker von Müller.
      Tja, das sieht doch so aus, als sei der “linke” Staatssekretär fähiger als seine “gemäßigte” Chefin. Sowas kann nicht lange gutgehen. Kann Berlin eigentlich stolz sein auf seine Bildungspolitik?

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